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Molche Schp, rigkeitt» stehtn drr Einführung bet Wuckerrüben, /tur im Kreise HerSseld entgegen und M w^ind Dieselben zu beseitigen?

' (Fortsetzung.)

Von den . Betracht stehenden 24 Gemeinden sind einige der Mein» ^, es sei deswegen zu weit zur Bahn und des- halb der'Rübcnbau nicht zu empfehlen, weil ihnen nur Rindviehs dessen Haltung für sie am zweckmäßigsten sei, zu den Transporten zur Verfügung stehe. Hier möchte ich bemerken daß im Allgemeinen die Leistungsfähigkeit des Rindviess im Kreise noch unterschätzt wird. Die Ochsen können im Winter ebensogut arbeiten, wie in anderen Jahreszeiten und haben dies auch die Gegenden, in denen Wöben gebaut wii-j, gezeigt. Daß Ochsen recht gut weite Märsche machen können und dabei flott marschiren, haben vor etwa 20 Jahren die mit Ochsen bespannten Kohlen- Wagen bewiesen, die von Schmalkalden in den Dörnberg'schen Forsten bei Atsfeld Kohlen holten und dabei die Touren, wie sich wohl noch einige der Herrn erinnern werden, ohne sichtbare Strapazen zurücklegten.

Wegen nicht geeigneten Bodens halten von den einge- sandten Berichten 36 die Einführung des Rübenbaus nicht für angängig, wobei einige den Boden schlechthin als unge­eignet bezeichnen, während andere mit näherer Ausführung angeben, derselbe sei zu sandig, flachgründig, sowie im Untergrund steinig.

Wenn auch immerhin es einige Orte im Kreise geben mag, die wegen zu schlechter Bodenqualität einen einiger­maßen ausgedehnten Rübenbau nicht betreiben können, so sind unter diesen 36 Gemeinden gewiß noch manche, in denen der Boden für die Zuckerrüben noch recht geeignet ist Im großen Ganzen ist der Verwitterungsboden des Buntensandsteines, welcher fast den Hauptbestandtheil des hiesigen Kreises ausmacht, nicht so leicht und grobsandig, daß er nicht zum Rübenbau brauchbar wäre; auch läßt er sich tiefer bearbeiten, wie auf 34 Zoll, wie von vielen Gemeinden angegeben ist. Jedenfalls glaube ich, daß nur sehr wenige von denen, welche behaupten, der Boden lasse sich nur auf 34 Zoll pflügen, es probirt haben, tiefer zu pflügen, daß das Land 14 Zoll tief für den Rübenbau gepflügt werde, ist keineswegs erforderlich. Eine Tiefe von 8 Zoll ist im Anfang auch genügend und wenn bei einer solchen Pflügungsart auch etwas sogenannter wilder Boden an die Oberfläche befördert, auch mancher Stein vom Pflug herausgeworfen oder blosgelegt werden sollte, so daß er als­dann mit der Hacke herausgeschafll werden müßte, so wäre dies durchaus noch kein Nachtheil für das Land. Durch die zersetzenden Einwirkungen der Sonne, des Regens und Frostes, sowie durch die reiche Gaben von künstlichem Dünger und dann durch die fleißige Bearbeitung der Rüben wird der durch den Pflug an die Oberfläche gebrachte todte Boden cultivirt und wenn die Pflanzen auf dem Acker bisher eine 34 Zoll tiefe lockere Schicht für ihre Wurzeln hatten, so können die letzteren jetzt 68 Zoll tief fassen.

Die Vortheile einer solchen Tiefkultur sind zu allgemein bekannt, als daß ich sie noch näher zu berühren brauchte, sie sind es grade, die die Einführung des Zuckerrübenbaus so segensreich für den ganzen wirthschaftlichen Betrieb machen. Die tiefere Ackerkrume gibt der Kulturpflanze einen gesunderen Standort, dieselbe ist in Folge dessen Krankheiten, Rost und Befall weniger unterworfen; die Ackerkrume wird nicht so leicht mit Wasser übersättigt und trocknetauch nicht so leicht wieder aus, als bei gewöhnlicher flacher Cultur. Es ist hiernach einleuchtend, daß auf tief cultivirten Boden die Erträge aller Feldfrüchte gesteigert und die Ernten sicherer werden. Daß auch unser geringerer Boden recht gut zum Anbau von Zuckerrüben geeignet ist habe ich in diesem Jahre wieder gesehen; ein Land von 15 Acker von der 6. bis 7. Ackerklasse nach der Grund­steuer Hat einen Durchschnittsertrag von nahezu ibOCentner reine Fabrikrübe per Acker geliefert mit einem Zuckergehalt von 13,8 Procent. Meine feste Ueberzeugung ist danach, daß nur in ganz wenigen von den betreffenden 36 Ort­schaften der Boden von so geringer Qualität ist, daß der Rübenbau nicht möglich wäre. Immerhin möchte zunächst ein Versuch mit dem Rübenbau zu machen sein, um ent­scheiden zu können, ob sich der Boden dazu eignet oder nicht.

