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segeln, die Entflohenen aufzusuchen und sich über Alles Klarheit zu verschaffen. Ach, was nutzte das Alles, in Baltimore fand er sie so wenig, als er eine Stecknadel in einem Heuschober gefunden haben würde. Von da ging der arme unerfahrene Jim weiter nach New-Aork, da es in Baltimore hieß, daß zwei Leute, auf welche die Beschreibung Jim's paßte, mit einem Dampfer dahin gefahren waren. Doch in New-Iork konnte er auch nicht die leiseste Spur von ihnen entdecken. Alles sauer ersparte Geld, das er mitgenommen hatte, war bereits in der Fremde darauf gegangen, so blieb dem armen Manne nichts übrig, denn sich als Matrose zu verdingen. Auf diese Weise kam er von New-Iork unverrichteter Sache und verzweifelter denn je nach Baltimore, dort mußte er abermals so lange bleiben, bis er die Gelegenheit fand, sich auf einem Schiff zu vermiethen, das über La Compte fuhr. So blieb er gar lange unterwegs, litt vielen Mangel, viele Entbehrungen und fand auch nicht den kleinsten Trost für den Verlust seiner Tochter."

Jimmy und ich brachten daheim recht böse Tage zu die Tochter fort der Mann und Vater in der weiten Welt und wir beide trostlos in dem verödeten Heim. Doch eines Tages er­hellte ein Sonnenstrahl unsere Lebensnacht. Pater Moriarty war der Engel, welcher ihn uns brächte es waren dies zwei Briefe von Desoloe, die fast zugleich angekommen waren. Der Eine war aus Baltimore, der Andere am Tage ihrer Einschiffung von New-Iork nach Liverpool geschrieben. Der erste Bries beruhigte mich vollkommen, er brächte uns die frohe Kunde, daß sie in der Kirche der heiligen Kommunion" zu Baltimore getraut wor­den war und enthielt überdies noch ihren Trau­schein. Der zweite Brief besagte uns, daß sie auf dem Wege nach Europa sei, oftmals schreiben und bei ihrer Rückkehr uns sicher besuchen würde. Ein Stein fiel uns vom Herzen und überdies konn­ten wir dem armen Heimkehrenden beruhigende Nachrichten über sein verlorenes Kind geben. Aus beide» Briefen sprach aber auch die zärtlichste Liebe für uns."

Doch bei Jim blieb alles wirkungslos, er liebte Desol6e zu sehr. Nichts war im Stande, ihn über ihren Verlust zu trösten.Wenn dieser Herr unser Kind heirathen wollte, weshalb wählte er dann nicht den offenen und geraden Weg. Wes­halb lief er heimlich mit ihr davon, er mußte ja überzeugt sein, daß wir es uns als eine große Ehre anrechnen würden, einem so vornehmen Manne das arme Mädchen zum Weibe zu geben! Warum hat er sie uns gestohlen? Wohl damit rings um auf den Nachbarinseln all' die Leute ein Recht haben, Uebles von ihr zu denken."

Ach, das mußt Du seinem Stolze zu Gute halten, hier, vor General Stuart und all' den vornehmen Leuten auf La Compte, wollte er viel­leicht kein armes Mädchen heirathen, darum führte er es fort und machte es in aller Stille zu seinem Weibe" sagte ich, um Jim zu beschwichtigen deshalb kann er jetzt doch ein braver Ehemann sein und sie glücklich machen."

