Sonnabend den 16. Juni 1883
Nr. 58.
Kreis
Das „Kreisblütt" erscheint wöchent- ich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.
für den
«Kreis Hersfeld
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Amtliches.
Kreis Hersfelv.
Hersfeld, den 14. Juni 1883.
Die Herren Ortsvorstäude 2c. des Kreises haben in ihren Verwaltungsbezirken bekannt machen zu lassen, daß diejenigen Pserdezüchter, welche mit Zahlung des Fohlengeldes an den Gestütewärter Stiebeling dahier noch rückständig sind, dieses bis spätestens zum 22. tu MtS. an den besagten Gestütewärter einzusenden haben.
Zugleich werden diejenigen Herren Bürgermeister 2C., welche die Abfohlungsliste noch nicht an den 2c. Stiebeling eingeschickt haben, angewiesen, dieses ebenfalls noch bis zum obigen Termine, bei Mei- dung von 3 Mk. Strafe, zu thun.
7593.
Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Diejenigen Schafbesitzer, welche den am 21. l. M. hier abgehalten werdenden Schafmarkt beschicken wollen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß nur solches Vieh aufgetrieben werden darf, von welchem durch amtliche Bescheinigung oder durch Untersuchung hier am Platze uachgewiesen wird, daß es Reingut ist.
Fulda, den 13. Juni 1883.
Der Königliche Landrath: Trott.
# Die Noth der Katholiken
Unter ben Parteien besteht völlige Uebcrein- stimmung darüber, daß die Wirkung der kirchen- politischen Gesetze thatsächlich für die Befriedigung der seelsorgerischen Bedürfnisse der Katholiken eine
erkannten Pflicht der Beseitigung des abnormen Zustandes aufschiebt? Soll er die Erfüllung seiner Pflicht abhängig machen von dem Eintritt von Verhältnissen, die außer dem Bereich seiner Thätigkeit liegen? Soll er mit dem, was er als nothwendig erkannt hat, warten, bis die Curie Concessionen gemacht hat? Er würde sich hiermit vollständig von den Entschließungen der Curie abhängig machen, während es doch gerade der Ausfluß seiner Sou- veränetät ist, das auf dem ihm eigenthümlichen Gebiet zu thun, was er als nothwendig erkannt hat.
Die preußische Regierung hat die kirchliche Noth der Katholiken schon nach vielen Richtungen hin zu lindern gesucht. Es ist ihr möglich gewesen, die Zahl der verwaisten Pfarreien, die im Jahre 1880 1103 betrug, im Jahre 1882 auf 133 zu verringern. Außerdem ist durch das kirchenpoli- tischeLGesetz vom Juli 1880 auch das Spenden der Sacramente und das Messelesen durch benachbarte Geistliche ermöglicht worden. Aber Grund zur Beschwerde bleibt den Katholiken so lange, als die Vornahme geistlicher Amtshandlungen noch überhaupt unter Strafe gestellt werden kann. Der Staat erfüllt nur eine Pflicht gegen sich selbst, wenn er den Katholiken diesen Grund der Beschwerde nimmt. Und das ist der Hauptzweck des neuen Gesetzes, dem alle diejenigen zustimmen sollten, welche die Freiheit der Religionsübung als ein allen Confessionen zu gewährendes Recht anerkennen.
Bisher sind von Niemandem die Vorschläge der Regierung an sich als für den Staat nachth eilig oder als mit den Principien einer Partei llnver-
einbar bekämpft worden; es sind nur immer außerhalb liegende politische Rücksichten und Berech-
»«JE S nungen gewesen, welche wenigstens in einem Theil
uachthe lge gewesen ist. Wir wollen dahingestellt hpr ^..J. ' < $ 3 >,„9inTtfin™
sein lassen, ob diese Wirkung eine unvermeidliche war und ob es der katholischen Kirche nicht mög-
der Presse zu einer Verurtheiluug der Vorlage geführt haben. Wird aber von allen Seiten eine Sache, wie die Hebung der kirchlichen Noth der
lich gewesen wäre, diese Wirkung zu verhindern.! ^^ an M „o^ Thatsächlich haben sich Zustände ergeben, unter Katholiken, ars an pcy norywenolg errannm wiro, denen viele Katholiken zu leiden haben.
