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körperlichen Uebungen eingewurzelten Vorurtheilen, denen nach Kräften entgegenzutreten Pflicht der Lehrer ist.

Weiber ist die Einsicht noch nicht allgemein ge­worden, daß mit der leiblichen Erfrischung auch die Kraft und Freudigkeit zu geistiger Arbeit wächst. Manche Klage wegen Ueberburdung und Ueberanstrengung der Jugend würde nicht laut werden, wenn biete Wahrheit mehr beherzigt wurde. Darum müssen Schule und Haus und wer immer an der Jugendbildung mitzuarbeiten Beruf und Pflicht hat, Raum schaffen und Raum lassen für jene Uebungen, in welchen Körper und Geist Kräf- ligung und Erholung finden. Der Gewinn davon kommt nicht der Jugend allein zu Gute, sondern unserm ganzen Volk und Vaterland.

AuS HrffeuNassau.

Hers selb, 15. Nov. Dem Oberförster a. D. Schmidt dahier bisher zu Heimboldshausen im Kreise Hersfeld, wurde der Rothe-Adler-Orden vierter Classe verliehen. — Den pensionirten För­stern Bangert zu Mernes im Kreise Gelnhausen, Schwalm zu sorga im Kreise Hersfeld, Koch zu Wermertshausen im Kreise Marburg und Milchsack zu Roßberg desselben. Kreiies wurde das Allge­meine Ehrenzeichen verliehen.

— Der Oberförster A-umann zu Schweinitz ist auf die durch Pensionirung des Oberförsters ’ Cornelius erledigte Oberförsterstelle Hersfeld- Süd versetzt worden.

— Neuerer Anordnung zufolge sollen in den einzelnen Bezirken der Landwehr-Kommandos sum­marische Nachweisungen der Handsturmpflichtigen, und zwar in getrennten Abtheilungen gefertigt werden. Die eine Abtheilung soll die, welche dem Heere bereits angehört, enthalten, die andere die, welche nicht dazu gehört haben. Das Reichsgesetz vom 12. Februar 1875 hat die Lanvsturmpflicht vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 42. Lebens­jahre, zugleich aber auch festgesetzt, daß der Land­sturm nur bei einem feindlichen Einfall in das Reichsgebiet 2c, beordert werden darf, sonst aber die Landsturmpflichtigen nie einer militärischen Uebung oder Kontrole unterworfen werden können. Die jetzige Maßregel hat also nur einen statistischen Zweck.

— Der preußische Justizminister hat neuerdings an die Amtsgerichte eine Verfügung erlassen, in welcher darauf hingewiesen wird, daß zwar eine besondere Ladung der Schöffen zu, jeder einzelnen Sitzung, an der sie Theil zu nehmen haben, ge­setzlich nicht vorgeschrieben sei, es liege aber in der Natur der Sache, daß die im Laufe des Jahres erfolgte allgemeine Vorladung leicht in Vergessen­heit kommen könne; es werde deshalb als eine Härte empfunden, wenn ein lediglich aus Vergeß­lichkeit ausgebliebener Schöffe in Strafe genommen werde. Da es überdies dem Ansehen der Straf- rechtspflege nicht förderlich sei, wenn häufig die Festsetzung von Strafen gegen Personen erfolge, welche zur Theilnahme an der Rechtsprechung be­rufen seien, so empfiehlt der Minister den König­lichen Amtsgerichten, an alle Schöffen neben der gedachten allgemeinen Benachrichtigung noch be­sondere Ladungen zu den einzelnen Sitzungen und zwar etwa acht Tage vor den betreffenden Sitzungs­tagen zu erlassen.

Marburg, 10. Nov. In der letzten Schwur- gerichtssitzung wurde der 49 Jahre alte Ackermann Joh. Trußheim von Vollmar abgeurtheilt. Der­selbe ist seit 19 Jahren verheiratet und Vater von sechs Kindern. Am 9. October b. I. ging er mit seiner Frau auf den Kartoffelacker, um Kartoffeln zu lesen. Nach gegenseitigen Zänkereien ergriff der Mann eine Hacke und schlng die ge­bückte, vor ihm stehende Frau mehrmals auf den Kopf, daß dieselbe am anderen Morgen an den Ver­letzungen gestorben ist. — Der Angeklagte erhielt 5 Jahre Gefängniß.

