Einzelbild herunterladen
 

AuS Hessen-Nassau.

* Hersfeld, 28, Februar. Vergangene Nacht wurde in den Laden des Herrn Goldarbeiters Keul mann dahier eingebrochen und mehrere goldene Ketten entwendet. Die Diebe hatten mittelst eines Werkzeuges die vor Dem Schaufenster herunter- gelaffene Jalousie zum Theil in die Höhe gezogen und durch Zertrümmerung einer Scheibe Die hinter dersel­ben hängenden Ketten gestohlen. Hoffentlich gelingt es den Bemühungen Der hiesigen Polizei der raffi- nirten Ganner habhaft zu werden.

* Hers selb, 28. Februar. Wie wir hören, hat sich in der Gemeinde Friedlos eine Rind- v sie h - V e r s i ch e r u n g s - G e s e l l s ch a f t gebildet.

Der General Der Cavallerie Se. Excellenz Freiherr von Schlotheim, Commandeur des 11. Armeecorps, ist von Sr. Majestät dem Kaiser zum Ehrendienst bei Dem am 27. D. in Berlin einge- troffenen Kronprinzen Rudolf von Oesterreich be­fohlen worden.

Die Uebungen des 11. Armeekorps im kom­menden Herbste sind au Zahl Der dabei betheiligten Truppen Die größten bis jetzt stattgefundenen, indem sie das große Manöver zu Ende der 70er Jahre bei Wabern noch überschreiten. Im Ganzen werden dabei betheiligt sein: <42 Bataillone In­fanterie, 30 Eskadrons Kavallerie und 108 Ge­schütze. Kolossale Vorkehrungen in Betreff der Verpflegungder Truppen und Der Fouragelieferungen werden schon jetzt getroffen. Ein bedeutender Fremdenverkehr steht aus Anlaß des Manövers in der Rhein- und Maingegend in Aussicht.

Aus dem Kreis R o t e n b u r g, 25. Februar. Vor einigen Tagen ereignete sich ein schrecklicher Unglücksfall auf Dem Freiherrlich Riedesel'schen Gut Hairode. Ein junges 18jähriges Mädchen, welches bei der Dreschmaschine befchäftigt war, kam unvorsichtiger Weise Dem Räderwerke zu nahe, daß ein Arm erfaßt wurde, Der so stark gequetscht wurde, daß eine Amputation unerläßlich war. Wieder eine ernste Mahnung zur Vorsicht bei solchen Arbeiten!

B o ck e n h e i m, 26. Februar. Die in dem Kon­kursverfahren gegen den Bäcker Maurer angemel- Deten Passiva betragen circa 56000 M. Ob und was von Aktiva außer seiner Hinterlassenschaft noch gerettet wird, ist noch fraglich. Seine Hierher- bringung ist nach demB. A." noch nicht aufge­geben.

Marburg, 22. Februar. Wie aus Rüdesheim gemeldet wird, ist Regierungsbaumeister H. Steinworth aus Marburg in einem An­fälle von Geistesverwirrung gestern Morgen 10 Uhr vor Geisenheim in den Rhein gegangen. Er hatte dort auf Der Landungsbrücke der Dampf­boote Ucberzieher und Regenschirm zurückgclassen. Der Mann ist vermuthlich eine weite Strecke ge­schwommen und ein Schlaganfall oder Starrkrampf hat seinem Leben ein Ende gemacht. Die Leiche ist in Rüdesheim gelandet worden.

Fulda, 23. Februar. Dem Vernehmen nach wird Der Kirchendieb, welcher im vorigen Monate Die hiesige Stadtpfarrkirche auf so schändliche Weise beraubte, in der nächsten, am 16. März D. I. statt-

findenden Strafkammersitzung am Königlichen Amtsgericht hier zur Aburtheilung gelangen. Dem gestern hier stattgefundenen ersten diesjährigen Viehmarkte waren 1309 Stück meist gutgehaltenes Rindvieh zugetrieben. Der Handel war, bei im Allgemeinen etwas zurückgegangenen Preisen, nicht besonders lebhaft.

