Nr. 52.
LreisMAatt
Sonnabend den 2. Juni 1883.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstag« und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.
für den
Jkeis 1) crsjesh
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige G«. mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho» lung entsprechender Rabatt gewährt.
Amlsiches.
Kreis Hersfeld.
Cassel, den 23. Mai 1883.
Es steht zu befürchten, daß die zur Tilgung der Schafräude verwendeten Flüssigkeiten nach deren Benutzung in die Flüsse und Bäche gegossen werden. Da diese Flüssigkeiten sehr scharfe, die Fische in hohem Grade schädigende Stoffe enthalten, so wollen Ew. Hochwohlgeboren die Ortsvorstände Ihres Bezirks baldigst darauf gefälligst aufmerksam machen, daß eine derartige Verunreinigung der Fischwässer durch den §. 43 des Fischereigesetzes vom 30. Mai 1874 untersagt ist, und nach §. 50 7 daselbst mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit entsprechender Haft bestraft wird.
Die Badeflüssigkeiten werden nach deren Benutzung zweckmäßigerweise auf leere Felder gegossen werden, auf denen sie sich demnächst als Dünger bewähren dürften.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern. Kühne.
An die Königlichen Landräthe rc. A. II. 7223.
* *
Hersfeld, den 31. Mai 1883.
Vorstehender Erlaß wird hierdurch zur allge
meinen Kenntniß gebracht, mit der an die Herren; .-a-.-a.....— v ^..v^.»..
Ortsvorstände des Kreises gerichteten Weisung, Nr. 50) betreffend die Anzeige des Bedarfs an sofort den Schafhaltern noch besonders davon Formularen zu Registerauszügen pro 1884 bis Kenntniß zu geben, und im Uebrigen in geeigneter . zum 10. Juni d. I.
Weise dafür zu sorgen, daß Zuwiderhandlungen 7000. Der Königliche Laudrath
' .......... . " Freiherr von Broich.
vermieden werden event, zur Bestrafung kommen.
7021. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 31. Mai 1883. A ^n den unten beschriebenen Comuns und
Im Anschluß an meine Verfügung vom 5. Februar 3 acob aus
cr. Nr. 1562 im Kreisblatt Nr. 11 mache ich sicher fluchtig t|L ist die Unter-
- - - - -1 suchungshast wegen Unterfchlagung verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Amtsgerichtsgefängniß zu Hersfeld abzuliefern bei Nachricht hierher zu den Akten J. II 864/83.
Kassel, den 29. Mai 1883.
hierdurch weiter besannt, daß für den Bau eines Vereinshauses und Krankenpflege-Instituts des Vaterländischen Bezirks-Frauen-Vereins zu Cassel noch die nachstehend verzeichneten Collecten-Beträge an mich gelangt und an den Kassirer des besagten Vereins abgesandt worden sind.
Die Collecten-Gelder von den übrigen nicht aufgeführten Gemeinden bezw. Gutsbezirken sind nach den darüber erstatteten Berichten dem Vereins- Kassirer direct übermittelt worden.
7022. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Weiteres Ergebniß der Collecte für den Bau eines Vereinshauses und Krankenpflege-Instituts des Vaterländischen Fraueu-Vereins zu Cassel.
Lfd. JK
Namen der Gemeinde.
Betrag
M
Pfg.
1.
Allendorf
1
60
2.
Eitra
3
80
3.
Kleba
—
—
4.
Kohlhausen
1
50
5.
Meckbach
2
-—
6.
Meisebach
1
—
7.
Mengshausen
4
55
8.
Niederaula
16
30
9.
Oberrode
5
—
10.
Petersberg
1
30
11.
Reimboldshauscn
65
12.
Unterbaun
1 2
30
13.
Friedewald
8
75
14.
Motzfeld
4
60
15.
Oberlengsfeld
2
70
16.
Ransbach
1
65
17.
Röhrigshof
—
—
Hersfeld, den 29. Mai 1883.
Der Ackermann Caspar D e i ß zu Wippers- Hain ist heute als Bürgermeister dieser Gemeinde für die Dauer von 8 Jahren eidlich verpflichtet
worden.
6996.
Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 24. Mai 1883.
Die diesjährige Versammlung sämmtlicher Herren Bürgermeister undOrtsverw alter des Kreises behufs gemeinsamer Besprechung über Verwaltungsgegenstände habe ich auf
Donnerstag den 7, Juni d. I« Morgens 8z Uhr
im Saale der Gesellschaft „Verein" hierselbst anberaumt.
