zurückgegeben hatte, erhob sich indessen, stieß uns alle zurück, sprang aus dem Bette und ■ warf sich in einen Armsessel, welcher diesem gegenüber in der Nähe des Fensters stand. Wir eilten an seine Seite und glaubten ihn schon todt zu finden, denn sein Haupt war schwer auf die Brust gesunken."
„O —! Welch schwerer Tod!" — rief die alte Frau mitleidig.
„Neuerdings richtete er sich auf, versuchte zu sprechen, doch die Stimme versagte ihm. Als der Arzt sah, wie Gryphyn ungeduldig und vergeblich nach Worten rang, träufelte er ihm noch etwas von der belebenden Flüssigkeit ein und endlich fand der Kranke die Kraft folgende Worte zu sprechen: „Priester — ich habe mich — eines Besseren — besonnen — ich mag nicht im Bette — sterben. — Dyvyd Gryphyn von Gryphyns- Hold — will gleich — seinen — Vorfahren — dem Tode — ruhig ins Auge schauen — er naht rasch — ich fühle, es — ist noch Zeit — Doktor — nach Sandy Island — schicken zu Mrs. Lindsay — ich muß sie sprechen — vor meinem Ende — ich muß." • - Der Doktor beruhigte den mit Athem- noth Kämpsenden, daß es noch Zeit sei und wir gleich das Nöthige veranlassen wollten, die Frau, nach der er verlangt hierherzuschaffen. Da schrieb ich Euch dann rasch, meine Tochter, und mit Gottes Beistand seid Ihr noch zu rechter Zeit hier eingetroffen."
Ein Klopfen an der Thür unterbrach die Rede des Priesters.
„Der Kranke ist erwacht" meldete ein Diener.
„Eilen wir, es ist keine Zeit zu verlieren" — sagte Pater Moriarty, Mrs. Lindsay an der Hand fassend — „und auch Du, mein Sohn, folge uns!" David folgte mechanisch diesem Rufe. Doch im selben Augenblick entstand ein Kampf in seiner Seele. Sollte er wirklich an das Sterbebett desjenigen treten, der seine Mutter in Nacht und Finsterniß hinausgestoßen hatte, der sie in Schmach und Elend und frühzeitigen Tod gestürzt hatte! — Sein gutes Gemüth trug jedoch in diesem Kampfe den Sieg davon. Auch sie die Schwergeprüfte, Heimgegangene würde solches Handeln gutheißen, gewiß, und sie sah auf ihn herab aus einer besseren Welt und war zufrieden, daß der Groll aus seinem Herzen wich. Und so folgte David dem Priester und der Pflegerin seiner Kindheit an das Sterbebett seines sündigen Vaters.
37. Kapitel.
Vater und Sohn.
Der Sterbende erhob den Kopf und ließ seine Blicke unstät im Zimmer herumschweifen.
Das hohe Gemach war ungeachtet der vier brennenden Wachslichter nur nothdürftig erleuchtet. In diesem Halbdunkel nahm sich das mächtige Haupt des Sterbenden von langen Locken umwallt und von einem dichten großen Barte umrahmt, schauerlich genug aus.
Er hatte sich im Bette aufzurichten versucht, sank aber sofort in die Kissen zurück. Granny Lindsay erkannte ohne Mühe in dem selbst im Tode noch stattlichen Haupte die Züge des unseligen Verführers ihrer Tochter, David jene des Fremden im Boothause am Wege, welchen er irrthümlich für Oberst Murdockson gehalten hatte.
Nur der Blick war gebrochen, dieses Auge über- hingen bereits die Schatten des herannahenden Todes, es halte seine fascinirende Gewalt eingebüßt.
„Mr. Gryphyn" — sprach der Priester — „hier ist die Frau, nach der Ihr verlangt habt." — Er führte Granny Lindsay an das Bett.
