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Nr. 65.

Dienstag den 3. Juli 1883.

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.

für den

Jirets yersjesö.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar­mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Wi^BP*» Bestellungen auf das Kreis- ÄF^Igg^ blatt für den Kreis Hersfeld werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Ex­pedition angenommen.

Die Expedition.

Lumiches.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 30. Juni 1883.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden auf das am 1. Juli cr. in Kraft tretende Gesetz vom 23. April cr. betreffend den Erlaß polizeilicher Strafverfügungen wegen Uebertretungen (Gesetz- Samml. Seite 65 ff.) und die zur Ausführung desselben ergangene, mittelst Regierungs-Verfügung vom 25. d. Mts. durch das Amtsblatt Nr. 27 veröffentlichte Anweisung vom 8. d. Bits. (abge­druckt im Kreisblatt Nr. 63 und 64) hierdurch zu deren allenthalbigen Beachtung besonders aufmerk­sam gemacht, wobei ich zugleich auf meine Ver­fügung vom 14. September 1882 Nr. 11884 im Kreisblatt Nr. 74 Hinweise.

ihn im Betretungsfalle zu verhaften und vom Ge­schehenen mich zu benachrichtigen.

Auf die Ergreifung des Wagner und die Her­beischaffung des veruntreuten Geldes wird eine Belohnung von M. 150 ausgesetzt.

Signalement des Wagner: Alter: 36 Jahre; Größe: mittlerer Statur; Haare: schwarz, dünn; Bart: starker, schwarzer Vollbart; Augen: schwarz; Gesichtsfarbe: dunkel; besondere Kennzeichen: große auffallende Narbe im, Genick. Bekleidet war Wag­ner zuletzt mit einem schwarzen Kammgarn-An­züge, dunklem Sommerüberzieher,niedrigen schwarzen Filzhut. Er trug eine Stahluhrkette.

Im Weiteren theile ich dem Königlichen Land- ralhsamte unter Bezugnahme auf mein Schreiben vom 9. d. Mts. Nr. 11869 ergebenst mit, daß der Posthülfsbote Fahrenfeld von Bremen am 17. in Holland ergriffen und verhaftet worden ist.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector. zur Linde. An das Kgl. Landrathsamt in Hersfeld. 12973.

* * *

Hersfeld, den 28. Juni 1883.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der- tz. 89 der Ersatz-Ordnung vom 28. September 1875. niglichen Gendarmerie des Kreises zur Kenntniß- 1) Die Berechtigung zum einjährig-srciwilligen nähme und Fahndung nach dem 2c. Wagner, sowie Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebens-1 hinsichtlich des 2C. Fahrenfeld unter Bezugnahme jähre nachgesucht werden. Der Nachweis ......

derselbe n ist bei Verlust des An-

8379.

Der Königliche Landrath

I. V.: H ee g, Kreissecretair.

Es kommt häufig vor, daß die auf die Berech­tigung zum einjährig freiwilligen Dienst reflectirenden Militairpflichtigen ihre desfallsigen Anträge zu spät einreichen und dadurch der Berechtigung ver-. lustig gehen, sofern die in jedem speciellen' Falle erforderliche Restitution Seitens der Königlichen Ressort-Ministerien nicht ertheilt wird.

Zur Vermeidung derartiger Härten sowohl, als auch zur Verminderung bezüglicher Anträge werden in Gemäßheit höherer Verfügung die betreffenden Vorschriften hierunter zur öffentlichen Kenntniß gebracht und weise ich die Herren Ortsvorstände des Kreises an, den Inhalt dieser Paragraphen auf ortsübliche Weise alsbald bekannt zu machen. Hersfeld, den 29. Juni 1883.

8338. Der Königliche Landrath

I. V.: Heeg, Kreissecretair.

rechtes spätestens bis zum 1. April des ersten Militairpflichtjahres zu erbringen.