Ich erwarte, daß keiner der Herren Bürgermeister 20. ohne dringende Veranlassung dieser Zusammenkunft fern bleibt, in jedem Falle dann aber durch den Vicebürgermeister sich vertreten läßt. Auch ist pünktliches Erscheinen zu der angesetzten Zeit dringend nothwendig.
Zu dieser Versammlung sind auch alle Mitglieder der Gemeindebehörden, sowie Kreisangehörige, welche für öffentliche Verwaltungsangelegenheiten Interesse haben, hiermit eingeladen.
Am Schlüsse der Versammlung werden den Herren Ortsvorständen die Rekrutirungs-Stamm- rollen ausgehäudigt.
6757. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 31. Mai 1883.
Die Königlichen Standesämter des Kreises erinnere ich hiermit an Erledigung meiner Verfügung vom 20. Juni 1878 Nr. 6079 (Kreisblatt
Steckbrief.
Der Königliche Erste Staatsanwalt. Im Auftrage: Ch u ch ul.
Beschreibung: Alter: 29 Jahre. Statur: mittet. Haare: dunkelblond. Kleidung: gelbgrüner Auzug.
# Das amerikanische Finanz- und
Die Entwicklung der finanziellen und industriellen Verhältnisse der Bereinigten Staaten von Nordamerika während der letzten fünfundzwanzig Jahre enthält so viel Belehrendes und Aufklärendes über die Mittel und Wege, wie die Finanzkraft und die industrielle Macht eines Staates gehoben werden können, daß praktische Politiker dieser Entwicklung fortgesetzt ihre Aufmerksamkeit zuwenden sollten. Alle Lehr- Meinungen, so harmonisch sie auch in sich sein und so richtig sie auch von dem Verstände construirt sein mögen, sind doch gegenüber den praktischen Erfahrungen und Thatsachen der Wirklichkeit nur von geringer Bedeutung; in jedem Falle müssen in einem Staate, der um der sehr greifbaren Interessen seiner Bürger willen sich doch nicht allein daraus beschränken kann, mit Theorien Experimente zu machen, die anderwärts gesammelten Erfahrungen und Thatsachen dazu dienen, die Theorien zu berichtigen.
Die amerikanischen Finanzen und die dortige Industrie befanden sich bis zum Anfang der sechziger Jahre'in einem Zustande, welchen jüngst der um die Schutzzollpolitik dieses Landes verdiente Richter William Kelley dahin zusammen- faßle, daß Nordamerika trotz der Entdeckung der californischen Goldfelder, die den Bereinigten Staaten während eines Jahrzehnts über l Milliarde Dollars Gold als Zuschuß zuführten, im Jahre 1860 dem Bankerott gegenüberstand: „unsere Zahlungsmittel waren" — so sagt Kelley — „uneinlösbare Noten insolventer Banken, unsere Hochöfen, Schmieden, Fabriken waren in Folge billiger Einfuhr fremder Fabrikate geschlossen, der heimische Markt des Landwirths vernichtet, der Arbeiter beschäftigungslos, für Unter- nehmuiigen kein Kapital aufzutreiben, der Staat ohne Einnahmen oder Kredit."
Das war die Zeit des „humanen" Freihandelsthums, welche« die Staaten durch eine allgemeine Verbrüderung groß machen will. Wie sehr sich durch die daraus folgende Zoll- und Finanzgesetzgebung die amerikanische Industrie
gehoben hat, ist allgemein bekannt. Erwähnt sei nur, daß in der Eisenindustrie l 880 beschäftigt wurden 39,000 Arbeiter mit 12 Millionen Dollars Löhnen bei einer Production von 60 Millionen an Fabrikatwerthen; im Jahre 1880 — nach zwanzigjähriger Wirkung der Schutzzollpolitik — wurden beschäftigt über 140,000 Arbeiter mit 55 Millionen Löhnen bei einer Production von 296 Millionen Dollars an Fabrikatwerthen.
