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Ebenso hat die Generalversammlung der Steuer- 1 man sich jetzt eudgiltig entschlossen zu haben, die und Wirthschaftsreformer im Februar 1882 sich allgemeine Kasernirung der Armee mit möglichster mit dem „Heimstüttengesetz" beschäftigt, aber keine Beschleunigung durchzuführen. Nicht zum mindesten Beschlüsse in dieser Richtung gefaßt, da die Be- hat zu diesem Entschluß die Verbreitung der nihi-

richterstatter über diese Frage der Ansicht waren, daß die unveränderte Uebertragung jenes Gesetzes auf deutsche Verhältnisse nicht anwendbar sei, weil die „Heimstätte" keineswegs, wie man zuerst ange­nommen hat, unangreifbar, untheilbar und unver- schuldbar ist, sondern wegen Hypothekenschulden und bei gewissen anderen Verschuldungsarten ver­äußert werden kaun.

Prüfen wir in einem folgenden Artikel die Be stimmungen der amerikanischen Heimstättengesetze sowie diejenigen des bezüglichen serbischen Gesetzes und untersuchen wir dann weiter, ob mit diesen oder ähnlichen Bestimmungen die Sicherstellnng der Bauern, die in sozialer, politischer und wirth- schaftlicher Rücksicht möglichst zu erstreben ist, erreicht werden kann.

Aus Hessen-Nassau.

* Nach einer Allerhöchsten Ordre vom 12. d. M. sind zu den Uebungen der Ersatzreservisten für das Etatsjahr i883.84 einznberufen: aus der Ersatzreserve 1. Masse a. zu einer ersten (10wöchigen) Uebung: bei der Infanterie 13,340 Mann, bei den Jägern 360 Mann, bei der Fußartillerie 1320 Mann, bei den Pionieren 980 Mann, zusammen 16,000 Mann; b. zu einer zweiten (4wöchigen) Uebung: Mannschaften, welche im Etatsjahre 1882! 83 zum ersten Male geübt haben, und zwar: bei der Infanterie 11,400 Mann, bei den Jägern 350 Mann, bei der Fußartillerie 1250 Mann, bei den Pionieren 700 Mann zusammen 13,700 Mann. Bei dem Garde-Korps finden deratige Uebungen nicht statt. Für die zehnwöchige Uebung wird im Besonderen Folgendes bestimmt; a. Die übenden Ersatzreservisten' werden im Allgemeinen bei der Infanterie in eine Kompagnie bei jedem Regiment, bet der Fußartillerie und den Pionieren in eine Kompagnie bei jedem Bataillon, und bei den Jägern in ein Detachement bei jedem Bataillon formirt. b. Als Uebnugsorte für die Infanterie werden in der Regel Garnisonorte dieser Waffe bestimmt.

6. Die Ersatzreservisten der Jäger und Pioniere üben bei den betreffenden Bataillonen, d. Die Uebungsorte für die Fußartillerie bestimmt die General-Inspektion der Artillerie im Einverstäud- niß mit den bezüglichen General-Kommandos, e. Die Zeit für die Uebungen aller Waffen ist, so­weit es unter Berücksichtignug des §. 15, A. 3 der Kontrol-Ordnung ünd des §. 18, A. 2 der Land­wehr-Ordnung angängig ist. durch die General- Kommandos auf die Herbstmonate festzusetzen, und zwar möglichst so, daß die Uebungen mit der Ein- stellnng der Rekruten beendet sind; für die Schiff­fahrt treibenden Mannschaften finden dieselben im Winterhalbjahr 1883:84 statt. Gleichzeitig ist event, eine Nachübung anzusetzen. Die zu einer zweiten (4wöchigen) Uebung einzuberufenden Ersatz­reservisten sind, soweit es unter Berücksichtigung der zu e. angezogenen Bestimmungen angängig ist, während der letzten vier Wochen der für die 10wöchige Uebung festgesetzten Zeit einzuziehen. Die zum zweiten Male übenden Ersatzreservisten sind bei der Infanterie in besondere Kompagnien zu formten, bei den Jägern, der Fußartillerie und den Pionieren aber den vorhandenen Ersatzreservedetachement bezw. Kompagnien zuzutheilen.

* Dem Gymnasial-Director Dr. Münscher zu Marburg ist der Adler der Ritter des König­lichen Haus Ordens von Hohenzollern verliehen worden.

