so, daß die Begründung oder Uebernahme einer Farm von Jahr zu Jahr schwieriger und nur für Leutevon einigem Vermögen ausführbar geworden ist.
Damit ist zugleich gesagt, daß die Lage der Besitzlosen sich überhaupt verschlechtert hat. Die Aussicht auf dereinstige Selbstständigkeit hat sich für den Arbeiter mehr und mehr verringert; die Löhne sind zurückgegangen, seit das Angebot maßlos zu- nimmt; an die Stelle der früheren durchschnittlichen Vermögensgleichheit aber ist eine Ungleichheit getreten, wie sie schroffer kaum gedacht werden kann. Weil der Vermögensunterschied der einzige in Amerika überhaupt bekannte Unterschied ist, spielt derselbe eine Rolle, wie sonst nirgend in der Welt. Weil es keine Schranken der freien Con- currenz, keine andere Rücksichten als diejenigen des augenblicklichen Vortheils giebt und weil Geld und Macht gleichbedeutende Begriffe bilden, haben sich Zusammenhäusung des Capitals in einzelne Hände und rücksichtslose Ausbeutung des auf den Besitz gegründeten Einflusses mit einer Schnelligkeit entwickelt, welche die übelen Folgen des Systems der freien Concurrenz und der Capitalherrschaft, rascher gezeitigt hat, als irgendwo in der alten Welt. Ist diese gesammte Entwickelung doch wenig mehr als 30 Jahre alt und von dem älteren Theil der gegenwärtigen Generation mit erlebt worden!
politische Nachrichten.
Das Abgeordnetenhaus trat am Montag den 25. Juni in die dritte Berathung der kirchen- politischen Vorlage. Es hatten sich 7 Redner, 3 gegen und 4 für den Entwurf angemeldet. Nach dem Abgeordneten Götting, dessen Rede durch häufige Zwischenrufe unterbrochen wurde, sprach Abgeordneter Stöcker für das Gesetz. Er trat zunächst der Ausführung des Abg. Götting, daß die Conservativen daran Schuld wären, wenn wir nach Canossa gehen müßten, in eingehender Weise entgegen und ermähnte das Centrum unter Hinweis auf verschiedene Momente, ihre Ansprüche nicht zu übertreiben. Die Rede war von unverkennbarer Wärme getragen und stellte den Forderungen der katholischen Partei das protestantische. Bewußtsein mit Entschiedenheit gegenüber. Abg. v. Eynern wies darauf hin, daß die Conser- vativen die Vorlage als einen Anfang des Friedens bezeichneten und eine volle Versöhnung des Centrums erwarteten; das Centrum habe ihnen darauf keine befriedigende Antwort gegeben. Die Red> des Abg. Stöcker, der seine Angriffe namentlich gegen die Linke gerichtet habe, erinnere an die bedauerlichen Kämpfe zwischen Lntheranern und Calvi- nisten, welche den Katholiken zu gute gekommen seien. Seine Glaubensgenossen selber bekämpfe er, den katholischen Gläubigen käme er aber entgegen. Wenn diese Vorlage nicht eine Entrüstung im ganzen Lande hervorrufe, so wäre das nur der Unterschrift des Fürsten Bismarck zu danken, dem man im Volke eine Beugung unter die römischen Ansprüche nicht zutraue. Wenn eine solche Noth in der Seelsorge bestände, wie es das Centrum immer behaupte, so sollten doch die zahlreichen Priester, welche dem Abgeordnetenhause angehörten, lieber ihre heiligeren dringenderen Pflichten erfüllen, als hier den Führern des Centrums Beifall zu klatschen. Kultusminister v. Goßler erklärte, daß er für den Appell von Seiten der Protestanten stets ein offenes Ohr habe, aber von seinem Bewußtsein als Protestant könne er die Geschäfte in einem paritätischen Staate nicht leiten. Was die Schule anlange, so stände er auf dem Boden des Schulaufsichtsgesetzes. Hinsichtlich der Einsetzung von katholischen Geistlichen zu Schulinspektoren ginge er von dem Grundsätze aus, daß sich diese geistlichen Jnspectoren nur als Mandatare des Staates fühlen dürften. Der Minister schloß mit dem Satze, daß die Vorlage gewiß in der katholischen Bevölkerung eine friedlichere Stimmung hervorrufen werde. Nach den Abgg. Bachem und Dr. Virchow schloß Dr. Windthorst die Reihe der Redner. Er wendete sich namentlich gegen die Ausführungender nationalliberalen Redner. Wegen einer Aeußerung gegen den Abg. v. Eynern mußte er zur Ordnung gerufen werden. Er bezeichnete die Debatte als einen Extrakt alles dessen, was den Kulturkampf während seiner ganzen Dauer gezeitigt habe. Die Specialdiscussion wurde ohne Debatte erledigt und dann in namentlicher Abstimmung das Gesetz mit 224 gegen 107 Stimmen angenommen.