13 Gemeinden wenden gegen die Einführung des Zucker­rübenbaus Düngermangel ein. Wenn allerdings die Länder, welche Zuckerrüben tragen sollen, in guter Cultur und gutem Düngungszustand sich befinden müssen, so ist doch für die Rüben direkt animalischer Dünger ausgeschlossen, von der Zuckerfabrik sogar verboten. Der Zuckerrübenbau entzieht also anderen Früchten nicht den Dünger, den die meisten Wirthe für diese äußerst nöthig haben, im Gegen­theil wird der Rübenbau, da derselbe eine reichliche Gabe von künstlichem Dünger verlangt, den nachfolgenden Früchten noch ein gutes Theil von den in diesem Düngmittel ent­haltenen Nährstoffen überlassen. Es kann also Dünger­mangel allein kein Hinderungsgrund gegen die Einführung des Rübenbaus sein. Wenn auch im Allgemeinen der Cutturzustanddes Ackerlandes bei Düngermangel ein geringer und daher zum Rübenbau nicht geeigneter sein soll, so hat doch wohl ein jeder Besitzer kleinere Flächen, die in guter Cultur und zum Rübenbau brauchbar sind, auf welchen er mit letzterem beginnen kann. Ueberhaupt ist es, wie ich nachher noch zeigen werde, immer besser, den Rübenbau erst in kleinerem Maßstabe zu beginnen, als von vornherein gleich eine größere Fläche dazu zu benutzen.

Wenn auch einige von diesen 13 Gemeinden angegeben haben, es fehle ihnen an Dünger für die anderen Früchte, viel weniger hätten sie solchen für Zuckerrüben, also von der falschen Voraussetzung ausgehen, daß die Rüben eine unmittelbare Mistdüngung beanspruchen, so scheinen doch auch manche bei Vorschützung des Düngermangels die Be­fürchtung gehegt zu haben, daß durch die Rübencultur die Fläche für die anzubauenden Halmfrüchte verringert, die zur Production des Düngers erforderliche Menge Stroh dadurch vermindert und somit der jetzt schon vorhandene Düngermangel noch fühlbarer würde.

Wenn diese Besorgniß auch von den in Betracht stehenden 13 Gemeinden nicht direct ausgesprochen worden ist, so haben doch 11 andere Gemeinden den durch Einführung Her Rübencultur zu erwartenden Strohmangel als Hin- derung,sgrund für den Anbau derselben angegeben, wobei sie im Weiteren, wie oben angeführt, resumiren.

Wegen vorhandenen Dünger-, Stroh- und Futtermangels, Schäden, die sich wohl immer zusammen vorfinden, sowie

aus Befürchtung, daß dieselben durch Rübenbau vermehrt werden, halten 32 Gemeinden des Kreises die Einführung des Zuckerrübenbaues nicht für zweckmäßig und rentabel. Es ist dies gewiß kein gutes Zeugniß für den Culturzustand des Kreises und es muß dem vorhandenen und perennirenden Stroh- bezw. Futter- und damit verknüpften Düngermangel, die in etwas ungünstigen Jahren nothwendig zu Stroh- und Futternoth sich steigern müssen, soweit nur irgend thunlich vorgebeugt werden, damit nicht die schwersten wirthschastlichen Schäden, wie Verlust an Vermögen durch unzeiligeni Vieh­verkauf, schlechte und in Folge dessen unrentable Haltung des Viehs, geringe Tüngerproduction und die darauf folgende Verarmung der Ackerländer hereinbrechen. Neben diesen Präventivmaßregeln darf nicht aus dem Auge ge­lassen werden, die Ackerländer möglichst in einen solchen Düngungs- und Culturzustand zu bringen, damit mit Vortheil Rüben gebaut werden können. Daß dies selbst auf bem armen Boden der Buntensandsteinform ation unseres Kreises möglich ist, glaube ich fest; welche Wege hierbei einzuschlagen sind, darüber werden die Ansichten zwar aus» einandergehen, sich jedoch wohl auf folgende Grundsätze zurückjühren lassen. (F. f.)

angegeben, aus welchem die Mehrzahl unserer Liberalen die Forderung desreinen" Parlamen­tarismus vorläufig zurnckgestellt hat. (F. f.)

