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Außerdem war sie zur Aufnahme in die Guaita- stiftung vorgemerkt. Als am 1. April die neue Armenverwaltung ihre Thätigkeit begann, wurde ihr die Unterstützung (monatlich 15 M.) entzogen, weil sich herausgestellt hatte, daß die arme Wittwe über nicht unbedeutende Capitalien (20,000 M.) verfügte.

Eine Heimth aus Verzweiflung.

Don Henry Perl.

(Fortsetzung.)

Mrs. Brent öffnete mittlerweile die Augen, das starke Riechsalz, das Phill Gloria's Händen ent­nommen und ihrer Tante unter die Nase gehalten hatte, verfehlte seine Wirkung nicht. Mit Hülfe Judy's hob man die arme Haushälterin vom Boden auf und setzte sie aus einen bequemen Stuhl nahe der schon verlöschenden Glut des Herdfeuers. Gloria sandte alsdann eines der Mädchen nach der Küche um kochendes Wasser und mischte demselben eine tüchtige Quantität Rum bei.

Mrs. Brent hatte kaum einige Tropfen dieser stärkenden Flüssigkeit zu sich genommen, als ihre Lebensgeister zu erwachen begannen. Ein schwerer Seufzer, der sich ihrer Brust entrang, legte Zeug­niß dafür ab, daß sie sich des Borgefallenen erinnere.

„Gloria setzte das Glas bei Seite. Judy's Augen folgten gierig dem heilsamen Tränke. — „Ich bin ein alter Mann, Herrin" — begann er in erbärmlichem Tone — „und mein Blut scheint zu Eis gefroren".

„Es soll sogleich wieder flüssig werden, Judy l„ sagte Gloria lächelnd und hielt dem braudylechzeu- den Neger den stärkenden Trank hin — „umsomehr als Ihr jetzt Mulh braucht und den habt Ihr gewiß nicht, wenn Euer Blut zu Eis gestockt ist".

Die junge Herrin wendete sich sodann wieder ihrer Haushälterin zu! „Fühlt Ihr Euch etwas wohler, Mrs. Brent?"

„Ich danke Euch, Lady — ja" — hauchte die arme Frau, kaum vernehmlich und schauderte.

„Was sagt ihr zu meinem Vorschlag, Euch jetzt hinauf in Euer Zimmer zu bringen?" — fragte Gloria.

„Nein, nein, um Gotteswillen nicht!"

„Aber, Mrs. Brent, ich holte soeben das Riech- salz für Euch herunter, die Passage ist frei, glaubt mir."

„Ach, das war gewagt, Herrin, Ihr habt Euch da einer beispiellosen Gefahr ausgesetzt und meinet­wegen noch obendrein!" — klagte Mrs. Brent.

„Aber nicht doch, ich versichere Euch, es ist Nie­mand oben und überdies habe ich jetzt den Befehl ertheilt, daß sich sämmtliche Diener, mit Waffen versehen, um mit Phill und mir an der Spitze die Durchsuchung des Hausesvorzunehmeu. Eben darum wünschte ich Euch wohlgeborgm in Euerem Bette zu wissen, Mrs. Brent."

Während dieses Zwiegespräches war Judy unter der Einwirkung des heißen Grogs voll Muth im Herzen, an die Ausführung von Gloria's Befehl gegangen. Die schwarzen Mädchen hatten sich leise von bannen geschlichen, die erlebte Mähre weiter zu verbreiten und Phill beruhigt über ihre Tante und ermuthigt durch das Beispiel der jungen Gräfin, eilte hinaus ihre Fliute zu prüfen, denn auch sie wollte, wenn es dazu kam, Jagd machen auf den fremden Eindringling und Ruhestörer, falls es doch kein Geist gewesen wäre, der sie in so schauerliche Angst versetzt hatte.

Mrs. Brent saß noch unschlüssig am Herdfeuer und schüttelte bekümmert das müde Haupt.