Doch aller Trost war vergebens, der arme Mann konnte sich von dem schweren Schlage, der ihn be­troffen hatte, nicht mehr erholen. Dazu kam noch das Fieber der Malaria, das er sich auf seiner Reise durch die Städte geholt hatte, kurzum er siechte dahin und starb denselben Herbst im Monat September nicht an Fieber, wohl aber ich lasse mir's nicht nehmen er starb an gebrochenem Herzen. Bis zum letzten Augenblick hatte er Desoläe noch einmal zu sehen gehofft. Er glaubte ohne ihren Anblick nicht sterben zu können. Doch weder sie noch ein Brief von ihr kam. Pater Moriarty, der ihn oft zu trösten suchte, verschwendete seine guten Worte umsonst. Dem armen Jim war nicht zu helfen. Dyvyd Gryphyn hatte ihm das Herz gebrochen. Wie mir und meinem Sohne zu Muthe war, als wir den Vater begraben hatten, das kann ich Dir gar nicht beschreiben, David. Ich weiß nur so viel, daß ich meinen ganzen christlichen Glauben zusammennehmen mußte, das Leben noch weiter zu tragen. Wie traurig mußte ich damals stets denken wäre doch dieses Leben, wenn ihm kein besseres folgen sollte! Zuweilen ver­gaß ich meinen eigenen Schmerz in der Trauer um meinen guten Sohn Jimmy, der so Böses in seinen schönen jungen Jahren erleben mußte, und sich's auch so zu Herzen nahm, daß ich oft fürchtete, er würde am Ende gar seinem Vater nachfolgen und mich ganz allein zurücklassen. Von Desol6e er­warteten wir vergebens eine Nachricht. So ver­ging ein ganzes Jahr in schwerem, bitterem Leid."

Das nächste Jahr sollte uns eine Freude bringen. Genau ein Jahr nach seines Vaters Tode begegnete Jimmy auf der Ackerbaumesse inLeonardstowu" seinem zukünftigen Weibe. Vom ersten Augenblick an liebte er es. Käthe war eine Waise, die Nichte des Plantage-Aufsehers von St. Mary. Gleich, als er heimkehrte, erzählte er mir sein Legegniß.

Ich kannte zufällig di^ Familie, der das Mädchen angehört hatte, wett ich in meiner frühen Jugend auch in jener Gegend gelebt hatte, und so rieth ich ihm damit er doch wieder eine Freude am Dasein fände jenes Mädchen als Braut heimzuführen. ! Jimmy warb um sie und brächte kurz darauf Käthe in's Haus. Sie war ein schönes, lustiges, starkes, gesundes Mädchen, mit freundlicher Stimme und Hellem Lachen, voll Lebensfeuer, gerade ein Ge­schöpf, wie es unserem traurigen Haushalte Noth that. Sie wurde ein Segen für uns! Du, mein Junge, hast sie bis zur Stunde, als Deine Mutter verehrt und Jimmy meinen armen, auf der See zu Grunde gegangenen Sohn, als Deinen Vater. Weder der Eine noch die Andere sind Dir bluts­verwandt, mein guter David. Kein anderes Band bestand zwischen Dir und ihnen, als das Band der Liebe, was aber, wie ich an mir erfahren. Alles in Allem genommen, stärker ist, denn jedes andere. Die wackere Käthe also wurde für mich eine liebevolle Tochter und hat meinen braven Sohn recht glücklich gemacht."

34. Kapitel.

Der Biß der Schlange.

Es verging ein weiteres Jahr und nun waren es gerade zwei und halb Jahre, daß wir unser theures Kind Desolee verloren hatten. Während dieser ganzen Zeit kam keine Nachricht mehr von ihr und wir fingen an uns mit dem schmerzlichen Gedanken vertraut zu machen, daß sie auf ewig für uns verloren sei, als man in einer bitterkalten Februarnacht wir waren gerade im Begriffe unsere Betten aufzusuchen leise an die Thür pochte und eine zarte abgehärmte Frauengestalt, nothdürstig gekleidet, in die Stube trat.

Wer seid Ihr?" rief ich in der ersten Ueber- raschungund wie kommt Ihr hierher!"

Mutter, oh meine Mutter? tönte es von den bleichen Lippen und Desolse warf sich an meine Brust.

Käthe, Jim!" rief ich vor Freude weinend meine Tochter, Eure Schwester ist da!"

Unser aller Glück kannte im ersten Augenblick keine Grenzen. Vergessen war alles Leid. Der Gedanke eines Vorwurss kam mir garnicht in den Sinn. Hat nicht der verlorene Sohn Aufnahme und Verzeihung im Hause des Vaters gefunden, warum sollte die verlorene Tochter darauf keinen Anspruch haben? Ihre Schuld war ja geringer, denn sie wurde zur Sünde verleitet, ihre Uner- fahrenheit benutzt. Und überdies war meine Freude bei Desolees Anblick so groß, daß ich so­fort alles Leid und allen Kummer vergaß, den sie über uns gebracht.

