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vor Freude und gleichzeitig schnürte ihr doch auch Angst das Herz schier zusammen.

Einer der Schiffsoffiziere half den Damen an's Land steigen, sie waren die einzigen Passagiere, welche auf la Compte das Schiff verließen.

„Können wir ein Boot haben, das uns nach Sandy-Jsland bringt?" — fragte Miß Agrippina den Hafenmeister, der gleichfalls ein Neger war.

„O ja, Miß Aggravater, Sie können gleich dieses hier haben" — entgegnete der Gefragte, welcher die gestrengen Züge Miß Gripp's auch durch den Schleier sofort erkannt hatte.

„Ein Inkognito ist hier nicht gut ausrechtzuhal- kn, das schwarze Volk hat ein zu treues Physiog- nomiegedächtniß" — sagte das alle Fräulein fran­zösisch zu Gloria. — Und gegen den Hafenmeister gewendet, fuhr sie fort: „Unsere Dienerschaft und das Gepäck lassen wir indessen hier bei Euch, bis wir von Sandy-Jsland zurückkommen."

„Wir könnten es aber vielleicht doch unterdessen in's Kastell nach Piraten-Eiland bringen?" — meinte der Alte — „und" —

Ein kurzes herrisches „Nein", von entsprechendem Stirnrunzeln begleitet, zwang ihn jedoch in Mitte seiner Rede abzubrechen.

„Jessie, Du hast jetzt nichts weiter hier zu thun" — befahl der Hafenmeister dem Fahnenmann — „rudere Miß Aggravater und die junge Herrin hinüber." t

Jessie hatte auch schon das Ruder in Handen und freute sich heimlich über die vielen Neuigkeiten, welche er den Damen aus dem Kastell zu erzählen wußte.

Das Boot stieß ab und schwamm langsam und sicher in der Richtung gegen Sandy-Jsland fort. Und nun als der Augenblick näher und näher rückte, welcher über Gloria's Zukunft zu entscheiden hatte, wurde es der Aermsten bang und immer banger zu Muthe. Die widerstreitendsten Gefühle bewegten ihre Brust: „Liebte er sie noch? Würde sie ihn sehen? Was mochte Granny Lindsay dazu sagen, wie er sich dieser ihrer freiwilligen Rückkehr gegen­über verhalte? Sollte sie ihn überhaupt auf San- dy-Jslaud finden? Und wenn er etwa krank wäre? O, mein Gott — am Ende gar todt!" — Der bloße Gedanke entsetzte sie derartig, daß sie sich wie zu Stein verwandelt fühlte. .

Diesem Augenblick war es vorbehalten, Gloria fühlen zu lassen, wie unaussprechlich sie ihren Gatten liebte, wie er ihr Alles und Alles war.

Hundert Fragen, die sie an den alten Neger richten wollte, drängten sich auf ihre Lippen, aber die Worte blieben in der Kehle stecken. Es wäre ihr unmöglich gewesen, in diesem Augenblick auch nur einen Ton von sich zu geben. In lautlosem Schweigen, das Auge unablässig auf den Punkt gerichtet, wo Sandy-Jsland aus dem Meere steigen mußte, ertrug sie die erwartungsvolle Bangigkeit, von der sie verzehrt wurde, noch am Leichtesten. „Du süßes kleines Jnselchen" — dachte sie bei sich — dich soll ich nun doch Wiedersehen!" — Und alle Bilder ihrer glücklichen Kindheit stiegen vor Gloria's Seele auf, je näher sie dem Wohnsitze David's kamen, desto peinigender wurde ihre Auf­regung. „Granny Lindsay! Die gute alte Frau, fünfzehn Monate habe ich sie nicht gesehen, seit jenem Weihnachtsabend, wo er, mein geliebter Da­vid, mich dem Wassertode entrissen hat." — Und ihr Herz drohte vor Freude zu zerspringen, daß sie in wenigen Minuten vielleicht schon die Stelle sehen würde, wo all' diese Theueren weilten. — „Wenn — wenn — sie nur gesund sind — und leben!" — Ein Schänder des Entsetzens überkam Gloria bei diesen Zweifeln und verscheuchte jede Empfindung von Glück.