Der Bundes rath wird sich am Donnerstag oder Freitag bis zum Herbst vertagen.
Die Maßnahmen, welche zur Erleichterung des Verkehrs auf dem Platten Lande seitens der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung in den letzten Jahren getroffen worden sind, werden nunmehr durch Einrichtung von Telegraphen- Hülfsstellen wiederum eine wesentliche Erweiterung erfahren. Die schon bereits angekündigte Absicht
der obersten Postbehörde, bei geeigneten Posthülfs- stellen den Telegraphenbetrieb einzurichten, wird, nachdem die Vorschläge der Kaiserlichen Ober-Postdirektionen vorliegen, in nächster Zeit zur Ausführung gelangen. Es werden danach innerhalb des Reichspostgebietes ungefähr 150 Telegraphen- Hülfsstellen zur Einrichtung gelangen, wodurch gegen 70000 Landbewohnern der Telegraph auf leichte Weise zugänglich gemacht wird.
Entgegen der Reuterschen Meldung vom 22. Juni, Abends, meldet die »Daily News," der chinesische Gesandte, Marquis Tseug, dementirte durchaus das Gerücht einer Einigung zwischen Frankreich und China über die Tonkiu-Frage. Das genannte Blatt konstatirt ferner, daß chinesische Truppen an mehreren Punkten der Provinzen Jün-Nan, Kuang-Si und Kuang-Tung zusammen- - gezogen werden.
Aus Dublin wird gemeldet: „In Curragh machten am 25. d. bei einem Streit zwischen Soldaten zweier Regimenter beide Parteien von den Gewehren Gebrauch und schössen auf einander. Fünf Soldaten wurden getödtet, mehrere verwundet. Weitere Thätlichkeiten wurden durch das Einschreiten der Offiziere verhindert, welche drohten, auf die Meuterer schießen zu lassen.
Nach dem „Wojenuei Shornik" war das russische Heer Ende Dezember 1882 folgendermaßen zusammengesetzt: I. Aktive Armee: Infanterie: 934 Bataillone, 612 082 Mann. Kavallerie: 234 Eskadrons, 70 064 Mann. Artillerie: 57 Parks mit 1604 Geschützen, 107 601 Mann. Genie: 28 Bataillone, 22 737 Mann." Snmma 812 484 Mann H. Reserve. Ohne Unterschied der Waffengattungen 1161498 Mann. Totalsumme 1973 982 Mann.
Nachrichten aus Vera Cruz zufolge richtet das gelbe Fieber unter der dortigen Bevölkerung, sowohl unter den Europäern wie Amerikanern, große Verheerungen an; während der verflossenen beiden Monate sollen gegen 1000 Personen gestorben sein.
AuS Heffen-Nassan.