Gelnhausen, 20. Februar. Ein Einwohner von tzaitz, Namens Joh. Flach, erlitt im Walde beim Holzfällen durch einen Baum, Der sich beim Fallen nach einer anderen Seite drehte, eine schwere Verletzung. Dem Unglücklichen wurde das Bein oberhalb des Knöchels gebrochen.

H anau, 19. Februar. Wie man hört, soll ein Frankfurter, der längere Zeit in Cincinnati gelebt und kürzlich die v. Riegelmann'sche Besitzung er­worben hat, beabsichtigen, auf derselben eine Farm resp. eine Oeconomie nach amerikanischem Muster einzurichten. Frankfurter Geschäftsleute sind thätig, das Wohnhaus zu seinem Einzug, der schon sehr bald erfolgen soll, vorzubereiten, worauf dann (S fulu sie' noch ungestümer, als zuvor/ fort: Silber unerfahrene, junge Mädchen sich selbst überlassen,

Kie ^K Servern Stall- ich hasse auch David, ja, ich hasse auch ihn und als bis er eine sichere und paffende Obhut für Die

K^ XWä mehr- als Alle, mich selbst. O, ich wünschte, ich

Orb, 23. Februar. In der Nacht von Donners- "1AA 41 mi h

tag auf Freitag wurden Die Bewohner Orb's durch Feuerallarmsignale aus dem Schlafe geschreckt.

Auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise war das Feuer in Dem Wohnhause des Tagelöhners J. Kaiser ausgebrochen und hatte mit rasenderSchnellig- keit alsbald noch vier Nachbarswohnungen ergriffen. Der rasch herbeigeeilten Feuerwehr gelang es bald, Herr des verheerenden Elements zu werden. Es verlautet nur, daß Kaiser vor geraumer Zeit sein Mobiliar ziemlich gut habe versichern lassen. Der-

selbe ist bereits heute. Morgen, als der Brand-i ruhig in's Auge sehen zu können, sie war rathlos, stlftung verdächtig, festgeuommen worden. Glück- überwältigt davon und deshalb ungerecht gegen sich licher Weise hatten wir Westluft, denn wäre der Wind von entgegengesetzter Seite gekommen, so hätte der Brand sicher größere Dimensionen ange­nommen. (tzan. Ztg.)

Eine Heirath aus Verzweiflung

Von He n ry Perl.

(Fortsetzung.)

r^°rm s"^ regungslos in Der Ecke, indessen eine stände verbracht haben, als die Thüre neuerdings schmerzliche Frage die Andere in dem Gehirne des aufging und David Lindsay auf der Schwelle er- armen jungen Mannes jagte. Wenn dem jo wäre schien.

und es hatte Allen Anschein wie konnte er jemals den Schaden, welchen er ihr durch die lieb­lose Verbindung, die sie mit ihm eingegangen, zu­gefügt, wieder gut maHen. Wodurch?!

Unter diesen traurigen Betrachtungen hatte der Wagen Browns Hotel erreicht. Der plötzliche Stillstand des Fahrzeuges brächte Gloria insofern zu sich, als sie den Schleier ihres Hutes in dichtere Falten über das Gesicht zog und ihre Züge somit gänzlich verhüllte. David Lindsay half ihr beim Aussteigen und sie ließ ihn gewähren. Das selt­same Betragen seiner Angetranten hatte den armen

jungen Mann derartig um alle Fassung gebracht, daß er ganz daraus vergaß, den Kutscher zu zahlen und dieser Pflicht erst nachkam, als ihn dieser ehrliche Bursche daran ermähnte.

Nach diesem kleinen Intermezzo führte David seine zitternde Braut zurück in jenen Damen-Salon in welchem sie schon am selben Morgen vor der kirchlichen Zeremonie eine so unbehagliche Stunde verbracht hatte. Er selbst aber eilte in das Hotel­bureau, trug ihre Namen ein und bestellte einige nebeneinander liegende Zimmer.

Alles dies wurde dem armen, in der Welt gänz­lich unbekannten jungen Mann sauer genug; wenn er sich doch erstaunlich gut aus der Affaire zog, so geschah es, weil er durch Lektüre manchen Mangel an persönlicher Erfahrung zu korrigiren in der Lage gewesen war.