„Näher, näher — ganz nahe!" rief der Kranke. Er versuchte abermals den Kopf in die Höhe zu heben und derjenigen, welche vor ihm stand, in's Angesicht zu schauen, fand aber nicht die Kraft dazu, endlich gelang es ihm, die Hand auszustrecken und er deutete auf seinen Rock, welchen man ihm ausgezogen und auf einen nahen Stuhl gelegt hatte. Das Kleidungsstück wurde ihm sofort gebracht, aber Gryphyn schien mittlerweile vergessen zu haben, weshalb er danach verlangt hatte. Endlich raffte er sich abermals auf, sammelte seine Gedanken und sagte kaum hörbar: „Sucht — durchsucht die Taschen —"
Der Priester that wie ihm geheißen wurde und zog einen Bündel Schriften, welche eine rothe Schnur zusammenhielt, aus dem Rocke hervor. Bei diesem Anblicke belebten sich die Züge Gryphyns und etwas, das einem Lächeln glich, aber eigentlich ein Grinsen war, flog über die verwilderten Züge seines Angesichtes. — „Nehmt! — dies! — bedeutete er der alten Frau mit schwacher Stimme.
Zitternd empfing diese die Papiere aus der Hand des Priesters und blickte fragend in Gry- phyu's Antlitz. Er rang nach Worten und hauchte endlich hervor: „Diese Papiere — sichern — Eueres — Enkels — Rechte — Doktor — schnell — noch
einmal muß ich — die Kraft finden — zu spreche» — ich muß —"
Der Arzt reichte dem mit dem Tode Ringenden ein halbes Glas Cognac und dieser stürzte es mit dem ganzen Aufgebot seiner eisernen Willenskraft hinab. Auf Minuten hinaus schien neue Kraft in den Körper des sterbenden Riesen hineingezaubert zu sein. Er sprach mit geringerer Anstrengung.
„Diese Schriftstücke" — nahm er seine frühere Rede aus — „sichern Euerem Enkel, meinem rechtmäßigen Sohne, sein Erbe vor dem Gesetz — ich — mache — mir nichts — aus — dem — Jungen — aber er soll sein — Recht finden — die Eindringlinge — verjagen —"
Hier unterbrach sich der Sprechende und Pater Moriarty glaubte, die günstige Gelegenheit benutzen zu sollen, um Vater und Sohn mit einander bekannt zu machen.
Mr. Gryphyn, Euer Sohn ist hier und erwartet nur die Erlaubniß, sich Euch zu nähern."
„Ist er?! Er soll — sich nähern" und wieder flog ein böses tückisches Lächeln über des Sterbenden Antlitz.
Pater Moriarty gab David Lindsay einen Wink, näher zu treten. Dieser gehorchte und stand bald auf demselben Platze, dem Bette ganz nahe, welchen Granny Lindsay bis jetzt eingenommen und so eben verlassen hatte.
„Licht! Licht! - Ich will sein Antlitz sehen!" — rief Dyvyd Gryphyn. (F. f.)
Vermischtes.
— Sunderland, 16. Juui. Nach Schluß der heutigen Kindervorstellung in Victoria-Hall entstand beim Austritt aus dem Theater ein furchtbares Gedränge, wobei mehrere Kinder niederfielen, während die nachfolgenden über die am Boden liegenden Hinwegschritten. Die Zahl der in dem Gedränge Umgekommenen wird auf etwa 50 bis 70, die Zahl der Verletzten auf etwa 300 geschätzt, — Nach weiteren Ermittelungen sollen heute Abend bei der Katastrophe in Victoria-Hall gegen 160 Kinder erdrückt worden sein.
— S t r a s b u r g. Eine D a m e unseres Kreises hat bei Gelegenheit ihrer zeugeneidlichen Vernehmung vor Gericht wie schon vor Jahren auch kürzlich ihr Alter aus 26 Jahre angegeben. Es wurde jedoch ermittelt, daß ihr Geburtsjahr den Rückschluß auf fast die doppelte Zahl der Lenze gebiete, welche sie zugestanden hatte. Die Bedauernswerthe hat nun eine Vorladung zu ihrer verantwortlichen Vernehmung wegen Meineides erhalten.
