lichen Landgerichts zu Cassel kam die Strafsache gegen den Ackermann Justus Bieder von Hedders- dorf zur Verhandlung. Der genannte Angeklagte ist beschuldigt, am 4. März d. I. seine Ehefrau mittelst gefährlichen Werkzeuges in einer das Leben gefährdenden Weise vorsätzlich körperlich mißhandelt zu haben. Die Anklage führt aus, daß der Angeklagte durch einen unbedeutenden Vorwurf Seitens seiner Frau in eine so maßlose Wuth versetzt worden sei, daß er diese zu Boden geworfen und mit seinen eisenbeschlagenen Stiefeln derartig getreten habe, daß ein doppelter Unterkieferbruch in Folge dieser Mißhandlung eingetreten sei. In der Verhandlung ließ sich nun die Mißhandelte, welche bisher von dem Recht der Zeugnißverweigerung Gebrauch gemacht hatte, vernehmen und de- ponirte, daß es allerdings richtig sei, daß ihr Mann sie am fraglichen Tage zu Loden geworfen und getreten habe, daß derselbe aber keineswegs mit eisenbeschlagenen Stiefeln, sondern nur mit Strümpfen bekleidet gewesen sei. In Folge dieses Zeugnisses ließ Herr Staatsanwalt von Ditfurth die aus § 223a Str. G. B. erhobene Anklage auf Körperverletzung fallen und wurde, nach einem von Herrn Rechtsanwalt Frieß gehaltenen glänzenden Plaidoyer, da ferner ein Strafantrag von der Frau des Angeklagten nicht gestellt war, der Angeklagte von der wider ihn erhobenen Anklage kostenlos freigesprochen. Die Ursache des Kieferbruchs blieb ein offener Punkt und nahm der Gerichtshof bei mangelnden Beweisen an, daß derselbe auch durch einen von der Frau erlittenen Sturz die Treppe hinab entstanden sein könne.
* (Vacante Stellen im Bereiche des 11. Armee- Corps.) Arnsberg, Regierungshauptkassen-Wächter, M. 1,50 pro Nachtwache. Anneuan, Postagentur, Landbriefträger, M. 960. Burghasungen,, Postamt, Landbriefträger, M. 510. Carlshafen, Postamt, Postschaffner, M. 872. Darmstadt, Garnisonlaza- reth, Civilkrankenwärter, M. 600. Frankfurt a. M., Postamt I., Briefträger, M. 1040; Postschaffner, M. 1040; Postamt IV., Postschaffner, M. 1040: Postamt VIII., Postschaffner M. 1040; Postamt IV., Paketträger, M. 990; Postamt I., Stadtpostbote, M. 990, Landbriefträger, M. 960, Limburg a. L., Betriebsmaterialien-Hauptmagazin, Magazin-Aufseheraspirant, M. 75 monatlich. Obermarsberg, Bürgermeisteramt, Flurschütz, M. 450, Nachtwächter, M. 210. Uffeln, Postagentur, Landbriefträger, M. 510. Wehlheiden, Strafanstalt, Aufseher, M. 1110. Wetter, Postamt, ständiger Posthilfsbote, M. 1 Tagegeld. Wiesbaden, Postamt, Briefträger, M. 1040. Wüstenfüchsen, Postamt, Postverwalterstelle, M 2,50 Tagegeld. Station noch unbestimmt, Strecke Schwerte-Cassel, Eisen- bahnbetriebsamt Cassel, 2 Magazinaufseher, M. 2,25 Diäten. Station noch unbestimmt, Strecke Schwerte-Cassel, Eisenbahnbetriebsamt, 10 Zugbremser, M. 690, Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division. Darmstadt, Direction der Main-Neckarbahn, Wagenwärter, M. 1150. Michelstadt, Amtsgerichtsdiener, M. 1400. Mainz, Staatsanwaltschaft am Großh. Landgericht der Provinz Rheinhessen, Schreibgehilfe M. 600.
