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Einladung.

Zu der auf Donnerstag den 17» d. M. Vormittags 10 Uhr in das Gasthaus zum Stern dahier anberaumten Lehrerconferenz ladet die Herrn Schulinspectoren und Lehrer des Kreises hiermit ein

Hersfeld, den 7. Mai 1883

__der Oberschulinspector Dr. V i al.

Hersfeld, den 4. Mai 1883.

Die Grund- und Gebäudesteuer-Rollen für das Etatsjahr 1883:84 liegen vom 5. bis zum 15. Mai d. I. während den Lüreaustunden den In­teressenten zur Einsicht offen, welches die Herren Bürgermeister 2c. des hiesigen Kassenbezirks zur öffentlichen Kenntniß zu bringen haben.

Königliche Steuerkasse:

Wiskemann, Königlicher Rechnungsrath.

Die Sicherung der Heimstätten, in.

Wir haben in dem vorigen Artikel die amerikanische Heim, stättengesetzgebung genauer kennen gelernt. Es fragt sich nun ob diese auf unsere Verhältnisse übertragbar ist und ob hierdurch das Ziel der Sicherstellung der Bauern vor Verdrängung von ihrem Grund und Boden infolge von Verschuldung würde erreicht werden können.

Die amerikanischen Gesetze gewähren dem Landmann eine Schutzwehr gegen die äußersten Folgen derjenigen Ver­schuldung, an der er in Amerika leidet, nämlich der Per­sonalverschuldung. Daß diese Form der Verschuldung dort überwiegt, ist in einem Lande nicht zu verwundern, welches noch keine lange kulturelle Entwickelung hinter sich hat und wo noch so viel freies, unbesiedeltes Land verfügbar ist. Indem die neuere amerikanische Gesetzgebung bestimmt, daß ein gewisser Theil der beweglichen und unbeweglichen Habe im Falle der Personalverschuldung nicht zur Zwangsvoll­streckung kommen kann, gewährt sie dem vorwiegend von Personalschulden bedrückten Landmanne die Möglichkeit der Erhaltung einer Heimstätte: unter jener Voraussetzung kann ernicht von Haus und Hof vertrieben werden."

Wollte man diese Gesetzgebung aus unsere Verhältnisse übertragen, so würde hiermit unseren Landleuten nicht ge­holfen werden. Denn die eigentliche Ursache der Nothlage unserer Bauern ist nicht die Personalverschuldung, sondern die hypothekarische Verschuldung. Wenn man bei uns der Personalverschuldung die Wirkung zuschreiben wollte, daß ein Theil des Besitzstandes dadurch von der Exekution be­freit wird, so würde der Personalkredit der Bauern, der sich überhaupt schon in mäßigen Grenzen hält, geradezu völlig vernichtet werden. Die Bauern würden dann nur noch gegen hypothekarische Verpfändungen Geld bekommen, und mit weiterer Ausdehnung dieser Verschuldungssorm würde der Bauer nur noch leichter von Haus und Hof ver­jagt werden können.

Wenn man bei uns das Ziel erreichen will, welches die amerikanische Gesetzgebung sich stellt, nämlich die Erhaltung einer Heimstätte, so kann man dieselbe nur nach ihrem Geiste übertragen, nicht aber direkt anwenden. Unsere Bauern müssen einen Schutz erhalten gegen die äußersten Folgen der hypothekarischen Verschuldung. Ein solcher läßt sich durch verschiedene Mittel herstellen. Zunächst würde etwa die Umwandlung der hypothekarischen Schulden in Rentenschulden, die Ablösung der Hypotheken durch eine Zeitrente, worin der Schuldner außer dem jährlichen Be­trage seiner Last allmälig auch den Kapitalwerth derselben tilgt, in Frage kommen.

Weiter aber würde für den Fall, daß die Mißstände aus der hypothekarischen Verschuldung, über deren Größe ja erst eine Untersuchung im Gange ist, noch greller hervortreten sollten, die Beschränkung der Vertrags- und Versügungs. fähigkeit der Schuldner wie die Beschränkung der Rechte der Gläubiger erwogen werden können. (Schl- f.)

politische Nachrichten.

