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Nr. 71.

DasKreisblatt« erscheint wöchent­lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.

für den

Dienstag den 17. Juli 1883,

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

dmUMjes.

Kreis Hersfeld.

tzersfeld, den 14. Juli 1883.

Den Herren Ortsvorständen des Kreises theile ich hierdurch die Einquartirungsliste für den hiesigen Kreis während der diesjährigen Herbstübungen der Truppen der 22. Division mit dem Bemerken mit, daß dieselben gesetzlich die Marschverpflegung von den Quartierwirthen zu empfangen haben:

1) Stadt Hersfeld.

a) am 4. September:

die I. Abtheilung (bestehend aus dem Abth.-Stab, 1., 2., 3. und 7. Batterie) des Hessischen Feld- Artillerie-Regiments Nr. 11.

b) am 3. Oktober:

die 2. Eskadron des 2. Hessischen Husaren-Regi- ments Nr. 14.

2. Gemeinde Hattenbach.

am 29. August:

1 /. Eskadron vom 2. Hess. Husaren-Regiment Nr. 14.

3. Gemeinde Kleba. am 29. August:

*/g Eskadrou vom 2. Hess. Husaren-Regiment Nr. 14.

4. Gemeinde Mengshausen.

am 29. August:

/4 Eskadron vom 2. Hess. Husaren-Regiment Nr. 14.

5. Gemeinde Niederaula.

am 29. August:

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am 29. August: i

'/i Eskadron vom ^ HbsfiHusaren-Regiment Nr. 14. i Borstehende Benachrichtigung des" Königlichen

7. Ge m elnde O b e r h au n. Landrathsamtes zu Rotenburg a. F. wird den

am 4. September: Ortspolizeiverwaltungen und

einen Theil der 2. reitenden Batterie des Hess. --

Feld-Artillerie-Regiments Nr. 11.

8. Gemeinde Unterhaun.

am 4. September: den AbtheilungS-Stab und einen Theil der 2. Batterie der reitenden Abtheilung des Hess. Feld- Artillerie-Regiments Nr. 11.

9. Gemeinde Conrode. am 13. August und 5. Oktober: i/x Eskadron vom Thüring. Ulanen-Regiment Nr. 6. 10. Gemeinde Hilmes. am 13. August und 5. Oktober: /8 Eskadron vomThüring. Ulanen-Regiment Nr. 6. 11. G e m e i nd e M o tz f e l d. am 13. August und 5. Oktober:

i / 4 Eskadron vom Thüring. Ulanen-Regiment Nr. 6. 12. Gemeinde Schenklengsfeld. am 13. August und 5. Oktober:

1 /g Eskadron vom Thüring. Ulanen-Regiment Nr. 6. 13. Gemeinde U n t e r w e i s e n b o r n. am 13. August und 5. Oktober:

1/8 Eskadron vom Thüring. Ulanen-Regiment Nr.6. 14. Gemeinde Wehrshausen. am 13. August und 5. Oktober:

1 / 8 Eskadron vom Thüring. Ulanen-Regiment Nr. 6.

15. Gemeinde W ü st f e l d. am 13. August und 5. Oktober: /8 Eskadron vom Thüring.Ulanen-Regiment Nr. 6. 8926. Der Königliche Landrath. __________________________I. V.: Heeg, Kreissecretair^ Hersfeld, den 13. Juli 1883.

Die Witwe des Johannes Walger, Anna Martha geb. Heim von Schenklengsfeld, 57 Jahre alt, hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

8906. Der Königliche Landrath. I. L.: Heeg, Kreissecretair.

Hersfeld, den 12. Juli"l'883^

Für die am 14. Dezember 1862 zu Conrode geborene Barbara Elisabeth Wagner ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

8874. Der Königliche Landrath. I. V.: Heeg, Kreissecretair.

Hersfeld, den 13. Juli 1883.

Die Witwe des Conrad Schäfer, Barbara Elisabeth geb. Clausius von Kerspenhausen, 48 Jahre alt, hat für sich und ihren am 16. Juli 1873 geborenen Sohn Jakob Schäfer um Ent­lassung aus dem diesseitigen Staatsverbande be­hufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

8907

Der Königliche Landrath.

