und 5 gegen den Zedlitz'schen Antrag. Derselbe' wurde von nationalliberaler Seite durch Abg. Francke unterstützt, von dem conservativen Abgeordneten v. Wedell-Piesdorf dagegen bekämpft. Abg. Büchtemann erklärte für die Fortschrittspartei sich dagegen, weil an Stelle des kirchlichen Gerichtshofes der Kultusminister die letzte Instanz nach dem Zedlitz'schen Anträge bilden sollte. Kultusminister v. Goßler erklärte, daß der Mgierung der Antrag Zedlitz, der eine Wiederholung des ursprünglichen Art. 4 der Regierungsvorlage wäre, im Allgemeinen recht wäre; sie würde jedoch in Rücksicht auf den gesammten Entwurf gegen die Annahme der Kommissionsbeschlüsse zu Art. 3 Nichts einwenden. Das Wesentliche des Gesetzes wäre im Art. 1 desselben enthalten, auch das Vetorecht des Staats; man brauche daher einzelne Specialbestimmungen später nicht besonders hervor- zuheben. Nachdem noch der Abg. Dr. Windthorst für unveränderte Annahme des Entwurfs gesprochen, wurde die Debatte geschlossen. Der Antrag v. Zed- litz wurde abgelehnt und Art. 3 der Kommission angenommen, ebenso wurde der Rest des Gesetzes ohne Discussion genehmigt. — Danach wurde der Gesetzentwurf in 1. und L Lesung genehmigt, wonach die Ausübung des dem Staate zustehenden Stimmrechts bei dem Anträge auf Ausdehnung des Unternehmens der Westholsteinischen Eisenbahngesellschaft auf den Bau und Betrieb einer Eisenbahn vonWesselburen nach Büsum ausgedehnt wird. Den letzten Gegenstand der Berathung bildete die Behandlung der Schulversäumnisse. Es entstand nur eine Debatte zu § 9, welcher die eingehenden Strafgelder den die Schule unterhaltenden Verbänden überweist. Das Gesetz wurde unverändert nach derKommiffionsfassuug angenommen. Die nächste Sitzung wurde auf Montag angesetzt und auf die Tagesordnung die 3. Berathung des kirchenpoli- tischen Gesetzes und der Schulversäumnisse gestellt.
In O e st e r r e i ch - U n g a r n bildet der seit Jahr und Tag besprochene, nunmehr vor den Schranken des Pester Schwurgerichts verhandelte Mordprozeß von Tisza-Eszlar abermals den Gegenstand des allgemeinen Interesses. Bekanntlich handelt es sich um eine Feststellung darüber, ob die 13jährige Ester Salomoffy zu jüdisch-rituellen Zwecken von dem Synagogenbeamten Scharff umgebracht worden 'ist; den Angeber hat der 14jährige Sohn des Scharst gemacht. Die bisher geführten Verhandlungen haben zu neuen Ergebnissen nicht geführt, da beide Parteien auf ihren früheren Angaben verharren.
Bezeichnend für das Verhältniß der türkischen Regierung zu den deutschen Beamten ist, nach der „Köln. Ztg", die Entschiedenheit und Wärme, mit der die türkischen officiösen Blätter gegen die Versuche, das Verdienst der arbeitsamen Deutschen zu verkleinern, Front machen. So hält die „Turquie" gelegentlich der Verleihung des Osmanie-Ordens an Herrn Wettendorff, den Musteschar des Finanzministeriums, demselben eine Lobrede, die ihre Spitze sichtlich gegen jene Herren richtet, welche Wettendorff's Antheil an dem Zustandekommen der Tabacksregie zu schmälern suchen. Das Regierungsblatt läßt dem erfolggekrönten Eifer und den ausgezeichneten Verdiensten dieses deutschen Mannes volle Gerechtigkeit widerfahren und erblickt in den huldvollen Worten, mit denen der Sultan demselben die Ordensauszeichnung ankündigte, einen schlagenden Beweis der Genugthuung, mit der Ab- dul Hamid Wettendorf's erfolgreiches Streben betrachtet.
