( DaS „Kreisblatt" erscheint wöchent- ich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends.
Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstalten kommt der Postausschlag hinzu.
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für den
Areis HerssesÜ.
Amtliches.
In Sachen der Kolonie Wilhelmsdorf für Arbeitslose in der Senne bei Bielefeld in Westfalen ist Folgendes zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.
Es stellt sich heraus, daß bei Anbruch des Winters aus allen Theilen Deutschlands unglückliche, arbeitslose Menschen sich in Bewegung setzen, um in Wilhelmsdorf Arbeit zu finden. Die Zahl derselben ist weit größer, als wir dieselben in unserer jungen Kolonie aufzunehmen im Stande sind. Es fehlt uns sowohl an Raum, als an Mitteln dazu. Sämmtliche Provinzialbehörden, an die wir uns bisher gewendet haben, haben mit Ausnahme unserer Provinz und des Rheinlandes es abgelehnt, aus ständischen Mitteln uns eine Beihülfe zu unserem schwierigen Unternehmen zu gewähren. Nur die Fürstenthümer Lippe-Detmold und Schaumburg und die Stadt Bremen sind mit unserer Kolonie in organische Verbindung getreten und führen uns zur Unterhaltung der Kolonie Unterstützungen zu. Da wir nun einmal in die traurige Nothwendigkeit versetzt sind, eine Scheidung eintreten zu lassen zwischen denen, die wir aufnehmen und denen, die wir nicht aufnehmen können, so wird es Niemand unbillig finden, wenn wir den Bewohnern derjenigen Landestheile den Vorzug geben, welche uns bisher die Unterstützung für unser Werk haben zukommen lassen. Wir sind auch der Meinung, daß unsere Nachbarprovinzen durch diese Maßregel schneller zu dem Entschluß kommen werden, uns in dieser wohlthätigen Einrichtung näch- zufolgen. Unsere Scheidung wird also von nun an danach getroffen werden, ob ein Wanderer, der sich bei uns meldet, entweder in den vorhergenannten Landestheilen heimathsberechligt, oder Falls er ein Heimathsrecht nicht mehr besitzt, in denselben gebürtig ist. Da es nun uns sehr schmerzlich ist und als eine Unbarmherzigkeit erscheint, wenn wir Pilgrime, die oft bis 100 Meilen weit gewandert sind aus dem fernsten Osten her, ausdrücklich in der Absicht, in Wilhelmsdorf ein Heim zu finden, schließlich zurückweisen müssen, so bitten wir dringend alle Behörden, die Wanderer darauf aufmerksam zu machen, daß es vor der Hand ganz unmöglich ist, Kolonisten aufzunehmen, welche nicht Rheinland,1 Westfalen, den Fürstenthümern Lippe-Detmold, Lippe-Schaumburg und der Stadt Bremen angehören. Aber auch aus diesen Provinzen und Ländern ist es ganz unmöglich, altersschwache und sieche Personen, wie sie ebenfalls von allen Seiten uns zuströmen, aufzunehmen; in Wilhelnisdorf finden nur vollständig arbeitsfähige Menschen Raum.
Bielefeld, den 15. November 1882.
Der Vorstandder Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf in der „Senne" bei Bielefeld.
* . *
Wird veröffentlicht. Caffel am 22. November 1882. Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Um etwaigen Schädigungen der Kostenpflichtigen vorzubeugen, mache ich hiermit bekannt, daß die Vollziehungsbeamten für die Gerichtskosten-Erhebung bei Ausführung von Zwangsvollstreckungen zur Empfangnahme freiwilliger Zahlung der bei- zutreibenden Summe nur nach Inhalt ihres schriftlichen Auftrages und nur für Beträge bis zur Höhe von 20 Mark einschließlich berechtigt sind.
Bei Aushändigung von Kostenrechnungen sind in meinem Verwaltungsbezirke zur Zeit allein die Vollziehungsbeamten bei der hauptamtlichen Expedition für die Gerichtskosten-Erhebung zu Caffel und der Vollziehungsbeamte bei dem Unter-Steuer- Amte zu Wiesbaden zur Empfangnahme der Kosten und zwar gleichfalls nur nach Inhalt des schriftlichen Auftrages und bis zur Höhe von 20 Mark einschließlich ermächtigt.
Caffel den 29. November 1882.
Der Provinzial-Steuer-Director Schultze.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 6. Dezember 1882.