UussicQten des Deutschen Parlamentarismus.

(Fortsetzung.)

Mit fortschrittlichem Oele gesalbt, würde das Manchesterthum den Gegensatz zwischen Besitzenden und Besitzlosen über das Maß seiner bisherigen Schärfe hinaustreiben, ohne dem Feinde irgend eine reale Macht entgegenfetzen zu können. Die Ver­wandlung solchen Schreckens ohne Ende in ein Ende mit Schrecken müßte die unvermeidliche Folge sein.

Daß es mit den Mittelparteien anders steht, und daß mindestens ein Theil der gemäßigten Liberalen weiß, was die Weltuhr geschlagen hat, soll nicht bestritten werden. Diesen Elementen aber würde es, wenn sie in eine verantwortliche Stellung rückten, ebenso gehen wie den Conservativen; ihre Einsicht würde leichter wiegen als das Gewicht der materiellen Interessen ihrer Klasse, und bei dieser Klasse würde in dem parlamentarisch regierten Staate die Entscheidung liegen. Unter dem Ein­fluß einer vis major werden unsere Besitzenden zu den Opfern bestimmt werden können, deren es zur Ausfüllung des Abgrundes zwischen Besitzenden und Besitzlosen bedarf, sich selbst überlassen werden sie es zu rechtzeitigen Entschließungen ebenso wenig bringen, wie weiland die Interessenten des Feudalismus und des ancien regime. Besteht man auf der parlamentarischen Regierungsweise, so kann das Ende kein anderes fein, als daß der geschichtlichen Nothwendigkeit schließlich von den­jenigen zu ihrem Rechte verholfen wird, ^welche daran das Interesse haben, daß die Social­demokratie die parlamentarische Mehrheit erobert und zu der vis major wird, die heute noch in den Händen der autoritären Regierung liegt.

Es dazu kommen oder auch nur darauf ankommen zu lassen, dürfte höchstens eine verschwindende Minderheit der Anhänger desreinen" Palamen- tarismus gewillt sein. Vor die entscheidende Alternative gestellt, wird die ungeheure Mehrheit unserer Gebildeten keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, daß eine socialistische Parlaments­herrschaft das größte aller Uebel wäre und daß die unvermeidliche Socialreform bei dem deutschen und preußischen Königthum ungleich besser aufge­hoben ist, als bei einer Massenherrschaft, dieser schlimmsten aller überhaupt möglichen Formen der Gewaltherrschaft. Um diese Alternative aber handelt es sich eigentlich jetzt schon!

VII.

Stellen sich die äußeren und inneren Aufgaben, welche das parlamentarische System in Deutschland und in Preußen zu lösen hätte, als ungleich größere und schwierigere als diejenigen in anderen Staaten dar, so ergiebt sich von selbst, daß ihre Lösung nur unter der Voraussetzung eines größeren Reichthums an Mitteln möglich wäre.

Diese Mittel sind im parlamentarisch regierten Staate die Parteien und die diesen zu Gebote stehenden geistigen und materiellen Kräfte. Soll parlamentarisch regiert werden, so ist die erste Frage, ob regierungsfähige Parteien und die zur Bildung fester parlamentarischer Mehrheit erforderlichen Elemente vorhanden sind. Daß das in den übrigen Großstaaten des Festlandes nicht der Fall ist, und daß die neulich von einem witzigen Franzosen auf­gestellte Behauptung:La plupart des peuples du continent est aujourdhui a la recherche dune majoritd parlamentäire wörtlich zu nehmen ist, wissest wir.

Dft Aufstellung dieser Frage für Deutschland ist mit ihrer Verneinung gleichbedeutend. Die Zahl der parlamentarischen Fractionen ist im preußischen Landtage auf sieben angewachsen und geht aller Wahrscheinlichkeit nach einer abermaligen Vergrößerung entgegen; im Reichstage kommen zu diesen politischen Parteien noch zwei nationale, die­jenigen der Polen und der Elsaß-Lothringer. Damit ist eigentlich Alles gesagt und zugleich der Grund