Der alte Neger hatte indessen mit „Miß Aggra­vater", wie die Schwarzen von la Compte und Piraten-Eiland Miß Gripp umgetauft, beständig ein Gespräch anzubahnen gesucht. Die energischesten Versuche, an welchen es der geschwätzige Jessie nicht fehlen ließ, scheiterten jedoch an der starren Unzu- gänglichkeit, in welche sich Miß Gripp hüllte, da diese durchaus nicht wünschte, daß ihre Nichte vor­der Ankunft auf Sandy-Jsland irgend Etwas er­fahre, daß sie bis zur Stunde so ängstlich von der­selben geheim zu halten gesucht hatte.

Miß Gripp wie aus Stein gemeißelt, Gloria bleich wie der Tod und Jessie stets mit der Ver­suchung kämpfend, ob er nicht doch mit seinen Neuig­keiten anskramen sollte, so fuhren sie über die spiegelglatte See dahin. Endlich nahm der alte Fahnenhisser dennoch einen Anlauf und platzte heraus: „Miß Aggravater weiß vielleicht noch nicht einmal, was auf Sandy-Jsland —" (F. f.)

Vermischtes»

— Die deutsche Gesellschaft zur Ret- tung Schiffbrüchiger hat ihren Geschäfts­bericht über das Jahr 1882/83 herausgegeben, aus welchem hervorgeht, daß sich die Zahl der Mit­

glieder wiederum vermehrt hat. Das vierzigste Tausend ist bereits überschritten. In dem ver­flossenen Jahre wurden 97 Personen durch die ver­schiedenen Stationen gerettet. Dieses erfreuliche Ergebniß ermähnt von Neuem zu thätiger Mit- Hülfe, da sich mit den wachsenden Mitteln der Ge­sellschaft auch das Netz der Rettungsstationen weiter ausdehnen läßt.

— Coblenz, 12. Juli. In einem Geschäfte in der Rheinstraße war heute früh einer der An­gestellten mit Durchsicht der Morgenpost beschäftigt, als plötzlich die brennende Cigarre, welche er in der Hand hielt, mit heftigem Knall explodirte und das ganze Pult, an dem er stand, mit Asche und Cigarrenresten überschüttete. Wie sich bald heraus- stellte, hatte sich in der Cigarre eine Knpferhülse von der Größe einer kleinen Erbse befunden, die mit einer sehr kräftigen Sprengmasse gefüllt ge­wesen sein muß, denn die einzelnen dünnen Theilchen der Hülse hatten eine bedeutende Durchschlagskraft gezeigt. Eines derselben war tief in den wollenen Rock desRauchers eingedrungen, während das andere eine achtfach zusammengefaltete, lose in der Nähe liegende Zeitung durchschlagen hatte. Bei einer anderen Richtung der Sprengstücke hätte die schwerste körperliche Verletzung des Rauchers oder eines neben ihm Stehenden die Folge der Explosion sein können. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die Hülse bei der Fabrikation der Cigarre von dem betreffenden Arbeiter in der Absicht, irgend ein Unheil herbeizuführen, hineingelegt worden ist, und es steht zu wünschen, daß die Ermittelung des gewissenlosen Menschen gelingt.

— Berlin. Ein verschluckter Kirsch­stein hat, wie den „N. N." von betheiligter Seite mitgetheilt wird, in vergangener Woche das im zarten Alter stehende einzige Söhnchen der Familie Z., Linienstraße 137, dem Erstickungstode nahe gebracht. Gegenüber der Thatsache, daß leider bei fast allen Kindern die Unsitte herrscht, das Kernobst zu genießen, ohne sonderlich auf die Steine zu achten, verdient der Fall besondere Erwähnung. Das betreffende Kind hatte vor etwa acht Tagen Kirschen gegessen und einige davon mit den Stein­kernen verschluckt. Kurze Zeit nach dem Genuß klagte es über heftige Schmerzen in der Lunge und der hinzugezogene Hausarzt der Familie glaubte Symptome einer nahenden Lungenentzündung zu erkennen. Die beständigen Athmungsbeschwerden veranlaßten den Vater des Kindes, sich an einen hervorragenden Kinderarzt, den Geh. Rath Dr. Hennoch, zu wenden und dieser constatirte, daß sich ein fremder Körper in der Luftröhre des Knaben befinde. Die ängstlichen Eltern wollten anfangs von einer operativen Beseitigung dieses Athmnngs- hindcrnisses nichts wissen, bis endlich der Zustand des Kindes sich derart verschlimmerte, daß man den Erstickungstod befürchten mußte. Da endlich wurde der Kleine in das Kgl. Klinikum gebracht und bei der Operation der Trachotomie fiel ein lrockner, etwas aufgequollener Kirschstein aus der Luftröhre. Der kleine Patient befindet sich jetzt vollkommen auf dem Wege der Besserung, den vielen Anderen aber aus der kleine» und auch großen Welt sollte dieser Fall, der leicht eine recht traurige Wendung genommen hätte, zur Nachachtung dienen.

