Nr. 68.
Ams
Dienstag den 10. Juli 1883.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.
für den
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho« lung entsprechender Rabatt gewährt.
^^EE^ Bestellungen auf das Kreis- den Ausfall der vorjährigen Ernte erlitten hat, Eintreffen der bedrohlichen Nachrichten an, den- blatt für den Kreis §er3felb sollen sie aber um ca. 20—25 °/0 gefallen sein, selben ihre gemeinschaftliche ernste Aufmerksamkeit werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen ' Die ausgedehnten Strikes, welche das ganze Jahr j zugewendet. Im Reichsamt des Innern haben
Postanstalten, Landbriefträgern und von der Ex.
Pedition angenommen.
Die Expedition.
Amtliches.
Kreis Hersfelv.
Hersfeld, den 6. Juli 1883.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden in Verfolg meiner Verfügung vom 12. Juni c. Nr. 7493 im Kreisblatt Nr. 57 hierdurch angewiesen , in Ihren Gemeinden alsbald öffentlich bekannt machen zu lassen, daß der Verkauf der angeschafften Zuchtbullen am 14. b. Mts. Vormittags 8 Uhr auf bem hiesigen Viehmarkt stattfindet.
8617. Der Königliche Landrath.
I. V.: Heeg, Kreissecretair.
Hersfeld, den 7. Juli 1883.
Der Bürgermeister Horn zu Solms ist heute als Taxator für Justiz-, Finanz- und Verwal- tungssacheu verpflichtet worden.
8662.
Der Königliche Landrath I. V.: Heeg, Kreissecretair
Gefunden: eine Pferdedecke. Reibung des Eigeu- thümers bei dem Ortsvorstand zu Kalkobes.
# „Amerika, Du hast es besser."
Wo Einfluß und politische Macht ausschließlich in die Hände derjenigen gelegt sind, welche bei den Wahlen die meisten Stimmen auf sich zu vereinigen wissen, versteht sich von selbst, daß die Inhaber des großen Capitals und der den Markt beherrschenden industriellen Unternehmungen in noch ganz anderem Sinne die Herren spielen können, als in Ländern, deren Regierungen bis zu einem gewissen Grade von dem sogen. Volkswillen unabhängig sind. In Amerika haben die Verschärfung des Gegensatzes zwischen Arm und Reich und die Vermehrung der Zahl der Besitzlosen und wirthschaft- lich Abhängigen darum größere politische Folgen gehabt, wie irgendwo in Europa. So lange es eine große Anzahl unabhängiger Mittelleute gab,
........... ___ Uhr von einem Prinzen leicht und glück- rücksichtigen, —* heut' zu Tage, wo Vermögen und ch entbunden w o r d e n. Die erlauchte WöÄ- Einfluß mehr und mehr in einzelne Hände gelangen,! nenn und der neugeborene Prinz befinden sich richten diese Einzelnen Dinge nach ihrem Belieben wohl. Der Wunsch, daß dies auch weiter der und ihrem Nutzen ein. In demselben Maße, in 8aU sem und daß der neue sproß unseres K welchem die Klasse der Besitzlosen, welche für ihren und KomgshauseK mit Gölte» Hülse wachsen und Unterhalt von der Beschäftigung durch das Kapi- gedeihen möge zur Freude der erlauchten Eltern, tat abhängig sind, anwächst, wird ihre Stellung Groß- und Urgroßelternund zum Segen für unser ungünstiger. Wirtschaftliche Abhängigkeit und poli-- ^lt, beseelt gleichmäßig alle. deutschen und ^^^„^ ,„ RWM WIttU(1 WI;WS yc«^.