— Ueber das bereits gemeldete furchtbare Brandunglück, von welchem das hart an der Grenze zwischen Hessen, Westfalen und Waldeck gelegene Städtchen Hallenberg heimgesucht worden ist, liegen bis jetzt nur dürftige Nachrichten vor. Das Feuer entstand in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag in einer engen Straße und begünstigt durch die Strohbedachung der meisten Häuser, durch die entstandene allseitige Verwirrung, wozu sich obendrein noch Wassermangel gesellte, verbreitete sich das entfesselte Element mit furchtbarer Schnelligkeit; aller menschlichen Wehr spottend. In wenigen Stunden waren 38 Gebäude in Asche gelegt und ein furchtbarer Trümmerhaufen bezeichnete die Stelle, wo am Abend noch blühender Wohlstand herrschte. Doch es sollte noch schlimmer kommen. In der Nacht vom Freitag auf Sonnabend brach das Feuer von Neuem los, mit verstärkter Gewalt, mit vergrößerter Wuth verheerte es das kleine Ackerstädtchen, das nur etwa 200 Häuser mit 1500 Einwohnern zählt. Die Feuerwehren boten alles auf, allein vergeblich, die Strohbedachung der meisten Häuser war ein zu guter Feuerleiter, wogegen menschliche Kraft machtlos war. In wenigen Stunden war abermals und zwar ein doppelt so großer Häuserkomplex vom Feuer zerstört, über 60 Wohnhäuser lagen in Asche, sodaß die Hälfte des Städtchens ein rauchender Trümmerhaufen ist. Der Jammer der Bevölkerung ist unbeschreiblich. Die größte Anzahl der Abgebrannten soll nicht versichert sein und sind Viele der so wie so nicht mit Glücksgütern gesegneten Bewohner an den Bettelstab gebracht. Ueber die Entstehungsursache des Feuers ist Zuverlässiges noch nicht bekannt geworden. Hülfe thut dringend noth! Wer rasch gibt, gibt doppelt. Helfe wer kann! (H. M.)
* Die diesjährige Hauptversammlung des Bienen-
züchier-Vereins findet am 22. k. Mts. in Fulda ; statt. Eine Ausstellung nebst Verloosung von Bienenvölkern, Bienenkörben, Honig und bezügl. Werkzeugen 2C. ist mit derselben verbunden.
Hofgeismar, 19. Juni. Wie der „Hofg. Ztg." mitgetheilt wird, ist am Sonntag Nachmittag auf den hiesigen Gendarm Salvador im Walde zwischen Kelze und Niedermeiser geschossen worden. Der Thäter entfloh und ist bisher noch nicht ermittelt.
Ist ha, 19. Juni. Der Straßenaufseher H. hat einen Mann aus Olshausen, welchen er beim Steckenschneiden im Walde getroffen, mit Schrot in den Oberschenkel geschossen.
* Der Krankenwärter C. Knappertsbusch zu Hersfeld ist vom l.Juli c. ab zum Hausverwalter und ersten Krankenwärter bei dem Landkrankenhause zu Rinteln widerruflich bestellt worden.
* Dem Thierarzt Robert Ritz zu Frankenberg ist die von ihm bisher kommissarisch verwaltete Kreis-Thierarztstelle des Kreises Frankenberg definitiv verliehen worden.
Auszüge aus der Brochüre: „Die Angriffe des Reichstagsabgeordneten Herrn Richter gegen die Armee beleuchtet von einem deutschen Soldaten." (Fortsetzung.)
Der Untergebene den Vorgesetzten ehrend in Treue und Gehorsam, der Vorgesetzte in dem Untergebenen seinen Kameraden liebend, dessen Wohl er auf dem Herzen trägt; jeder die Pflicht des Dienstes hochhaltend über alle eigenen Wünsche und privaten Beziehungen. In dieser Gleichheit aller Schwertgenossen an Ehre und ritterliche Sitte soll das Offiziercorps jedes Regiment sich zu einer Familie verbunden fühlen, festhaltend an der ererbten Eigenart, stolz auf die Geschichteseiner Fahnen, eifernd um den Glanz des soldatischen Vaterhauses, jede Schwäche desselben nach Außen zudecken.
Möge dieser Kastengeist zum Heile und zur Ehre des deutschen Volkes in den Ossiziercorps blühen und wachsen bis in die fernsten Geschlechter — aus ihm beruht das er- solgreiche Wirken der Armee, und ohne ihn wird das Volksheer zerschellen!
XII. Hohenzollern oder Parlament?
Herr Richter sagt:
1) „Man kann wohl sagen, daß erst, seitdem es Volksvertretungen giebt, namentlich in Preußen, den Kriegsinvaliden ihr volles Recht zu Theil geworden ist, wahrend srüher der absolutistische Staat sich mit dem Gnaden» thaler und der Drehorgel für die Kriegsdienste abfand." (10 II. 83. S. 1413 d. St. B.)
