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Tage" allen seinen Unterthanen Gnade zu erweisen, bewilligt der Kaiser besonders den Nothleidenden und Bedrückten, sowie denjenigen, welche durch Verhältnisse, Nothlage, Leichtsinn, Irrthum, Fahr­lässigkeit das Gesetz übertreten haben, sowie den Reuigen Steuernachlässe und Amnestie.

Im schweizerischen Canton Zürich wurden durch Volksabstimmung sowohl der Impfzwang wie die Todesstrafe wieder eingeführt.

Lyon erhält auf dem linken Rhoneufer ausge­dehnte Befestigungswerke. Von Samt-Fonds nach Vaux-en-Velin soll eine mit Schießscharten ver­sehene und durch einen davorliegenden Graben von 10 Meter Breite gedeckte Mauer gebaut werden, welche 1 Meter dick und 5 Meter hoch sein wird. An den Straßenübergängen werden Zugbrücken, an erhöhten Punkten vollständig armirte Bastionen angelegt. Der Gesammtumfang der projektirten Befestigungslinie beträgt 15 Kilometer. Bekannt­lich thut man in Frankreich seit der italienischen Reise des Feldmarschalls v. Moltke so, als sei ein Angriff von italienischer Seite zu besorgen; sogar dieRch. Franc." adoptirt die abgeschmackte Mär, um Stimmung zu gunsten der von den Gambet- tisten eifrig angestrebten Heeresorganisation zu machen.

Ein Telegramm meldet den Tod des Abdel- Kaders, des bekannten Kabylenfürsten, welcher seiner Zeit den Franzosen in Algier so viel zu schaffen machte. Er wurde 1807 bei Mascara ge­boren. Frühzeitig beim Volke beliebt, wollte ihn der eifersüchtige Bey von Algerien ermorden lassen. Er floh und weilte lange in Egypten, von wo er als frommer Mohamedaner nach Mekka pilgerte. Als er endlich in seine Heimath zurückkehrte, sah er sich hier plötzlich den französischen Eindringlingen gegenüber. Die heißen Kämpfe endeten bekanntlich mit der Gefangenschaft des Emirs der Araber­stämme. Im Jahre 1847 prunkte mau mit ihm in Paris, ohne indessen dadurch die nahende Re­volution aufhalten zu können. Der Grundzug seines Charakters war Hochherzigkeit und Dank­barkeit. Statt seinen fanatischen Soldaten, nach arabischer Sitte, für jeden Kopf des Feindes einen Preis zu zählen, setzte er einen solchen umgekehrt auf jeden lebenden Feind. Im Jahre 1852 ge­stattete ihm die französische Regierung, seine Resi­denz in Damaskus aufzuschlagen, und gewährte ihm eine jährliche Pension von hunderttausend Francs. Als Dank dafür rettete er, gelegentlich des Blutbades von Damaskus, im Laufe von we­nigen Tagen Vierzehntausend Christen. Er empfing dafür das Großkreuz der Ehrenlegion.

AuS Hesfen-Naffau.

* ** Hersfeld, 1. Juni. Bei dem vorgestern und gestern stattgehabten diesjährigen Ober- Er­satz- G e s ch ä f t für den hiesigen Kreis concurrirten im Ganzen 273 Militairpflichtige. Von denselben wurden 112 für tauglich befunden, 89 der Er­satz-Reserve I. Classe, (und zwar 26 Übungspflichtige und 63 nicht Übungspflichtige) 8 der Ersatz-Reserve II. Classe zugetheilt, 44 als dauernd unbrauchbar ausgemustert, und 1 Militärpflichtiger als moralisch unwürdig vorn Dienste im stehenden Heere und der Flotte ausgeschlossen, während 19 zurückgestellt wurden. Die Zahl der Tauglichen »ertheilt sich wie folgt: Infanterie-Regiment Nr. 32 35, Füsilier-Regiment Nr. 80 20, Infanterie-Regi­ment Nr. 83 9, Garde-Infanterie 7, Feld- Artillerie-Regiment Nr. 27 10, Fuß-Artillerie- Regiment Nr. 3 4, Husaren-Regiment Nr. 13 9, Ulanen-Regiment Nr. 6 = 3, Train-Batl. Nr. 11 = 3, Train-Batl. Nr. 15 2, Pionier- Batl. Nr. 11 = 1, Eisenbahn-Regiment 1, 3 Oekonomiehandwerker, 1 Gardejäger A, 1 Jäger B für das Jäger-Batl. Nr. 11. Außerdem noch 2 Infanteristen und 1 Feld-Artillerist.