Eassel, 24. April. Der Herr Oberpräsident Graf zu E u le n b ur g wurde gestern in Wies­baden von Sr. Majestät dem Kaiser zu längerem Vortrage über das Niederwald-Denkmal empfangen.

Eassel, 23. April. Ein brillanter Distance- ritt, dessen Endpunkt Eassel war, ist, wie wir hören, gestern von dem Premierlieutenant im Groß- Herzogl. Hess. Dragoner-Regiment Nr. 27 Herrn von Eschwege, ausgeführt worden. Derselbe ist gestern Morgen präcis 6 Uhr von Butzbach abge­ritten und ist Abends um 7z Uhr hier vor dem Hotel du Nord angekommen, hat also eine Ent- sernung von circa 156 Kilometern in 13z Vtuuden znrückgelegt, die dreimalige Rast unterwegs mit eingerechnet. Wie es heißt, soll dem gelungenen Ritt eine Wette zu Grunde liegen, die von dem Reiter gewonnen ist, da er, wie es heißt, erst um 8 Uhr Abends hier einzutreffen brauchte (Tgbl.)

W e n ders hausen bei Tann, 20. April. Gestern Nachmittag spielten mehrere Kinder im Alter von 3—4 Jahren unweit des Dorfes am 'Alsterfluß. Das dreijährige Söhnchen des Webers F. Fäß wollte ein Blümchen pflücken, wurde aber von einem Spielkameraden so unglücklich gestoßen, daß es in den Flnß fiel und ertrank. Der Vater des ertrunkenen Kindes ist erst vor acht Tagen, besseren Verdienstes halber, nach Elberfeld gereift und nun muß die erste Nachricht aus der Heimath solche Trauer-Botschaft sein. (Tpst.) Kassel, 24. April. Nach einer uns von einem Freunde unseres Blattes soeben zugehenden Mit­theilung aus Marburg ist gestern Abend in dem

politische Knchrichten.

Die Gewerbe-Commission des Reichstags hat dieihrzurVorberathung überwiesenen Anträge wegen Beschränkung des Cantinenwesens und des Handwerkerbetriebs in den Kasernen abgelehnt, nach­dem der Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff erklärt hatte, daß im Interesse des Dienstes selbst etwaigen Ausschreitungen auf diesem Gebiete seitens der Militairverwaltung werde mtgegeugetreteu werden. Da von fortschrittlicher weile gewünscht wurde, daß diese Anschauungen der Militairver- waltung gesetzlich fixirt werden, erklärte der Kriegs­minister, daß es dessen nicht bedürfe, da für die Armee der Befehl des obersten Kriegsherrn Gesetz sei: eine größere Garantie, als sie indem cnischie- denen Willen des letzteren, solchen Mißbrauchen entgegenzutreten, gegeben sei, könne auch durch einen Act der Gesetzgebung nicht geschaffen werden. Der Kriegsminister bemerkte dabei ausdrücklich, daß er seine bisherigen Erklärungen mit Allerhöchster Zu­stimmung abgegeben und darin nur den Willen des Kaisers zum Ausdruck gebracht habe.

Der Handelsvertrag mit Serbien wurde vom Reichstage heute Montag den 23. April, in dritter Lesung genehmigt. Dann wurde die Be­rathung der Krankenversicherung mit dem Abschnitte „Gemeinde - Kranken - Versicherung" fortgesetzt und zwar bei dem Paragraphen 6 . über die als Kraziken- unterstützung zu gewahrenden Leistungen. Die'De- batte hierüber beschränkte sich hauptsächlich auf die Vertheidigung der von fortschrittlicher und secessio- nistischer Seite gestellten Abändernngsantrüge.

Der Reichskanzler hat beim Bundesrath beantragt, 3 Mill. Zwanzigpfennigstücke einzuziehen und je zur Hälfte in Ein- und Zwei-Markstücke umzuprägen. In der Begründung heißt es, daß die seit der letzten Umprägung von drei Millionen (1879) gemachten Wahrnehmungen bestätigt haben, daß die 20-Pfennigstücke im Verkehr nicht beliebt seien und der Benand der Reichsbank an diesen Münzen steigt beständig bis Ende März 1883 auf 9104000 Mark, außerdem seien 1; Mill. in den preußischen Kassen, ohne Bedarf dafür; den Be­dürfnissen des kleinen Verkehrs könne durch die Zehnpfennigstücke ausreichend entsprochen werden. Die Reservebestände des Reichs an letzteren seien seit dem Monat Oktober deS Jahres 1879 von 5 374 730 auf 4 637 734 herabgegangen. Die Ueber- leitung der Nickelmünzen in den Verkehr habe den Vortheil der Zinsenersparniß für die Reichskasse, welche als Deckung derUmprägungskosten der 20=; Pfennigstücke gerechnet werden könne. I