H a n a u, 13. November. In Folge der heftigen Regengüsse ist der Damm der Friedverg-Hanauer Bahn bei Station Windecken-tzeldcnbergen gerutscht und babei durch die Erbmassen ein Theil der Chaussee zwischen Windecken und Ostheim verschüttet und unpassirbar geworden.

— In Lippoldshausen verunglückte am vorigen Donnerstag der Sohn des Bauern Helwig. Der­selbe wollte Heu vom Boden werfen, fiel herab und zwar so unglücklich, das er am folgenden Tage den Geist aufgab. Derselbe war 20 Jahre alt und eine Hauptstütze der unglücklichen Eltern.

Eine Heirath aus Verzweiflung.

Lon Henry Perl.

(Fortsetzung.)

6. Kapitel. Veränderungen.

Miß Agrippina von Crespigney blickte dem jungen

Fischer nach, als er sich mit kräftigem Ruderschlag seinem Jnselchen näherte. Gloria war vorausge- gangeu und so überließ sich die alte Dame halb­laut folgendem Gespräche: „Das wäre mir eine saubere Allianz! Diese Geschichte muß mit einem Mal ein Ende haben, mein Neffe ist ein gedanken­loser kranker Mensch, welcher dieses unglückliche Kind auf seinem Gewissen hat. Gottlob, daß ich hier bin! Noch ist es nicht zu spät, sie von diesem wilden Felsen-Eiland weg und in die Schule zu bringen."

Der Vorfall, dessen Zeuge sie so unverhofft ge­worden, hatte die resolute alte Dame — welche bisher vor lauter Krankenwarten und Wirthschafts­angelegenheiten noch gar nicht dazu gekommen war, sich der vernachlässigten Erziehung der kleinen Gräfin anzunehmen — in eine bei ihr ganz un­gewöhnliche Aufregung versetzt. Gloria hatte in­dessen leichtfüßig, wie sie war, das Kastell schon vor ihrer Großtante erreicht und stand bereits schmeichelnd und liebkosend an der Seite ihres Onkels, als Miß Gripp ins Zimmer trat.

„Sie sagten diesem Kinde, daß ich nach ihm ge­schickt, es muß dies ein Irrthum sein, liebe Tante", sagte der Oberst, sobald er des alten Fräulein an­sichtig wurde.

„Nein, es ist kein Irrthum, ich sagte dem Kinde, daß es zu Hause kommen soll, weil Du es um Dich haben wolltest."

„Aber nein, Tante, ich will es nicht, ich störe das Kind niemals in feiner Freiheit."

„Leider, Gott Erbarm'!"

„Wie meinen L>ie das, ich verstehe Sie nicht?"

„Die Aufklärung hierüber soll nicht lange auf sich warten lassen — hier Gloria, nimm meinen Hut und Shawl und trage Beides sorgfältig hin­auf in mein Zimmer.

Sie Kleine that wie ihr befohlen wurde. Als die Thür hinter ihr ins Schloß fiel, näherte sich Miß Agrippina mit strengem Antlitz ihrem Neffen. — „Du erfüllst Deine Pflichten schlecht ober gar nicht diesem Kinde gegenüber."

„Tante!"

„Unterbrich mich nicht, ich behaupte! gar nicht und sage hiermit nicht mehr als die Wahrheit. In Deinem Hinbrüten, in Deinem müßigen Schmerz über Vergangenes, nicht mehr zu Aenderndes, über- stehst Du ganz dasjenige, was Dir die Gegenwart zur Pflicht macht."

„Und das wäre, ich verstehe Sie allen Ernstes nicht! — sagte der gebrochene Mann freudlos, vor sich hinblickend.