— Johannisburg, 19. Juli. (Eine 83- jährige Selbstmörderin.) Im Dorfe Mittel-Pogo- bien hat sich eine 83jährige Losmannswittwe mit einem Messer, welches sie sich von ihrer Tochter angeblich zum Auftrennen eines Kleidungsstückes ins Bette reichen ließ, den Bauch ausgeschnitten und ist in Folge dieser Verletzung erst am sechsten Tage nach qualvollen Leiden verstorben._ Lebens­überdruß und andauernde Krankheit dürfte die Ursache des Selbstmordes gewesen sein.

— Ab kühlen vor dem Bade. Ueber einen merk­würdigen Fall jähen Erblindens wird aus Linz berichtet: „Die Gemahlin eines dortigen hochgeach­teten Advokaten, eine junge, wegen ihrer Schön­heit vielgefeierte Dame, befand sich zum Wommer- aufenthalt in einem Curorte des Salzkammergutes. In der heißen Zeit pflegte sie täglich ins Bad zu gehen, wo sie sich als tüchtige und ausdauernde Schwimmerin vor den anderen Damen hervorthat. Bei der Abkühlung vor dem Bade oder bei der Abtrocknung nach demselben scheint sie jedoch mcht die nothwendige Vorsicht allgewendet zu haben, denn eines Tages kehrte sie mit einem Unwohlsein vom Bade zurück, das sich zu einer bösarUgen Kopfkrankheit verschlimmerte und die junge Frau in kaum 3 Tagen vollständig ihres Augenlichts beraubte. Heute ist sie wieder gesund und frisch, aber — blind. Ihr Gemahl brächte sie nach Linz, wo sie jetzt von einem Specialisten für Augen- krankheiten behandelt wird. Es ist Hoffnung vor­handen, daß das Uebel gänzlich geheilt werden und die unglückliche Frau, die sich übrigens mit bewundernswerther Resignation in ihr trauriges Schicksal fügt, ihr Augenlicht wieder erhalten wird."

I Aehnliche Fälle, welche zumeist durch die Fahr­lässigkeit der Menschen selbst verschuldet werden, sind nicht selten.

— La u b a n, 20. Juli. (Ueberfluß an Hasen.) Aus der Umgegend wird über den Schaden Klage geführt, welchen die übergroße Zahl Hasen tn diesem Jahre anrichtet. Von einem Krautfelde, welches mit 10 Schock Pflanzen besetzt war, blieb nur ein halbes Schock verschont. Einem Baum- schulcnbesitzer sollen die Hasen 10000 Stück gute Aepfelbäume vernichtet haben.

— Hirsch der g, 20. Juli. Am Sonntag wurden, wie die „Post a. d. R." meldet, in einem Dorfe durch einen Fabrikarbeiter und eine Frau in der Wohnung der letzteren zwei im Alter von fünf und sieben Jahren stehende Mädchen mit Schnaps so betrunken gemacht, daß sie besinnungs­los aus der Stube fortgetragen werden mußten. Das jüngere Mädchen ist nicht wieder zur Besin­nung gekommen und am Mittwoch infolge der Alkoholvergiftung gestorben. Das ältere Mädchen entging durch heftiges Erbrechen den verderblichen und gefährlichen Wirkungen des Schnapses.