^ Das Peinlichste blieb jedoch für ihn, daß er nicht wußte, ob Gloria mit seinen Anordnungen einver­standen sein würde, denn als er sie zu fragen ver­suchte, hatte sie ihm jede Antwort verweigert.

Nachdem er seinem Dafürhalten nach Alles auf's Beste geordnet hatte, kehrte er in dasLadies- Room" zurück, wo Gloria noch immer regungslos in einem Fauteuil lag und bat sie, ihm zu folgen. Da sie den Aufwärler hinter Lindsay sah, erhob sie sich, ohne ein Wort zu sprechen und nahm den ihr dargebotenen Arm an. Das junge Paar folgte dem Kellner, welcher es zu deu von Lindsay ge­wählten Zimmern führte, dieselben aufsperrte, das im Kamin aufeinandergeschichtete Holz anzündete und gegen die Dame gewendet fragte, was sonst noch zu ihren Diensten stünde.

Gloria, welche an's Fenster getreten war und stieren Blickes nach der Straße sah, hörte ihn nicht.

David Lindsay näherte sich Gloria und wieder­holte die Frage des Aufwärters.

Eine Tasse Thee, Nichts sonst" entgegnete sie mechanisch.

Zu dienen, Madame."

Der Kellner entfernte sich und das junge Paar war allein.

Gloria flüchtete in den entferntesten Winkel des Zimmers, gleichsam um sich der Nähe ihres Gatten zu entziehen.

Zu Dienen, Madame!" wiederholte sie mit Bitterkeit und rang verzweifelt die Hände.Was habe ich gethan, o mein Gott was habe ich gethan! Ich bin Frau und mag es Nichtsein. Nicht mein Herz hat gewählt, nur die Verzweiflung hat mich von einem unseligen Schritt zu einem andern ge­führt. Marcel, Marcel, ich hasse Dich, Du hast mich in namenloses Elend gejagt! Nie kaun ich Dir vergeben, Daß Du mich zu einem solchen Schritte

gedrängt. O, wie ich Dich hasse, Marcel! Wie sehr hasse ich Dich!"

David Lindsay halte sich leise zur Thür hinaus-, _ . . . _

geschlichen, denn er hatte nur zu wohl gesehen, daß ; Mitleid wollte er nicht erbetteln; konnte sie ihn seine Gegenwart nicht dazu angethan war, den zer- nicht lieben, so war er entschlossen auf ihren Besitz störten Sinn seiner jungen Gattin zu säuftigen. freiwillig zu verzichten, wie bitter diese Entbehrung

Sie blickte um sich und David nicht gewahrend, auch sein mochte. Doch nicht eher durfte er das

wäre todt!" -- Sie warf sich wild weinend auf

das Sopha.

In diesem Augenblicke nahten Schritte, der Auf­wärter brächte den Thee und Gloria suchte, so gut sie konnte, ihre Bewegung zu bemeistern.

zu retten,

Das war der Gedankengang des armen Fischers, ____________ . als er, den Kopf in die Hand gestützt, am Kamin Das arme Mädchen war wirklich nahe daran, i lehnte. _____________________________(F- f«)

seinen Verstand zu verlieren. Weizen 100 Kilogr. 18 M. 8 Pf. bis 18 M

David täuschte sich nicht, der überreizte Zustand ; 30 Pf. Roggen 100 Kilogr. M. Pf. bis

von Glorias Nerven drohte gefährlich zu werden, M. Ps. Gerste 100 Kilogr. M. Pf.

sie war in zu zartem Alter, um der selbst geschafft- bis M- Pf. Hafer 100 Kilogr. 12 M.

neu Situation mit ihren ganzen bedenklichen Folgen ; Pf. bis 13 M. Pf.

und Andere.

Die Schale heißen Thee's, welche sie mit der Hast einer Fieberkranken hinabgestürzt, milderte in soferne ihre Nervenerregung, als wenigstens das heftige konvulsivische Schluchzen nachließ und sie die Ruhe fand, mit ineinandergefalteten Händen lautlos auf dem Sopha zu sitzen.

