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für den
# Der Kanzler.
Die Volkszeitung, ein Organ des äußersten linken Flügels der Fortschrittspartei, das nun schon recht lange — schon seit zwanzig Jahren — an dem Sturz des Kanzlers arbeitet, glaubt endlich, daß seine Stunde geschlagen: Fürst Bismarck habe auf dem Gebiete der auswärtigen Politik, nämlich im Kampfe mit Rom, eine Niederlage erlitten, und diese Niederlage müsse nun endlich dem Volke über den Unwerth und die Unzuläng lichkeit des Kanzlers die Augen öffnen; denn gerade auf dem Gebiete der auswärtigen Politik sei er bis zuletzt und auch dann noch, wo man über seine „sreiheitsfeindliche" innere Politik schon längst den Stab gebrochen, für unfehlbar gehalten worden, und nun sehe das Volk, daß es mit seiner auswärtigen Politik — auch nichts sei. Das Blatt erhofft, daß dem deutschen Volk aus jener Niederlage noch viel Segen erwachsen werde: denn es werde sich nunmehr ganz von ihm abwenden, und dann könne das Volk — ohne Rücksicht aus ihn — an der Sicherung seines Rechtes der „Selbstbestimmung" arbeiten.
Das deutsche Volk hat bisher nicht auf die Stimme der Volkszeitung und ihrer Hintermänner gehört — denn wie könnten sonst die Verehrung, Liebe und Begeisterung für den großen Staatsmann und sein Werk in so hohem Maße vorhanden sein, als es thatsächlich überall im ganzen deutschen Reich der Fall ist —, und so ist auch jetzt nicht die geringste Gefahr vorhanden, daß das Volk auf das fortschrittliche Orakel — trotz der von ihm versuchten Beweisführung — hören wird.
Man könnte also getrost den Artikel der Volkszeitung bei Seite legen, wenn er nicht ein charakteristischer Beleg für die Gesinnung wäre, von der sich die Fortschrittspartei in ihrem Kampfe gegen den Kanzler leiten läßt. Alle diejenigen, welche dem Kanzler treu zur Seite stehen, werden in ihrer Gesinnung verdächtigt und angegriffen. Alles, was Fürst Bismarck für das deutsche Volk gethan, hat nur eben das deutsche Volk gethan. Der Kanzler hat es nur systematisch seiner Freiheit zu berauben gesucht: er hat das Volk getäuscht und Viele haben sich. selbst getäuscht; doch fallen ihnen allmählich die Binden von den Augen, und die Volkszeitung erwirbt sich natürlich das Verdienst, dem Volke den Staar zu stechen und es hellsehend zu machen.
Das ist fortschrittliche Politik, — so sieht sie aus, nicht anders! Glaubt die Fortschrittspartei aber, daß sie hiermit Eindruck machen wird! meint sie, daß das deutsche Volk nicht die Beleidigung empfindet, die ihm mit einer solchen Charakteristik seiner selbst und des Kanzlers angethan wird?
Die Fortschrittspartei giebt sich als die Retterin und Vertheidigerin des Volkes aus, sie will sich an die Stelle setzen, die Lismarck bisher in dem Herzen des Volkes eingenommen hat. Darum gaukelt sie dem Volke allerhand trügerische Bilder von „Selbstbestimmung", „Freiheit", „Reaction", „Knechtschaft" vor! Meint sie denn, daß das deutsche Volk so wenig mündig und urtheilsfähig sei, um sich durch solche Trugbilder und durch angebliche Niederlagen in seinem Urtheil über den Mann wankend machen zu lassen, der sein ganzes Leben und Wirken seinem Könige und Volke gewidmet, vor dessen Politik und Thaten auch das Ausland bewundernd steht und die Geschichte stets dastehen wird?
Daß er sein Leben dem Könige gewidmet und nicht dem Volke, wie es von der Fortschrittspartei verstanden wird, das eben ist es, was ihm den Haß dieser Partei zuzieht. Aber das deutsche Volk hat aus den Erfahrungen der letzten zwanzig Jahre genügend gelernt, was im wirtlichen Interesse des wirklichen Volkes ist: nicht die Schmeicheleien und Verlockungskünste des Demagogenthums, sondern ein fortwährendes Wirken mit Gott für König und Vaterland! Hiervon zeugt des Kanzlers ge- sammte Politik, und gerade hierdurch hat er sich
einen Platz im Herzen des deutschen Volkes für alle Zeiten gesichert.