— Süll in gen (Kreis Malmedy), 11. Juni. Vorletzte Nacht ereignete sich in dem Nachbardorfe Honsfetd ein schreckliches Unglück. Nachts zwischen 12 und 1 Uhr brannte das mit Strohbedachung versehene Haus einer armen Tagelöhnerfamilie gänzlich nieder. Sämmtliche Einwohner des Hauses, Mann, Frau und 7 kleine Kinder, lagen fest im Schlaf. Die Eheleute konnten sich und die vier kleinsten Kinder nur mit knapper Noth retten, die drei ältesten Kinder dagegen, Mädchen im Alter von 10, 8 ‘/4 und 6 Jahren, welche auf dem Dachboden schliefen, waren nicht mehr zu retten und fanden in der verheerenden Flamme den schrecklichsten Tod.
— Czernowitz, 11. Juni (Bergrutsch.) In Kuzurmare ist ein mehrere hundert schritte vom Bahngeleise gelegener Berg in Folge der Regengüsse in Bewegung gerathen, wodurch 20 Häuser abgerutscht sind, weitere 80Häuser befinden sich in Gefahr.
— London. Die Einfuhr von Straußfedern vom Cap der guten Hoffnung in England erreichte im abgelaufenen Jahre einen Werth von 1093989 Pfd. Sterl. Die Federn wogen 253000 Pfd.
— Im Kampf ums Das ei u. Aus Magen- furt wird der „N. Fr. Pr." geschrieben: „Hier spielte sich dieser Tage eine Scene aus dem Thierleben ab, die zahlreiche Zuschauer herb.ntockle, welche dem interessanten Kampf ums Dasein zwischen Schwalbe und Spatz die höchste Aufmerksamkeit widmeten. An der Südecke des neuen Sparkasscu- gebäudes kann man unter den Cousolen der Altane des ersten Stockwerkes vier Schwalbennester erblicken. Eines derselben wurde, während das Schwalbeu- Paar einen Ausflug gemacht hatte, von einem kecken Spatzen besetzt und alle Versuche der Besitzer, den unangenehmen Gast wieder ins Freie zu setzen, blieben erfolglos, vielmehr geberdete sich dieser schon als Herr im Hanse und traf alle Vorbereitungen, sich in dem Quartier festzusetzen. Es währte jedoch nicht lange, denn bald kehrte das vertriebene Schwalbenpaar wieder an die Stätte der Besitzstörung zurück, aber in Bekleidung von ungefähr einem Dutzend seiner Geschlechtsver- wandten. Jede Schwalbe trug im Schnabel Material für die Zumauerung des Nestes, und war dasselbe verbraucht, flugs wurde neues herbeigeschafft. In wenigen Minuten war das übermüthige Spütz- leiu in dem occupirten Neste eingemauert; frucht
los blieben nun seine Bemühungen, zu entkommen, es gelang ihm nur, sich mit dem Schnabel eine kleine Oeffnung ins Freie zu bohren. Der Leib aber blieb im Neste stecken und so traf den kecken Eindringling das Loos des Verhungerns. Das Nest befindet sich noch auf seinem Platze, der Sperlingskopf hängt aus demselben heraus.
— Venedig versandet. Man schreibt dem „Hamb. Corr." aus Rom: Das Mittelmeer tritt immer mehr zurück, das ist die unangenehme Thatsache, welche in der cisalqinischen Presse ein lautes Echo findet. Bekanntlich ist Venedig in Gefahr, seine Lagunen ebenso verschwinden zu sehen, wie früher die von Adria verschwanden. Adria war früher ein blühender Hafen — ja das Meer empfing von ihm den Namen — und heute liegt es 20 Leguen davon entfernt. San Marco wird eines Tages demselben Loos verfallen. Zur Zeit Strabos war Ravenna ebenfalls ein Hafen, und heute liegt es eine Meile landeinwärts. Seit 1804 sind die Meeresufer der Po-Mündung um 12 Kilometer zurückgetreten. Auch Pisa blühte im Mittelalter als Seestadt; jetzt liegt es mehrere Kilometer landeinwärts.