Am 19. Februar k. Jahres endigt die Dienstzeit der Schiedsmänner und deren Stellvertreter in den Landgemeinden Philippsthal und Röhrigshof; am 21. Februar L I. desgleichen in den Gemeinden Ausbach, Bengeudorf, Conrode, Gethsemaue, Harnrode, Herfa, Hillartshausen, Hilmes, Kleineusee, Laudershausen, Lautenhausen, Leimbach, Malkomes, Oberlengsfeld, Ransbach, Schenklengsfeld, Unterneurode, Unterweisenborn, Wehrshausen, Widdershausen, Wölsershausen, Wüstfeld; am 23. dess.Mts. desgleichen inAllen- dorf, Beiershausen, GerSdorf, Gershausen, Goß- maunsrode, Holzheim, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kruspis, Mengshausen, Niederjossa, Reckerode, Reimboldshausen, Rolterterode, Stärklos, Willingshain, sowie am 27. dess. Monats in der Gemeinde Sieglos; ferner am 21. dess. Mts. die Dienstzeit des Schiedsmannes zu Motzfeld; des Stellvertreters des Schiedsmannes zu Dünkelrode und Lengers, sowie am 23; dess. Mts. des Stellvertreters des Schiedsmannes zu Hattenbach, und ebenso des Schiedsmannes zu Kleba; sowie weiter am 8. März k. I. des Schiedsmannes zu Hattenbach.
Die Herren A u s s ch u ß v o r st e h e r der bezeichneten Gemeinden werden demgemäß hierdurch aufgefordert, unter genauer Beachtung der Bestimmungen in den §§.2 und 8 der Schiedsmannsordnung vom 29. März 1879 (Kreisblatt Nr. 51 und 52 pro 1879) die erforderlichen Neuwahlen der Schieds- männer bezw. Stellvertreter durch den Gemeinde-Ausschuß baldigst vornehmen zu lassen, und, nachdem die etwa geltend gemachten Ablehnungsgründe erledigt sind, die betreffenden Wahlverhandlungen nebst den beizufügenden, auf die Person der Gewählten Bezug habenden, für die Bestätigung erheblichen Mittheilungen (Wohnsitz, Alter, Beschäftigung, etwaige Bestrafungen, Vermögenslage bezw. etwaige Beschränkung in der Verfügung über das Vermögen in Folge gerichtlicher Anordnung) bis zum Schlüsse dieses Monats an das Präsidium des Landgerichts zu C a f s e l zu senden. Die bisherigen Schiedsmänner bezw.Stellvertreter können mit ihrer Zustimmung auf die nächstfolgende dreijährige Amtsperiode wieder gewählt werden. Bis zum 10. Januar k. Js. haben die Herren Ausschußvorsteher mir unter Namhaftmachung der Gewählten anzu- zeigen, an welchem Tage Sie die Wahlverhandlungen an das Präsidium des Landgerichts abgesandt haben, und ob bei Wiederwahl der bisherigen Schiedsmänner bezw. Stellvertreter letztere die Wahl angenommen haben.
Die Herren Bürgermeister der in Betracht kommenden Gemeinden werden zugleich angewiesen, gegenwärtige Verfügung sofort den Herren Ausschußvorstehern eventuell deren Stellvertretern zur Einsicht und genauesten Beachtung vor- zulegen.
15330. Der Königliche Landrath.
J. V.
Heeg, Kreissecretair.
Steckbrief.
Der Rekrut Carl Die fiel, geboren am 25. Juli 1860 zu Niederjossa, Kreis Hersfeld, von Profession Knecht, hat in dem Gestellungstermin, den 6. November er., gefehlt, auch der an ihn unter'm 7. v. Mts. ergangenen öffentlichen Aufforderung, sich sofort zwecks nachträglicher Einstellung in den Militairdienst bei dem unterzeichneten Bezirks- Commando zu melden, keine Folge geleistet. Alle Militair- und Civilbehörden werden daher ergebenst ersucht, den Genannten im Betretungsfalle verhaften und hierher abliefern lassen zu wollen.
Rotenburg a. F., am 5. Dezember 1882.
Königliches Bezirks-Commando. von Rohrscheidt, Major und Commandeur. Signalement. Sprache deutsch, Statur Mittel,
Haare und Augenbraunen schwarz, Augen braun, Stirn hoch, Nase dick, Mund gewöhnlich, Zähne gut, Kinn rund, Gesicht rund, Gesichtsfarbe gesund, besondere Kennzeichen keine.
ÜusßcOten des Deutschen Parlamentarismus.
(Fortsetzung.)