Hersfeld, 27. Juni. In der am 25. d. M. stattgefundenen Sitzung der Strafkammer Königlichen Landgerichts zu Cassel kam folgende Strafsache zur Verhandlung: Vom Schöffengericht zu Friedewald war der Schuhmacher Johannes Dei- seroth daselbst wegen Diebstahls mit 4 Wochen Gefängniß und 2 Wochen Haft belegt. Die Beschuldigung ging dahin, daß Angeklagter vom 28. zum 29. September von den Aeckern des Bahnwärters Schumann und des Ackermanns Berge von Friedewald je 6 Metzen Kartoffeln entwendet habe. Durch die Ausfagen der Tochter des rc. Schumann, sowie mehrerer anderer Zeugen und eine von dem Acker des Deiseroth nach demjenigen des Schumann führende Spur wurde die Schuld des Angeklagten, trotz des Leugnens desselben, seitens des Vorderrichters für erwiesen angenommen und die obengenannte Strafe gegen Deiseroth ausgesprochen. Die von Letzterem eingelegte Berufung konnte eine Aenderung des ersten Urtheils nicht herbeiführen.
* (Vakante Stellen für Militäranwärter im Bereiche des 11. Armeekorps.) Marburg, Postamt, drei ständige Hülssboten, je 1,65 Mk. Tagegeld. Wasungen, Amtsgericht, Copist, 800 Mark. Wiesbaden, Bürgermeisteramt, 2 Nachtwächter je 480 Mark.
* Bekanntlich ist die Kornblume, der Liebling unseres Kaisers unter den Kindern Floras, zu früher Jahreszeit sowie mitten im Winter ein für manche Zwecke vielbegehrter Gegenstand. Die zahlreichen Liebhaber der Blumenzucht werden es daher gewiß nicht ungern hören, auf welche verhältniß- mäßig einfache und leicht durchführbare Weise sie die Kultur der blauen Kornblume zu sehr dankbarer Entfaltung bringen können. Der Same wird Ende Juni oder Anfang Juli in 15 Zentimeter große, mit nicht allzu leichter Erde gefüllte Töpfe gesät. Sobald die Pflänzchen Heraugewachsen sind, lichtet man dieselben bis auf 4 oder 5 über den Topf gleichmäßig vertheilte aus, welche im Warmhause oder in einem leicht zu beschaffenden und zu erhaltenden Warmkasten nahe dem Glase gehalten werden. Die in dieser Weise aufgezogenen Kornblumen werden während des ganzen Winters einen reichen Blüthenflor entwickeln.
Marburg, 23. Juni. Ein Bahnarbeiter aus Frielendorf gerieth bei dem dortigen Bahnhöfe beim Herausspringen aus einem Materialzug so unglücklich unter denselben, daß er überfahren und ihm ein Arm gequetscht, sowie ein Bein fast abgetrennt wurde und seine Ueberführung in die hiesige Klinik sofort erfolgte. Der Verunglückte ist kurz nach der Amputation des Beines gestorben.
GondeSroth, 21. Juni. Vor einigen Tagen fuhr ein junger Landwirth von hier zum Mähen auf die Wiese. Währenddem der Mann fleißig
schnitt, wurde das Pferd, welches in der Nähe stand, plötzlich scheu, und jagte mit dem Wagen auf dem Felde herum. Der Mann lief dem Pferde unvorsichtiger Weise mit der Sense in der Hand nach, stürzte dabei in dieselbe und zog sich eine so furchtbare Wunde zu, daß er, ehe Hülfe erschien, an Verblutung starb.
Witzenhanscn, 24. Juni. Die Kirschenernte an den Chausseen ist durchgängig eine gute zu nennen, während an den Bergen, wo die Bäume auf kleinem Terrain dicht zusammengerückt sind, der Raupenfraß entsetzlichen Schaden gethan.
Hanan, 23. Juni. Gestern Nachmittag zog ein kurzes, aber schweres Gewitter über unsere Stadt hin. Am Bruchköbler Wald schlug der Blitz in die Telegraphenleitung, zersplitterte eine Stange und beschädigte mehrere andere mehr oder minder. Merkwürdig dabei ist, daß der Blitz immer eine Telegraphenstange traf, die nächstfolgende aber unversehrt ließ und so weiter übersprang. Nicht weit von dieser Stelle hatten zwei Knechte und ein Knabe unter einem Baum vor dem Regen Schutz gesucht. Auch diese wurden von dem Blitzstrahl getroffen und fielen betäubt nieder. Während der eine Knecht und der Knabe, ohne weiter Schaden zu nehmen, mit leichten Brandflecken davonkamen, mußte der andere Knecht in das Landkrankenhaus verbracht werden. Ferner schlug der Blitz noch in ein Bäum- chen in der Dörnigheimer Gemarkung ein. Ein Einwohner von Dörnigheim stand einige Schritte davon, ohne jedoch Schaden zu nehmen.
