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24. Kapitel.

Was Philipp« gesehen hatte.

David Lindsay trat in der That soeben in's Zimmer und sein offenes heiteres Antlitz entbehrte des freundlichen Ausdrucks, welchen er gewöhnlich besaß. Mrs. Brent erhob sich bei seinem Eintritt und bot ihm den Armstuhl, den sie soeben selbst inne gehabt hatte.

Er dankte der alten Frau, bat sie sitzen zu bleiben und holte einen anderen Stuhl herbei, welchen er an's Feuer rückte.

Gloria" sagte erich habe nun das ganze Haus in Augenschein genommen, vom Keller bis zum Boden und kann blos von Neuem be­stätigen, was ich früher schon vermuthet, daß dieses Haus durchaus kein Aufenthalt für Euch ist. Weder für Euch, noch für irgend eine Lady",

Und warum dass fragte Gloria in etwas gereiztem Tone.

Warum, theure Herrin? Das ist schwer zu sagen, wegen seiner Oede, Traurigkeit und Ein­samkeit".

Ich habe doch gesagt, daß ich mich nach keiner Gesellschaft sehne" unterbrach Gloria diese Aus­einandersetzung.

Wegen seiner entsetzlichen Abgeschiedenheit vom Weltverkehr."

Die ist mir gerade recht" entgegnete Gloria diesmal im entschiedensten Tone. Das junge Kaprizenköpfchen machte sich schon wieder fühlbar.

Wegen seiner Kälte, Feuchtigkeit" fuhr der arme David fort, welcher schon nicht mehr wußte, was er noch aufzählen sollte, um seine junge Gattin von dem unglücklichen Gedanken abzubringen, in diesem traurigen Kastell ihren Aufenthalt zu nehmen.

Das hat schon gar keine Bedeutung, Arbeits­leute und tüchtige Feuer helfen jenen Uebelständen sofort ab."

Gut, Herrin, wenn Ihr es schon wissen wollt, wegen des bösen Rufes, in dem das Haus steht"

Was, David, Du glaubst doch nicht etwa, daß mich die kindischen Märchen abschrecken sollen, welche über dieses Schloß im Umlauf sind?! Weißt Du doch, daß dies gerade dasjenige ist, was mich an- zieht!"

Es sind nicht jene märchenhafte Gerüchte, von welchen ich spreche Gloria" erwiderte David ernstwohl aber denke ich, daß ein so verrufe­ner Ort, wie dieser, der als langjähriger Aufent­halt von Schwindlern, Piraten und Trunkenbolden bekannt war und es vielleicht zum Theil heute noch ist einer jungen Dame viel zu wenig Sicherheit bieten kann, um von ihr zum Wohnsitz erwählt zu werden. Das Haus, welches lange Zeit hindurch nicht viel Besseres gewesen sein soll, als eine Verbrecherhöhle, ein Räuberversteck, ist für Niemand rathsam, ich wiederhole es noch ein­mal und für eine Dame geradezu unschicklich. Das,1 Gloria, sagt mir ungeachtet meines Mangels an: Lebenserfahrung eine innere Stimme, der ich Glauben beimeffe. Das ganze Kastell sollte in eine große Metallschmelze umgewandelt werden, um daselbst die in der Erde verborgenen Erze gleich an Ort und Stelle ausnützen zu können" setzte David Lindsay in überzeugenden und für seine Jahre erstaunlich ernstem Tone hinzu.

Nun jetzt lasse ich mir^ gefallen, David" scherzte Gloria gut gelaunt.Aber ich fürchtete schon, Du würdest auch an Gespenster glauben."

David lächelte gleichfalls, fügte aber dennoch ernsthaft hinzu:Die bösen Thaten, welche hier

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verübt worden sind, machen den Ort hinlänglich unsicher, eines Wettern bedarf es nicht, und ich würde mich wirklich glücklich schätzen, wenn Ihr, Lady, von Euerem Vorhaben abstehen wollet."