Haben wir doch erlebt, daß im Juni des Jahres 1882, sage des Jahres achtzehnhundert zwei und achtzig, daS gebildeteste Organ des norddeutschen Liberalismus die Behauptung aufstellte, „es habe die französische Volksvertretung (sc. des letzten Jahrzehntes) eine ebenso umfassende, wie wohlthätige Gesetzgebung entwickelt" und u. A. möglich gemacht, „daß binnen elf Jahren das Staatsruder zwei Mal von Hand zu Hand ging, ohne auch nur leise zu erzittern." — Und an dieser, die Thatsachen aus den Kopf stellenden Auffassung glaubte man auch nach der schmählichen Katastrophe vom 29. Juli dieses Jahres festhalten zu müssen. Im Brustton der Ueberzeugung wurde behauptet, daß „ein weniger elastisches System, als das parlamentarische, die Schwierigkeiten der Lage des französischen Staates unendlich vermehrt haben würde," — mit der Miene staats« männischer Ucberlegenheit denjenigen Deutschen, welche aus den französischen Erfahrungen Schlüsse aus die wahren Bedürfnisse des eigenen Landes zu ziehen versuchten, die Frage vorgelegt, „welches Recept sie denn Frankreich im Austausch gegen das parlamentarische System anbieten wollten." — Während von jedem Fiasco conservativer Bestrebungen, das die Zeitgeschichte erlebt, umfassende Anwendungen auf die deutschen Zustände gemacht werden, heißt es bei Zukurzschüssen des Parlamentarismus ohne Weiteres: „Ja Bauer das ist ganz was Andres," und wird das Mögliche und Unmögliche gethan, um aus der Geschichte eine bloße Historie zu machen!
D ch das nur beiläufig und nur zur Beseitigung des Einwandes, als ob mit Ausführungen über die Unfruchtbarkeit und Gemeingesährlichkeit des festländischen Parlamentarismus in dem heutigen Deutschland bloß „offene Thüren" eingeschlagen würden. Die „Historie" von der dritten französischen Republik wird der Geschichte, und zwar einer sehr ernsthaften Geschichte, so bald Platz gemacht haben, daß wir uns bei derselben nicht weiter auszuhalten brauchen. Soweit die Summe dieser Geschichte sich schon jetzt ziehen läßt, ergiebt sie Resultate, die an Einfachheit und Durchsichtigkeit alles Dagewesene übertreffen. Der Feststellung derselben fei ein Verzeichniß der während der letzten 12 Jahre stattgehabten Regierungsveränderungen*) vorausgeschickt, das alle Aussicht daraus hat, „mit Grazie in inflnitum“ fortgesetzt zu werden.
Seit dem 4. September 1870 sind ernannt worden:
Zu Vice-Präsidenten des Ministerrathes:
Jules Favre, 4. Sept. 1870. Jules Dufaure, 2. Sept. 1871. Herzog Albert de Broglie, 25. Mai 1873. General de Cissey, 22. Mai 1874. Büffet, 10. März 1875, Zu Präsidenten des Ministerrathes:
Jules Dusaure, 9. März 1876. Jules Simon, 12. Dec. 1876. Herzog de Broglie, 17. Mai 1877. General de Rochebouöt, 23. Nov. 1877. Dufaure, 13. Dec. 1877. Waddington, 4 Febr. 1879. De Frey einet, 28. Dez. 1879. Julus Ferry, 23. Sept. 1880. Gambetta, 14. Nov. 1881. De Freycinet, 29. Jan. 1882. Duclerc, 10. Aug. 1882.
Zu Ministern des Auswärtigen:
Jules Favre, 4. Sept. 1870. Graf Römusat, 2. August 1871. Herzog de Broglie, 25. Mai 1873. Herzog Decazes, 27. Nov. 1873. Marquis de Banneville, 23. Nov. 1877. Waddington, 13 Dez. 1877. De Freycinet, 28. Dez. 1879. Barthölemy Saint-Hilaire, 23. Sept. 1880. Gambetta, 15. Nov. 1881. De Freycinet, 29. Jan. 1882. Duclerc, 10. Aug. 1882.
Zu Justizministern: Cremieux, 4. Sept 1870. Dufaure, 19. Febr. 1871. Ernoul, 25. Mai 1873. Depeyre, 27. Nov. 1873. Tailhand, 22. Mai 1874. Dufaure, 10. März 1875. Dufaure, 9. März 1876 «zugleich mit dem Cultus). Herzog de Broglie, 17. Mai 1877. Lepelletier, 23. Nov. 1877. Dufaure, 13. Dez. 1877. Leroyer, 4. Febr. 1879. Jules Cazot, 28. Dez. 1879. Humbert, 29. Jan. 1882. Devss, 10. Aug. 1882.
Zu Ministern des Innern:
Gambetta, 4. Sept. 1870. Cremieux, 14. Sept. 1870 (nach Tours delegirt.) Herold, 1. Febr. 1871, E. Arago, 5. Febr. 1871. Picard, 19. Febr. 1871. Lam« brecht, 5. Juni 1871. Casimier Perier, 11. Oct. 1871. Lesranc, 6. Febr. 1872. Graf de Remusat, 30. Nov. 1872. De Goulard, 7. Dez. 1872. Casimir Perier, 18. Mai. 1873. Beule, 25. Mai 1873. Herzog de Broglie, 27. Nov 1873. De Fourton, 22. Mai 1874. Chabaud la Tour, 20. Juli 1874. Büffet, 10. März 1875. Ricard, 9 März 1876. De Marcore, 15. Mai 1876. Jules Simon, 12. Oct. 1876. De Fourtou,
*) Vgl, das Journal des Debats vom 17. Oct. 1881.