Französische Blätter wußten seit Wochen mancherlei über Symptome einer in Egypten be- merklichen Gährung gegen die Engländer zu melden. Man schenkte diesen Angaben wenig Glauben, da in Paris systematisch in Tendenznachrichten gemacht wird, welche die Stellung der Engländer am Nil als eine sehr gefährliche schildern. Nun trifft eine Meldung ein, welche jene pessimistischen Darstellungen wenigstens theilweise bestätigen. Es wurden zwanzig ehemalige Offiziere und Beamte Arabis verhaftet und die Verhaftung von fünfzig anderen soll unmittelbar bevorstehen. Demnach wäre die englisch-egyptische Polizei einer weitverzweigten Verschwörung auf die Spur gekommen.
Nach Meldungen aus Tonkin vom 12. d. M. sind daselbst keinerlei weitere Feindseligkeiten vorgefallen. General Bouet ist mit der Organisation der Truppen beschäftigt, nach deren Beendigung die Operationen beginnen werden. Der Gesundheitszustand ist vortrefflich.
In Albanien, dem Schauplatz blutiger Zusammenstöße zwischen türkischen Truppen und ar- nautischen Rebellenbanden, ist die Ruhe noch nicht wieder hergestellt worden. Die Pforte hat sich zur Absendung neuer Infanterie-Abtheilungen veranlaßt gesehen, mit deren Hilfe man die Ordnung Wieder herzustellen hofft.
Aus Heffln-Nafsan.
* HerSfcld, 25. Juni. Am vergangenen Sonnabend wurde von einem Bleichplatze hinter dem Hain eine Partie Wüsche gestohlen. Dieselbe wurde nicht weit von dem Ort der That in einem Versteck wieder aufgefunden. Eine des Diebstahls verdächtige Frauensperson ist verhaftet worden.
* Dem Rechnungsrevisor Wessel in Marburg ist der Charakter als RechnungsMath, dem Sekretär bei der Staatsanwaltschaft, Nolde in Hanau, dem Ersten Gerichtsschreiber, Sekretär Eckhardt in Marburg und dem Gerichtsschreiber, Sekretär Kellner in Melsungen der Charakter als Kanzleirath verliehen worden.
Fulda, 20. Juni. Der seitdem 27. December v. I. hier verhaftete und im hiesigen Amtsgerichtsgefängniß internirte Bildhauer Georg Maier aus Hannover, welcher sich damals fälschlich als Max Blümlein ausgegeben, ist heute auf Requisition der Kgl. Staatsanwaltschaft in das Landgerichtsgefängniß nach Hanau transportirt worden. Wie wir bereits früher mittheilten, ist derselbe ein höchst gefährliches Subject; er wurde von der Schweiz und München aus wegen Brandstiftung und Diebstahls verfolgt und unternahm auch hier verschiedene aber immer mißglückte Fluchtversuche, indem er seine Gefängnißzelle in Brand zu stecken versuchte und die Eisengitter derselben mehrmals beschädigte, sowie auch den Gefangenwärter zu Boden schlug und auf den Corridor entwich, wo er wieder festgenommen wurde. (Tgbl.)
Gelnhausen, 21. Juni. Der Feuerwehrtag wird neuerer Bestimmung zufolge auf der sog. Pfingstweide, einem sehr geeigneten Platze, abgehalten. Die baulichen Vorbereitungen sind bereits flott im Gange.
Grebenstein, 21. Juni. Gestern Morgen gegen 5 Uhr erschoß sich im nahen Langenberge ein junger Mann. Einige Mäher, welche in den nahen Reffel- bachswiesen mähten, sahen denselben um diese Zeit von hier aus nach dem Langenberge gehen, und kaum war er in der Lisiöre verschwunden, so hörten dieselben rasch aufeinander zwei Schüsse fallen. Der Förster Seitz von hier, von einem der Mäher auf den Vorfall aufmerksam gemacht, fand den Selbstmörder gegen Nachmittag durch zwei Pistolenschüsse in den Mund todt vor. Derselbe wurde heute Morgen in die hiesige Todtenkammer geschafft. Dem Vernehmen nach heißt derselbe Rohde, ist aus der Magdeburger Gegend gebürtig und war bisher Bierbrauergehülfe bei Herrn Losch in Kassel.