# Das Kranken Versicherungsgesetz.

Der Reichstag hat nunmehr die zweite Berathung des Krankenversicherungsgesetzes beendigt und zwar, wie wir sagen dürfen, zu einem glücklichen Ende ge­bracht. Im wesentlichen ist nur ein Punkt übrig geblieben, über welchen noch keine Einigung besteht, derjenige der obligatorischen Versicherung der land- wirthschaftlichen Arbeiter. Doch ist die Meinungs­verschiedenheit über diesen Punkt nicht eine prinzi­pielle, sie bezieht sich nur auf mehr oder weniger praktische Erwägungen behufs der Durchführbarkeit der allgemeinen Versicherung der landwirthschaft- lichen Arbeiter. Während die Regierungsvorlage mit Rücksicht darauf, daß die Ausgleichung aller bei der Versicherung in Betracht kommenden Rechte und Verpflichtungen durch Geld die Voraussetzung des Gesetzes bildet, daß aber bei der Landwirth­schaft vielfach Dienste und Verpflichtungen durch Naturalleistungen vergolten werden, vorgeschlagen hat, die Einführung der obligatorischen Versicher­ung der landwirthschaftlichen Arbeiter von einem Beschluß der Gemeinde oder eines weiteren Com- munalverbandeS abhängig zu machen, hat der Reichstag dem Vorschläge seiner Commission gemäß im Prinzip die Versicherung auch jener Arbeiter als obligatorisch hingestellt und ihre Nichteinführung an die Bedingung geknüpft, daß die Gemeinde oder der Communalverband durch einen ausdrücklichen Beschluß die Versicherung ausschließt. Im Grunde unterscheiden sich beide Vorschläge nicht, wenn sie auch in ihrer Wirkung sehr verschieden sein können:

nur praktische Erwägungen, welcher Vorschlag sich den landwirthschaftlichen Verhältnissen besser an- paßt, werden hier den Ansschlag geben müssen. Die Verhandlungen über den Entwurf sind nach Annahme des Grundprincips über den Versicherungs­zwang verhältnismäßig sehr schnell und glatt ver­laufen, wie es sich im Ganzen selten bei einem so wichtigen Gesetz zugetragen haben mag. Eine De­batte von principieller Bedeutung fand nur noch bei dem Paragraphen über die Beitragspflicht der Arbeitgeber zur Krankenversicherung statt. Aber auch hier war die große Mehrheit so sehr von der Nothwendigkeit dieses auf die Harmonie und Aus­gleichung der Interessen der Arbeiter und Arbeit­geber abzielenden socialpolitischen Grundsatzes durchdrungen, daß kaum noch von einem ernsteren Kampf die Rede war. Hier wie überhaupt wurde, abgesehen von den mancherlei Erörterungen, die sich mehr auf praktische Fragen bezogen, der Stampf gegen die Vorlage nur von einer kleinen, sich um den Führer der Gewerkvereine schaarenden ra- dicalen Partei geführt, welche die Interessen der Arbeiter am besten dadurch zu fördern glaubt, daß sie sie in einen möglichsten Gegensatz zu den Ar­beitgebern stellt, sie anf die doch schließlich un­zulängliche Selbsthilfe hinweist und aller schein­bar lästigen Verpflichtungen befreien will. Diese kleine und unbedeutende Partei wird hierbei von dem Gedanken geleitet, die Arbeiter mehr und mehr als Klaffe zu organisiren und zum Kampfe gegen andere Klassen oder politische Parteien auszurüsten, statt sie in eine organische Verbindung mit den wirthschaftlichen u. communalen Kräften zu bringen, auf die sie doch mit ihrer ganzen Existenz ange­wiesen sind. Die Vorlage und mit ihr die große Mehrheit des Reichstages von den Conser- vativen bis in die Reihen der isecessionisten hinein sucht statt dessen die im praktischen Leben ganz nothwendige Vereinigung dieser Elemente organisch zu ordnen,' das Band zwischen denselben fester zu knüpfen, nicht die Gegensatze zu verschärfen, sondern im Anschluß an die natürlichen realen Verhältnisse des praktischen Lebens auszugleichen. Hierin be­steht der hauptsächlichste ethische Zweck derSocial- politik, der nicht minder hoch anzuschlagen ist, wie das Ziel der materiellen Sicherstellung der Arbeiter gegen die Folgen von Krankheit. Schon jetzt läßt sich mit Bestimmtheit das Zustandekommen des Krankenversicherungsgesetzes in Aussicht nehmen: die Meinungen über diesen Gegenstand haben sich so geklärt und die Ueberzeugung von der Richtig- kei und Nothwendigkeit der Grundlage, auf welcher die Regierungsvorlage beruht, ist eine so feststehende, daß das Bemühen der Gegner, das Princip der Vorlage hier und da zu durchbrechen und zu durch­löchern und neuen Most in alte Schläuche zu füllen, kaum in's Gewicht fallen und auch nicht von Erfolg gekrönt sein konnte. Die socialpolitische Reform nimmt auf diese Weise einen guten Anfang und die bisherigen Verhandlungen berechtigen somit zu der Hoffnung, daß auch die weiteren Schritte, so schwierig sie sein mögen, gelingen werden, wenn die Parteien von dem Ernst und der Bedeutung der Reform durchdrungen bleiben, die politischen Parteigrundsätze sich in dieser Frage wie bisher so auch in der Folge im Hintergrund halten, wenn sie ihre Macht nicht an bestimmten Kampfobjecten er­proben wollen, sondern sich zu einer einzigen socialen Reformpartei vereinigen, welche im Sinne der Kaiserlichen Botschaft entschlossen ist, das Wohl der Arbeiter wirksam zu fördern und Einrichtungen zu schaffen, welche den Frieden der Berufsklassen unter einander sicherzustellen geeignet sind.

