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Nr. 44.

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.

für den

-Kreis Herskelö.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar­mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Amtliches.

Nach einem Erlasse des Herrn Ministers des Innern ist von dem Herrn Kriegsminister auf Grund des Reichshaushalts-Etats von 1888-84 angeordnet worden, daß Dom 1. April d. I. ab denjenigen Ortsarmenverbänden, welche den Transport der ihnen bei der Entlassung auf Grund des §. 28 des Neichsgesetzes über den Unterstützungswohnsitz vom 6. Juni 1870 zur weiteren Fürsorge über- Wiesenen dienstunbrauchbaren Militairpersonen in die Heimath veranlaßt haben, die hierfür noth­wendig entstandenen Transportkosten aus Reichs- Militairfonds erstattet werden sollen.

Die gehörig belegten Liquidationen find von den betreffenden Ortsarmenverbänden bei der Corps- Intendantur einzureichen.

Cassel den 4. Mai 1883.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.

Kreis Hersfelv.

Hersfeld, den 10. Mai 1883.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erstattung der durch meine Verfügung vom 24. Juli 1882 Nr. 9559 gefor­derten Nachweisung über die in dem Monat März er. zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Schulgeldsrückstände im Rückstände sind, werden hieran mit F r i st bis zum 16. d. M. Nachmittags 2 Uhr bei Meidung der Zusen­dung eines Strafboten erinnert.

6091. Der Königliche Landrath

Freiherr von B r o i ch.

" Hersfxsb, den 10. Mai 1883,

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erstattung der durch meine Verfügung vom 4. August 1882 Nr. 10257 im Kreisblatt Nr. 62 geforderten Nachweisung über die in dem Monat März er. zur Zwangsvoll­streckung überwiesenen Rückstände an direkten Kommunal-, Kreis- und Provinzial- Steuern im Rückstände sind, werden hieran m i t F r i st bis zum 16. d. M t s. N a ch m i t t a g s 2 U h r bei Meidung der Zusendung eines Straf- boten erinnert.

6092. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfeld, am 28. November 1877.

Die Herren Standesbeamten des Kreises veranlasse ich hierdurch, gemäß der Vorschrift im §. 2 pos. 1 der Control-Ordnung (Amtsblatt 1875 Seite 328) von jetzt ab in jedem einzelnen Falle, wo das Ableben eines zum Beurlaubtenstande gehörenden Mannes, (Rekrute, Dispositious-Urlauber, Reservist, Land- wehrmann, Ersatz-Reservist) amtlich zu Ihrer Kennt­niß gelangt, alsbald dem Königlichen Bezirks-Com- mando zuRotenburg i. H. eine bezügliche kostenfreie Sterbe-Urkunde mitzutheilen, damit die im §. 7 der Landwehr-Ordnung vorgeschriebene Streichung der Verstorbenen in den Control-Listen unverzüglich erfolgen kann.

11,951. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

* *

Hersfeld, den 5. Mai 1883.

Vorstehende Verfügung wird bei wahrgenommener häufiger Nichtbeachtung derselben den Herren Stan­desbeamten des Kreises hierdurch in Erinnerung gebracht.

5889. Der Königliche Landrath

Freiherr von B r o i ch.

HerSfeld, den 9. Mai 1883.

Der am 20. Dezember 1859 geborene Schreiner Johann Valentin Willhardt aus Notterterode hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staats- verbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

6090. Der Königliche Landrath

Freiherr von B r o i ch.

Hersfeld, den 10. Mai 1883.

Für die am 30. Dezember 1862 geborene Anna Catharina Gisch l e r aus Mengshausen ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

6176. Der Königliche Landrath

Freiherr von B r o i ch.

Hersfeld, den 10. Mai 1883.

Für die am 29. Juli 1866 zu Mengshausen ge­borene Louise Dietz ist um Ertheilung eines Reise­passes behufs Auswanderung nach Amerika nach­gesucht worden.