* Vom 15. Mai cr. ab ist aus dem von dem Baukreise Hersfeld abgezweigten landräthlichen Kreise Hünfeld und aus dem von dem Baukreise Fulda abgezweigten landräthlichen Kreise Gersfeld ein neuer Baukreis mit dem Sitz der Baubeamten in Hünfeld gebildet und mit der einstweiligen Ver­waltung der neu errichteten Kreisbauinspektorstelle Hünfeld der Regierungs-Baumeister Kuno Beckmann aus Weißenfels a. d. Saale betraut worden. Der Baukreis Fulda besteht nunmehr aus dem gleich­namigen landräthlichen Kreise, der Baukreis tzersfeld aus dem landräthlichen Kreise gleichen Namens und dem westlichen, links der Fulda gelegenen, von dem Baukreise Melsungen abgetrennten Theile des landräthlichen Kreises Rotenvurg, der Baukreis Melsungen aus dem landräthlichen Kreise Melsungen und dem östlichen, rechts der Fulda belegenen Theile des landräthlichen Kreises Rotenburg. Am I.Juni cr. wird behufs Bildung des neuen Baukreises Kirchhain der landräthliche Kreis Kirchhain von dem Baukreise Marburg (Kreisbauinspektor Mey- denbauer) und der südliche, dieAmtsgerichtsbezirke Treysa undZicgenhain umfassende Theil des land-

räthlichen Kreises Ziegenhain von dem Baukreise Homberg (Kreisbauinspektor Iahn) abgezweigt.

* Gerichtsassessor v. Linsingen ist zum Amts­richter in Melsungen und Gerichtsassessor Dr. Hart- mann zum Amtsrichter in Windecken ernannt.

* Die von den städtischen Behörden zu Berlin beschlossene Festschrift zum vierhundertjährigen Ge­burtstage Luther's wird bereits bearbeitet. Ihre Abfassung ist dem Dr. Max Lenz, Professor der Geschichte au der Universität Marburg, übertragen.

* Bei dem diesjährigen Kaisermanöver des 11. Armeecorps findet die Kaiser-Parade über das in unmittelbarer Nähe von Homburg zusammenge­zogene ganzen. Armeecorps am 21. September statt. Dieser schließt sich das Corps-Manöver an, welches 6 Tage dauern und wobei am 24. September das Armeecorps ein Feld-Manöver in 2 Abtheilungen gegen einander ausführen wird. Feldmarschall Graf Moltke wird den letzten Theilen der Manö­ver um Homburg beiwohnen.

* Im Schwurgericht zu Hannover kam am 22. Mai der Mordversuch des Müllers Bolte ausHeid- brink in der Grasschaft Schaumburg, ausgeführt gegen den prov. Jagdaufseher Buddensik daselbst, zur Verhandlung. Der Hergang ist folgender: Als am Tage des Einzugs des Erbprinzen von Schaum­burg-Lippe in Stadthagen, also am 30. April v. I. der Waldarbeiter Buddensik zum Schutze des Forstes herangezogen worden war, da man Wild­dieberei vermuthete, traf er zwei mit Jagdgewehren ausgerüstete Männer, welche vor ihm davon liefen. Bei der Verfolgung erkannte er in einem derselben auf eine Entfernung von 30 Schritt ganz bestimmt den Müller Volte. Am folgenden Abend nun, nach­dem Buddensik und seine Frau sich bereits zur Ruhe begeben, wurde durch's Kammerseuster ge­schossen, wobei die Kugel dicht über dem Bett in die Wand einschlug. Als ein halbes Jahr später, am Abend des 14. Dezember Buddensik neben seiner Frau in der Wohnstube saß, fiel wieder ein Schuß durch's Fenster, ohne jedoch zu treffen. Bud- densik sprang nun zum Fenster hinaus und eilte dem fliehenden Schützen nach. Als er ihn einge­holt und zu Boden geworfen hatte, erkannte er so­wohl wie seine Frau, welche mit einer brennenden Laterne herbeikam, in dem Meuchelmörder seinen Nachbar Volte. Dieser riß sich schließlich, nachdem er von Buddensik eine Portion Schläge erhalten, doch noch los und verschwand. Da er aber Mütze und Gewehr im Stiche lassen mußte und noch oben­drein am folgenden Morgen Verletzungen, wie von Faustschlägen, im Gesicht trug, war sein hartnäckiges Leugnen umsonst. Die Geschworenen erkannten ihn für schuldig des Todtschlagsversuchs, und lautete das Urtheil auf 5 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust.