Die junge Gräfin, voll der Theilnahme für ihre Haushälterin wurde nicht müde, derselben Trost zuzusprecheu, als das Stillhallen eines Gefährtes und gleich darauf rasche Mäunertritte sie darin unterbrachen. Es war Mr. Cummings, der Guts­aufseher, mit seinen zwei Söhnen. '

Das Ereigniß der vergangenen Nacht war ihm, Dank der Geschwätzigkeit der Neger, kein Geheim­niß mehr geblieben und war er sammt seinen beiden Söhnen, kräftigen jungen Männern im Alter von zwanzig und vierundzwanzig Jahren, sofort in's Schloß geeilt, um den Sachverhalt genau zu hören und sich der Gutsherrin zur Verfügung zu stellen.

Air. Cummings bat nach der üblichen Begrüßung die Herrin des Hauses, ihm das Abenteuer der vergangenen Nacht zu erzählen, da er aus den verschiedenen Berichten der Neger absolut nicht klar werden konnte. — „Sie begreifen Lady" — setzte der Gutsaufseher hinzu — „daß ich doch nicht an­nehmen kann, der Teufel sei heute Nacht wirklich in sichtbarer Gestalt durch's Schloß gezogen. Darauf schwört aber AU und Jung ringsherum."

„Nun die Leute sind nicht so ganz im Unrecht" — eutgegnete die Gräfin — „ein naher Angehöriger des Satans mag es schon gewesen sein. Doch hier ist Mrs. Brent, Ihre Schwester, sie soll Ihnen das Ereigniß berichten."

Mr. Cummings wendete sich nun an seine

Schwester mit voller Aufmerksamkeit zu und diese erzählte das Vorgefallene ohne jede Uebertreibung.

„Das ist in der That seltsam — sehr seltsam!" — meinte der Gutsaufseher nachdenklich. — „Und genau mit dem letzten Schlag elf ist die Erscheinung sichtbar geworden?"

„Ja!" — erwiderten Gloria und Mrs. Brent zugleich.

„Und die Thür war verschlossen gewesen?"

„Ja, der Riegel vorgeschoben, wie stets des Nachts. Da plötzlich flog die Thür, gewaltsam und ge­räuschvoll wie von einem heftigen Windstoß bewegt, auf — hereintrat jene hohe Gestalt, schritt ge- räusMos wie ein Schattenbild durch die Halle und der Treppe zu, die in's erste Stockwerk führt, wo sie plötzlich wie sie gekommen war, wieder ver­schwand. — Doch die Zeit reichte hin, um mit einem Blick das böswillige höhnische Gesicht David Gryphyn's zu erkennen" — setzte Mrs. Brent schaudernd hinzu. — „Dieses Gesicht, das mir in jener Schreckensnacht vor zwanzig Jahren erschien, als man im Morgengrauen die tzeiche des Ver­dammten brächte und das ich nicht vergessen werde, und hätte ich noch hundert Jahre zu leben. — Es war David Gryphyn's Geist, lache nicht Bruder, er war es, so gewiß^als ich hier sitze, und Geister jagt man nicht mit Schießgewehren fort" — setzte sie leise und halb für sich hinzu, sich der Anord­nungen ihrer jungen Herrin erinnernd.

„Und die Gestalt ging gegen die Treppe zu, die in's erste Stockwerk führt, sagtest Du?' — frug Mr. Cummings seine Schwester nachdenklich.

„Man kann das kein Gehen nennen, sie ver­schwand hinauf, müßte man sagen."

„Gut, gut, und kam nicht wieder zum Vorschein, nicht so?"

Nein, gewiß nicht, wenigstens wir haben sie nicht mehr gesehen, mit ihrem Verschwinden hörte aber auch augenblicklich der Sturm auf. Sobald wir unserer Sinne einigermaßen wieder mächtig waren, schaarten wir uns um das Herdfeuer, wo wir theils betend, theils im leichten Schlummer den Rest der Nacht zugebracht haben."

„Ohne mehr gestört zu sein?"

„Ohne während der Nacht weiter gestört zu sein, dafür aber harrte bei Sonnenaufgang unser ein neuer Schrecken, denn Da kam er abermals."

„Wer kam?"