Se. Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm traf am 5. d. Vormittags 8j Uhr, begleitet vom Hosmarschall Major v. Liebenau und dem persön­lichen Adjutanten Hauptmanu v. d. Lanken, von Prag zurückkehrend, wieder in Berlin ein.

Das Abgeordnetenhaus wird voraus­sichtlich am 8. d. Mts. feine Pfingstvertagung ein­treten lassen, welche bis zum 21. d. M. dauern dürfte. Der Reichstag wird in dieser Woche vor allem die erste Etatsberathung zu Ende führen und dann noch die Entscheidung über die Holzzoll­vorlage und das Krankenkassengesetz herbeiführen.

Aus Wien, 5. Mai, wird gemeldet: Eine Ver­sammlung von etwa 1000 Bäckergehülfen verun­staltete eine Kundgebung im Vereinshause, welche in Thätlichkeiten ausartete. Die Tumultuanten zerstörten Möbel und Fenster des Lokals und wurden mit den Wachtleuten handgemein. Nachdem die Straße abgesperrt war, wurde die Ruhe wieder hergestellt. Gleichzeitig fand vor der Wohnung des Vorstandes der Bäckergenossenschaft eine De­monstration statt, an welcher sich gegen 400 Bäcker­gehülfen betheiligten. Auch hier wurden die Fenster eingeworfen und die Thüren zertrümmert.

Als am Sonnabend Vormittag einige Soldaten in dem Pulvermagazin von Priddys Hard im Hafen von Portsmouth mit der Füllung von

Granaten beschäftigt 'waren, explodirte eine Gra­nate und führte das Explodiren des ganzen Pul­vermagazins herbei. Bei dem Unglücksfalle sind 6 Personen ums Leben gekommen, mehrere andere sind verwundet.

AuS Heffen-Naffau.

* Der Königlich preußische Minister der öffent­lichen Arbeiten ermächtigte die Königlichen Eisen- bahndirectionen, die Gültigkeit der Retourbillets, welche von den durch ihre Mitgliedskarte legiti- mirten Theilnehmern an der am 15. bis 17. Mai d. J. stattfindenden 25. Allgemeinen Lehrerver­sammlung zur Reise nach Bremen in den Tagen vom 12. bis zum 15. Mai gelöst werden, bis zum 19. Mai incl. zu verlängern. Die Kaiserliche Generaldirektion der Eisenbahnen zu Straßburg hat gleiche Ermächtigung erhalten.

* Nach einer Anweisung des Ministeriums für Laudwirthschaft soll überall, wo es erforderlich ist, auf Ausrottung der Disteln hingewirkt werden und es sind zu diesem Zwecke die geeigneten Sonderver- fügnngen ergangen.