— Eine ganze Jury vergiftet. Aus Philadelphia kommt die schauerliche Meldung, daß der am 24. v. Mts. gegen den Jrländer Thomas Lyons wegen Ermordung des Chinesen Chung May Ion verhandelte Schwurgerichtsprozeß vertagt werden mußte, da sämmtliche Geschworenen während der Sitzung von einem Uebelbefinden befallen wurden, das alle Symptome eines Lergiftungsversuches an sich trug. Nur den energischen Anstrengungen der schnell herbeigerufenen Gerichtsärzte gelang es, die schädlichen Wirkungen des Giftes durch schnell gereichte Gegenmittel zu paralysiren, so daß die Mitglieder der Jury noch vom sicheren Tode gerettet werden konnten. Die gerichtlich eingeleitete Untersuchung dürfte ohne Zweifel ergeben, daß einige Complizen des Mörders, der einem jener berichtigten „gangs“, jener Verbrecherbanden, wie sie die amerikanischen Großstädte zeitigen, angehörte, den Vergiftungsversuch planten und zur Ausführung brachten, was um so leichter war, als bekanntlich die amerikanischen Geschworenen nach dem englischen Gerichtsverfahren am letzten Tage einer Schwurgerichtsverhandlung das Gerichtsgebäude nicht mehr verlassen dürfen und ihre gemeinschaftlichen Mahlzeiten aus einem in der Nähe liegenden Restaurant beziehen müssen.
— (Knoblauch contra Hundswuth.) Viel Interesse erregt in der medicinischen Welt die Entdeckung eines angeblich geradezu unfehlbaren Heil- mittels gegen die Hundswuth. Der „Standart" schreibt darüber: Vor einiger Zeit gab Mr. Bouley, Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften, über die Entdeckung einer Cur gegen Hydrophobie Auskunft, bei welcher der Knoblauch ausschließlich zur Verwendung kommt. Man setzte anfangs wenig Vertrauen in diese Erzählung. Seitdem ist die angeführte Methode jedoch versucht worden, und zwar mit den besten Resultaten. Ein portugiesischer Arzt hat Bouley mitgetheilt, daß er im Laufe weniger Monate neun am Biß toller Hunde leidende Patienten in Behandlung nahm — sämmtlich nach Bouley'scher Methode — und eine vollständige Heilung erzielte. Bouley ordnet Folgendes an: Dem Patienten wird die Bißwunde mit Wasser ausgewaschen und danach gut mit pul- verisirtem Knoblauch eingerieben. Außerdem hat der Patient ein starkes Decoct aus Knoblauch und Wasser während acht oder neun Tage häufig zu sich, zu nehmen und auch längere Zeit in der einen oder anderen Form Speisen mit Knoblauch zu genießen.
Ein Apologete für die Spatzen.
Der Apfelrüsselkäfer ist 1'/, Linie lang, braun mit rostfarbenen Flügeldecken, hinten mitweiß- licher und schwarzer Binde, das Schildchen weiß, der Rüssel lang, aber kürzer als der Leib. Dieses Thierchen ist eins der schädlichsten im Obstgarten; gegen die Blüthezeit legt er in jede Blüthe ein Ei, die Larve verzehrt dann die Staubfäden und Griffel, woraus die Blüthenblätter schwarz werden und auf die Erde fallen. In manchen Jahren verliert man durch diesen Käser alles Obst. Ein wirksames Vertilgungsmittel ist bis jetzt gegen diesen gefährlichen Feind unseres Obstes noch nicht gefunden worden. Der wirksamste Vertilger des genannten Käfers ist der Sperling. Man sollte deshalb mit der Verfolgung dieses nützlichen Vogels, nicht zu hitzig sein. Wenn uns auch seine Drefftig- keit und Gefräßigkeit oft lästig ist, so sollte man ihm doch sein größeru Nutzens halber das Leben gönnen. - o •
16 M. 40 Pf. Gerste 100 Kilogr. — M. — Pf. bis — M. — Pf. Hafer 100 Kilo gr. 13 M. - Pf. bis 14 M. - Ps.