Warum sollte der arme alte Ort deshalb ver­pönt sein, weil ihn einst schlechte Menschen bewohnt haben, David?! Hieße das gerecht sein? Nein. Also beruhige Dich, mir widerfährt gewiß Nichts, und ich habe bestimmt, mit meiner neuen Freundin Phill, so lange hier zu bleiben, bis ich jeden Winkel des Schlosses, des Gartens und der nächsten Um­gebung kenne. Ist dies geschehen und finde ich alsdann den Aufenthalt von.Gryphynshold zu ein­tönig, nehme ich Philippa und einen ihrer Onkel zur Eskorte und reise in dieser Gesellschaft nach Washington oder sonst wohin, worüber Phill Cum- mings, das liebe Mädchen, ganz außer sich vor Freude sein wird."

David Lindsay sah, daß hier jedes weitere Zu­reden vergeblich wäre und schwieg. Mrs. Brent, welche diesem Gespräche mit der größten Aufmerk­samkeit gelauscht hatte, und dabei die Augen ab­wechselnd auf Gloria und ihren jugendlichen Ge­mahl heftete, konnte nicht umhin zu bemerken:

Nun, ich dächte doch, Herrin, in erster Reihe wird Euch Euer Gatte begleiten, wenn ihr eines Schutzes bedürft!"

Mr. Lindsay hat Geschäfte bei uns daheim ab- zuwickeln, welche ihn, sobald er mich hier unterge­bracht weiß, nach dem Norden führen" erwiderte Gloria abweisend kühl.

David's Antlitz erglühte und gleich darauf wurde es leichenblaß. (F. f.)

Vermischtes.

Das Berliner Nationaltheater ist am 4. d. Mittag zwischen 12 und 2 Uhr ein Raub der Flammen geworden; es ist im Innern vollständig ausgebrannt, nur die Umfassungsmauern stehen noch, sowie einzelne von den Corridoren, welche den Zuschauerraum rings umgeben. Ein Menschenleben ist nicht zu beklagen. Die Feuerwehr fand wenig oder nichts mehr zu retten; der ganze, aus Holz und Fachwerk bestehende Jnnenraum war bereits vollständig ausgebrannt, ebenso das Dachgebälk. Ueber die Entstehungsursache ist noch nichts Sicheres ermittelt.^ Man weiß nur so viel, daß das Feuer auf dem Schnürboden ausgebrochen sein muß, denn von dorther wurde zuerst nach oben hin Rauch und Flamme wahrgenommen und es stürzte bald darauf der durchgebrannte Schnürboden auf die Bühne. Von 10 bis 111 Uhr war Probe gewesen, und die auf derselben beschäftigten Schauspieler nahmen nichts Verdächtiges wahr. Es brannte, wie ge­wöhnlich, nur eine Rampe von sechs mit Draht­gitter umhüllten Gasflammen, und nach der Probe wurden diese Gasflammen ordnungsmäßig ausge­löscht. Im Theater-Junenraum war in dem Augen­blicke, da man das Feuer gewahr wurde, Niemand mehr anwesend. Einzelne Künstler und Künstlerinnen saßen noch im Paterre-Restanrationsraum, und diesen fiel plötzlich ein brandiger Geruch auf. Als sie die Thüre zum Jnnenraum des Theaters auf- rissen, kam ihnen bereits erstickender Qualm ent­gegen, und kaum 5 Minuten später war das ganze Innere des Theaters ein einziges Flammenmeer. Die Augenzeugen versichern, daß die Rapidität, mit der das verheerende Element um sich griff, jeder Beschreibung spottet. Das vollständig zerstörte Theater war das größte Berlins, es faßte ca. 3000 Personen.