AuS dem Kreise Zi-genhain, 21. Juni. Eine traurige Nachricht macht soeben die Runde durch unseren Kreis. Der in hohem Ansehen stehende Oekonom D. zu Ropperhausen ist gestern morgen todt auf dem Felde gefunden worden. Der Tod soll in Folge eines Hirnschlages eingetreten sein. — Der Gutsbesitzer Sch. von Schwarzenborn hat gestern seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht.
Frankfurt a. M. Wegen Beleidigung des Fürsten Bismarck hatte sich am Montag vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts der verantwortliche Redakteur der „Frankfurter Zeitung", A. Frenkel, zu verantworten. Das Urtheil lautete auf einen Monat Gefängniß.
Lohra, 19. Juni. Der Schmied Heinrich He iche fing gestern abermals eine Fischotter, bis zur Schwanzspitze l1^ Meter lang, mittelst Stechgabel und mit Hilfe seines Hundes. Es ist dieses die zweite Otter, die derselbe in kürzerer Zeit in seinem Fischwasser zwischen hier und Mornz- hausen in der Salzböde gefangen hat, was gewiß ohne Schußwaffe zu einer Seltenheit gehört.
Ostheim, 22. Juni. Am Mittwoch Vormittag gegen 11 Uhr ertränkte sich hier in derDiemel die Ehefrau des Taglöhners T. Die Motive der That sollen Nahrungssorgen sein.
Naboldshauseu, 22. Juni. Ein alter Auszüger von hier, der gestern mit seinem Sohne ein Fuder Heu laden wollte, fiel dabei so unglücklich von dem noch fast leeren Wagen, daß er aus der Stelle todt blieb.
Tann, 22. Juni. Soeben trifft aus München die Trauerkunde ein, daß General Hugo von der Tann-Rathsamhausen, Bruder des im verflossenen Jahre verstorbenen Generals Ludwig von der Tann an einer Herzlähmung gestorben sei. Derselbe war in Begleitung des Prinzen Arnulf von Bayern zur Krönung nach Moskau gereist und soll sich daselbst eine starke Erkältung zugezogen haben, in deren Folge der Tod eingetreten ist. An den Kämpfen des Jahres 1870—71 in Frankreich nahm er in der bayerischen Armee mit Erfolg Antheil. Sein Tod wird allgemein bedauert. Er hinter- läßt mehrere Söhne._______________
Eine Heirath aus Verzweiflung.
Von Henry Perl.
Dennoch bestimmte mich das Aodesurtheil, welches
über den vermeintlichen Murdockson ausgesprochen war, sowie der Preis, den man auf seinen Kopf gesetzt hatte, zur rascheren Flucht."
„Wie die Dinge lagen, mochte es immerhin gerathen sein, den breiten Ocean zwischen die Verfolger und den Verfolgten zu setzen, dachte ich, und dabei blieb es. Noch denselben Tag sicherte ich mir ein Ueberfahrbillet nach Liverpool und einige Wochen später traf ich nunmehr sicher von den Nachspürungen des Gesetzes in der Hauptstadt Englands ein.
„In London angekommen, überlegte ich, was ich mit dem verhältnismäßig kleinen Kapital, das ich zu mir genommen und das nun meine ganze bewegliche Habe bildete, beginnen sollte. Das Ergebniß dieses Nachsinnens war, mich auf die einzige Profession zu werfen die meinen Neigungen entsprach und zu welcher ich eine entschiedene Begabung besaß, wie ich schon oft genug erprobt hatte. Kurzum ich wurde Spieler von Beruf. Der Wurf gelang ganz außerordentlich. Ein moderner Midas, verwandelte sich Alles, was ich berührte, unter meinen Händen zu Gold. So reich war ich zu jener Zeit, daß mir das zurückgelassene Gryphynshold als Werthobjekt gleich Null erschien. Anderseits aber beschäftigte ich mich dennoch oft in Gedanken damit und bedaure gewissermaßen es verloren zu haben, weil es der Sitz meiner Väter gewesen und es jener Ort war, an den sich alle wahren und unwahren Sagen über mein trotziges, gewalt- thätiges und wildes Geschlecht knüpften."