6135. Der Königliche Landrath

___________Freiherr von Lroi ch.

Hersfeld, den 9. Mai 1883.

Für Konrad Zan g zu Lautenhausen, 16 Jahre alt, ist um Entlassung aus dem Unterthanenverbande behufs Auswanderung nach Amerika uachgesucht worden.

6083. Der Königliche Landrath

___Freiherr von B ro i ch.

Bekanntmachung.

Vom 15. Mai bis Ende September findet im Verkehr zwischen den Postanstalteu in Wildungen Stadt bezw. Wildungen Bad einerseits und der Eisenbahnstationen Cassel, Marburg, Gießen und Frankfurt (Main) andererseits eine unmittelbare Personen- und Gepäckeinschreibung statt.

Es können demnach während der erwähnten Zeit bei den Postaustalten in Stadt Wildungen und Bad Wildlingen neben den Postfahrscheinen für die Reise von Wildungen nach Wabern noch Eisen­bahnbillets I., II. und III. Wagenklasse für die Bahnstrecken Waberu-Cassel, Waberu-Marburg, Wabern-Gießen und Wabern-Frankfurt (Main) gelöst werden.

Ebenso können beiden bezeichneten Bahnstationen neben den Eisenbahnbillets I., II. und III. Wagen-; klasse für die Strecken Cassel-Wabern, Marburg- Wabern, Gießen-Wabern und Frankfurt (Main)- Wabern noch Postfahrscheine für die Strecken Wabern-Stadt Wildungen oder Wabern-Bad Wil­dlingen gelöst werden.

Das Reisegepäck wird vom Abgangsorte bis zum Bestimmungsorte durchbefördert.

Das Personengeld und das etwaige Ueberfracht- porto werden nach dem gewöhnlichen Post- und Eisenbahntarif berechnet.

Cassel, 4. Mai 1883.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector. zur Linde.

Vom 15. Mai bis einschl. 15. October wird zu Wilhelmshöhe (Bz. Cassel) wieder ein Postamt 111 mit Telegraphenbetrieb in Wirksamkeit sein.

Für die Zeit des Bestehens dieser VerkehrSanstalt kommt für Briefe, welche in Wilhelmshöhe aufge- geben und nach Cassel oder nach dem Landbestell- bezirke des Postamts in Cassel gerichtet sind, an Stelle der Landbriefbestellgebühr die gewöhnliche Portotaxe, nämlich für den einfachen Brief, fram firt 10 Pfg., unfrantirt 20 Pfg., zur Anwendung. Der Kaiserliche Ober-Postdirector. zur Linde.

# Das parlamentarische Regiment.

Wie oft ist von fortschrittlich secesfionistischer Seite das Streben nach parlamentarischer Regie- rungsform in Abrede gestellt worden! Selbst als Herr Hänel im vorigen Sommer ganz unzweideutig die Forderung ausstellte:Der Liberalismus will und soll zur Herrschaft gelangen, den maßgebenden Einfluß gewinnen, und wenn es die Dinge fügen, die Regierung selber in coustitutioneller Weise lei­ten", wurde von der fortschrittlich-liberalen Presse mit allem Aufwand von Scharfsinn bestatten, daß hiermit das Streben nach parlamentarischer Re- gierungsform gemeint sei. Freilich dürfte sie hiermit Niemanden überzeugt haben: die Scheu, sich offen zum Parlamentarismus zu bekennen, hatte nicht ihren Grund in der Abneigung gegen diesen selbst, sondern allein in der praktischen Erwägung, daß -

es angesichts der Wahlen unvorsichtig sei, die par­lamentarische Regierungsform als Ziel aufzustellen, und daß es nothwendig sei, die Wähler über diesen Punkt zu beruhigen.

