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Nr. 74.

Kreis

Dienstag den 24. Juli 1883.

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Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 21. Juli 1883.

Der am 30. Dezember 1855 zu Parlin Kreis Neugard geborene Gärtner Friedrich Carl Wil­helm Otto dahier hat für sich und seine am 30. November 1860 geborene Ehefrau Anna Barbara geb. Roos um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Ame­rika nachgesucht.

9368. Der Königliche Landrath.

I. B.: H e e g, Kreissecretair.

# Das Staatsbahnsystem in Preußen.

Die an dieser Stelle bereits vor einiger Zeit besprochen.' Absicht der Staatsregierung, demnächst mit der Verstand lichung sechs weiterer größerer Eisenbahnlinien vorzugehen und dadurch die Durchführung des Staatsbahnsystems in Preußen zum Abschluß zu bringen, hat in dem größten Theil der Presse eine bedingungslose Zustimmung erfahren. Auch von Blättern, die sonst in den Reihen der Opposition stehen, hat anerkannt werden müssen, daß der in früherer Zeit gegen das Staatsbahnsystem erhobene principielle Widerspruch ein unberechtigter gewesen ist und daß die Befürchtungen, welche man an den Uebergang zu demselben geknüpft hatte, thatsächlich widerlegt sind. Diese Wider- lcgung aber ist dadurch geschehen, daß sich ein Mal die staatliche Verwaltung als in finanzieller und technischer Rücksicht gleich musterhaft und unangreifbar bewährt hat i und daß zweitens der Einfluß, den das staatliche Ueberge- wicht auf die einheitliche Regelung des gesummten deutschen Bahnwesens übte, ein über alles Erwarten günstiger ge. Wesen ist.

Man hat nur nöthig, sich der Hemmungen zu erinnern, weiche in den Jahren t875 und 1876, der von der Staats­regierung angelündigten Absicht, das Verkehrswesen auf den großen Schienenwegen unter ausschließlich staatliche Leitung zu nehmen, bereitet wurden, um einen Maßstab für den großen moralischen Erfolg zu gewinnen, dessen die preußische Regierung sich rühmen darf. Der mit dem Ge­setze vom l t. Juni 1875 gemachte Versuch, den Uebergang zum reinen Staatsbahnsystem nicht nur für Preußen allein, sondern für das gesammte Reich anzubahnen, fand eine so kühle Aufnahme, daß Preußen die Sache zunächst von sich aus in die Hand nehmen und eine Konsolidation seines eigenen-Eisenbahnbesitzes durchzusühren suchen mußte. In der kurzen Frist von sieben Jahren ist das so voll­ständig gelungen, daß nach Erwerb der Bahnlinien, von denen gegenwärtig die Rede ist, der Sieg des StaatS- bahnsystems nicht nur für Preußen, sondern für das ganze Reich entschieden sein wird. Von den bayrischen Bahnen, der sogenannten Militärbahn und einer Anzahl kleiner Lokallinien abgesehen, beträgt die Betriebslänge der deutschen Schienenwegen gegenwärtig 30,002,61 Kilon«eter. Von diesen stehen 24,397,56 Kilometer unter staatlicher, 5605,05 Silometer unter privater Verwaltung; von diesen letzteren kommen 3698,72 Kilometer auf die sechs Linien, welche demnächst verstaatlicht werden sollen. (Die Oberschlesische, die Berlin-Hamburgische, die Allona-Kieler, die Breslauer- Schweidnitzer, die rechte Oderuser und die Posen-Kreutz- burger Bahn sammt den dazu gehörigen Nebentinien). Räch Durchführung dieser Verstaatlichungen werden jür Preußen nur noch 1740,14 Kilometer Privatbahnen übrig bleiben; die Gesammtlänge der im Privatbesitz gebliebenen außerpreußischen Bahnen Deutschlands ist ungefähr dieselbe.