J. V.: Heeg, Kreissecretair. Hersfeld, den 14. Juli 1883.

In Folge Verfügung Königlicher Regierung zu Caffel vom 2. Juli d. I. Nr. A. I. 6789 werden die Königlichen Standesbeamten des Kreises hier­durch benachrichtigt, daß die Entschädigungen für die Ausfüllung der dem Königlichen statistischen Bureau in Berlin in der Zeit vom 1. April 1882 bis 31. März er. eingereichten Zählkarten über Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle zur Aus­zahlung durch die betreffende Steuerkasse angewiesen worden sind und bei letzterer binnen 2 Monaten in Empfang genommen werden können.

8917. Der Königliche Landrath:

I. V.: Heeg, Kreissecretair.

Rotenburg, den 12. Juli 1883.

Im Anschluß an meine Zuschrift vom 5. 3uli er. Nr. 6969, die Einweichung des Arbeiters Andreas Birosch aus dem hiesigen Gerichtsgefängniß betreffend, theile ich dem Königlichen Landrathsamt ergebenst mit, daß der 2c. Birosch in Uslar wieder verhaftet worden ist.

* *

Hersfeld, den 14. Juli 1883.

der Königlichen

Gendarmerie des Kreises unter Bezugnahme auf meine Verfügung Dom 6. d. Mts. Nr. 8597 im Kreisblatt Nr. 67 zur Kenntnisnahme mitgetheilt.

8927.

Der Königliche Landrath.

I. V.: H e e g, Kreissecretair

Wir bedauern sehr, mittheilen zu müssen, daß das auf den 20., 21. und 22. d. Mts. zu Birstein anberaumte landwirthschaftliche Fest in Folge po­lizeilicher Anordnungen nicht abgehalteu werden kann.

In dem nicht sehr entfernten sog. Büdinger Wald ist in dem sehr bedeutenden Wildparke unter dem Wildpret Milzbrand ansgebrocheu und der­selbe bereits leider in eine große AnZahl von Ort­schaften übertragen und fallen in diesen Orten tagtäglich Thiere an dieser Krankheit.

Angesichts solcher Kalamität sind alle Vieh­märkte 2C., sowie jeder Zusammentritt) von Vieh polizeilich verboten und hierdurch auch unser land- wirthschaftliches Fest zunächst hinausgeschoben.

Ueber die demnächstige Abhaltung des Festes

behalten wir uns weitere Mittheilung vor. Birstein, am 12. Juli 1883.

Namens und im Auftrage des Präsidenten landwirthschaftlichen Centralvereins: Der Vorsitzende

des

des landwirthsch. Kreisvereins Gelnhausen. gez. Freiherr von Ocr, Hofmarschall.

^Amerika, Du hast es besser." VII.

Aus den großen, während der sechziger Jahre entstandenen Arbeiter-Unionen zweigte sich im Ver­lauf des.folgenden Jahrzehnts die anfangs ein­heitlich geschlossene socialistische Partei ab. Eine große Rolle spielte dabei die s. g.acht stunden Bewegung", welche im Jahre 1871 zn New-Aork ausbrach und bei der es sich darum handelte, die bei Staatsarbeiten übliche 8 ständige Arbeitszeit auf die Privat-Jndustrie auszudehnen. Zu Folge des Communeaufstandes nach Amerika ausge-