2) Die Berechtigung wird bei derjenigen Prüfungs- Commission nachgesucht, in deren Bezirk der Wehrpflichtige gestellungspflichtig ist.

3) Wer die Berechtigung nachsuchen will, hat sich bei der unter Nr. 2 bezeichneten Prüfungs­Commission spätestens bis zum 1. Februar des ersten Mi l itairpflicht- jahres schriftlich zu melden. Dieser Meldung sind beizufügen:

a) ein Geburts-Zeugniß;

b) ein EinwilligungsAttest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung*) über die Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den Frei­willigen, während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, anszurüsten und zu verpflegen;

c) ein Uubescholtenheits-Zengniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschule», Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehr­anstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit, oder ihre Vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist. Sämmtliche Papiere sind im Original einzureichen. In dem Gesuche um Zulassung zur Prüfung

*) Bei Freiwilligen der seemännischen Bevölkerung, so* fern sie in der Flotte dienen wollen, bedarf es dieser Er« flärung nicht.

ist anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen der sich Meldende geprüft sein will (Anlage 2 §. 1.) Auch hat der sich Rieldende einen selbstgeschriebenen Lebens- lauf beizufügen.

2C. 2C,

§. 91 pos. 2 der cit. Ersatz-Ordnung.

Alljährlich finden zwei Prüfungen statt, die eine im Frühjahr, die andere im Herbst.

Das Gesuch um Zulassung zur Prü­fung muß für die Frühjahrs-Prüfung spätestens bis zum 1. Februar, für die Herbstprüfung spätestens bis zum 1. August angebracht werden.

. Cassel, den 26. Juni' 1883.

Der Postseeretair Samuel Edmund Wagner aus Greifenhagen ist nach Verödung anscheinend bedeutender Unterschlagungen am 22. d. Mts. Mittags flüchtig geworden.

Das Königliche Landrathsamt benachrichtige ich hiervon mit dem Ersuchen, auf Wagner zu fahnden,

auf meine Verfügung vom 12. d. Mts. Nr. 7491 im Kreisblatt Nr. 57 mitgetheilt.

8282. Der Königliche Landrath

I. V.: Heeg, KreiSfecretalr

Berlin W., 21. Juni 1883. Postkarten mit Antwort im Verkehr mit Dänemark und mit Eostarika.

Denjenigen Ländern des Weltpostvereins, nach welchen Postkarten mit Antwort abgesandt werden können, sind nunmehr auch Dünemark, mit den Dänischen Antillen und Island, sowie Eostarika beigetreten. Das Porto für derartige Postkarten nach den vorgenannten Ländern beträgt 20 Pfennig. Der Sraatssecretair des Reichs-Postamts.

S t e p h a n.

#Amerika, Du hast es besser." in.

Aus den Zeiten, in denen die Bevölkerung des Nordamerikanischen Unionsgebiets aus einer großen Zahl gut situirter unabhängiger Mittellente be­stand,- rührt die Vorstellung davon her, daß die große Republik jenseit des atlantischen Oceans das Paradies des fleißigen und strebsamen Arbeiters fei. Der Laudbaucr so wurde gerühmt kann es zum wohlsituirten Farmer bringen, der die Früchte seines Fleißes ungestört genießt; der Kaufmann und Handwerker findet Gelegenheiten znm Fortkommen, wie sie ihm sonst nirgend ge­boten sind. Weil alles Gegenstand der freien Con-

currenz ist und der Staat nirgend störend eingreift, lassen sich auf hundert, dem Mittelmanne in Eu­ropa verschlossenen Gebieten Geschäfte machen. Das Verkehrswesen hat sich Dank dieser Frei­heit zu einem Umfang erweitert, den wir kaum ahnen; von Privaten erbaut und ge­leitet, dienen die nordamerikanischen Eisenbahnen allein geschäftlichen Zwecken die bei uns üblichen strategischen und politischen" Rücksichten und Be­schränkungen kennt man kaum dem Namen nach. Und dazu besteht unbeschränkte Gleichheit, die den Einzelnen zum Herrn seiner Geschicke macht!