Was speciell seine Kirchenpolitik anbetrifft, so wird das Volk gewiß dereinst mit Dankbarkeit die Bemühungen anerkennen, welche er im Interesse der katholischen Mitbürger für die Wiederherstellung friedlicher Zustände bethätigt. Von einer Niederlage auf diesem Gebiete zu reden, ist noch lange nicht an der Zeit; gerade das neueste kirchenpo- litische Gesetz kann sich als das geeignete Mittel erweisen, auf der anderen Seite Concessionen her- beizuführen, die als ein Sieg zu betrachten sind, wenn wir auch sicher sind, daß die Oppositionspartei das gerade Gegentheil darausmachen wird. Am allerwenigsten sollte aber ein Blatt desjenigen Flügels der Fortschrittspartei, welcher für dieses Gesetz gestimmt und im Reichstage vor anderthalb Jahren dem Anträge Windthorst auf Aufhebung des Expatriirungsgesetzes zn einem parlamentarischen Siege verholten hat, von einer Niederlage des Kanzlers auf diesem Gebiete sprechen: denn deutlicher als hierdurch kann nicht bewiesen werden, daß die Fortschrittspartei weiter keine Aufgabe kennt, als aus allen Thaten des Kanzlers Anklagen gegen ihn zu schmieden. Eine solche Partei aber — deß sind wir gewiß — wird sich das deutsche Volk nun und nimmermehr zu seiner Retterin und Vertheidigerin erwählen, — einer solchen Partei wird und muß jeder billig denkende Mann, der nicht blind ist, den Rücken kehren!
Maische Nachrichten.
Deutschland.
Uebereinstimmenden Meldungen zufolge wird, wie die „Pol. Korr." berichtet, Kaiser Wilhelm am 7. August sich von Gastein nach Jschl zum Besuche des Kaisers und der Kaiserin von Oesterreich begeben. Der Minister des Aeußern, Graf
Der Reichskanzler Fürst Bismarck ist. von der Frau Fürstin Bismarck, dem Grafen Wilhem Bismarck und Dr. Schwenninger begleitet, am Sonnabend Abend in Kiffingen eingetroffen und von dem zahlreich versammelten Publikum freudigst mit Hochrufen begrüßt worden.
Der Viceadmiral Latsch ist unter Stellung a la suite des Seeoffizierkorps und Kontreadmiral Lerger als Viceadmiral zur Disposition gestellt worden.
Die Delegirtenversammlung des Cen- tratverbandes deutscher Industrieller wird in diesem Jahre am 15. und l6. September in Stuttgart abgehalten werden.
Aus der Provinz Posen wird gemeldet,daß dorthin zahlreiche Auswanderer vor kurzem aus Amerika zurückgekehrt sind, um ihre alte Beschäftigung aufzunehmen. Sie klagen über bittere Erfahrungen und Enttäuschungen und warnen namentlich Mittellose vor der Auswanderung, da solche Auswanderer unbarmherzig ausgebeutet würden.
Der Württembergische „Staatsanzeiger" meldet die Ernennung des Generatmajors Steinheil, Kommandeurs der 53. Infanterie-Brigade zum Kriegsminister.
Von einigen Mitgliedern der bayerischen Abgeordnetenkammer wird, wie die „DL Allg. Ztg." vernimmt, beabsichtigt, die Frage der Verstaatlichung der Eisenbahnen in der Pfalz bei dem. bevorstehenden Landtage durch einen hierauf bezüglichen Antrag in Anregung zu bringen., Es soll dies unmittelbar nach dem Wiederbeginne der Thätigkeit der Kammern zu Ende September geschehen.
Frankreich.
