Nr. 92
O
Sonnabend den 18. November 1882.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition I Mark pro Quartal, bei den Postansial- ten kommt der Postaufschlag hinzu.
für den
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederholung entsprechender Rabatt gewährt.
Amtilches.
Im Interesse pensionirter Staatsbeamten wird Nachstehendes veröffentlicht:
Nach §. 5 Nr. 4 und 5 und §. 6 des Gesetzes vom 20. Mai d. I, betreffend Die Fürsorge für die Witwen und Waisen der unmittelbaren Staatsbeamten, sind von Entrichtung der Witwen- und Waisengeld-Beiträge befreit:
diejenigen pensionirten Beamten, welche weder in einer vor ihrer Pensionirung geschlossenen Ehe leben, noch unverheiralhete eheliche, oder durch nachgefolgte Ehe legitimirte Kinder unter 18 Jahren aus einer solchen Ehe besitzen.
Sofern bei einem pensionirten Beamten die vorbezeichnete Voraussetzung schon am 1. Juli d. J. bestanden hat, tritt die Befreiung von Entrichtung der Witwen- und Waisengeld-Beiträge von diesem Tage an ein, anderenfalls aber erst mit dem Beginn des nächsten Monats nach Eintritt der gedachten Voraussetzung, und bet neu in den Ruhestand tretenden Beamten mit dem Zeitpunkte der Pensionirung, insofern die oben bezeichnete Vor-
aussctzuug schon zu diesem Zeitpunkte zurcifft. ! zu wollen.
Die Peusionaire haben ihre gesetzliche Befreiung 114445. Der Königliche Landrath
von Entrichtung der Witwen- und Waisengeld-; Freiherr von Broich.
Beiträge durch eine Bescheinigung der Orts-Poli- ; Donnerstag, den 23. November, zei-Behörde ihres Wohnortes oder des betreffenden findet in Melsungen, „Gasthaus zum deutschen Pfarramts, daß sie weder in einer vor ihrer Pen-' Haus", Vormittags 10 Uhr ein außerordent- stonirung geschlossenen Ehe leben, noch nnverhei- sicher
S SEÄÄ.S« Berbmdstag des Hesse»-Kasjel'schti, Ehe besitzen, nachzuweisen und hierin zugleich an- DattthNsksssseN-BerelNs geben M laffen, ob dieses Verhältniß bereits am - statt, zu welchem nicht allein die diesem Vereine l. ^uli d. ^. bestand, oder seit wann solches etm bereits beigetretenen Vereine, sondern auch die getreten t|t. Diese Bescheinigungen sind an bie bis jetzt noch nicht beigetretenen Vereine und alle unterzeichnete Regierung entweder direct, oder durch diejenigen Personen eingeladen werden, welche sich Vermittelung der die Pension zahlenden Kasse ein- für diese Vereine interessiren.
zureichen. ; Gegenstand der Tagesordnung: 1) Aufnahme
Es wird noch besonders darauf aufmerksam ge' ö> Vereinen in den Hessen-Cassel'schen Darlehns- macht, daß die Hinterbliebenen pensionirter Be- (äffen-Verband. 2) Besprechung der Entwickelung amten, wenn diese nach den Eingangs bezeichneten der einzelnen Vereine, der bisher in der Verwal- gesetzlichen Bestimmungen von der Entrichtung I jung gemachten Erfahrungen, Anlegung und Berber Witwen- und Waisengeld-Beiträge befreit waren, .......- - " •
solche aber dennoch entrichtet haben, hierdurch keinerlei Anspruch auf Witwen- und Waisengeld erwerben, vielmehr in diesem Falle nur die Rückerstattung der irrthümlich entrichteten Beiträge beansprucht werden kann.
zureichen.
Cassel den 9. November 1882.
_______Königliche Regierung.
Der Herr Minister des Innern hat mittelst Erlaß vom 17. October er. dem Vereine zur Förderung der Pferde- und Viehzucht in den Harzlandschaften zu Quedlinburg die Erlaubniß ertheilt, im Laufe des nächsten Frühjahrs ' eine öffentliche Verloosung von Equipagen, Pferden, Reit-, Fahr- und Jagd-Utensilieu, Kunst- und WirthschaftsGegenständen zu veranstalten und die betreffenden Loose im ganzen Bereiche der Monarchie abzusetzen.
Die Verwaltungs- und Polizeibehörden unseres Bezirks werden hierdurch veranlaßt, dafür zu sorgen, daß dem Vertriebe der qu. Loose ein Hinderniß nicht entgegengestellt werde.
Cassel den 31. October 1882. Königliche R e gier ung, Abtheilung des Innern.
Kreis Hersfeld.
Cassel, den 10. November 1882.