Zahlen beweisen." Volle Beweiskraft haben diese Zahlen aber nur dadurch erlangen können, daß der durch dieselben bezeichnete Sieg des Staatsbahnsystems ein moralischer ge­wesen ist, d. h. daß die preußische Verwaltung ihre Ueber« legenheit praktisch bewiesen und den Gegnern die unfrei, willige Anerkennung ihrer Vorzüge abgerungen hat. Nur dadurch ist es möglich geworden, daß die Redensarten von StaatssocialismuS, Staatsallmacht auf Unkosten jeder freien | Bewegung der Privaten u. s. w. vollständig verstummt sind und daß behauptet werden darf, durch die Durchführung

des Staotsbahnsyftcms in Preußen sei nicht nur dem Zeitungen der verschiedensten Parteien sehen in deutschen Verkehrswesen ein ungeheurer Dienst erwiesen, hfpfptti Mlbfßinnipn nrt hip ^nfptpfs

sondern gleichzeitig die öffentliche Meinung in erfolgreichster ^\ «OllTOW WH W^ an Die ^nie^ Wnse über die wahre Bedeutung der Staatsgewalt für l-^ten des ei Neu Kanals, welches sie als UNMOtivirt die socialen und wirthschaftlichen Ausgaben der Gegenwart vnd dem Interesse des englischen Handels und bet englischen Rhederei zuwiderlaufend bezeichnen. Be-

die socialen und wirthschaftlichen Ausgaben der Gegenwart belehrt worden.

politische Jladjridften.

Deutschland.

Wie aus G a st e i n gemeldet wird, setzt Se. Majestät der Kaiser die Badekur in regel­mäßiger Weise fort und scheint dieselbe auf das Allgemeinbefinden Höchstdesselben ganz außerordent­lich günstig einzuwirken. Bei der jetzt eingetretenen besseren Witterung hat Se. Majestät schon wieder­holt zu Wagen Ausflüge in die Umgegend unter­nommen, so nach dem lieblich gelegenen Böckstein- thal und nach dem Kötschachthal, wobei Allerhöchst- ; derselbe nur vom Flügeladjutanten vom Dienst be- I gleitet ist.

Nachdem die versuchsweise Ausrüstung verschie­dener Truppentheile der Armee, in Spandau, Königsberg, Stettin und Mainz, mit Repetir-Ge- wehren stattgefunden, um die Brauchbarkeit der­selben für das Feld und in der Hand der Mann­schaft selbst zu erproben, sind auch die Matrosen und Seesoldaten des deutschen Panzer-Geschwaders mit dieser Waffe ausgerüstet worden.

Wie bereits vor einiger Zeit mitgetheilt wurde, werden nunmehr zehn türkische Officiere Anfangs August eintreffen, um den Dienst der preußischen Armee bei verschiedenen Regimentern aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Bevor indessen die Vertheilung dieser Officiere auf die Truppentheile stattfindet, werden dieselben während eines Zeitranmes von etwa 6 Monaten in der Hauptstadt militärischen Studien und der Erler­nung der deutschen Sprache obliegen, um dann mit desto größerem Nutzen in den praktischen Dienst einzutreten.

Bayrischen Blättern zufolge wäre der Kabinetssekretär Ziegler zum Ministerialrath im bayrischen Kultusministerium ernannt.

Die sächsischen Landtagswahlen sollen am 15. September stattfinden.

Zur Reichstagswahl in Kiel wird vom Sonnabend den 21. d. gemeldet: Bis heute Abend waren für Hänel 9000, für den Grafen Reventlow 2885 und für Heinzel 6635 Stimmen gezählt. Von 23 Landbezirken fehlt das Resultat noch.

Die Weinernte im Rheingau verspricht diesmal günstig zu werden. Bei fast allen Trau- bensorten ist die Anzahl der Gescheine im Großen und Ganzen eine befriedigende; hin und wieder ist der Ansatz sogar ein reichlicher und die Gescheine haben sich durchweg rasch entwickelt. Erfreulicher Weise sind auch bis jetzt die dem Weinstock so schädlichen Insekten, Heuwurm und Springwurm- wickler, kaum wahrgenommen worden.

Oesterreich.

Der vielbesprochene Proceß gegen den Schächter der jüdischen Gemeinde von Tisza-Eszlar S ch a r f f (wegen angeblicher Ermordung eines christlichen Mädchens) geht seinem Abschluß entgegen, ohne daß über das schließliche Resultat auch nur Ver­muthungen möglich wären. Auf beiden Seiten und in allen Schichten der Bevölkerung Ungarns ist die Erregung so hoch gestiegen, daß alle auf diese Angelegenheit bezüglichen Meldungen her öffentlichen Blätter und des Telegraphen mit äußerster Vorsicht ausgenommen werden müssen.

England.