2) „Gegen diese Art (in Bezug auf die Rede des Kriegsministers), wie die Interessen von 18 000 Berufsoffizieren identificier werden mit der Armee im Ganzen und mit der Feldarmee im Befanderen, müssen wir uns verwahren--, zu jener Armee, welche 1870 verhindert hat, daß ein fremder Fuß deutschen Boden betrat, zu jener Armee gehörten mehr als eine Million deutscher Bürger. — —
Wir haben hier nichts zu verschenken, alles, was wir bewilligen, müssen die Steuerzahler und auch die Kämpfer des Jahres 1870 ausbringen, und was die Offiziere an Communalsteuern nicht bezahlen, müssen die andern Bürger desto mehr an Communalsteuern hergeben.
Der deutsche Reichstag ist so wenig wie das deutsche Kaiserthum eine Schöpfung der Berussoffiziere, der deutsche Reichstag ist das Recht des deutschen Volkes und nicht zum mindesten das Recht des Volkes in Waffen, das Recht jener Armee, die es verhindert hat, daß im Jahre 1870 ein fremder Fuß deutschen Boden betreten konnte." (14 II. 83. S. 1485 d. St. B.)
3) „Ja, meine Herren, was glauben Sie denn, was das Garde du Corps Besonderes in diesem Staate dar- stellt?! Wir sind berufen, unser Urtheil über alle öffentlichen Einrichtungen abzugeben. Ob das militärische oder bürgerliche Einrichtungen sind, ob das ein Garderegiment ist oder das Garde du Corps-Regiment, ist ganz gleichgültig." (22. I. 83. S. 1016 d. St. B.) (Schl. f.)
Eine Heirath aus Verzweiflung.
Von Henry Perl. (Fortsetzung.)
All dies kam so plötzlich, so unerwartet, eigentlich so gegen meine Absicht, daß ich es im ersten Augenblick kaum zu fassen im Stande war. Doch die Ueberlegung ließ nicht lange auf sich warten, ich hatte keine Lust, mich vor den Gerichten zu verantworten, mich einem Verhör — etwa auch noch Schlimmerem auszusetzen. — Ueberdies hatte ich das Leben in dieser Gegend satt bekommen, die Leute führten meinen Namen zu viel im Muude und übertrieben meine bösen und auch die wenigen guten Handlungen, die ich etwa doch begangen haben mochte, allzugewaltig. Mein Plan war schnell gefaßt, ich wollte den Ort verlassen, zuvor aber jede Spur vertilgen, die für meine Schuld sprechen konnte. Die Leiche zu meinen Füßen war unterdessen kalt geworden. Ich entkleidete sie und mich gleichfalls, und wechselte so mit dem Todten die Kleider. Murdockson und ich waren so ziemlich von einer Statur. Alsdann schnitt ich das Haupt von dem Körper, trug es in einige Entfernung und verscharrte es tief in die Erde. Nun schien mir das Wesentlichste vollbracht zu sein, ich ging aber noch weiter in meiner Vorsicht; so brannte ich einige Löcher in die Kleider der hauptlosen Leiche und zwar genau in jener Richtung, wo sich die Wunde befand, welche den Tod verursacht hatte.
Dann vervollständigte ich die Verkleidung bis ins kleinste Detail, indem ich meinen Siegelring an des Todten Finger steckte, meine Börse in seine Rocktasche schob, und ihn außerdem noch mit meiner Uhr, meinem Taschentuche, Notizbuche und meinen Schlüsseln ausstattete. Die Täuschung noch voll« ständiger zu machen, warf ich schließlich meinen Hut auf den gefrorenen Rasen unfern des Leichnams, und ging mit seinem Hute auf dem Kopfe von dannen."
„Während ich so beschäftigt gewesen, die Spuren des Mordes zu vertilgen, war neuer Schneeball eingetreten, was mir bei meinem Vorhaben sehr zu Stätten kam, da der frische Schnee die Spuren meiner Fußtritte vollends verwischte. Nun galt es blos noch mich rasch davon zu machen. Ich raffte alles zusammen, was Murdockson auf und an sich gehabt hatte steckte es zu mir und ging zu dem Platze, wo ich bei meiner Ankunft sein Pferd gesehen hatte. Dieses band ich los und führte es an eine verborgene Stelle, tief in den Wald, wo ich es neuerdings anband und da verblieb, bis es völlig dunkelte. Als die Nacht hereingebrochen war, bestieg ich das Pferd und ritt hinab an den Fluß; ich konnte es nicht wagen, mit der Fähre darüber zu setzen und machte daher einen Umweg von einigen Meilen, um an jene Stelle zu gelangen, von der ich wußte, daß es möglich sei, mit dem Pferde darüber zu setzen."