Nun giebt es eine kirchenpolitische Richtung, welche sagt, daß dem Staate die Folgen der Ge- etzgebung gleichgültig sein können und daß derselbe einerseits nichts zur Beseitigung dieser Folgen beiragen dürfe, ehe nicht die Curie gewisse vom Staat gestellte Bedingungen erfüllt habe. Diese Richtung hat zwar anscheinend viel für sich, sie vergißt aber, daß der Staat sich hiermit selbst in's Fleisch schneidet. Waren die Katholiken, die unter den Wirkungen jener Gesetzgebung zu leiden haben, dieLlnterthaneu einer fremden Macht, so würde der Staat ruhig die weitere Entwicklung abwarten können. So aber sind es seine eigenen Unterthanen, die leiden, und
dann sollten unseres Erachtens alle Sonderinte- reffen schweigen und die Parteien einmüthig ohne fremde Rücksichten das Ihre dazu beitragen, die Pflicht und Aufgabe des Staates erfüllen zu helfen.
stolitische Nachrichten.
Die Uebersicht über die Ergebnisse des Heeresergänzungs-Geschäftes im Reichsgebiete für das Jahr 1882 weist folgende Daten auf: In den alphabetischen und Restautenlisten werden 1 149 909 Personen geführt, davon sind 20jährig 487 647, 2ljährig 345 246, 22jährig 260 825, ältere 56193. Davon find als unermittelt in den
Restantenlisten geführt 30302, ohne Entschuldigung ausgeblieben 102223, anderwärts gestellungspflichtig geworden 237 331, zurückgestellt 421348, ausgeschlossen 1235, ausgemnilert 62 400, der Ersatzreserve 1 überwiesen b6 895, der Ersatzreserve II 52 520, der Seewehr II überwiesen 379, ausgehoben 124 261, überzählig geblieben 12 600, freiwillig eingetreten 17915. Von den Ausge- hobenen wurden für das Heer zum Dienst mit
darunter leidet er selbst.
Der Staat als Gemeinschaft der Glieder eines durch Sprache und Sitte verbundenen Volkes hat vor Allem die Aufgabe, das Wohl seiner Glieder zu fördern durch positive Maßnahmen, wie durch Beseitigung der diesem Wohl entgegenstehenden Hindernisse; je mehr ihm dies gelingt, desto mehr fördert er sein eigenes Interesse. Von jeher und besonders in Preußen hat es als eine der wichtig- ... -------
sten Aufgaben des Staates gegolten, der Befriedig- der Waffe 118 636, zum Dieust ohne Waffe o421 ung der religiösen Bedürfnisse seiner Unterthanen; herangezogen. Für die Flotte wurden aus der kein Hinderniß in den Weg zu legen und Alles zu Landbevölkerung 815, aus der sseemänuifchen Be- beseitigen, was sich derselben entgegenstellt. ! völkerung 1389 ausgehoben. Wegen unerlaubter
Mit der Maigesetzgebung hat der Staat dieser Auswanderung sind verurtheilt: aus der Landbe- seiner Pflicht nicht entgegentreten wollen; thatsäch- völkerung 13715, aus der seemännischen 1081 änlich aber haben sich daraus Verhältnisse ergeben, dividuen, in Untersuchung befanden stch noch die als Hindernisse für die Befriedigung der seel-: 12339 Fälle. In Bayern wurden in den Listen
kirchenpolitischen Verhandlungen des Abgeordnetenhauses ein sicheres Urtheil bilden läßt. Das Wahrscheinlichste ist, meinen die „B. P. N.", daß der Kanzler von Berlin aus direkt nach Kissingen sich begiebt; ein vorheriger Aufenthalt in Fried- richsruh, wie verschiedentlich gemeldet wurde, ist um so unwahrscheinlicher, als die Umbauten des dortigen Schlosses noch nicht vollendet sind.
Während der letzten Tage sind nach den Riede r l a n d e n mehrfache Nachrichten über den Stand der Dinge in Niederländisch-Jndien, wo die holländischen Soldaten gegen die Bewohner der Nordküste von Sumatra im Felde stehen, gelangt. Ein Brief im „Handelsblatt" aus Batavia schildert die Lage der Holländer als keineswegs günstig. Die Eingeborenen sind mit ausgezeichneten Gewehren versehen worden, welche sie aller Wahrscheinlichkeit nach von englischen Kauffahrern erhalten haben. Das wald- und Hügelreiche Gelände ist für den Guerillakrieg ungemein günstig und bietet den Eingeborenen manche Vortheile. Die Friedensverhandlungen hatten keinen Erfolg. Der Rajah Njay Hassan, welcher die Eingeborenen an- führt, soll auf der Zurückgabe des umstrittenen Gebietes und auf der Zahlung einer Summe von 5000 fl. bestehen. Von Java sind Verstärkungen nach Sumatra abgegangen.