„Nun, wer sonst, als David Gryphyn's Geist? Ich dankte gerade im Stillen meinem Schöpfer, daß Sie entsetzliche Nacht vorüber war und die Sonne schien unseren Muth neu zu beleben, als 1 wir, nicht so Herrin? ein lautes freches teuflisches Gelächter vernahmen, das unser Blut neuerdings; erstarren machte! Ich wendete den Kopf nach der Seite, von wo es kam, sah das entsetzliche Ange­sicht David Gryphyns — meine Sinne schwanden und ich sank mit einem lauten Schrei zu Boden, mehr ist mir nicht erinnerlich."

„Ja, so war es" — setzte Gloria den Bericht da fort, wo ihn Mrs. Brent abbrach.

„Und wohin ging die Gestalt, Herrin?"

„Sie verschwand in dem dunklen Gang, der ins erste Stockwerk führt. Ich eilte nach und schob in der ersten Aufwallung von Angst den Riegel vor, damit der entsetzliche Gast wenigstens nicht' auf demselben Wege zurückkäme."

„Ja, ja, es war der Geist des alten David Gry- Phyn! Kein Zweifel!" — sprach Mrs. Brent schaudernd darein.

„Wunderbar, wunderbar! falls dies alles wirk­lich so ist!" — rief Mr. Cummings aus.

„Warum zweifelst Du daran?" — fragte Mrs. Brent ihren Bruder. — „Hast 2)u es nicht vor zweiundzwanzig Jahren mit deinen eigenen Augen gesehen? Kannst Du dich noch jener Schreckeus- nacht erinnern, in welcher ich allein saß und wachte. Du schliefst im Nebenzimmer, bis Dich mein Angst- ruf weckte. Weißt Du noch, wie ein Windstoß, genau so wie in vergangener Nacht, die Thür auf- riß und er aus einer Wunde an der Stirn blutend eintrat. Ich glaubte David Gryphyu in Fleisch und Blut vor mir zu sehen unb folgte ihm unge­achtet seines Schweigens bis an die Schwelle seines Zimmers, das er lautlos betrat. — Unb am i nächsten Morgen brachten fremde Männer seinen i Leichnam, den sie zwölf Stunden zuvor dreißig! Meilen von GryphynShold entfernt in der „Wolfs­schlucht" mit zertrümmerten Schädel gefunden hatten. Genau um dieselbe Stunde, als sein Geist uns । hier im Schlosse erschien, betteten sie seinen blutigen ■ Leichnam auf die Bahre, um ihn heimzuführeu. Daher blieben alle Nachforschungen vergeblich, die in seinem Zimmer verschwundene ihm so ähnliche Gestalt wieder zu finden."

„Ja, ja, Alles dessen erinnere ich mich, als wäre es gestern geschehen" — sagte Mr. Cummings nachdenklich — „ich werde jene Nacht nie vergessen und sollte ich Methusalems oder Ahasvers Alters erreichen " i

„Wohlan und dasselbe hat sich in der gestrigen Nacht genau so wiederholt, nachdem sein Leib nun bald zweiundzanzig Jahre in der Erde modert. Zweimal ging das Schreckgespenst — Zug um Zug er selbst an uns vorüber — erkläre das, wenn Du kannst!

„Wie kann ich mir anmaßen, Schwester, Uner­klärliches aufklären zu wollen? Alles, was wir jetzt zu thun haben, ist: das Haus zu durchsuchen wie es die Herrin bereits angeordnet hat — nur möchte ich mir die Bitte erlauben, daß die Gräfin de la Vera mir an Ihrer Statt gestatte, mich an die Spitze des Zuges zu stellen. Man weiß eben nicht, ob wir es nicht doch mit irgend einem Land­streicher ober Räuber zu thun haben und die An­wesenheit von Damen könnte uns alsdann verhin­dern, volle Gerechtigkeit zu üben. (F. f.)

Vermischtes.

E i s e u a ch, 28. April. Nach hier eingegauge- ner Nachricht ist die Stadt G e i s a im Weimarischen Oberlande heute von einer Feuersbrunst heimge­sucht worden, welche nahezu die Hälfte der Stadt, darunter die Pfarrei und Schule, in Asche gelegt hat.