* Die am 1. Mai er. stattgefundene General­versammlung der Vereinsbank genehmigtedie Jahres­bilanz und die von der Verwaltung vorgeschlagene Dividende; dieselbe gelangt von heute ab in Berlin zur Auszahlung. Der gleichzeitig erschienene Jahres­bericht wird Interessenten auf Wunsch von der Direction vom 5. Mai er. ab übersandt.

Cassel, 5. Mai. Ein unglücklicher Zufall wollte es, wie die Tagespost hört, daß ein Wehl- heider Metzger gestern beim Hantiren mit seinem Messer in seinem Geschäft ein Kind unversehens in's linke Auge stach, so daß dasselbe gänzlich auslief.

Kassel, 4. Mai. Ein bedauernswerther Selbst­mord wird in unserer Stadt viel besprochen. Der ehemalige Gastwirth Simon, ein schon ziemlich bejahrter Mann, hat in einem Anfall von plötzlicher Geistesstörung heute Vormittag 8 Uhr sich in seiner in der Holländischen Straße gelegenen Wohnung mit einemTerzerol erschossen. Die Kugel gingdurch das Herz und trat der Tod unmittelbar ein. Der unglückliche Mann hat schon seit längerer Zeit an sehr schmerzlichem Gelenk-Rheumatismus gelitten, wodurch in der letzten Zeit eine hochgradige Schwer- muth sich seiner bemächtigt hatte.

Kassel, 4. Mai. Seit gestern sind an 30der hier garnisonirenden, in der ehemaligen Garde-du- Corps-Kaserne im Quartier liegenden, Husaren von 4>er 1. Escadron an der Brechruhr erkrankt. Dem Vernehmen nach sollen dieselben Milch getrunken haben, welche wahrscheinlichnicht" ganzsauber" gewesen ist.

Döllbach, 3. Mai. Der Fischotternjäger Stephan Roth von Döllbach und Franz Storch von Altenhof fingen vom 26. Januar d. I. bis zum 1. Mai 5 Stück Fischottern in der Fulda und Fliede. Die kleinste wog 12, die schwerste 19 Pfund.

M a r b u r g, 4. Mai. Leider haben wir wiederum so schreibt dasTgbl.", von einem Akt brutalster Rohheit Kenntniß zu nehmen, der sich am Himmeb- -fahrtstage auf dem Wege nach dem Frauenberge abspielte. Ein großer Haufen Bursche aus Kappel mißhandelten einen einzelnen armen Menschen, wel­cher noch dazu geisteskrank sein soll, in der Weise, daß sie ihn jämmerlich zerschlugen, auf die Erde warfen und mit Füßen auf ihm herumtrampelten. Eine Anzahl hiesiger Studenten, welche nach dem Frauenberge gehen wollten und die Menge fragten, was der Geschlagene denn verbrochen hätte, wurden statt aller Antwort von der wüthenden und stark betrunkenen Menge angefallen und mit Knüppeln und Messern arg zugerichtet. Vorübergehende aus Beltershausen und vom Frauenberg eilten endlich den hart Bedrängten zu Hülfe. Hoffentlich gelingt es, die wüsten Gesellen zur gerechten Bestrafung zu bringen. Die Anzeige ist bereits erfolgt.

Eine Heirath aus Verzweiflung.

Von Henry Perl. (Fortsetzung.)

Selbst der schwerverletzte Patient er mußte eine innerliche Verletzung erlitten haben, da äußer­lich nichts zu sehen war belebte sich für einen Augenblick, als man ihm einen Schluck des stärken­den Getränkes beibrachte. Doch ungeachtet dieser momentanen Behaglichkeit stellte sich die Anwesen­heit eines Arztes als dringend nothwendig heraus. Jenen fing das Bein ganz erträglich zu schmerzen an, diesen die Kopfwunde und David Lindsay biß vor Schmerz die Zähne zusammen, so weh that ihm sein linker Arm. Es wurde demnach be­schlossen, zuvor einen Arzt herbeizuschaffen und dann erst nach dem Gepäck zu sehen.

Der Tag war mittlerweile angebrochen, der alte Fährmann, ein Jrländer Namens Kirke, zögerte auch nicht eine Minute länger, sondern band einen seiner Kähne los und ruderte die zwei Meilen stromaufwärts, welche Dr. Petit, den Chirurgen,