Als sich die Aermste von ihrer Betäubung einiger­maßen erholt hatte, brachten wir sie zu Bette und suchten sie durch sanfte Liebesworte, an welchen es auch Jim und seine Frau nicht fehlen ließen, aufzurichten und zu beruhigen.

Ich verdiene Eure Güte, Eure Liebe nicht'" sagte sie mit Thränen erstickter Stimme, aber Gott ist gütig und will meine schwere Prüfung dadurch lindern."

Küsse und Schmeichelworte schloffen ihr den Mund, denn wir wollten der Aermsten nicht gestatten, sich durch die Erinnerung des. erlebten Leides neuer- dings aufzuregen. Ein Stündchen gönnte sie sich auch Ruhe und erfreute sich der lang entbehrten Behaglichkeit im Kreise ihrer nächsten Angehörigen. Dann aber hielt sie es nicht länger aus. Sie fühlte das Bedürfniß, sich auszusprechen, ihr Herz zu erleichtern.

Jimmy und Käthe hatten sich zurückgezogen, wir Beide waren ganz allein. Ich saß am Bette, hielt ihre Hände in den mehligen und sie, die Aermste, flüsterte mir ihre Leidensgeschichte in's Ohr.

Dyvyd Gryphyn wollte, als er sie einmal dem Bereich unserer Verfolgung entrückt wußte, leich­teren Kaufs als mit der Ehe durchkommen. Sie aber bestand darauf, dieses Versprechen erfüllt und ihren guten Namen erhalten zu sehen. Höhnisch erklärte er ihr, daß sie dasjenige, was sie zu er­halten bemüht sei, nicht mehr besitze, daß ihr guter Name durch die Entführung schon verloren sei, daß sie nur gewinnen, aber nichts mehr verlieren könne, wenn sie noch weiter bei ihm bliebe. Darauf entgegnete Desolse, daß wenn sie auch durch seinen Wortbruch ihre Ehre verloren hätte, sie doch das Heil ihrer Seele besitze, da sie nicht wissentlich ge­fehlt habe, und dieses Heil sei ihr um kein irdisches Gut feil, weshalb sie ihm erklärte, er müsse sie sofort zu seinem rechtmäßigen Weibe machen, oder sie würde auf der stelle umkehren und ihre Freunde nnd Wohlthäter um Gnade und Verzeihung an- fleheu. (F. f.)

Vermischtes.

In recht bedauerlicher Weise hat sich inMül- Hausen wieder die Gefährlichkeit der Herbßzcit- l o s e (Colchicum) gezeigt. Zwei Knaben im Alter

von 5 und 7 Jahren hatten die Samenkapseln dieser Pflanze abgepflückt und genossen; noch an demselben Abend starb der eine der Knaben, Tags darauf der andere.

W ü rz b u r g. Der Stein-Sarkophag Wal- ther's von der Vogelweide 'ist, wie demFrank. Cour." aus Würzburg gemeldet wird, am 28. v., im Lusamsgärtchen vom Bau-Amtmann Friedreich aufgefunden worden.

Mainz, 23. Mai. Gestern Vormittag hat sich hier ein schrecklicher Selbstmord zugetragen. Die Tochter eines hiesigen Schreinermeisters hat sich mittelst eines Hobeleisens den Hals durchschnitten. Das Mädchen war mit einem Lehrer verlobt und sollte in einigen Tagen die Hochzeit stattfinden; vor zwei Tagen löste aber der Bräutigam die Ver­lobung auf.

- Friedeberg, N.-M., 29. Mai. Bei dem in Zanghausen, etwa 2 Stunden von hier gefeierten Königsschieben der dortigen Schützengilde wurde der Scheibeuzeiger Moissel, Vater von sechs Kin­dern, durch den Fehlschuß eines Schützen getödtet. Das Unglück ereignete sich, als das Königsschießen bereits beendet war und einige Richtschützen nach eingeholter Erlaubniß noch einige Schuß auf die Scheibe abgaben. Die gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet.

