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Mittwoch den 24. Januar f m"
Nr. 7.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstalten kommt der Postausschlag hinzu.
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Die Kaiserliche Familie, die Hauptstadt, das ganze Land rüsteten sich soeben, um das frohe Fest der silbernen Hochzeit des Kronprinzenpaares am 25. feierlich zu begehen, als der jähe Tod seinen Einzug hielt und das Kaiserhaus und mit ihm das ganze Land in tiefe Trauer versetzte: Prinz Karl, der letzte Bruder unseres Kaisers und Königs, hat am 21. in der Mittagstunde das Zeitliche gesegnet.
Prinz Karl, am 29. Juni 1801 geboren, hat ein Alter von fast82 Jahren erreicht. Seine Gemahlin, Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar, eine Schwester unserer Kaiserin, war ihm vor sechs Jahren — am 18. Januar 1877 — im Tode vorangegangen. Seit jener Zeit lebte der hohe Herr still und zurückgezogen. Am 3. Juni vorigen Jahres traf ihn auf der Reise nach Wiesbaden, an dessen Heilquelle er Stärkung suchen wollte, in Kassel in einem Hotel der Unfall, daß er ausglitt und einen Schenkelbruch erlitt, au dessen Folgen er seitdem schwer zu tragen hatte. Aber der Prinz hatte sich doch so weit wieder erholt, daß er im Stande war, fast täglich Spazierfahrten zu machen und seine rege Theilnahme für Alles, was ihn umgab, zu bethätigen. Auf einer dieser Spazierfahrten zog er sich vor wenigen Tagen eine Erkältung zu, welche seinem Leben ein schnelles Ziel setzte: der Prinz starb an einer Lungenlähmung in Folge eines Lungenkatarrhs.
Auf die Kunde von dem herannahenden Ende des Prinzen kamen Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin an das Krankenbett des erlauchten Bruders und Schwagers, bald darauf auch der Kronprinz, die Kronprinzessin und Prinz Leopold. Um 11 Uhr trat der Todeskamps ein, einige Minuten nach |2 Uhr erfolgte sanft der Tod. Auf dem Palais wurde gleich darauf die Trauerflagge aufgehißt. Schnell verbreitete sich die Trauerkunde durch die Straßen der Residenz, eine große Menge theilnehmender Menschen versammelte sich um das Palais, überall in den anliegenden Straßen wurden die Flaggen auf Halbmast gehißt.
Prinz Karl hat als Chef der Artillerie für die Vervollkommnung und Ausbildung dieser Waffengattung, die sich in den letzten Kriegen so glänzend bewährte, dem Vaterlande große Dienste geleistet. Als Herrenmeister der Ballei Brandenburg des Johanniterordens pflegte er die Tugenden der Ritterlichkeit und der Wohlthätigkeit im Kriege wie im Frieden auf das Sorgsamste, mancher NW wehrend, manches Unglück lindernd.
Der Sohn des Verewigten, Prinz Friedrich Karl, weilt gegenwärtig ahnungslos des schweren Schicksalsschlages an den Ufern des Nil, sein Enkel Prinz Leopold stand weinend an dem Sterbebette des Prinzen. Seinen Töchtern, Prinzessin Luise und Prinzessin Anna, Gemahlin des Landgrafen von Hessen, war es gleichfalls nicht vergönnt, in den letzten Augenblicken dem Vater beizustehen.
Das ganze Land, insonderheit das Heer, dem der Verewigte stets ein leuchtendes Vorbild echter Ritterlichkeit und Tapferkeit war, empfinden tief den großen Verlust, der unseren Kaiser und das Kaiserliche Haus betroffen. In Freud und Leid nimmt Preußens Volk herzlichen Antheil an allen Begebenheiten in unserem angestammten Herrscherhause: die Freudenfeste, zu denen sich das Kaiserliche Haus vorbereitete, werden nun ernsten Trauerfeierlichkeiten weichen müssen, und so auch wird das Land die Stimmung theilen, in welche jetzt die Kaijerliche Familie durch das Ableben des Prinzen versetzt ist.
Möge den Kaiserlichen Majestäten und dem ganzen Kaiserlichen Hause die aufrichtige Theilnahme eines treuen Volkes an diesem jähen Wechsel Trost und Linderung in dein Schmerz gewähren, den Gottes weiser Rathschluß ihnen bereitet. Unserem Kaiser aber insbesondere möge Gott Kraft schenken, daß er auch dieser schweren Prüfung Herr wird!
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Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Cassel, den 11. Januar 1883.
In Folge eines Antrages des Königlich Großbritannischen Geueral-Consuls zu Frankfurt a. DL veranlassen wir Ew. Hochwohlgeboreu rc. die Standesbeamten zu beauftragen, von Fällen der Geburt oder des Todes englischer Unterthanen dem gedachten General-Cousulate regelmäßig Anzeige zu macheu, auch die etwa im Jahre 1882 vorgekomme- neu derartigen Fälle nachträglich zu dessen Kenntniß zu bringen.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern. J. A. 1. 16138 82. Kühne.
An die Königlichen Landräthe 20.
* * . *
Hersfeld, den 22. Januar 1883.
Wird den Herren Standesbeamten des Kreises zur Kenntnißuahme und Beachtung mitgetheilt.