Was ist davon übrig geblieben? Daß die Ge­legenheiten zu wohlfeilem Landerwerb seltener und schwieriger werden, haben wir bereits gesehen. Da­mit hängt die bekannte Thatsache zusammen, daß die in Amerika lebenden Deutschen ihren Lands­leuten neuerdings nur noch dann zur Auswande­rung rathen, wenn dieselben einiges Capital mit­bringen. Aber auch für Gewerbsleute und Handel­treibende haben die Verhältnisse sich im Lauf der Jahre vollständig verändert. Die Aussicht aus Erlangung einer selbständigen und behaglichen Stellung ist von Jahr zu Jahr geringer geworden, seit die kleinen Unternehmer auch in Amerika den großen Platz machen müssen und seit die frühere durchschnittliche Gleichheit des Vermögens- und Lebenszuschnitts in ihr Gegentheil umgewandelt worden ist. Die Goldentdeckungen im Westen, der Bürgerkrieg im Osten, die Papiergeldentwerthung, die Goldfpeculation, die Kriegslieferungen und die durch die Wiederherstellung des Friedens gebotene Anregung zu großartigen Eisenbahn-Unteruehm- ungen und andern industriellen Anlagen haben dem früheren Besitzstände ein schnelles Ende bereitet. Zu den Eigenthümlichkeiten dieses Landes gehört es ein Mal, daß in demselben stattstndende Veränderungen sich ungleich schneller vollziehen, als in der übrigen Welt. Die ältere Generation er­innert sich der kleinbürgerlichen Zeit mit ihrer durchschnittlichen Vermögensgleichheit noch deutlich. Diese Zeit aber ist vorüber. An die Stelle des kleinen Besitzes sind große, in einzelne Hände ge­rathene Kapitalmassen getreten, an die Stelle der kleinen Speculauten die großen Börseu-Speculanten, welche den Markt des ganzen Landes beherrschen, an die Stelle des kleinen persönlichen Unternehmers die großen Etablissements, die sich zu wahren Monopolen vereinigt haben. Naturgemäß ist seit­dem auch die Masse besitzloser Arbeiter beständig angewachsen. Während in Europa die Arbeiter als besondere, den Besitzenden gegenüberstehende Klasse seit dem Jahre 1848 auftreten, bilden sie in Nordamerika erst seit dem Kriege einen eigenen Stand. Seit dieser Zeit und in erhöhtem Maße seit der Krisis von 1873 nehmen die socialistischen Bestrebungen unaufhaltsam bestimmte Formen und größere Bedeutung an.

Verfolgt man den Gang der Entwickelung, welche sich während der letzten Jahre mit einer nur in Nord-Amerika möglichen Schnelligkeit, vollzogen hat, so wird man durchaus begreiflich finden, daß die Klassengegensätze sich in demselben raschen Tempo zugespitzt und verschärft haben. Die Hauptwaffe, mittelst welcher das große Kapital seine Erober- nugen gemacht und rücksichtslos ausgebeutet hat, ist das Aktienwesen gewesen, das in dieser nur aus Geschäftsleuten bestehenden Gesellschaft eine anders­wo ungeahnte Bedeutung erlangt hat. Aktienge- setze, welche jede Kontrole der Betheiligten und des Staates ansschließeu und den Präsidenten der Ge­sellschaften eine fast unverantwortliche Stellung einräumen, erleichtern die Vereinigung von Kapi­talien zu gewerblichen Zwecken aller Art. Die kleinen Unternehmer werden bald völlig verdrängt und sobald die großen Gesellschaften den Markt beherrschen zu können glauben, verzichten sie auf die Eoncurrenz und schließen sich behufs gemein­samer Ausbeutung des Publicums zu großen Koalitionen, Pools, undMonopolies" zusammen. Diesen aber vermag Niemand Wiederstand zu leisten.