Jetzt liegt nun von einem hervorragenden Führer der Sccessionisten, von Herrn Bamberger, ein un­umwundenes, offenes Bekenntniß zum Parlamen­tarismus vor, welches in keiner Weise deutungs- fähig ist. Herr Bamberger hat in seinem Unmuthe darüber, daß die Mehrheit des Reichstags offenbar bestrebt ist, eine Verständigung mit der Regierung zu.suchen und sich den Wünschen der Kaiserlichen Botschaft anzupassen, erklärt, daß jedes Parlament, welches nicht nach der parlamentarischen Regie- rungsform strebe, Unrecht thue.Wenn Deutsch­land" so sagt ersich gesund entwickeln will, so muß es zum Parlamentarismus kommen", und um jedem Mißverständniß vorzubeugen, fügt er weiter hinzu:Parlamentarismus heißt nun, daß eine Regierung der Ausdruck der Mehrheit der Volksvertretung sein soll" .... die Reichstags­mehrheit dürfe sich nicht der Regierung unterord­nen, sonderndie Regierung muß den Weggehen, den die Reichstagsmehrheit ihr vorschreibt."Zu­stimmung links", verzeichnet bei dieser Stelle der parlamentarische Bericht.

Alle Versuche, diesen Worten eine andere Deu­tung zu geben, werden falls sie wirklich unter­nommen werden sollten sich als unmöglich er- ! weisen. Ebenso wenig aber wird es gelingen, Herrn Bamberger allein für diesen Ausspruch verantwort« ; lich zu machen, dieZustimmung links" hat ' ihm sofort die nöthige Rückendeckung verschafft. Das Ziel der parlamentarischen Regierungsform ist aber auch keineswegs von ihm neu proclamirt worden, er hat nur dasjenige Programm, welches schon längst in der Praxis befolgt wurde, offen aufgedeckt und beim richtigen Namen genannt. Aus dem Boden dieses Programms steht ja auch vollständig das jetzige Gebühren der fortschrittlich-secessioni- stischen Partei gegenüber der Kaiserlichen Botschaft, ein Gebühren, welches sich zur Aufgabe macht, die Mehrheit des Reichstags in einen Gegensatz zur Kaiserlichen Botschaft und zur Regierung zu brin­gen und dieser den Weg vorzuschreiben, den sie nach dem Willen der Fortschrittler und Secessio- nisten gehen soll.

Das Ziel der parlamentarischen Regierungsform i konnte aber gewiß zu keiner ungelegeneren Zeit von fortschrittlich-secessionistischer Seite proclamirt werden als gerade jetzt. Denn einmal ist die dazu nöthige Mehrheit nicht vorhanden, und sodann sind die Aussichten für eine solche gerade jetzt schlechter wie je. Welche Mehrheit sollte wohl der Regie- | rung ein Programm vorschreiben? Diegroße liberale Partei" ist nicht nur schon bei den letzten Wahlen, sondern auch in der parlamentarischen Praxis der letzten Wochen mehr und mehr in die Brüche gegangen. Die Nationalliberalen haben ! sich weder zu einer Beantwortung der Kaiserlichen Botschaft durch eine Adresse breitschlagen lassen, | noch haben sie sich den Wünschen der Botschaft i widersetzt; sie haben sich an den wüsten Scenen im Reichstage und Abgeordnetenhause, mit welchen die Fortführung der Geschäfte gestört wurde, in keiner Weise beseitigt, vielmehr ist gerade bei einer solchen Gelegenheit aus ihren Reihenden im Fahrwasser der Fortschrittler segelnden Se- cessioniften" ein deutlicher Absagebrief zu Theil geworden.

Und nun denke man sich, was aus einem par­lamentarischen Regiment werden sollte, dessen Wort­führer jede Achtung vor den Satzungen des Par­laments, vor der parlamentarischen Sitte und vor dem guten Recht und der Ueberzeugung Anderer verloren haben und das von Männern geleitet wird, welche jetzt, wo sie in Minderheit sind, nicht einmal das Recht der Majorität aner- kennen und welche nicht davor zurückscheuen, die Parlamente zum Schauplatz von Scenen zu machen, welche in der parlamentarischen Geschichte geradezu