In gleichem Maße haben sich die finanziellen Einnahmen außerordentlich gehoben: im Jahre 1860 1 61 wurden an Zöllen nur 39,582,126 Dollars erhoben. Im Jahre 1865 i 66 belief sich diese Einnahme auf 179,046,652 Dollars; im Durchschnitt betrug die Zolleinnahme in den Jahren 1867 68 bis 1871 I 72 192,338,419 Dollars, nach einem Rückgang während der fünf Jahre 1872 | 73 bis 18761 77, wo durchschnittlich jährlich 157,477,911 eingenommen wurden, hob sich die Einnahme in den letzten fünf Jahren 1877 | 78 bis 1881 [ 82 auf durchschnittlich jährlich 174,502,640 Dollars, ja im Jahre 1877 । 78 betrug die Einnahme an Zöllen sogar 220,410,730 Dollars.
Inländische Steuern wurden erst 1863 im Betrage von 37 Millionen eingeführt und dem durch den Secessionskrieg hervorgerufenen Bedürfniß sowie den großen Schulden entsprechend im Jahre 18651 66 auf 309 Millionen Dollars gesteigert; seitdem sind sie bis zum Jahre 1873 | 74 bis auf 102 Millionen reducirt worden. Die Einnahmen aus inländischen Steuern, welche mittlerweile ohne Auflegung neuer Lasten sich wieder vermehrt hatten, konnten 1877 j 78 um 8 Millionen ermäßigt werden und haben seitdem eine abermalige Steigerung bis aus 146 Millionen im Jahre 18811 82 ersahren, d. h. mehr, als elf Jahre zuvor bei viel drückenderen Lasten einkam.
Vermittelst dieser bedeutenden Einnahmen konnte der Staat Schulden tilgen und convertiren, so daß allmählich sich auch die Ausgaben verringert haben. Daß unter solchen Umständen der amerikanische Congreß im März d. J. beschloß, die Zölle und JnlandSsteuern erheblich herabzusetzen. kann nicht Wunder nehmen. Aber niemals soll man vergessen, wodurch allein dies möglich geworden: nicht weil die Schutzzöllner sich von den Freihändlern haben bekehren lassen, sondern weil das von den Freihändlern lebhaft be, kämpste System so glänzende Erfolge gehabt hat, daß der Staat jetzt aus einen Theil der Einkünfte, die Industrie auf einige Schutzmaßregeln verzichten kann.
Das deutsche Reich bedarf für seine finanzielle und industrielle Entwicklung eines ähnlichen praktischen Sinnes, wie ihn die Amerikaner bethätigt haben. Bei uns aber giebt es immer noch Parteien, welche ein solches Finanz« und Schutzsystem als für Wohlstand und Freiheit verderblich zu discreditiren suchen, und es giebt leider noch viele Leute, die sich dies einreden lassen. Unter der Herrschaft solcher Grundsätze aber wird Deutschland nie aus der Wirth« schaftlichen Misere und der Krähwinkelei herauskommen. Einen guten Ansatz hierzu hatten wir bereits gemacht, — leider aber sind die Freihändler, wenigstens im Parlament, wieder zahlreich genug, um Deutschland aus dem Wege dieser Entwicklung aufzuhalten.
JJodlifcOe Nachrichten.
Die Allerhöchsten Dispositionen bezüglich der Sommerreise Sr. Majestät des Kaisers sind jetzt so weit getroffen, daß der hohe Herr vor Glitte Juni seine Reise nicht antritt. Die letztere geht wie alljährlich zunächst nach Ems, dann Mainau und Gastein. Als Geistlicher wird den Kaiser in diesem Jahre nicht der Hofprediger Herr Frommel, sondern der Oberhofprediger Herr Dr. Kögel begleiten.
Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Marianne der Nieder lande, Mutter des Prinzen Albrecht und der Herzogin Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin, ist nach längerem schweren Krankenlager am 29. Mai früh 5| Uhr auf Schloß Reinhardthausen bei Erbach im Rheingau verstorben.
Der Reichstag erledigte am Dienstag Abend das Krankenkasseugesetz, das nach einer getroffenen Aenderung am 1. Dezember 1884 in Kraft treten soll.
Das russische Krönungsmanifest. Das kaiserliche Manifest beginnt mit der Anrufung Gottes, er möge dem Zaren „Weisheit und Kraft verleihen zur Besänftigung aller Wirren, zur Erhaltung der Ordnung und Gerechtigkeit und zur Erleuchtung seines Volkes in den Wahrheiten der Religion, zur Festigung jeder Art Gehorsams gegenüber der Pflicht und dem Gesetz, zur Erhaltung der Rechte und Privilegien aller Leute, sowie der allgemeinen Sicherheit und zur Hebung des Wohlstandes und des Ruhmes unseres geliebten Vaterlandes". Um an diesem „heiligen und feierlichen