wanderte socialistische Führer stellten sich dann an die Spitze der Unzufriedenen, die an dem Scheitern dieser Achtstunden-Forderung Gelegenheit nahmen, ein neues erweitertes Programm aufzustellen und beiden großen Parteien des Landes feindlich ent­gegen zu treten. Die damals auf der Höhe ihres Einflusses stehende Internationale nahm die Ge­legenheit wahr, eine Anzahl amerikanischer Sectionen zu begründen, mit deren Hilfe die Agitation plan­mäßig betrieben wurde. Ihren Höhepunkt erreichte dieselbe im Jahre 1877, seitdem ist eine gewisse Stockung eingetreten, von der man annimmt, daß sie bis zu der nächsten Geschäftskrisis fortdauern werde. Inzwischen wächst die Zahl der socialistischen Bücher und Preßorgane, die, Dank der ungehemm­ten Freiheit der Bewegung, raschen Absatz finden, von den großen Zeitungen indessen consequent igno- rirt werden und grade darum die Jnterefsengegen- sätze verschärfen. Der socialistischen Partei sind auch in Amerika innere Zwistigkeiten nicht erspart geblieben. Nachdem sie sich anfänglich abwechselnd die socialdemocratische, die internationale oder auch schlechtweg die Arbeiter-Partei von Nord-Amerika genannt hatte und im Laufe der letzten Jahre zu Kongressen in Philadelphia und Pittsburg zusam­mengetreten war, brach auf dem Pittsburger Kon­gressen vom Jahre 1880 eine Spaltung unter ihren Anhängern aus. Gegenwärtig besteht die Partei aus zwei Flügeln, von denen der eine, der eigent­lichsocialdemokratische", eine Reform auf dem Wege der Gesetzgebung anstrebt, der andere aber, die P-'ttei der Revolutionäre, die Gewalt auf seine Fahne schreibt.

Die Gemäßigten haben zu ihrem Hauptorgane die New-Aork'er Volkszeitung, deren Redacteur ein eingewanderter Russe, Schewitsch (beiläufig bemerkt ein Bruder des jetzigen Gouverneurs von Livland und Gemahl der bekannten Helene v. Dönniges) ist; Schewitsch gilt für einen Mann von Kennt­nissen und angenehmen Formen, der seine Haupt­aufmerksamkeit den eigentlichen socialen Aufgaben zuwendet und vor Allem die Organisation einer starken, einheitlichen Partei anstrebt. Nebenbei wird die Verbreitung socialistischer Theorien plan­mäßig betrieben und bei den vielfachen Strickes Rath ertheilt. Wegen ihrer maßvollen und vor- ; sichtigen Haltung macht diese Partei langsame aber sichere Fortschritte.

DieRevolutionäre", auch dieArbeiterpartei" | genannt, stehen vollständig auf dem Boden der i internationalen socialdemocratischen Partei Europas : und neigen mehr und mehr der Gruppe derAnar- i chisten" zu. Sie suchen den Zusammenhang mit den revolutionären Parteien Europas aufrecht zu erhalten, feiern deren Feste mit und erweisen dem i als Vertreter des radicalen Europa in ihrer Mitte anwesenden ehemaligen Abgeordneten Most von der Freiheit" in London alle Ehre. Daß Most's amerikanische Brandreden sich in nichts von denje­nigen geistesverwandter Herren in Europa unter­scheiden und daß sie auch in der Union begeisterte Zuhörer finden, ist aus den Zeitungen bekannt.

Mit der beliebten, in Amerika selbst unaufhör­lich wiederholten Phrase, daß die Principien, welche die socialistische Partei vertritt, aus Europa im- portirt worden seien, ist in Wahrheit gar nichts gesagt. IhreIdeen« hat die große Union jen­seit des Weltmeeres von jeher aus Europa bezogen. Früher waren es die Ideen englischer Juristen über das Common Law und französischer Ency- clopädisten über Staatsverfassung, welcheeinge­führt wurden; heut zu Tage spielen die Ideen französischer und deutscher Socialisten dieselbe Rolle. Die Hauptsache ist, daß dieselben in Amerika den geeigneten Boden für eine rasche Verbreitung ge­funden haben und daß sie mit einer weitverbreiteten Unzufriedenheit der unteren Klassen zusammentrüfen. Seit den letzten zehn Jahren nimmt diese Unzufrieden­heit beständig zu und macht sie sich nicht sowohl durch theoretische Ausführungen im deutschen Styl als durch Brand- und Schimpfreden und durch Aufreizungen zu Gewaltacten Luft, die ein prac-