^ lische Ohnmacht stehen im engsten Zusammenhänge: Preußischen Herzen und bildet ein neue» Unter- Gesetzentwurf, betr. die (in den Colonien bereits wer Nichts hat, hat in Amerika auch Nichts zu binnd der Liebe und Treue, in der die Hohen- zugelassene) Schwägerehe bei Gelegenheit der dritten sagen, und eine Macht, bie für ihn reden konnte, giebt es nicht. Die Concurrenz der Arbeiter unter einander, das Streben nach allseitiger Einführung arbeitsparender Maschinen und der bereits erwähnte Umstand, daß des besiedelbaren guten Landes immer weniger wird, bewirken einen fortwährenden Bliebet« gang der Löhne. In einigen Industrien stehen die Löhne bereits gegenwärtig so niedrig, daß bei den amerikanischen Lebensmittelpreisen der äußerste Punkt erreicht zu sein scheint. Nach der Zählung vom Jahre 1880 beträgt beispielsweise der durchschnittliche Jahressoll» der Banmwoll-Spinner in Amerika (245 Dollars pro Jahr) beinahe 5 Dollars weniger als der Durchschnittslohn, welcher in dem wohlfeileren England an diese Spinner gezahlt wird. Die letzten Jahre ausnahmswcifer Prosperität und ungeheurer Vermehrung industri- eller Anlagen hatten allerdings dazu beigetragen, die Löhne, wenn auch nicht erheblich zu steigern, so doch auf der früheren Höhe zu erhalten. Seit der Erschütterung, welche das Geschäftsleben durch
mußte die Gesetzgebung die Bedürfnisse Aller be-
1882 über andauerten und die noch gegenwärtig unter dem Vorsitze des Staatsministers v. Boettichcr nicht verschwunden sind, haben hierin nichts zu kommissarische Berathungen der betheiligten Be- ändern vermocht. Die Arbeiter sind auf der ganzen Hürden des Reiches und Preußens stattgefunden, Linie geschlagen worden und die Arbeitsbureaux, um die aus Anlaß des bedrohlichen Umsichgreifens welche in einzelnen Staaten bestehen, lassen in ihren ^ ^hau™ i„ s)r»nhHt6M ... ^««»h«» <»>«{,v»n»rM Statistiken die nicht mißzuverstehende Thatsache er-
kennen, daß der Lohn auf dem Punkte des nothwendigen Unterhalts angelangt ist. Im amerikanischen Staatsleben zählen Leute, die sich nicht selbst geltend zu machen vermögen, aber nicht mehr mit, und eine politische Macht, welche zu Gunsten dieser Schwächeren und Abhängigen einzutreten und deren Rechte wahrzunehmen vermöchte, ist — wie gesagt — nicht vorhanden.
Die aus den allgemeinen Wahlen hervorgegangenen gesetzgebenden Körperschaften haben das letzte und das erste Wort. Zu Wahlzwecken wird gelegentlich das eine oder andere arbeiterfreundliche Gesetz erlassen, im Allgemeinen aber ist die amerikanische Arbeitergesetzgebung nicht über die allerersten Anfänge hinausgekommen. Wie überall, so sind auch hier trotz aller demokratischen Wahlgesetze die gewählten Körperschaften die Vertreter des Besitz- interesses und hier zugleich des großen Kapitalinteresses geworden. Sie haben auch ganz in diesem Sinne bisher gewirkt. Während die Arbeiter-Gesetzgebung eine Berücksichtigung nicht findet, haben sich die großen Monopole durch die gesetzgebenden Versammlungen alle möglichen Vortheile sichern lassen, sei es durch Beeinflussung der Gesetzgebung, sei es durch Durchsetzung directer Zuwendungen, wie namentlich der enormen Landschenkungen, von denen bereits die Rede gewesen ist. Daß in den gesetzgebenden Versammlungen das Volk sich selber die Gesetze giebt und daß jeder das Recht hat, an der Wahl seines Vertreters mitzuwirken, ist nur noch scheinbar wahr und wird von den Arbeitern selbst nicht mehr geglaubt. Mehr und mehr beginnen diese letzteren auf die gesetzgebenden Versammlungen als auf die Regierung des Kapitals und zwar als eine Regierung, die im Solde des Kapitals steht, zu blicken. (Schl. f.)
floltUfche Nachrichtei».
Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Wilhelm ist am 7. d. Rlts. früh nach 6
zollern und die Ration einander verbunden sind Lesung wieder zu Fall gebracht. - Der von der in alle Zeiten, bao walte Gott. Colonialregierung von Queensland beantragten
Annexion von Reu-Guinea hat das Ministerium seine Zustimmung nicht ertheilt und dem Unterhause eine bezügliche Eröffnung gemacht.