Ich wollte zurück nach Gryphynshold. Es schlug gerade Mitternacht, als ich den Park meines Schlosses erreichte. Das Gitter war verriegelt und verschlossen, der Thorwächter längs zu Bette gegangen. Auch im Gartenhäuschen brannte kein Licht mehr. Das kam mir erwünscht, ich wollte von Niemanden gesehen werden, wollte keinen Zeugen meiner Rückkehr, meines Fortbestehens. Das Pferd, welches ich ritt, war ein Prachtthier, das feinen früheren Herrn über manchen Graben, über manchen Zaun getragen hatte. Auch mich kannte es wohl, ich hatte es oft geritten. Ruhig vertraute ich daher meinem Belzebub, gab ihm die Sporen und setzte über die Gartenmauer weg. Beide kamen wir glücklich hinüber, galoppirten den Park durch und standen vor dem Eingänge des Schlosses. Auch dort herrschte allgemeine Finsterniß. Alles schien in tiefem Schlafe zu liegen. Desto besser, sagte ich mir, ich werde keinen Zeugen haben, daß ich hier gewesen bin, desto besser. Ich umschlich mein Haus wie ein Einbrecher, prüfte das Thor, es war von innen verriegelt, daran erkannte ich die Vorsicht meiner Haushälterin. Dafür hatte ich tastend herausgefunden, daß am Fenster knapp neben dem Thore eine der kleinen Scheiben ausgebrochen war."
„Ich streckte meine Hand hindurch und reichte mit dem Arm genau so weit, um den Riegel des Thores von Innen aufzuschieben. Mit einem Schlag stand die Thür auf und knarrte in allen Angeln. Ich trat ein, meine Haushälterin saß wachend am Feuer, was mich eine Sekunde lang beunruhigte. Doch ich merkte sofort, daß sie halb im Schlummer sei und erst bei dem Schlage, welchen die auffallende Thür verursacht hatte, entsetzt in die Höhe fuhr. Diese günstige Gelegenheit benutzte ich und schritt, ohne ein Wort an sie zu richten, dem Ausgange der Halle zu, direkt nach meinem Zimmer.
Dort angelangt schloß ich mich ein, zündete Licht an und steckte Alles zu mir, was sich an Geld und Kostbarkeiten in meinem Schreibtische befand. Es waren dies einige tausend Dollars in Banknoten, und verschiedenes an Juwelen und Gold. Nachdem M) dies in Ordnung gebracht, packte ich das Allerunentbehrlichste in einen kleinen Handkoffer zusammen, der jahraus jahrein in meinem Schlafzimmer stand und schlüpfte bei der Hinterpforte des Hauses unerkannt und ungesehen hinaus. Im Freien angelangt band ich mein Pferd los und sprengte in finsterer Nacht, wie ich gekommen war, wieder davon."
„Es hat mir nachträglich recht viel Spaß gemacht zu hören, daß man mich für eine übernatürliche Erscheinung, für mein eigenes Gespenst gehalten, und dieser Glaube sich bis auf den heutigen Tag fortgepflanzt hat. Die ganze schauerliche Mähre, zu welcher dieses Gerücht Veranlassung gegeben hat, fand ich bald darauf in den Zeitungen."
„Ehe der Morgen anbrach, war ich weit entfernt von Gryphynshold. Bei Sonnenaufgang kam ich an einem großen Flusse vorbei, dort machte ich Halt, nahm ungeachtet der kalten Jahreszeit ein stärkendes Bad und zog die frischen Kleider an, welche ich in dem Handkoffercheu bei mir führte. Murdockson's Kleider aber, die mit Blut befleckt und von der Kugel durchlöchert waren, warf ich ab, und machte ein Bündel daraus, beschwerte eS mit einigen ansehnlichen Steinen, die ich am Ufex fand und warf das Ganze so weit als ich konnte in den Fluß hinein.
Mit Befriedigung sah ich, wie die Last in die