Wells

Ein großes Unglück ist über die Pfalz herein- gebrochen. An verschiedenen Stellen hat der Rhein, - bis zu einer seit Menschengedenken unerhörten Höhe angewachsen, Dämme durchbrochen und ganze volk­reiche Ortschaften vollständig unter Wasser ge­setzt. Hülfe, rasche Hülfe muß eintreten, um dem augenblicklichen Nothstand zu steuern, die Ueber- schwemmten unter Dach zu bringen und sie mit Lebensmitteln zu versehen. Die ganze Verheerung, welche das Wasser angerichtet hat, kann aber erst übersehen werden, wenn die Fluthen abgelaufen sind. Um dieser Noth zu steuern, bedarf es noch reichlicher Mittel. Schon fließen Gaben von ver­schiedenen Seiten zusammen und um diese und die noch weiteren Gaben in der richtigen Weise zu vertheilen, sowie überhaupt eine gewisse Ord­nung in die Ausübung der schönen Pflicht der Wohlthätigkeit zu bringen, sind wir zu einem Cen- tral-Comitö der Pfalz für die Wasserbeschädigten zusammengetreten. Unsere Vorschläge sind folgende: In allen Gemeinden bitten wir Hülfs-Comitss zur Veranstaltung von (Sammlungen zu bilden, soweit dies noch nicht geschehen ist, wobei wir be­merken, daß die Erlaubnis zur Vornahme von Sammlungen von der Kgl. Regierung ertheilt ist. Die Hülfs-Comites in den vom Wasser beschädig­ten Orten verwenden die von ihnen gesammelten -» Gelder nach eigenem Ermessen, sei es zur Stillung der augenblicklichen Noth, sei es zur Deckung der Schäden, welche sich später herausstellen werden. Hülss-Comitös, welche aus eigenen Kräften die vorhandenen Nothstände nicht bewältigen können, laden wir ein, sich an uns zu wenden; wir wer­den mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln nach Kräften aushelfen. Zu diesem Ende wollen die Hülfs-Comitös der nicht vom Wasser beschä­digten Gemeinden die von ihnen gesammelten Gelder an unseren Cassirer, Herrn Chr. Roesinger, Kauf­mann in Speyer, einsenden. Wir behalten uns vor, bei der Verrhellung der eingehenden Gelder uns durch weitere Mitglieder aus den so schwer betroffenen Bezirken zu verstärken. An die gc- sammte verehrliche Presse stellen wir das Ersuchen um möglichste Verbreitung und kräftigste Unter­stützung gegenwärtigen Aufrufs.

Speyer, den 3. Januar 1883.

v. Braun, k. Staatsrath und Regierungs-Präsident in Speyer. Chr. Roesinger, Kaufmann in Speyer, Cassirer. Wand, k. Consistorialrath in Speyer, Secretär. von Böcking, Reichsrath in Landau. Dr. A. Buhl, Reichstagsabgeordneter in Deides- heim. Gebhard, k. Regierungsdirector in Speyer. Grohe, Landtagsabgeordneter in Lndwigshasen. Dr. Groß, Reichstagsabgeordneter in Lamsheim. Haid, Bürgermeister in Speyer. v. Hilger, k. Re­gierungsdirector in Speyer. Ph. Karcher, Fabrik- director in Frankenthal. Dr. Karsch, k. Kreis- Medicinalrath in Speyer. Römmich, k. Regierungs­rath und Bezirksamtmann in Speyer. Theysohn, Landtagsabgeordneter in Germersheim.

9Fufrwf.

Die furchtbarste Wassersnoth, womit die stür­mischen tosenden Fluthen des Rheinstromes und seiner Nebenflüsse die so schwer geschädigte Vorder- pfalz heimsuchten, hat die im alten Rheinbette ge­legenen Orte des Kantons Frankenthal, nämlich die Dörfer Oppau, Edigheim, Studernheim,Mörsch, Roxheim und Bubenheim auf Jahrzehnte hinaus in ihrem Wohlstände gänzlich vernichtet. Schon über vierhundert Gebäude sind dem entfesselten Elemente zum Opfer gefallen. Die meilenweite Ueberschwemmung hat sich auch über die Fluren der Stadt Frankenthal in gleicher Ausdehnung wie im Jahre 1824 ergossen, den niedrig gelegenen Stadttheil ganz überfluthet und sind schon sechs Häuser darin eingestürzt. Fast sämmtliche Be­wohner von Oppau, Edigheim, Mörsch, Roxheim und Bubenheim mußten eiligst selbst in dunkler Nacht unter Znrücklassnng vieler Habseligkeiteu in die Nachbarorte und nach Frankenthal flüchten, welche Stadt allein über 1300Sinne ausgenommen hat. Bitterste Noth und gräßliches Elend herrscht in vielen Tausenden beschädigter Familien, deren arme Kinder mit den Eltern oft nur das nackte Leben retten konnten, sie rufen alle Mildthätigen um Hülfe an. Da Geben seliger macht als nehmen so richtet das heute gewählte Comite für die Wasserbeschüdigten des Kantons Frankenthal an alle Bewohner in den deutschen Gauen die dringendste Bitte, ihre milde Hand zu reichlichen Gaben zu öffnen, welche nach Frankenthal geschickt werden