Das „Journal Officiel" veröffentlicht die Daten über den auswärtigen Handel Frankreichs in den
ersten sechs Monaten des Jahres 1883. Der Import fremder Waaren hat die Summe von 2418 Millionen Francs erreicht, während die Ausfuhr eigener Erzeugnisse nur 1689 Millionen betrug. Die französische Handelsbilanz im ersten Semester 1883 war also mit 729 Millionen passiv, ein Verhältniß, wie es gleich ungünstig in den letzten acht Jahren nicht dagewesen ist. Im ersten Semester 1882 betrug die Passivität nur 632 Millionen, sie ist also um beinahe 100 Millionen gestiegen. Von der Einfuhr des ersten Halbjahres 1883 entfielen 772 Millionen auf Nahrungsmittel, 1173 Millionen auf Rohproducte, 330 Millionen auf ausländische Fabrikate und 143 Millionen auf andere Waaren. Von der französischen Ausfuhr des gleichen Zeitraumes entfallen 411 Millionen auf Nahrungsmittel, 236 Millionen auf Rohproducte, 858 Millionen auf Industrie-Erzeugnisse und 94 Millionen auf verschiedene Waaren. Die Lebensmitteleinfuhr ist gegen die gleiche Periode des Vorjahres um 23 Millionen, jene von Rohprodukten um 41,6 Millionen und die Einfuhr fremder Fabrikate um circa 4,5 Millionen Francs gestiegen. Am empfindlichsten gestaltet sich der Ausfall von circa 50 Millionen Francs bei der Ausfuhr französischer Industrie-Artikel, und nachdem dieser Export con« stantzurückgeht, begreift man das fieberhafte Streben der Franzosen, ihrer Industrie neue Absatzgebiete zu eröffnen.
England.
Wie es heißt, wird ein Theil der englischen Okkupationsarmee infolge des AuSbruchs der Cholera aus Egypten zurückgezogen und nach Cypern überführt werden.
Egypten.
Bis den 28. d. Mts. früh 8 Uhr sind in den letzten 24 Stunden an der Cholera gestorben: in Damiette 11, in Ghizeh 24, in Zifteh 12, in Chi- bin-eUKum 92, in Mehallet 58, in Tautah 29, in Mitgmar 37, in Dagadoud 13, in der Provinz Galliubieh 20, in der Provinz Menufieh 39 Personen. — Auch in Alexandrien sind am 28. d. M. mehrere Choleraerkrankungen vorgekommen, eine der erkrankten Personen ist gestorben.
Aus Kairo wird unterm 28. Juli gemeldet: In den letzten 24 Stunden bis heute früh haben die Cholerasterbefälle in dem Stadtviertel Bulak erheblich abgenommen.
AuS Hessen-Nassau.
A Hersfeld, 30. Juli. Fürst Bismarck verweilte vorigen Sonnabend auf seiner Reise nach Kiffingen kurze Zeit in P e b r a. Derselbe kam um vier Uhr des Nachmittags mit dem Schnellzug von Göttingen und fuhr dann über Eisenach weiter. In seiner Begleitung befanden sich außer der Fürstin Lismarck noch zwei Herren.
* Gegen Mitte August findet zu Cassel im Hotel Prinz Friedrich Wilhelm der vierte Ver- bandStag deutscher selbstständiger Buchbinder und Fach genossen statt. Die An- Meldungen zur Theilnahme werden bis zum 5. August an die Adresse des Herrn M. Leist zu Casfel mit gleichzeitiger Einsendung eines Kostenbeitrags von 2 M. erbeten, wogegen die Theil- nehmerkarten frei zugesandt werden.
* (W arnu n g.) Seit einiger Zeit wird von Belgien aus sogenannter „Antwerpener Schlacht- Haustalg" angeboren, welcher um etwa 1—l*/a Mark pro Zentner billiger ist, als reiner Talg. Derselbe zeigt im Geruch und Aussehen keinen merklichen Unterschied von gutem Talg, ist aber für die meisten Zwecke werthlos. Für Gerbereien eignet er sich nicht, weil er zu weich ist und das Leder durch- dringt, fürMaschinentalg ist sein Schmelzpunkt zu niedrig (33-35°C.), für Seifenfabrikation ist er ebenfalls ungeeignet, weil ihm das werthvolle Stearin