Ungedanken, 22. Juni. Unlängst hatte ein circa 60 Jahre alter Mann aus dem nahe gelegenen Dorfe Geismar das Unglück, von einem mit zwei Kühe bespannten beladenen Wagen überfahren zu werden und so seinen Tod zu finden. Derselbe war im Begriff, einen Wagen voll Holz nach Wabern zu bringen. Der Weg aus dem Wald führte ihn über eine abschüssige Stelle. Er hatte das Hemmwerk angelegt; dasselbe soll aber gesprungen sein. Der Unglückliche wollte nun die Kühe zurückhalten, kam so unter den Wagen, der ihm über Hals -und Brust ging. Er lebte noch bis zum anderen Tag.
Eine Heirath aus Verzweiflung.
Von Henry Perl. (Fortsetzung.)
„Nein ihre Eltern haben nie hier gelebt. Das Schloß war leer während der ganzen langen Zeit. Es Heißt ja, daß Euer Geist und noch viele andere Geister Euerer Vorfahren dort nächtlich spuken. Die junge Erbin ist erst vor einigen Tagen gekommen, ich wüßte es nicht einmal, wenn der Gutsaufseher nicht alle Färbigen von den Plantagen einberufen hätte, um das Schloß zu säubern, das, seit Ihr es verlassen habt, mein theuerer junger Herr, von Niemanden mehr bewohnt worden ist, als von Mrs. Brent, der Haushälterin, und von Mr. Cumming's dem Aufseher."
„Und wen hat dieses kubanische Mädchen gehei- rathet?" -- fragte ich meine Amme, welche alles gar so genau zu wissen schien.
»Ich habe den Namen gehört, wartet nur, wie heißt er nur gleich — Wollsay — Camsey. Nein, nein, jetzt hab ich's, Lindsay!"
„Lindsay? Lindsay? Ist das wirklich der richtige Name, Rizpah?" — forschte ich ungestüm.
„Lindsay, Lindsay — Ihr könnt Euch auf mich verlassen."
„Das ist ja der Name von Desolees Eltern" — sprach ich zu mir selbst, vermochte mir aber den Zusammenhang, welcher zwischen diesen schlichten Leuten und dem Gatten der reichen kubanischen Gräfin bestehen sollte, nicht zu enträthseln.
Indessen reichte dieser Umstand hin, meine Neu- gierde anzustacheln. Schlimm sah es dagegen mit meiner Rache aus. Der Vetter, dem ich sie zugeschworen, war verschwunden und kein Mensch wußte zu sagen, wo er hingegangen. Der Käufer war gestorben und die heutigen Besitzer waren ein junges Frauenzimmer, das kaum den Kinderschuhen entwachsen und ein eben so junger Mann, welcher noch zufällig den Namen meiner Schwiegereltern trug."
„Dieser junge Lindsay lebt also gegenwärtig in Gryphynshold, sagst Du?"
„Nein, das hab ich nicht gesagt, weil er heute Morgen wieder in Geschäften fort ist und nur seine junge Frau dort zurückgelassen hat" — berichtigte Nizpah.
„Die junge Dame ist also allein im Schlosse und Mrs. Brent?"
„So viel ich weiß, ganz allein, nur ein junges Mädchen Namens Phill ist noch auf Gryphynshold."
Ich überlegte einen Augenblick. Mein Weib und Kind mochten noch am Leben sein. Da hatte ich meine Rache gefunden. Diese konnten meinen Besitz antreten, sobald ich die nöthigen Papiere in Händen haben würde, um meine und ihre gerechten