In Wien haben am 23. d. eine große Anzahl von Bäckern die Arbeit eingestellt, noch weitere Arbeitseinstellungen scheinen bevorzustehen, zur Aushülfe wurden 200 Militärbäcker in Verwen­dung genommen. Ein Bäckergehülfe, welcher auf­reizende Flugschriften vertheilte, wurde verhaftet.

Wie „W. T. B." aus Marseille meldet, flog Sonntag Abend in St. Chamas ein 3000 Kilo Pulver enthaltendes Pulvermagazin in die Lust; eine durch die Explosion herbeigeführte Feuersbrunst legte sieben große Nebengebäude in Asche. Nur mit großer Anstrengung gelang es, die Explosion eines zweiten Pulvermagazins, welche die ganze Stadt gefährdet haben würde, zu verhüten. Bei dem Unglücksfalle hat ein Mann sein Leben eingebüßt.

Die französische Exvedition nachTon- kin nimmt keinen so glatten Verlauf, wie es den Franzosen wünschenswerth wäre. Nach neueren Nachrichten haben die dort operirenden französischen Truppen bedeutende Verluste erlitten. Oberstlieu­tenant Garreau, dem beide Beine zerschmettert wurden, starb an seinen Wunden. In Folge dessen sind jetzt in Toulon zwei Schiffe in der Ausrüstung begriffen, welche 20,000 Mann nach Toukin bringen sollen.

Im russischenKr iegs Ministerium scheint

hat zu diesem Entschluß die Verbreitung der nihü tistischeu Propaganda unter der Bevölkerung bei­getragen, und man sucht daher die Armee von der-

selben entfernt zu halten. Bisher ist nur etwa die Hälfte des regulären stehenden Heeres in Ca- sernen untergebracht; etwa 170,000 Mann liegen in kasernenmäßig eingerichteten, Privaten gehörigen Massenquartieren, in denen sie jedoch in nicht zu verhinderndem Verkehr mit den sonstigen Hausbe­wohnern bleiben, und etwa 75,000 Mann sind bei den Bürgern selbst eingnartirt.

Städtchen Wetter ein großes Feuer ausgebrochen. Reisende, welche mit dem Nachtzuge der Cölbe- Laaspher Bahn die Station Goßfelden passirten, sahen, wie plötzlich aus dem Häusergeviert des un­weit entfernt gelegenen Städtchens Wetter die Flammen einporschlugen und weithin die Nacht er­leuchteten. Das verheerende Element breitete sich zusehends mit großer Schnelligkeit aus und hatte be­reits nach 10 Minuten, als der Zug die Station Sa- ran erreichte, bedenkliche Dimensionen angenommen.

(H. M.)

K e s s e l st a d t, 21. April. Die Unsitte der kleinen Knaben, um Weiden zu schneiden und Pfeifen zu machen, oft Küchenmesser in bloßen Taschen zu tra­gen, hätte heute beut sechsjährigen Söhnchen des Goldarbeiters Fr. Nix leicht das Leben kosten können. Der Knabe fiel nämlich und stieß sich das in der Tasche getragene Küchenmesser so in den Leib, daß die Eingeweide zum Vorschein kamen. Glücklicher­weise sollen keine inneren Theile verletzt und des­halb keine schlimmen Folgen zu befürchten sein.

B o ck e n h e i m, 22. April. Im Giunheimer Wäldchen fand man vor einigen Tagen Morgens gegen 9 Uhr einen Mann, welcher eine große Schnitt­wunde am Halse hatte, die augenscheinlich auf einen Selbstmord hinwies. Die Wunde war ihrer Natur nach keine unbedingt tödtliche und erlaubte sogar dem Manne, da die Luftröhre unverletzt war zu sprechen. Lei dem sofort angestellten Verhör ergab sich, daß man es mit einem in Frankfurt wohnhaften Gärtner­gehülfen, Namen Ruß, einem Vater von 4 Kindern zu thun hatte. In einem Anfälle von Verfolgungs­wahnsinn, eine Folge der Trunksucht, soll er sich die Wunde mit einer Heckenscheere beigebracht haben. Dem erlittenen starken Blutverlust erlag Ruß bei dem erst gegen Mittag erfolgten Transport nach unserem Krankenhanse.