Es ist in neuerer Zeit wiederholt zu unserer Kenntniß gekommen, daß Elementarlehrer, welche schon seit einiger Zeit im Dienste gestanden haben, noch nicht beeidigt worden sind. Wir sehen uns deshalb veranlaßt, auf den, durch unsere Circu- lar-Verfügüng vom 15. October 1873 B. Nr. 9887 mitgetheilten Ministerial-Erlaß vom 6. October 1873 U. 34250 (abgedruckt im Centralblatt für die Unterrichtsverwaltung, Jahrg. 1873, S. 667), nach welchem die Vereidigung der Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Volksschulen bei
der ersten Anstellung, es sei dieselbe eine definitive, provisorische oder interimistische, zu erfolgen hat, nochmals ausdrücklich hinzuweisen. Zugleich veranlassen wir die Herren Landräthe 2C. als die geschäftsleitenden Mitglieder der Königlichen Schul- vorstände, sich bei jeder ersten Anstellung von Lehrer oder Lehrerinnen das von dem Königlichen Lokalschulinspector, durch welchen nach dem angeführten Ministerial-Erlasse die Vereidigung in der Regel zu erfolgen hat, über die Vereidigung auf- znnchmende Protokoll, in welchem der Wortlaut des geleisteten Eides anznführeu ist, zu den betreffenden Schulakten einreichen zu laffen.
Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen. Mittler.
Au sämmtliche Königl. Landräthe 2c. 3. B. 11641
* *
Hersfeld, den 16. November 1882.
Wird den Königlichen Localschulinspectoren des Kreises zur gefälligen Kenntnißnahme ergebenst mitgetheilt mit dem Ersuchen, mir die vorgeschriebenen Vereidigungsprotocolle vorkommenden Falles zu den diesseitigen betreffenden Acten übersenden
zu wollen.
Wendung der Geldmittel der Vereine u. s. W. 3) Mittheilung über die Heranziehung der einzelnen
Vereine zur Gewerbesteuer. 4) Besprechung der Frage: Wie macht sich das einzelne Vereinsmit- glied die Vereinskasse am besten dienstbar? Referent Herr L. Schmidt jun. Melgershausen. 5) Wahl des Verbandsdirektors, der Stellvertreter und des Kassirers p. 1882.
Der Verbandsdirektor: Bodo Trott zu Solz.
Hersfeld,*den 27. October 1882.
Vorstehendes wird hierdurch unter Bezugnahme auf das durch die Nummer 48 des Kreisblattes laufenden Jahres veröffentlichte Protocoll über
die von mir am 31. Mai d. J. dahier abgehaltene Versammlung der im hiesigen Kreise bestehenden Raiffeisen'schen Darlehnskassen-Vereine allen Interessenten zur Kenntnißnahme mib' geeigneten Berücksichtigung mitgetheilt.
13611. Der Königliche Landrath
________Freiherr von Broich.
Gesunden: auf der Straße zwischen Beiershau-
Verhältnisse angewandt, darf also eine solche Ackerbauschule nur auf einem Der kommunalständtschen Verwaltung eigenthümlich zuflehende» Landgut errichtet werden, oder auf einem dem Staat gehörigen, dessen Pacht aus Rücksicht auf den gemeinnützigen Zweck nicht gekündigt wird. Das Inventar muß auf Kosten der Schule angeschafft werden. Für die Lehrzwecke muß Vieles angeschafft werden, was außerdem nicht geschehen würde, verschiedene Arten Pflüge, „ , , _________Walzen, Eggen, Maschinen aller Art. Es müssen die Ge
sell und Kerspenhausen ein Kaisermautel. Mel- bäude vergrößert werden, um Raum zu gewinnen für Ver- dung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu i suchszwecke, weil die Ernten der verschiedenen vielen Ver- Holzheim. suchsparzellcn jede allein gelegt werden muß, um Körner
fhim^r'1^^ öe§ @igem Auch an Ställen muß ein guter Theil mehr da sein als
tljümeis bei dem Oktsvokstaud zu Allmershausen. die Wirthschaft otjne die Aüerbauschuie nöthig haben würde. -^=—--------------—rr=TT-T-y— — ----— Sodann würden noch Räumlichkeiten für die Nnterrichtssäle
Zuszüge aus der Rrochüre „Herr uon Rismark ^Schlafzimmer ber 3ögUnge 6ergeti^tet werden u J muffen. Außerdem hat man noch einige andere Anschaffungen
direkt für die Schulzwecke zu machen.
Man wird nicht zu hoch greifen, wenn man für alle diese Dinge eine Summe von 100,000 M. ansetzt. ~ '
würden betragen jährlich
und öie -fortschrittspartei.
(Schluß.)