„Traurig genug, wenn dem so ist!", — ent- gegnete Miß Agrippina, sich ihres Rechtes bewußt, schonungslos — „traurig genug! Nun ich will mich kurz fassen: Gloria muß in die Schule und zwar demnächst, oarauf bestehe ich" — setzte die alte Dame entschlossen hinzu.

„In die Schule? Aber wohin ^ Fünfzig Meilen im Umkreis giebt es keine Schule, die ein passen­der Ort für das Mädchen wäre!"

„Das weiß ich, aber sie wird eben dorthin ge­schickt, wo eine solche Anstalt und zwar eine vor­zügliche ist, in welcher sie eine ihrem zukünftigem Rang und Stand entsprechende Erziehung bekommen kann."

Ich kann meine Einwilligung dazu nicht geben, Tante, ich kann mich nicht von dem Kinde trennen und auch der armen Kleinen würde das Herz brechen, wenn sie mich verlassen müßte."

„Unsinn!" erwiderte Miß Gripp kurz und be­stimmt. — „Unsinn!"

„Ich sehe ein", nahm der Oberst von Neuem die Rede auf, „daß dem Kinde ein geregelter Un­terricht Noth thut und das Wenige, was ich ihr beibringe, jetzt, wo sie älter wird, nicht mehr hin- reicht. — Ich bin auch gerne bereit, heute noch um eine gründlich gebildete Erzieherin zu schreiben."

„Nein, das wirst Du nicht thun, Marcel! Du und eine Gouvernante, weist Du denn nicht, un­glückseliger Mann, daß diese Gouvernante in sechs Monaten Deine Frau ist und Du, kaum frei, schon wieder der Sklaverei anheimfallen würdest, in die Dich jedes Weib unvermeidlich bringt!"

„Tante, Du gehst weit in Deinen Schlüssen, Du kennst meinen verzweifelten Gemütszustand" — setzte er ernst hinzu — „und kannst mir dennoch dergleichen zumuthen."

„Sage was Du willst dagegen, mein lieber Marcel, ich kenne Dich und Deinen Charakter. Diesem genau augepaßt, sind meine Schlüsse. Jedes alleinflehende arme weibliche Geschöpf, schön, jung, alt ober häfflich, das mit Dir sechs Monate hindurch unter einem Dach lebt, wird Dir gefähr­lich und Du wirst sein Sklave! Darum Sir, keine stabile Gouvernante, absolut keine!"

„Sie halten mich für einen sehr schwachen Mann, Tante I"

„Ja, dafür halte ich Dich."

„Danke für diese Aufrichtigkeit" - sagte Mar­cel verletzt.

„Schwach, wo Deine Neigungen in Betracht kommen, wo an Dein Herz appellirt wird. Da bist Du schwach, gewiß! und das ist keine Schande, ja es gereicht Dir unter Umständen zur Ehre, aber — was die Gouvernante betrifft, soll keine ins Haus, denn ich will nicht, daß Du noch zum Schlüsse so einem herumziehenden Frauenzimmer in die Hände fällst!"

„Sie vergessen, Tante, daß ich trotz Allem, doch immer noch der Herr und Gebieter in diesem Hause bleibe und thun und lassen werde, was ich will."

„Ja, Herr Oberst, das weiß ich vollkommen, ich weiß aber auch, daß in dem Augenblick, wo ein solches Frauenzimmer ins Haus kommt, ich meinen Bündel schnüre und gehe und nicht ich allein ver­lasse Sie, mein Herr, welche andere anständige Dame glauben Sie, wird bei Ihnen im Hause bleiben, wenn Sie ein junger Wittwer mit ihr allein hier leben wollen?!' Und einer anderen Person können Sie doch nicht die Erziehung Ihrer Nichte anvertrauen?"

„Was Sie sagen, Tante, ist unfreundlich, höchst unfreundlich" — entgegnete der Oberst gekränkt. — „Ich suche Nichts darauf zu erwidern, denn ich kenne Ihren starken Sinn und weiß, daß Sie von einem einmal ausgesprochenen Entschlüsse nicht abweichen."