Wiesbaden, 1. April. (Wucherprozeß.) Vor der Strafkammer des Königl. Landgerichts

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stand vorgestern der Trödler Anton Roßbach von hier, des gewerbsmäßigen Wuchers beschuldigt. Zu Beginn des Jahres 1881 fand sich eines Tages die Frau eines Hiesigen Fuhrmanns bei ihm ein, welche, von zwei Gläubigern hart bedrängt, von bekannter Seite an ihn verwiesen worden war und flehentlich bat, ihr ein Darlehn von 20 Mark zu geben. Roßbach entsprach diesem Wunsch unter folgenden Bedingungen: 1) mußte die Frau sich zur Zahlung eines Monatszinses von 2 Mk. ver­pflichten, 2) hatte sie zur Sicherung 9 Pfandscheine über Pfandobjekte im Werthe von 5600 M. zu deponiren, 3) sollte sie einen fingirten Kaufvertrag unterschreiben, und 4) eidlich ihm das Recht der freien Verfügung über die Gegenstände geben, im Falle sie sich als unpünktlich in der Zahlung der ausbedungenen Zinsen erweise. Bei einer bald darauf kontrahirten zweiten Anleihe wurden gar 2,50 Mark Zinsen pro Monat ausbedungen. Als Pfand deponirte die Frau Schmuck- und Beklei­dungsgegenstände im Werthe von annähernd 100 Mark. Eine Zeitlang zahlte die Schuldnerin ihre Zinsen geduldig, wenn auch unter Auferlegung großer Entbehrung, als sie sich aber endlich dazu außer Stande sah, erfuhr sie zu ihrem großen Schrecken eines Tages, daß die deponirten Gegen­stände verkauft seien. Nicht glimpflicher verfuhr der Wucherer mit der hier wohnenden Wittwe eines Oberförsters, welche sich an ihn wandte, als eine Pfändung ihr drohte. In zwei Beträgen entlieh sie 94,55 Mk. (darunter 23 Mk. Zinsen für 8 Tage) zur Zahlung eines Zinses von 15 Mark pro Monat. So kamen noch verschiedene Fälle gegen Roßbach vor und der Gerichtshof erachtete ihn des gewerbsmäßigen Wuchers für überführt und be- strafte ihn mit 9 Monat Gefängniß, 1 Jahr Ehr­verlust, 1000 Mark Geldstrafe sowie auch den Kosten des Verfahrens.

Ein sonderbares Motiv zum Selbstmord. In Waitzen erschoß sich dieser Tage ein dort woh­nender Privatier Namens Hamerlik. Obwohl der­selbe ein weit über 200 000 fl. betragendes Ver­mögen besaß, lebte er doch mit seiner Gattin in der kümmerlichsten Weise. Die Ursache seines Selbstmordes war, daß einige Tage vorher einer seiner Miether durchgegangen war und den Mieth- zins für das verflossene Quartal nicht bezahlt hat. Der Verlust von einigen Gulden hat Hamerlik zum Selbstmord getrieben

N iz z a, 4. April. Während des Gottesdienstes entstand gestern in der Kirche Feuer. Das rief große Panik hervor, in Folge derer beim Heraus­drängen zloanzig Personen verwundet wurden, davon mehrere tödtlich. Ein Todter wird bereits gemeldet.

Ein reizendes junges Mädchen tritt in Be­gleitung der achtzigjährigen Großmutter in einen Modewaarenladen, nm daselbst Einkäufe zu machen. Ein Commis, frisirt und pomadisirt, geschniegelt und gestriegelt, eilt mit bezauberndstem Lächeln der schönen Kundschaft entgegen:Fräulein wünschen?"Ich möchte Seidenbänder kaufen." Sofort breitet er behende eine Unzahl von Schach­teln aus.Wie viel kostet der Meter?" fragt das Fräulein, nachdem die Wahl beendet ist.Einen Kuß," erwidert sanft und keck der feurige Ellenreiter. Schön," versetzt das Fräulein,geben sie mir zehn Meter; meine Großmutter wird bezahlen."

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