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Nr. 13.

KreisVblatl

Mittwoch den 14. Februar 1883.

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal­ten kommt der Postausschlag hinzu.

für den

Areis Hersseld.

Bekanntmachungen aller Art werde« ausgenommen und die einspaltige Gar» mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

*** § er § selb, 14. Februar. Wie wir ver-! nommen, hat gestern Nachmittag im hiesigen Rath-' Haussaale eine nähere Besprechung über die Grün­dung eines Zweigvereins des Vater­ländischen Frauen-Vereins für die Stadt und den Kreis Hersfeld stattge- funben, wobei die Statuten berathen und ein provisorischer Vorstand gewählt wurde, welcher' nunmehr die ganze Sache weiter zu betreiben hat. In jenen Statuten ist unter Anderm besonders darauf Bedacht genommen, daß der neue Verein sich zugleich mit dem hier bereits bestehenden Frau- und Jungfrau-Verein zu einem größeren Ganzen verschmelzen und es somit ermöglichen würde, auch die Zwecke letzterer Vereine um so vollständiger zu erreichen. Es soll demnächst Sei­tens des' provisorischen Vorstandes eine Liste in Umlauf gesetzt werden, deren Eingang sich über den Zweck des besagten Z w ei g v e r e i n s des Nähern | ausspricht und kann wohl mit vollem Rechte er­wartet werden, daß die durch jene Liste gebotene Gelegenheit, sich durch Namenseinzeichnung an der schon so vielfach in schönster Weise bewährten i guten Sache betheiligen zu wollen, allseitig benutzt! wird und zwar um so mehr, als nach dem Sta- tuten-Entwurf jedes Mitglied nur 25 Pf. alle drei Monate, also jährlich nur eine Mark, zu zahlen verpflichtet ist, selbstredend aber Niemanden verwehrt ist, freiwillig einen höhern Beitrag zu geben. Nach Beendigung des Umlaufs jener Liste soll sodann die Generalversammlung aller Theil- uehmer zusammenberufen werden, um die Statuen- endgültig festzustellen und einen definitiven Vorstand zu wählen. _ ___

Amtliches.

Kreis Hersseld.

Hersfeld, den 13. Februar 1883.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erstattung der durch meine Verfügung vom 4. August 1882 Nr. 10257 im Kreisblatt Dir. 62 geforderten Nachweisung über die in dem Monat Dezember 1882 zur Zwangs­vollstreckung überwiesenen Rückstände an direkten Kommunal-, Kreis- und Provinzialsteuern im Rück­stände sind, werden hieran mit Frist bis zum 19. d. Mts. Nachmittags 2 Uhr bei Mel­dung der Zusendung eines Strafboten erinnert.

1962, Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 13. Februar 1883.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erstattung der dnrch meine Verfügung vom 24. Juli 1882 Dir. 9559 geforderten Nachweisung über die in dem Monat Dezember 1882 zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Schul­geldsrückstände im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 19. d. Mts. Nachmit­tags 2 Uhr bei Meidung der Zusendung eines Strafboten erinnert.

1961. Der Königliche Landrath Freiherr von Brotch.

Hersfeld, den 12. Februar 1883.

Der Dienstknecht Valentin Knott von hier hat für sich und seine Familie um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

1881. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 12. Februar 1883.

Der am 15. November 1858 zu Obergeis geborene Dienstknecht Conrad Kurz hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Aus­wanderung nach Amerika nachgefucht.

1882. Der Königliche Landrath

Freiherr v o n Broich. _ Hersfeld, den 13. Februar 1883.