— Friedland in Ostpreußen. Die Kreuz­ottern treten wie im vorigen so auch in diesem Jahre an vielen Orten in großer Menge auf. Dieselben scheinen sich »in den waldreichen Gegen­den in unserer Provinz immer mehr und mehr zu verbreiten. Bei Gelegenheit des Schulfestes in dem Dorfe Polzau wurden fünf dieser giftigen Reptile getödtet. In demselben Orte erschlugen Torfarbeiter beim Torfstreichen in einem Bruche an einem Tage 11 Kreuzottern. Einige dieser Schlangen hatten die ansehnliche Länge von 2^/^ Fuß. Leider wurde bei der Jagd auf diese Step« tile ein barfuß gehender Torfarbeiter von einer Schlange in den Fuß gebissen, der bald so stark anschwoll, daß ärztliche Hilfe schleunigst in An­spruch genommen werden mußte.

— New-Iork, 24. Juli. Während heute eine große Anzahl Vergnügungsreisender in Balti­more auf dem Damm des Patapscofluffes die Ankunft eines Schiffes erwarteten, brach der Damm zusammen. Von den herabstürzenden Per- onen ertranken gegen siebzig.

— Die Heuschrecken, diese Geißel der Be­völkerung in den Steppen des südlichen Rußlands, haben diesen Sommer an der unteren Wolga und besonders in einigen Kreisen des Gouvernements Sarakow eine solche Verbreitung gefunden, daß die Regierung den General Schebekow nach Za- ratzin gesandt, um an Ort und Stelle energische Maßregeln zur Vertilgung der Heuschrecken zu er­greifen. Ein Bataillon Soldaten ist nach der deutschen Colonie Sarepta geschickt, um im Verein mit den Bauern der umliegenden Ortschaften, wo die Heuschrecken sich bereits auf einer Oberfläche von einer Quadratmeile verbreitet und Steppe und Felder kahl gefressen, diese Landplage zu vertilgen. Die russischen Bauern verhalten sich derselben gegenüber sehr passiv. Als die Heuschrecken noch nicht aus den Eiern ausgekrochen waren, haben sie sogar versäumt, den Boden umzupflügen; sie betrachten die Heuschrecken als eine Heimsuchung Gottes, welche mit Ergebung getragen werden müsse. Auf der Wolga-Insel, der Colonie Sa- repn gegenüber, wo früher 40 —50 Schober Heu geerntet worden, ist fast kein Grashalm übrig geblieben; in vielen Dörfern mähen die Bauern das halbreife Getreide als Viehfutter ab. Die Soldaten ziehen gegenwärtig Gräben, fegen die Heuschrecken hinein, begießen sie mit Naphtha und verbrennen sie.

— Der kühnste Schwimmer der Welt, Capi- t ä n W e b b, ist ertrunken. Ein Telegramm des „B. T." meldet unterm 25. d.: Capitän Webb, welcher den Aermel-Caual im Jahre 1875 durch- schwamm, ertrank gestern bei dem Versuche, den Niagara-Katarakt für 10,000 Dollars zu durcki- schwimmen. Eine ungeheure Volksmenge war an­wesend. Die Eisenbahnen, welche die Wette Webb's arrangirt hatten, brachten viele Extrazüge. Webb sprang unterhalb der Fälle ins Wasser, tauchte bald auf und durchschwamm die Strommschnellen erfolgreich, bis er die riesigen Wirbelstrudel erreichte, welche ihn hinabzogeu. Webb arbeitete auf das Riesigste gegen die kreisenden Wirbel, bis die Kräfte nachließen worauf er untersank.

(!) HedderSdorf, 27. Juli. In der Nacht vom 25, zum 26. d. Mts. brach in der Scheune des Maurermeisters Nutzn dahier Feuer aus, welches binnen Kurzem die Scheune vollständig sowie das angrenzende Wohnhaus zum größten Theil in Asche legte. 20. Nutzn hat versichert.

Weizen 100 Kilogr. — M. — Pf. bis — M. - Pf. Roggen 100 Kilogr. 14 M. 50 Pf. bis 15 M. 20 Pf. Gerste 100 Kilogr. - M. — Pf. bis - M. - Pf. Hafer 100 Kilogr. 13 M. - Pf. bis 14 M. 35 Ps.