„Gewiß nicht, mein Kind!" — bekräftigte die alte Dame in zärtlichem Tone. — „Ich muß Dich schon bitten, mir darum nicht zu zürnen, aber ich will wenigstens nicht Zeuge sein, wie Du aber­mals das Opfer eines unüberlegten Streiches wirst. — Meine Ansicht ist unwiderruflich, willst Du dem Kinde nützen, Deine Pflicht erfüllen, schicke es in eine gute Erziehungsanstalt."

„Später vielleicht mögen Sie nicht so ganz un­recht haben Tante, aber jetzt ist das Mädchen noch zu jung, kommenden Juni wird es erst neun Jahre alt, soll vorläufig der Unterricht nicht genügen, welche wir Beide ihr geben können?" (F. f.)

Schwarzenberg (Sachsen), 12. Novbr. Auf der Eisenzeche „Rother Adler" fand beim Früh­gebet eine Dynamitexplosion statt, durch die 25 Bergleute verunglückten.

Dresden, 13. Novbr. Die Zahl der auf der Eisensteinzeche „Rother Adler" bei Ober- Nittersgrün durch Explosion zweier Patronenkisten verwundeten Bergleute ist auf 33 angegeben.

— Karlsruhe, 11. November. Der Rhein ist bei Mannheim seit gestern um 3 Meter ge­stiegen und hat heute einen Höhestand von 675 erreicht. Der Neckar ist bei Heidelberg auf 410 gestiegen, dagegen heute wieder gefallen, bei Mann­heim ist der Neckar heute Morgen auf 723 weiter gestiegen. Auch die Dreisam bei Freiburg, die Schulter und die Kinzig bei Kehl, die Murg bei Rastatt, die Nagold bei Pforzheim sind gestiegen. — Nach weiteren Nachrichten vom 13. d. wird gemeldet: Der Rhein bei Mannheim ist noch mehr gestiegen und betrug der Wasserstand heute Morgen 715. Es wird indessen ein Fallen des Wassers erwartet, da der Rhein bei Maxau heute früh um 10 Zentimeter gefallen ist. Der Neckar fällt fort­dauernd, dagegen ist der Main bei Wertheim auf 344 gestiegen.

— Hamburg. Dieser Tage promenirte ein Dienstmädchen mit einem Säugling auf dem Arm auf einem nach der Außenalster führenden ab­schüssigen Wege. Hierbei glitt das Mädchen aus und fiel zur Erde, während der Säugling in's Wasser kollerte. Ein kleiner Hund sprang dem Kinde nach und faßte es an seinem Kleidchen. Die leichte Bürde war für das Hündchen immerhin noch zu schwer. Dennoch hielt der tapfere Vier­beiner sie so lange über Wasser, bis sie ihm von einem Schiffer abgenommen wurde. Das Kind war noch am Leben; das Dienstmädchen war vor Schreck in Krämpfe gefallen und mußte in besin­nungslosem Zustande in die herrschaftliche Wohnung gebracht werden.

— Düsseldorf. Ein Secretär hatte sich, wie die „Weser-Ztg." berichtet, vor etwa drei Jahren mit einer Stahlfeder in die linke Hand gestochen, in die Wunde war Tinte gekommen, und die Wunde wollte trotz aller Pflaster nicht heilen, wurde immer größer und gefährlicher. In voriger Woche mußte dem Mann die linke Hand abgenommen werden.

— Halifax. Ueber den Brand des Armen- Hospitals bringen englische Blätter einige weitere entsetzliche Einzelheiten. Nicht 31, wie zuerst ge­meldet, sondern 50 kranke und hilflose Personen sind in den Flammen umgekommen; weithin hörte man ihre gellenden Hilferufe und durch die Fenster hindurch sah man ihre vergeblichen Anstrengungen, sich den Flammen zu entreißen.

Porlsmouth, 13. November. Der Ham­burger Postdampfer „Westphalia" ist mit einem großen Loch im Bug hier eingetroffen, derselbe war bei der Insel Wight mit einem unbekannten Dampfer zusammengestoßen.