— Dessau, 26. April. Ein Soldat des An­haltischen Regiments suchte heute in Begleitung seiner Geliebten, eines Bürgermädchens aus hiesiger Stadt, den Tod. Im hiesigen Thiergarten feuerte er zunächst gegen die Schläfe des Mädchens aus einem Revolver zwei Schüsse ab, welche dasselbe jedoch nur leicht an der Stirn verwundeten. So­dann richrete er die Waffe gegen seinen Kopf und brächte sich eine schwere, jedoch nicht tödtliche Wunde bei. Um das erstrebte Ziel auf andere Weise zu erreichen, stürzten die beiden Lebensmüden sich in die Mulde, wurden jedoch bemerkt und herausge­zogen, "ehe der Tod eingetreten war. Der Soldat wurde in das Lazareth geschafft, das Mädchen seinen Eltern überliefert.

— Die Explosion im Postwagen auf der Bahn Neustadt-Zweibrücken wird doch noch den Verlust eines Menschenlebens nach sich ziehen. Das eine Auge des Postschaffners Wachter ist ausgeschlagen, die eine Backenseite mit Bart abgerissen, er hat ferner Wunden von Holzsplittern in Brust und Leib und wird wahrscheinlich seinen Verletzungen erliegen müssen.

— Warschau, 26. April. Bei einem in der verflossenen Nacht in einer Tischlerwerkstatt aus­gebrochenen Feuer fanden 16 Personen den Tod in den Flammen.

— London, 26. April. Dienstag um Mitter­nacht fand im Caual eine Collision zwischen den Segelschiffen „County of Aberdeen" und „British Commerce" statt. Letzteres sank, 25 Mann der Bemannung ertranken, nur der Capitän und der Hochbootsmann wurden gerettet.

— Mit 200,000 Francs durchgegangen ist aus Oberegg im Canton Appenzell in der Schweiz der ehemalige Bezirksschreiber Carl Bänziger. Die Flucht ist demselben um so leichter und hat von ihm um so sicherer bewerkstelligt werden können, als er in seiner Stellung sich selbst Legitimations­papiere anzufertigen in der Lage gewesen ist. Auf seine Ergreifung sind von der Polizei-Direction zu St. Gallen und Appenzell je 5000 Francs Be­lohnung ausgesetzt.

— (Ein altes Jäger-Wetterglas.) Ein Wetter­glas der Art besteht aus einer Flasche von der Sorte der ehemaligen „Eau de Cologne^lafdjen". Diese Flaschen sind einschließlich des schwachen Halses ca. 25 cm laug und haben ungefähr die Stärke eines 50-Pfcunigstückes. Eine derartige Flasche wird mit reinem Riudsklauenfett (der aus­gekochte Inhalt der Röhren von Rothwild thuts auch) gefüllt, gut verkorkt und an die Wand eines Fensters gehangen. So lange das Wetter gut ist, bleibt der Inhalt der Flasche ganz hell, ist aber ein Gewitter nur im Anzüge, so beginnt das Auf- steigen einer schwachen Säule in der Flasche, und will die Witterung gar in Regeuwetter Umschlägen, so wird die schwache Säule alsbald stärker und nach und nach der ganze Inhalt der Flasche fleckig und schließlich ganz trübe. Will sich das Wetter wieder zur Besserung neigen, so fängt der Inhalt der Flasche an sich von oben zu klären und wird bei demuächstigerbeständig guter Witterung wieder ganz klar. Man versuche es und wird das alte Wetterglas probat finden.

— 1,500,000 Kokosnußschalen werden, nach eigenem Geständnisse eines Fruchthändlers in New-Orleans, von diesem jedes Jahr an einen Fabrikanten von schwarzem Pfeffer verkauft. — In der That eine gepfefferte Fälschung! _____

Fr « ch (preise.

Weizen 100 Kilogr. 18 M. 50 Pf. bis 19 M. — Pf. Roggen 100 Kilogr. 14 M. 60 Pf. bis 15 M 25 Pf. Gerste 100 Kilogr. 13 M. — Pf. bis 14 M. 50 Pf. Hafer 100 Kilogr. 12 M. 35 Pf. bis 13 M. 40 Pf.