„Ich wälzte mich in Gold wie die Neger zu sagen Pflegen, aber mein Besitz konnte von keiner Dauer sein. Einem vorzüglichen Spieler, der das Glück stets für sich hat, geht es bald wie einem Rennpferd, das stets den ersten Preis gewinnt. Leide finden keine Wettende mehr, Niemanden, der noch einen Einsatz wagt. London wurde mir auf diese Weise verleidet. Ich versuchte es nach und nach in Paris, in den deutschen Bädern und den übrigen vorzüglichsten Hauptstädten Europas. Zwanzig Jahre hindurch führte ich diese Existenz eines großen Spielers. Ab und zu hatte ich Alles bis auf Heller und Pfennig verloren, gewann von Neuem, wurde wieder reich und so ging es fort und fort."
„Mein Ruf eines glücklichen Spielers ging durch alle Gauen. Endlich zog es mich wieder nach London. Die alte Generation war mittlerweile zum großen Theile ausgestorben oder vom Schau- platze verschwunden. Vielleicht ließ sich an der jüngeren wieder von Neuem Geld verdienen. Mein Glück im Spiel folgte mir auch dahin. In kurzer Zeit wurde ich abermals — zum wievielten Male weiß ich nicht — Besitzer einer so ansehnlichen Summe, daß ich Zeit meines Lebens reichlich davon zu zehren hatte und meine Karriere aufgeben konnte, wenn ein professioneller Spieler überhaupt im Stande wäre, solches jemals zu thun. Es bedurfte eines mächtigeren Impulses, als blos des guten Vorsatzes, um mich dem grünen Tische zu entreißen, und dieser sollte sich finden."
„In Simpson's Kaffeehaus zu London war es, wo ich durch Zufall in Erfahrung brächte, daß ein von mir gehaßter Vetter, ein wallisischer Ba- ronet, von Gryphynshold Besitz ergriffen, nachdem das Gericht ihn als meinen rechtmäßigen Erben anerkannt und ihm diesen Stammsitz meiner Väter zuerkannt, daß dann der erbärmliche Wicht denselben triumphirend um eine unglaublich hohe Summe an einen reichen Kubaner verkauft hatte, welcher, wie es hieß, mehr Geld besaß, als er auszugeben verstand.
Diese Nachricht versetzte mich in begreifliche Wuth und ich war sofort entschlossen, Leben und Freiheit daran zu wagen, um diesen Besitz, der durch Jahrhunderte allen echten Gryphyns ein Hort gewesen, zurückzuerlaugen oder ihn doch wenigstens diesem falschen Gryphyu, jenem gehaßten walisischen Vetter streitig zu machen und auf gutem oder bösem Wege zu entreißen. Mein Entschluß stand fest, ich mußte heim."
„Vielleicht war es auch die Sehnsucht, in der Heimath zu sterben. — Denn lange schon nagte ein Uebel an meinem einst so eisenfesten Körper, von dem ich wußte, daß es einen tödtlichen Aus- gang nehmen müsse. Auch hatte ich jenes Alter erreicht, das bei den meisten Menschen als Höhepunkt angesehen werden muß. Ich war nahe an siebzig. Mit fünfundvierzig Jahren hatte ich Marie Desoläe kennen gelernt, neunundvierzig zählte ich nahezu, als ich sie aus dem Hause jagte und Murdockson tödtete. Seither aber waren einundzwanzig Jahre verstrichen. Ich stand also vor meinem siebzigsten Geburtstag, und fühlte mich krank und meiner Auflösung nahe.
„Es war Winterszeit, das Meer stürmte und tobte, doch das war mir gerade recht. Auch in mir stürmte und tobte es noch wild, obgleich es schon dem Grabe zugiugnnd ich passirte also wieder