Kassel, 30. Mai. Heute früh erhängte sich der Metzgermeister F. am Töpfenmarkt. Die Ur­sache ist unbekannt.

Kassel, 31. Mai. Fortuna ist bei der gestern stattgefundenen Lotterie des Kasseler Pfer- demarktes unserer Vaterstadt besonders hold gewesen. Der erste Hauptgewinn, bestehend in einer Equipage mit vier komplet geschirrten edlen Pferden im angeblichen Preise von 10 000 Mk. ist Herrn Re­gierungsassessor Behrendt hierselbst zugefallen; den zweiten Hauptgewinn, bestehend in einer ele­ganten Equipage mit zwei edlen, komplet geschirrten Pferden im Werthe von 6000 Mk. hat Herr Haupt- mann Scholz hierselbst gewonnen. Der dritte Hauptgewinn, ebenfalls ein Zweispänner im ange­gebenen Werthe von 5000 Mk., ist nach Karlsruhe in Baden, der vierte Hauptgewinn, der letzte Zwei­spänner, ist nach Köln a. Rh. gefallen und den prachtvollen Einspänner hat ein Herr in Berlin gewonnen. Außerdem sind mehrere Pferde nach Cassel und in die Provinz gekommen. (H. M.)

Raboldshausen, 29. Mai. Ein sehr be- dauernswerther Unfall ereignete sich am Freitag den 25. d. in Remsfeld. Die Ehefrau des I. Breit von Appenfeld holte am selbigen Tage ihren in Frankfurt als Unterofficier dienenden Sohn auf dem Bahnhöfe Homberg ab, sie hatte denselben eingeladen, der am Sonntag in Appen­feld stattfindenden Tanzmusik mit beizuwohnen. Beide traten freudig mit einander die Heimreise an, in Remsfeld hatte Frau Brell an ihren Bruder, der beim Aufrichten eines neuen Baues beschäftigt war, eine Bestellung auszurichten. Bei dieser Ge­legenheit fiel ein Stück Bauholz von der Höhe herab und traf die Frau so unglücklich, daß dieselbe be­wußtlos zusammeusank und auf einem Wagen nach ihrer Heimath gefahren werden mußte, wo sie nach Erduldung unsäglicher Schmerzen Tags darauf ihren Geist aufgab. Der junge Mann, der zu einem Vergnügen sich Urlaub erbeten, wurde nun in die tiefste Trauer versetzt.

Eiterfeld, 29. Mai. Am 1. Juni will sich Herr Dr. Deschauer aus Birstein als praktischer Arzt dahier niederlassen.

Hanau, 29. Mai. Wie gefährlich das Herab­springen von einem Wagen ist, mußte eine sehr brave Bauersfrau von tzochstadt vorgestern erfahren. Dieselbe hatte sich einem leichten Kastenwägelchen für die Fahrt von Hanau bis Hochstadt anvertraut. Kurz vor dem letzteren Orte wurde das vorgespannte Pferd in Folge der es belästigenden Mückenstiche scheu und ging durch. In ihrer Angst suchte sich die schon bei Jahren stehende Frau durch einen Sprung vom Wagen zu retten, fiel jedoch leider so unglücklich, daß sie einen doppelten Beinbruch erlitt und nach Hause getragen werden mußte, wo alsdann der sofort per Telegramm herbeigerufene Arzt von Hanau den ersten Verband anlegte.

V o n d e r R h ö n. Bei dem Dorfe Wölferbutt, am Abhänge des Dietrichsberges, wollte ein noch junger Mann eine Pappel nach ihrem Bestimmungs­orte fahren und setzte sich selbst auf den Wagen oder vielmehr auf den Baum. Der Wagen schwankte, der Fuhrmann fiel herab und kam beim Weiter­fahren des Wagens mit dem Kopfe unter die Räder. Die Verletzungen waren derartig, daß schon in der Nacht der Tod eintrat.

Auszüge aus der Brochüre:Die Angriffe des Reichstagsabgeordneten Herrn Richter gegen die Armee beleuchtet von einem deutschen Soldaten."

(Fortsetzung.)

Die beiden letzteren Attacken haben nicht zu völliger Zer- sprengung des Gegners geführt, haben aber die preußischen Cürassiere bis in die feindliche Infanterie getragen und dieser alle Neigung zum weitem Vordringen benommen. Wenn man Cürassiere durch Hopsenplantagen und Wein» berge zur Attacke führt, wie die Franzosen bei Wörth, so ist allerdings wenig Aussicht aus Erfolg. Jede andere Cavallerie würde im gleichen Falle demselben Schicksal erlegen sein.