Der Pariser „Gaulois" will wissen, daß im französischen Auswärtigen Amte von drei neuen Botschaftern die Rede sei,nämlich vonWadding- ton für London, von General Billot für Wien und von General Courcy für Petersburg.
Zur Tonkin-Affaire meldet der Pariser „Temps", daß die Verhandlungen Wischen dem französischen Commissar Tricou und dem chinesischen Obercommaudirenden Liang-Chang einen guten Fortgang nehmen.
Als ein deutliches Symptom für die Stellungnahme der Nordamerikaner in der T onkin-Angelegenheit ist es anzusehen, daß nach einer Mittheilung der „Times" aus Philadelphia verschiedene Offiziere der nordamerikanischen Kriegsflotte sich in dem Glauben, daß ein Krieg zwischen Frankreich und China unmittelbar bevorstehe, an den chinesischen Gesandten zur Erlangung von Anstellungen in der chinesischen Kriegsmarine gewandt haben sollen; der Gesandte habe geantwortet, daß er in dieser Beziehung keinerlei Vollmacht besitze, und habe die amerikanischen Offiziere an denVice- König Li in Canton gewiesen.
Aus Petersburg wird unterm 13. d. Mts. gemeldet: Die in dem Prozeß wegen Zugehörig- feit zur russischen Sozial-Revolutionspartei gegen Bogoanowitsch, Tellalow, Slatopolsky, Grat- schewsky, Klimenko und Butzewitsch erkannte Todesstrafe ist vom Kaiser im Gnadenwege in Zwangs- Arbeit auf unbestimmte Zeit um gewandelt worden, die gegen Stefanowitsch ausgesprochene Zwangs- arbeitsstrafe auf unbestimmte Zeit wurde auf acht Jahre, die gegen die Lissowskaja und die Pry- bilewa erkannte Zwangsarbeitsstrafe wurde auf 4 Jahre herabgesetzt, die Deportationsbedingungen für Grünberg, Boretsch und die Juschkowa sind gemildert worden.
Aus H-ff-n-Naffau.
sorgerischen Bedürfnisse gelten müssen und die er geführt 104549 Personen; davon sind ausgehoben demgemäß zu beseitigen die Aufgabe hat. Es können '" ^" ....... m™ ...... m,f ”•
nicht überall geistliche Amtshandlungen vorgenonl' meu werden, weil es in Folge jener Gesetze an gesetzmäßig besetzten Pfarreien fehlt und die Vornahme derselben durch unbefugte Geistliche unter Strafe gestellt ist. Das ist ein von allen Parteien als abnorm erkannter Zustand. —
17 704, und zwar 17 208 zum Dienst mit der Waffe und 496 zum Dienst ohne Waffe. Wegen unerlaubter Auswanderung wurden im Jahre 1882 verurlheilt 616 Mann, und in Untersuchung
Hersfeld, 15 Juni. VorderStraskammer : Kgl. Landgerichts zu Cassel Latte sich der Mahlknecht Heinrich Götze aus schenklengsfeld wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle zu verantworten. Der Angeklagte, welcher keinen Unterschied zwischen Mein und Dein zu kennen schemt, ist beschuldigt, dem Mühlenbesitzer W l e g a nd auf der Feldmühle bei Schenklengsfeld, mdessen Diensten er stand, aus einem schränk vier Hemden entweu- det zu haben. Götze leugnete zwar beharrlich, ie- doch nahm der Gerichtshof die Schuld desselben durch die stattgehabte Beweisaufnahme als erwie- sen an und erkannte wider ihn auf eine Zuchthaus-
befanden sich noch 639 Fälle.
Ueber die Abreise des Reichskanzlers ans Berlin soll noch keinerlei Bestimmung getroffen ^. «., .................
kein. Es verlautet, der Kanzler beabsichtige, noch strafe von einem ^ahre und Kdjy nionaten, Ber
Kann es nun für den Staat einen Grund geben, fern. Es veriauiei, oer »anzrer vmm^uge, huuj iiiujc vu» cuicm .u^ Mchalb ct Mc Erfüllung der »ou ihm als solche so lange zu bleibe», bis sich über Den Saug der I lull der bürgeillchcil Chlenrechte am die -uouer