Die Wahlbewegnug in Böhmen ist noch nicht zum vollständigen Abschluß gekommen; einige Vortheile haben die Czechen über die Deutschen gewonnen, doch scheinen dieselben den gefürchteten großen Umfang nicht annehmen zu sollen. — In Ungarn erregte die von dem Pester Schwurge-
Das vor Kurzem in Aegypten erfolgte heftige Auftreten der as ia lisch eu Ch oler a hat begreiflicher Weise überall ernste Besorgnisse hervor- gerusen. Vorläufig scheint der Herd der bösartigen Krankheit auf aegyptische Orte beschränkt zu sein; vorzugsweise wüthet sie mit großer Heftigkeit in Damiette, welches in Folge des vorjährigen Krieges einer der ungesundesten Plätze des Landes geworden ist. Abgesehen davon, daß die internationale Sanitätscommission an Ort und Stelle sofort in Thätigkeit getreten ist, um diejenigen Vor- kehrungen zu treffen, welche einer Verbreitung der Cholera, namentlich auch nach Europa entgegen- zuwirken geeignet sind, haben auch die meisten europäischen Regierungen sofort Schutz-Maßregeln ergriffen und u. A. ist für verschiedene große Hafen- Plätze des Mittelmeere» Quarantäne angeordnet worden. Was die deutsche und die preußische Regierung betrifft, so haben dieselben vom ersten
der Cholera in Aegypten zu treffenden Maßregeln vorzubereiten. Die Commission, an deren Be-
sprechungen sich auch der Minister der Medicinalangelegenheiten v. Goßler betheiligte, hat empfohlen: 1. im amtlichen Theile des „Reichs-Anzeigers" regelmäßig die neuesten Nachrichten über den Stand der Cholera alsbald nach ihrem Eintreffen zu veröffentlichen; 2. in geeigneter Weise darauf hinzuwirken, daß die Zufuhr neuer inficirter Transporte nach Aegypten, sowie der Austritt solcher Personen, welche der Cholera verdächtig sind, aus Aegypten gehindert werde; 3. anzuregen, daß seitens der Regierungen der deutschen Seeuferstaaten schleunigst eine ärztliche Controlle aller einlaufenden Schiffe verdächtiger Provenienz nach Maßgabe eines bereits früher mit den gedachten Regierungen auf Anregung des Reichskanzlers vereinbarten Entwurfes zu einer Verordnung über die gesundheits- polizeiliche Controle der einen deutschen Hafen anlausenden Seeschiffe ins Leben gerufen werde. So entfernt die Gefahr, daß der unheimliche Gast in unsere Grenzen einbrechen werde, zur Zeit gottlob noch zu sein scheint, so wird die ernste Sorgfalt, von welcher die gedachten Maßregeln der Regierung Zeugniß ablegen, welche auch die schlimmsten Eventualitäten in das Auge zu fassen sich verpflichtet fühlt, doch sicherlich allseitiger Billigung begegnen.
Der König von Sachsen hat am 4. d. Mts. in höchster Lebensgefahr geschwebt. Auf einer Reise durch das Land war derselbe in Mylau bei planen eingetroffen und besichtigte die dortige Wollkämmerei. Als der König und sein Gefolge, zu welchem auch der Kreishauptmann Dr. Hübel und der Director Clad gehörten, sich auf einen Fahrstuhl gestellt hatten, um von dem ersten in den zweiten Stock zu fahren, bewegte sich der Stuhl wider Erwarten abwärts zum Erdgeschoß und stieß mit mäßiger Gewalt auf den Erdboden auf. Un- mittelbar darauf erfolgte ein schwerer Schlag; ein großes Gewicht hatte sich oben abgelöst und den Kreishauptmann Dr. Hübel, sowie den Director Clad getroffen. Ersterer war auf der Stelle todt, während Letzterer einen Armbruch erlitt. Alle
Uebrigen, insbesondere auch der König, blieben unversehrt. Letzterer hat, tief erschüttert, seine Reise sofort abgebrochen und ist mittelst Extrazuges nach Dresden zurückgekehrt.
Die Arbeiten der Parlamente von England und von Italien gehen ihrem Abschluß entgegen. Zur allgemeinen Ueberraschung hat das brittische Oberhaus den in zweiter Lesung bereits genehmigten
richte ausgesprochene Freisprechung des Anti- Semiten Jstoscy großes Aufsehen, weil man von derselben eine gewisse Rückwirkung auf den vielbesprochenen, in der Verhandlung begriffenen Mordproceß von Tisza-Eszlar erwartet. — In Graz, wo das Fest der 600 jährigen Zugehörigkeit Steier- marks zu Oesterreich gefeiert wurde, ist dem Kaiser Franz Joseph ein enthusiastischer Empfang bereitet worden. Die Begrüßungsrede hielt der Landeshauptmann von Kaiserfeld. Aus der