Behufs Ergreifung von Maßregeln gegen die Schafräude, und zwar im ganzen

Reiche, ist höheren Orts zunächst die Ermittelung aller verseuchten Bestände angeordnet. Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden demgemäß hier­durch angewiesen

1) sofort die Schafbesitzer des Ortes unter Hinweisung auf die Strasvor- schriften im §. 65 des Reichsgese tzes vom 23. Juni 1880 über die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen zur schleu­nigen Anzeige aufznfordern, ob unter ihren Schafen die Räude herrscht oder binnen Jahresfrist geherrscht hat;

2) über das Resultat dieser Anzeigen bis spä­testens zum 1. März er. mir Bericht zu erstatten unter Beifügung einer namentlichen Nachweisung der vorhandenen Schafbesitzer mit Angabe der Anzahl der von jedem gehal­tenen Schafe und mit ausdrücklicher Bezeich­nung der verseuchten Bestände.

Für diese Nachweisung ist das nachstehend ab­gedruckte, beispielsweise ausgefüllte Schema zu benutzen.

1963.

Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

N a ch w e i s u n g der Schafbestände in N.......

Bezeichnung des Besitzers.

Kopfzahl seines Schafbe­standes.

*) Ob der Sdjafbeflanb räudig oder rein ist.

Meier, Bauer Schulz, Käthner Schmalz, Gastwirth Müller, Fleischer n. f. w.

156

3

10

15

rein rein räudig räudig.

*j Wenn in einem Bestände auch nur ein Schaf mit Räude behaftet ist, gilt der ganze Bestand als verseucht.

Berichtigung.

In den in Nr. 10 b. Bl. abgedruckten Be­dingungen zur Aufnahme von Kranken in das Hessische Diakonissenhaus betragen die Pflegekosten in Classe III. 1,25 Mark statt 1,20 Mark, ferner beträgt der Preis für das Dienstboten-Abonnement in dem Hessischen Diakonissenhaus bei Eaffel für eine Person jährlich 3 Mark, für jeden weiteren Dienstboten derselben Herrschaft 2 Mark.

politische Ikachrichlen

Deutschland.

# In seinen Sitzungen am Donnerstag und Frei­tag den 8. und 9 Februar beendigte der Reichs- tag die 2. Lesung des Etats. Von den Vorschlägen der Budgetcommission bei den ihr überwiesenen einzelnen Sachen sind folgende hervorzuheben: die Forderung von 151,000 M,zur Erwerbung eines Grundstücks in Glatz" (zwPostzwecken) zu streicheu. Von den Zinsen aus belegten ReichSgeldern sollen 100,000 M. mehr als im Etat angesetzt, und von den Zinsen aus dem Reichstagsgebäudefonds 900,000 M. in Einnahme gestellt werden. Ferner wird beantragt, die Anleihe zu Zwecken des Reichs­heeres, der Marine und der Reichseisenbahnen von 28,638,926 auf 24,387,079 M. Herabzusetzen und den bezüglichen für 1884 85 eingestellten Posten von 19,7 Mill. zu streichen. Eine längere Dis- cussion entstand über die Forderung von 200,000 M. für den Bau einer Kaserne in Großenhain, welche Summe die Fortschrittspartei auf 150,000 M. herabsetzen wollte, um damit die Rebenbauten, Offiziersspeiseanstalt rc. unmöglich zu machen. Abg. Graf v. Moltke nahm unter gespannter Aufmerksamkeit des Hauses Theil an der Dis- cussion; man habe so sagte Graf Moltke von der Ausbildung des Kastengeistes im Officiercorps gesprochen; in der Armee habe man dafür einen anderen Ausdruck, nämlich C a m c r ad - schüft. Auch werde zwischen Adeligen und Bür-