Geldern. Die hiesige Zeitung macht auf­merksam auf den Mißbrauch, Schnittwunden an Fingern mit Spinngewebe zu verbinden. Letzte Woche verband sich eine Dienstmagd einen bluten­den Finger wieder mit Spinngewebe. Die Folge war, daß der Finger und danach die ganze Hand hoch aufschwoll. Der Finger mußte schleunigst am- putirt werden, weil die Magd sonst an Blutver­giftung gestorben wäre.

Ueber die beklagenswerthe Panik auf der neuen Hängebrücke zwischen Newyork uud Brooklyn meldet ein Newyorker Telegramm weitere Einzel­heiten. Die Stauung der Massen auf der Brücke wurde zuerst durch einige Personen verursacht, welche einen Mann auslachten, dessen Hut der Wind in den Fluß entführt hatte. Eine Frau fiel in Ohn­macht ; ein Mann arbeitete sich mit seinen Fäusten durch die Menge, um dieselbe zu schützen und bald entspann sich eine allgemeine Prügelei. Von beiden Enden der Brücke strömte das Publikum nach der Scene der Unordnung. In dem furchtbaren Ge­dränge wurden Männer, Frauen und Kinder die steilen Steintreppen, mittelst welcher die Paffagiere von Newyork die Brücke besteigen, hinuntergestoßen, wobei 12 Personen, darunter 7 Frauen, erdrückt oder zertreten wurden. In einer Länge von einer (englischen) Viertelmelle war die Brücke mit einer riesigen zurück und vorwärts drängenden, heulen­den und kreischenden Menge gefüllt. Eine Viertel­stunde verstrich nach dem Beginn der Panik, ehe Hülfe geleistet werden konnte. Als dieselbe endlich anlangte, wurde das^Mittelgeländer niedergerifsen und die Todten und Sterbenden wurden auf Wagen nach dem Krankenhause gebracht. Sehr vielenLeuten wurden in dem verzweifelten Kampfe um das Le­ben die Kleider vom Leibe gerissen. Der einzige Polizist, der an Ort und Stelle war, rettete das Leben der ersten Frau, welche niedergeworfen wurde, aber verlor dabei fast sein eignes Leben. Die Panik, fügt der Bericht hinzu, ist keineswegs der Furcht, daß die Brücke nachgebe, sondern dem großen An- drange und der steilen Natur der steinernen Treppe zuzuschreiben.

(B o s h a f t). Rechtsanwalt (zu seiner Frau): Was meinst Du, liebe Frau, was ich zur Ver- loosung von Liebesgaben hinschicken soll?" Frau:Einen von Deinen Processen, dann wird doch einmal einer gewonnen."

(Theure Consultation.) Aus Neapel be­richtet man von einem gut ausgedachten Gauner­stückchen : Einer der bekanntesten und gesuchtesten Aerzte unserer Stadt empfängt täglich in seiner Wohnung zahlreiche Visiten von Hilfesuchenden. Unter denselben erscheint dieser Tage ein junger Mann von elegantem Aeußern, giebt sich dem Diener des Professors als ehemaliger Schüler seines Herrn zu, erkennen und spricht dann bald mit diesem, bald mit jenem der Wartenden über ihr Anliegen, ganz in der Weise eines alten Haus­freundes Dies wiederholte sich mehrere Tage nacheinander, bis unser Mann in einem Herrn aus der Provinz, der mit Frau und Kind beim Arzt erscheint, den Rechten findet, beim feine Börse er­weist sich als gut gespickt. Als die Reihe an den Provinzler kam, tritt er mit diesem zugleich in's Cousultationszimmer. Der Professor hält ihn na­türlich für einen Begleiter des Patienten und dieser für einen guten Bekannten des Professors. Im Laufe der Consultation muß sich der Patient ent­kleiden und dieser Mann legt alle von Jenem ab­gelegten Kleidungsstücke fein säuberlich auf einen Stuhl. Während nun der Professor seinen Pa-