Das Ereigniß der verflossenen Woche ist die Veröffentlichung des Vertrages gewesen, den das, Ministerium Gladstonc mit Herrn v. Lesseps i und der Suezkanalgesellschaft über die An­legung eines zweiten Kanals durch dieselbe Landenge; abgeschlossen hat. Brtttische Politiker und Londoner

sonders lebhaft wird darüber geklagt, daß Nichts geschehen sei, um auf eine Herabsetzung des hohen Kostentarifs hinzuwirken, der für die Benutzung des ersten Kanals gilt und der auf das neue Unternehmen übertragen werden soll., Der Haupt­zweck des letzteren müsse grade daraus gerichtet werden, durch Ermäßigung der Passagekosten eine allgemeinere Benutzung des Seeweges durch das Rothe Meer zu ermöglichen und eine Veranstaltung ins Leben zu rufen, welche dem internationalen Verkehrsinteresse, nicht einzelnen Capitalisten zu Gute kommen solle. Außerdem hat sich bei Discusston dieser Angelegenheit geltend gemacht, daß weite Kreise der englischen Gesellschaft in dem Vertrage eine politische Gefälligkeit gegen Frankreich erblicken und daß man von einer solchen gegen­wärtig Nichts wissen will. Neben dem allgemeinen Gegensatz gegen die französische Kvlvnialpvlitik spielt dabei die Verstimmung über die noch immer nicht gehörig aufgeklärten Vorgänge in Mada­gaskar eine Rolle. Hat es auch den Anschein, als ob die vor 8 Tagen der brittischen Regierung übermittelte und dem Parlamente zur Kenntniß gebrachte Beschwerde über das angeblich brüske Vorgehen des Admirals Pierre gegen den verstor­benen englischen Consul zu Tamatave auf Ueber- treibungen beruht, so ist dieselbe doch von einem Eindruck begleitet gewesen, der noch nicht verwischt worden ist. Bei der Einstimmigkeit, mit welcher die torystischen und die meisten der dem Cabinet befreundeten whigistischen Blätter den Vertrag betr. den zweiten Suezkanal bekämpfen, erscheint zweifelhaft, ob derselbe die Zustimmung des Parla­ments finden werde. Eine Ablehnung aber würde in Frankreich den denkbar ungünstigsten Eindruck üben. Obgleich die Actien der Lessepsffchen Ge­sellschaft großentheils in englische Hände überae- gangen find, wird der durch den berühmten Pariser Ingenieur geschaffene erste Suezkanal vielfach als französische nationale Errungenschaft und als letztes, Frankreich verbliebenes Mittel zur Wieder- eroberuug seines früheren Einflusses in Aegypteu betrachtet. Beiläufig bemerkt hat die Pforte sich die Geltendmachung ihrer Interessen und die Ge­nehmigung des beabsichtigten neuen Unternehmens in aller Form Vorbehalten.

Aus Hesten-Nassau.

* In Folge kaiserlicher Bestimmung wird der deutsche Kronprinz in seiner Eigenschaft als General-Inspektor der 4. Armee-Inspektion, zu welcher bekanntlich auch das 11. Armeecorps zählt, noch vor Beginn der eigentlichen Kaisermanöver, während des Verlaufes der Vorexercitien zu Ende August Truppentheile des 11. Armeecorps in der Nähe von Frankfurt besichtigen. Voraussichtlich wird der Kronprinz diese Besichtigungen in den Tagen vom 20. bis 27. August vornehmen.

* (Vacante Stellen für Militäranwärter im Bereiche des 11. Armee-Corps.) Eisenbahnbe- triebsamt Frankfurt, 3 Stations-Aspiranten, Ge­halt $IL monatlich mit bedeutender Steigerung nach abgelegter Prüfung zum Stations-Assistenten; ebendaselbst 2 Portier-Aspiranten, vorläufiger Ge- Hall 1 Mk. 60 Pfg. bis 2 Mk. 50 täglich, nach abgelegter Prüfung zum Portier 810 bis 1050 Mk. jährlich und WohnuugSgeldzuschuß; Postamt Hanau, 3 Packetträger, 700 Mk. Gehalt und 144 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. Postamt Neustadt im Odeilwald, 3 Landbriesträger, 550 Mk. Gehalt und 60 M. Wohnungsgeldzuschuß. Marburg, Postamt, Postschaffner und Postpackettrüger, 800 und 700 Mk. Gehalt und je 108 M. Wohnungs- geldzuschuß. Wetzlar, Bürgermeisteramt, dritter Polizei-Sergeant, 450 Alk. Gehalt und 120 Mk.