Sie mochte eine halbe Stunde in diesem Zu-

Bei seinem Anblick bedeckte sich Gloria das Antlitz mit den Händen und zog sich in die äußerste Ecke des Sopha's zurück.

Theuere Lady, fürchtet Nichts" sagte David ernstich will Euch meine Gegenwart nicht mehr aufdrängen, als unerläßlich nöthig ist."

Sie schwieg und fuhr blos leise zusammen, als er sich einen Stuhl zu ihrem Sitze rückte, um ihr gegenüber Platz zu nehmen.

Ein tiefer Seufzer entrang sich wider Willen seiner Brust. Das, was er im Begriffe stand zu sagen, kam ihm fürchterlich schwer an. Kalter schweiß perlte über seine hohe Stirne, als er sich wiederholt mit dem Taschentuch darüber fuhr und begann:

Ich möchte nur Eines gerne wissen, und das aus Eurem Munde, Lady. Seid Ihr Euch dessen noch bewußt, was Ihr mir am Strande bei dem Boote gesagt, was Ihr mit mir auf der Fahrt nach Washington gesprochen und was Ihr mir endlich vor einer Stunde in der Kirche geschworen, oder thatet Ihr dies Alles' in einer plötzlichen Geistesabwesenheit, die nun gewichen, Euch jene Geschehnisse mit Schrecken erkennen läßt?"

Diese Worte brachten auf Gloria ungefähr eine ähnliche Wirkung hervor, wie eine galvanische Batterie sie auf einen Leichnam hervorbringen würde.

Entsetzt sprang sie von ihrem Sitze auf und ihre Züge nahmen einen wilden entstellten Ausdruck an, als sie ihm zurief:

Nein, ich wußte nicht, was ich that! Ich war verrückt, ganz DerrüäU Du hättest Dir es denken können, daß ich von Sinnen war, als ich jenes Ansuchen an Dich gestellt! O, David Lindsay, wenn Du mich jemals geliebt hast, habe jetzt Mit­leid mit mir und verlasse mich! Habe Erbarmen mit mir und erfülle meine Bitte! Bei Deiner Ehre beschwöre ich Dich, suche die Rechte, welche ich Dir gegeben habe, nicht zu nutzen. Ich kann eben so wenig daran denken, Deine Gattin zu sein, als ich es für möglich hielt, diejenige Marcels zu werden! Ich rechnete ja auf Deine Großmuth, Du hast mich von Der Werbung meines Onkels befreit, jetzt aber verlasse mich, denn ich fühle, daß mir die Deine ebenso fürchterlich ist. Bielleicht nach Jahren werde ich anders denken, jetzt aber wünsche ich nur Eines: frei zu sein, wie ich es gewesen, ehe meinem Beschützer der entsetzliche Ge­danke kam, mich zu lieben!"

Der Schluß ihrer Rede hatte sie einigermaßen beruhigt, sie hoffte, sie erwartete von Lindsay, daß er wie immer, so auch diesmal ihre Bitte berück­sichtigen würde.

David Lindsay lehnte sprachlos am Kamin und stützte mit der rechten Hand feinen Kopf, in welchem es hämmerte und pochte. Alles, was er gehört, war so verschieden von dem, was er erwartet, so ganz anders, als er es gehofft hatte. Er war bleich wie Der Tod, hielt Die Augen ftst auf Den

Boden geheftet und sah um zehn Jahre älter aus, als er war, blieb aber dessen ungeachtet ruhig und gefaßt. Obgleich noch ein Jüngling an Jahren er hatte wenige Monate früher seinen zwanzigsten Geburtstag gefeiert besaß David dennoch schon den festen Willen eines reifen Mannes.

Er verschmähte es seinen eigenen Anwalt zu machen und Gloria die Liebe und Zärtlichkeit früherer Jahre in's Gedächtniß zu rufen. Ihr

Gräfin Gloria de la Vera gefunden haben würde, welche, wie er nun wohl eiusah, seinen bescheidenen Namen blos angenommen hatte, um ihre Freiheit