gerlichen kein Unterschied gemacht; die Officier- speiseanstalt gewähre den Officieren die Möglichkeit, billiger zu essen, kein Officier könne nicht in jeder Speiseanstalt sein Mahl zu sich nehmen, und die besseren Restaurationen seien für ihn zu theuer. Man solle nicht an den Institutionen rütteln, welche den Geist der Cameradschaft Pflegen und stärken helfen, nur diesem Geiste verdanken wir die großen Erfolge in unseren Kriegen. Der Abg. Richter (Hagen) trat diesen Ausführungen ent­gegen und behauptete, Graf Moltke habe die Sache nicht richtig erfaßt/ eine Bemerkung, die sowohl vom Abg. Windthorst wie vom Abg. v. Minnigerode gebührend zurückgewiesen wurde. Es fand schließlich eine namentliche Abstimmung statt; der Vorschlag der Budgetkommission, die Summe zu bewilligen, wurde mit 159 gegen 102 Stimmen genehmigt und ferner überhaupt allen Anträgen derselben die Zustimmung ertheilt. Danach begann die Berathung sämmtlicher Etatstheile des Reichs­haushalts für 1884 85; Titel 1 wurde in be­sonderer Abstimmung abgelehut, die übrigen Titel dann summarisch nach dem bloßen Vorlesen durch den Präsidenten ohne jede Debatte. Das Etats- gesetz wurde unter Absetzung der Summen für 1884 85 genehmigt.

England.

Der Staatssecretär für Irland, M. Trevelyan, hielt am 9. d. M. in Hawick an seine Wähler eine Ansprache, in welcher er hervorhob, daß sich die Situ^ twn in Irland seit den letzten 12 oder 15 Monaten wesentlich gebessert habe. Seitdem Morde mit unnachsichtiger Strenge bestraft würden, werde menschliches Leben in Irland bei Weitem mehr ^reipectirt, das sei schon daraus ersichtlich, daß während der letzten vier Monate die Zahl der Morde und Mordversuche von neunundsiebzig auf neunzehn gesunken sei. Es existiren in der That zwei Jrlande, eines, welches Männer aller Par­teien umfasse, welche Gesetz und Ordnung aufrecht zu erhalten wünschen, und ein kleineres, das aus Männern zusammengesetzt sei, welche Verbrechen anregen und mit denselben sympathisiren. Die irische Polizei entwickelt seit einiger Zeit eine rast­lose Thätigkeit; Detectios durchstreifen alle größeren Städte nicht allein Englands, sondern auch Amerikas um Beweise herbeizubringen, und in London, Man­chester und Birmingham werden die Mitglieder des Geheimbundes, von denen die meisten jetzt der Po­lizei bekannt zu sein scheinen, aufs strengste beob­achtet. Der am Mittwoch in Poplar (London) verhaftete junge Mann Fitzpatrick wurde am 12. d. dem Polizeirichter in Dublin vorgeführt unter der Anklage, an der Verschwörung zur Ermordung gewisser Polizei- und Regierungsbeamten betheiligt zu sein. Nach kurzem Verhör wurde er bis zum 13. b. zurückgestellt.

# Das Kraiüeiivcrsicherllngsgejetz, welches seit dem 29. September v. I. dem Reichs­tage zur Prüfung vorliegt, ist neuerdings Gegen­stand so- zahlreicher Kritiken und Besprechungen gewesen, daß es zweckmäßig erscheint, auf den Inhalt dieses Entwurfes zurückzukommen.

Darüber, daß der Mangel gehöriger Vorberei­tung auf Krankheitsfälle, insbesondere solcher, welche den Ernährer treffen, eine der Hauptur­sachen der Verarmung der auf den täglichen Er­werb angewiesenen Arbeiterfamilien ist, besteht seit lange Uebereinstimmung. In Anerkennung der Thatsache, daß viele Arbeiter wegen der Beschränkt­heit ihres Erwerbs nicht in der Lage sind, sich auf längere Erkrankungen einzurichten, und daß die in solchen Füllen üblichen Armenunterstützungen für die Vermeidung dauernder Schädigungen der häufig zum Versatz ihrer Jnventare, Werkzeuge u. s. w. genöthigten Arbeiter-Familien nicht aus­reichen, hat die Gesetzgebung es seit Jahren für ihre Aufgabe angesehen, durch die Begründung von Krankenkassen möglichste Abhllfe zu schaffen.