Die Frage über den Fortbestand der Panzerreiter ist mit Recht an der Tagesordnung und wird auch in unserer Armee discutirt, aber aus andern Gründen, als Herr Richter meint. Es handelt sich für die Gegner des Curasses nur darum, durch möglichst geringe Belastung der Pferde deren Schnelligkeit und Ausdauer im langen Galopp zu steigern.

Die Erfolge der Cürassiere in den beiden letzten Feld- zügen sind aber so glänzende, daß die Entscheidung der Frage zweifelhaft erscheint. Denn auch 1866 hatten wir zu verzeichnen:

1) die Attacke der schlesischen Cürassiere bei Biskupitz gegen ein österreichisches Carre*),

2) die siegreiche Attacke der westpreußischen Cürassiere bei Tobitschau gegen 3 österreichische Batterien, von denen 18 Geschütze im Feuer erobert wurden; aus der eroberten Batterie folgten Attacken gegen feindliche Cürassiere und Infanterie.

Vielleicht haben die radicalen Veränderungen, die jüngst in der russischen Cavallerie stattsanden, Herrn Richters Beisall, und er wünscht Nachahmung. Bei uns wird auf andere Art reformirt. Wenn der Moment gekommen sein wird, wo die Frage erklärt und die Abschaffung der Cürassiere von Sr. Majestät befohlen wird, da wird man den historischen Faden sicherlich nicht zerreißen, sondern die Bewaffnung ändern, die Namen und Unisormabzeichen den Regimentern belassen. Es ist wunderbar, daß gerade diese Reform Herrn Richter so sehr beunruhigt. Sind doch alle diejenigen Reformen, welche die moderne Kriegführung völlig umgestaltet haben, von der preußischen Heeresleitung ausgegangen: Compagniecolonnen-Taktik, Verwendung der Reiterei vor der Front der Armee, Hinterladergewehre, Hinterladergeschütze, Organisation des Etappenwesens, Feld­eisenbahn-Formationen, Feldtelegraphen-Formationen, Feld­post, Publication offizieller Verlustlisten, Organisation des Feldsanitätswesens und vieles Andere mehr.

Die Armee muß immer bereit sein zu lernen und jeder Gedanke, der auf Stärkung der deutschen Wehrkraft zielt, verdient ernste, vorurtheilssreie Prüfung, Ich glaube, daß Herrn Richters Vorschläge diese Prüfung nicht bestanden haben.

VII. O s f i z i e r c a s i n o s Offizier-Kasernen- Wohnungen Kastengeist.

Herr Richter sagt:

1)Aber, meine Herren, an dieser Kameradschaft im Kriege,---, haben nicht bloß Theil die Berufs­offiziere, sondern auch die Reserveoffiziere, die Landwehr- offiziere und alle, die im Kriegsfalle zur Fahne berufen werden, und diese verbindet eine Kameradschaft, die wahrlich hinausgeht über das Bindemittel des Offizier« casinos. Niemand hat noch geglaubt, daß es auf diese Kameradschaft im Waffendienste, im Kriege, in Noth und Gefahr irgend einen Einfluß aus übt, ob die Herren im Frieden im Offiziercasino zusammen essen, oder nicht. Nein, dafür habe ich jene Kameradschaft viel zu hoch ausgefaßt und fasse sie viel zu hoch, um sie mit dieser kleinen Frage in Verbindung bringen zu wollen." (9. II. 83. S. 1383 d. St. B.)

2)Es handelt sich hier um die Osfizier-Speiseanstalten, es handelt sich nach der Erklärung der Regierung und der Herren Vorredner darum, wie die Offiziere am besten und billigsten zu Mittag essen." (28. I. 83. S. 1151 d. St. B )

3)Diesem Extrem (Ossizicr-Speiscanstalten für kleine Offiziercorps) treten wir entgegen, dann sind nicht mehr ökonomische Gründe durchschlagend, sondern dann erklärt sich die ganze Sache so aus einem gewissen System der Absperrung der Offiziere, des Militärs gegen bürgerliche Kreise. Das ist es, was immer mehr überhand nimmt, worüber die Klagen sich immer häufen; diese ganze Selbstbewirthschastung, die extreme Ausdehnung nach allen

*) In dem Gefechtsbericht des Regiments heißt es unter anderm:Dem Portevpöesähnrich von Watzdorf wurde das Pferd unter dem Leibe erschossen, er selbst erhielt eine Kugel an den Cüraß, welcher ihn vor Verwundung schützte.