Schloß Ludwigseck bei Rotenburg a. d.F., 21 April. Heule früh wurde im Freiherrlich Ried- csel'schen Revier Lndwigseck ein prächtiger, 9 Pfund schwerer Anerhahn von Freiherr» Ludwig Riedesel zu Eisenbach geschossen.

Frankfurt, 22. April. Am vergangenen Freitag gegen 10 Uhr Abends, bettelte ein Stromer in einem in der Bergerstraße belegenen Hause eine Frau 'um milde Gaben an. Da er aber nichts erhielt, so ergriff er seinen Stock und verarbeitete hiermit die ihn abweisende Frau mit außerordent­licher Roheit. Auf das Hülfegeschrei derselben bringen eine Anzahl Vorübergehender zur Hülfe- lelstnng in das Haus hinein. Leider gelang es dem Vagabondeu, in der Dunkelheit der Nacht an» gestraft zu entkommen.____ Auszüge aus der Brochüre: „Die Angriffe des Reichstagsabgeordneten Herrn Richter gegen die Armee beleuchtet von einem deutschen Soldaten." (Fortsetzung.)

Auch Gambetta, trotz seiner eminenten organisatorischen Begabung, trotz seines entschieden militärisch beanlagten Charakters, scheiterte aus diesem Gebiete, weil er dem Ur­theil der geschulten Militärs seine Laienansicht entgegenkellte und durchsührte.

Geniale Männer haben selbst da, wo sie ohne Zweifel die Macht besaßen, die Militärs von Fach bei Seite zu schieben, sich zurückgehalten. Es sei hier an Ludwig XIV. von Frank­reich erinnert und nicht minder an Thiers, dem es doch keineswegs an militärischer Bildung mangelte. Er hat als Präsident der Republik ein Zeichen hohen Geistes gegeben, indem er ungeachtet seines lebhaften Interesses für die Ar­mee dennoch daraus verzichtete, den General zu spielen. Noch weit mehr verdient es dankbar anerkannt zu werben, daß der Reichskanzler Fürst Bismarck trotz des hohen militärischen Ranges, den ihm die Gnade des Kaisers zur Freude der Armee verlieh, immer auf diesem Gebiete große Zurückhaltung bewiesen hat.

Für uns in Preußen ist das Trachten eines Parlamen­tariers nach Eingriffen in die Heeresverwaltung deshalb so befremdend, weil wir alles, was wir sind und haben, der militärischen Begabung unseres KönigShauses verdanke«. Nicht alle unsere Herrscher sind zur Feldherrnthätigkeit be­rufen gewesen, aber sie sind alle als Soldaten erzogen worden und haben alle ein vortreffliches militärisches Ur­theil mit aus den Thron gebracht.

Diejenigen Hohenzollern, welche als Feldherrn und militä­rische Organisatoren auftraten, haben durch ihre Erfolge für ganz Europa neue Epochen des Kriegswesens eröffnet. Diejenigen unserer Herrscher, welche durch ihre Zeitepoche mehr in'die Aufgaben des Friedens, als in das Geräusch des Feldlagers geführt wurden, haben auf militärischem Gebiete stets die geeigneten Persönlichkeiten auf die rechten Plätze zu stellen gewußt.

Kaum jemals hat ein Monarch als Organisator und Er­zieher des Heeres Größeres geleistet, als des jetzt regierenden Kaisers Majestät, der mit angeborener Begabung und einer vortrefflichen soldatischen Erziehung den Ernst und die Arbeit eines langen Lebens diesen Aufgaben gewidmet hat. An einen solchen Monarchen und an ein solches Herrscher­haus sind die Offiziere mit allen Wurzeln des Herzens und Gewissens angewachsen; was sollen sie empfinden bei der herausfordernden Kritik jenes Parteiführers? Und was sollen sie sagen, wenn ein solcher Mann als Anwalt der angeblich zurückgesetzten bürgerlichen Offiziere auftritt und mit Emphase von dem Wohle unserer Soldaten spricht? Sie müssen sagen : „Gott bewahre mich vor meinen Freunden, mit meinen Feinden will ich baun schon fertig werden."

Die Angabe des Abgeordneten Richter, daß er Hunderte von zustimmenden Zuschriften von Offizieren und Mann­schaften aus der Armee erhalten habe, muh man, was bit