Die Auswärtigen Angelegenheiten haben für die meisten Menschen eine besondere Anziehungskraft, zum Theil weil die Interessen des Ganzen hier am wenigsten durchkreuzt von Privat- und Parteirücksichten hervortreten, zum Theil auch weil hier schnelle, augenfällige Resultate die Aufmerk, samkcit auf sich ziehen.
Dagegen kommt das wahrhaft Bedeutende im inneren Leben eines Staates nur sehr allmählich zur Gestaltung und entzieht sich häufig den Blicken der Mitwelt, da zur Beurtheilung der inneren Angelegenheiten verwickelte Verhältnisse zu durchschauen sind und weil hier die Meinungen durch den Widerstreit der Interessen verwirrt werden.
Und doch ist die innere Entwicklung eines Volkes daS unendlich Wichtigere, das zweckmäßige Mitarbeiten an derselben weit schwerer, mühevoller und dabei in der Regel weit weniger glänzend, als eine hervorragende Thätigkeit in der äußeren Politik.
Darnach ist von vornherein nicht anzunehmen, daß die Fortschrittspartei, welche das Leichtere nicht zu begreifen vermochte, der schwierigeren Aufgabe gewachsen sein wird.
Niemand vermag heute schon zu bestimmen, mit welchem Erfolge die innere Politik des Fürsten Bismarck sich entfalten wird: allein wenn dieser hervorragende Staatsmann mit seiner ganzen geistigen Schärfe und Gründlichkeit, seinem unermüdlichen Eifer, seiner praktischen Kenntniß der Ver« hältnisse wie der Menschen und seiner unbegrenzten Liebe zum Reiche an die Lösung großer Fragen Herantritt: dann ist man nach menschlichem Ermessen doch wohl zu der Annahme berechtigt, daß Fürst Bismarck die größere Wahr- scheinlichleit für die Richtigkeit seiner wirthschaftlichen Maßnahmen für sich hat, als eine Partei, deren ganze bisherige politische Thätigkeit in einem thurmhohen Fiasko besteht.
Und jetzt, während die Fortschrittspartei dem Reichskanzler ein höchst ehrenvolles Alter durch maßlose Angriffe aller Art zu verkümmern trachtet, sinnt dieser in mühevollem Schaffen unablässig darüber nach, wie er das Elend im Volke lindere!
Wir wollen am Schlüsse die bittere Empfindung zurückdrängen ; aber Eines thut dem Volke noth: die Aneignung der Erkenntniß, daß es ein Höheres giebt als die Phrase und das stundenlange Redenhalten im Parlamente; daß vielmehr nur das redliche und vorurtheilslose Forschen nach dem Richtigen, verbunden mit dem Muth der verantwort» lichen THU, das Mittel aller menschlichen Entwicklung ist, und daß nur dadurch der Einzelne wie daS Ganze auf eine höhere Stufe gehoben werden kann.
Dieser ernste Wahrheitssinn und dieser aller Folgen sich bewußte Muth aber ist dem Reichskanzler und nicht der Fortschrittspartei zu eigen; Preußen ist dadurch groß geworden und auch dem Reiche werden diese Tugenden sicherlich nicht schaden.
Errichtung einer Ackerbaujchule.
(Schluß-)
Aus der Generalversammlung in Hersseld hat uns der Direktor der Winterschule in Marburg, Herr Dr. Heffe, ausführlich auseinandergesetzt, was erforderlich ist sür eine Ackerbaulchule, die ihre Aufgabe richtig lösen soll. Er verlangte, daß die Wirthschaft nicht ausschließlich zum Zweck einen Ertrag zu liefern geführt werde, sondern daß die Lehrzwecke in erster Lmie ins Auge gefaßt würden. Es müsse den Schülern da gezeigt werden, was ihnen späterhin Nutzen, oft unter ganz anderen Verhältnissen, bringen werde, auch wenn die Wirthschaft Schaden daran haben sollte. Er verlangte, daß eine Äckerbauschule nicht als Anhängsel an die Wirthschaft eines Privatmannes errichtet werde, sie müsse aus Rechnung des Staates oder der Kommunalftände geführt werden, und der Pädagog, also der Direktor oer Schule, müsse die ganze Leitung in der Handhaben. Die Lehrzwecke, nicht das Herauswirthschaften eines hohen Reinertrags, müßte die Hauptsache sein.
Unserer Ansicht nach hat Herr Dr. Hesse Recht, — aber die Kosten werden dadurch erheblich vermehrt. Auf unsere
Dazu Pachtgeld für das Gut
Dazu für Lehrerbesoldung und Schulzwecke überhaupt, soviel als die Winterschule in Marburg jetzt erhält
Die Zinsen 5,000 Mk. 5,000 „
6,000 „
16,000 Mk,