660. Der Königliche Landrath
___Freiherr v o n B r o i ch.
Hersfeld, den 22. Januar 1883. MNach Beschluß des Bundesraths findet auch für das Jahr 1882 im Deutschen Reiche eine Ermittelung des Erndteertrages statt, die den Zweck hat, durch directe Umfrage möglichst zuverlässige Angaben über die im Jahre 1882 wirklich geerndete Menge an Bodenprodueten zu gewinnen.
Die Erndteermittelung findet in der
Meilen Hälfte des Monats Februar . 188 3 statt.
Es werden demgemäß den Herren Bürgermeistern und Ortsverwaltern des Kreises in den nächsten Tagen je 2 Exemplare des zur Erhebung des Erudteertrages dienenden Formulars (B) zugehen, welche übereinstimmend nach Maßgabe der dem Formulare vorgedrucklen Anleitung Ihrerseits aus- zufüllen sind. Beide Formulare enthalten — zur leichteren Bildung eines richtigen Urtheils über die Erndte im Jahre 1882 — die im Königlichen statistischen Büreau handschriftlich eingetragenen Nachweise des 1881er Erndteergebnisses des Kreises und der Gemeinde, bezw. des Gutsbezirks, nebst den Bonitätszifferu für Ackerländereien und Wiesen. Diese Ziffern geben das ungefähre Verhältniß an, in welchem die Durchschnittserndteerträge des Kreises zu denen der Gemeinde oder des Gutsbezirks stehen sollten.
Bis spätestens zum 1. März d. J. ist mir sodann das eine Exemplar des richtig und deutlich auszufüllenden und sauber zu halten- deu Formulars, mit Datum und Unterschritt des betreffenden Ortsvorstandes versehen, bei Mei- dung der Zusendung eines Strafbvten, wieder ein- zureichen, während das andere Exemplar in der Gemeinde-Repositur sorgfältig aufzubewahren ist.
Sofern bei Ermittelung der Erndteerträge die Mitwirkung besonderer Schützlings- Commissionen als nothwendig erachtet werden sollte, ist mit derer Bildung, hinsichtlich ich auf die Verfügung vom
1. Juni 1878 im Kreisblatt Nr. 45 Hinweise, so- forr vorzugehen, im Uebrigen nehme ich Bezug auf den Inhalt der im Jahre 1878 abgedruckten Ansprache des Königlichen statistischen Büreaus über Wesen und Bedeutung der Ermittelung der land- wirthschaftlichen Bodenbenutzung und des Erndte- ertrages, und erwarte in Anbetracht des darin dargelegten Zweckes und der Wichtigkeit der bezgl. Ermittelungen, daß die Herren Ortsvorstände diese Sache mit der erforderlichen Gründlichkeit und Sorgfalt erledigen werden.
627. Der Königliche Landrath
_________Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 23. Januar 1883.
Für Conrad Nutzn zu Niederaula, 14 Jahre alt, ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
854.
Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 23. Januar 1883.
Für den am 18. April 1863 zu Hof Wehneberg geborenen Johannes Glebe ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden, i 853. Der Königliche Landrath
____Freiherr von Broich.
Cassel, den 22. Januar 1883,
Aus einem am 28. v. Ms. in Stralsund zur Post- gegebenen Briefe na* Riech bei Mützelburg ist während der Postbeförderung die Reichsbanknote Nr. 050007 a. über M. 1000 ge- I raubt worden.
Das Königliche Landrathsamt setze ich hiervon in Kenntniß mit dem ergebensten Ersuchen, auf das Vorkommen dieser Reichsbanknote zu achten, : gegebenenfalls die Person des Einzahlers festzustellen und mir gefälligst Mittheilung zu machen. Der Kaiserliche Ober-Postdirector. zur Linde. An das Kgl. Landrathsamt in Hersfeld. 1367.
Hersfeld, "den 23. Januar 1883.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Beachtung mitgetheilt.
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864.
Der Königliche Landrath
____Freiherr von Broich.
Gefunden: im Orte Friedewald einige Gewichtstücke. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstaude daselbst.
Gefunden: ein Sack mit Hafer. M'dung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Gers- Hauseu.
Jeder Landbriesträger führt auf seinem Bestell- gange ein Annahmebuch mit sich, in welches er die von ihm angenommenen Sendungen mit Werthangabe, Einschreibsendungen, Postanweisungen, gewöhnlichen Packet- und Nachnahmesendungen em- zutragen hat. Will der Auflieferer die Eintragung selbst bewirken, so hat der Landbriefträger demselben das Buch vorzulegen. Bei der Eintragung des Gegenstandes durch den Landbriefträger muß dem Absender auf Verlangen durch Vorlegung des Buches die Ueberzeugung von der stattgehabten Eintragung gewährt werden.
Cassel, den 30. Dezember 1882.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector. zur Linde.
flusfidjten öes Deutschen Mrsainentaeismus.
(Schluß.)
Die aus den Verhältnissen einer vergangenen Zeit entnommene Vorstellung, als habe die Volksvertretung vor Allem die „Unruhe" an der Staatsuhr zu bedeuten, steht mit der Meinung, als vermöge allein die parlamentarische Regierungsweise eine Entwickelung zu dem, was man gewöhnlich den „Fortschritt" nennt, zu bewirken in engem Zusammenhang. Thatsächlich liegen die Dinge so, daß diese „Unruhe an der Uhr" in Deutschland längst vorhanden ist, daß sie von dem in der Technik des Staatslebens den übrigen Berufen überlegenen Beamtenthum gebildet wird,