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Nr. 91.

Mittwoch den 15. November-1882.

DasRreisblatt" erscheint wöchent­lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Ouurtal, bei den Postanstal­ten kommt der Postaufschlag hinzu.

für derr

Kreis ^ersfefö.

Bekanntmachungen aller Art werben ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

ämlmtjes.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher

Kaiser, König von Preußen rc.

verordnen im Namen des Reichs, aus Grund des §. 5 des Gesetzes Dom 14. Mai 1879, betreffend den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegeustäudeu, nach erfolgtet Zu­stimmung des Lundesraths, was folgt:

§. 1. Giftige Farben dürfen zur Herstellung von Nahrungs- und Genußmitteln, welche zum Verkaufe bestimmt sind, nicht verwendet werden.

Giftige Farben im Sinne dieser Verordnung sind alle diejenigen Farbstoffe und Zubereitungen, welche

Antimon (Spießglanz), Arsenik, Baryum, aus­genommen Schwerspalh (schwefelsauren Baryt), Blei, Chrom, ausgenommen reines Chrom- oxyd, Cadmium, Kupfer, Quecksilber, ausge­nommen Zinnoder, Zink, Zinn, Gummigulli, Pikrinsäure

enthalten.

§. 2. Die Aufbewahrung und Verpackung von zum Verkaufe bestimmten Nahrungs- und Genuß- mitteln in Umhüllungen, welche mit giftiger Farbe (§. 1) gefärbt sind, sowie in Gefäßen, welche unter Verwendung giftiger Farbe (§. 1) derart hergestellt sind, daß ein Uebergang des Giftstoffes in den Inhalt des Gefäßes stattfinden kann, ist verboten.

§. 3. Die Verwendung der im §. 1 bezeichneten giftigen Farben, mit Ausnahme von Zinkweißen- Chromgelb (chromsaures Blei) in Firniß oder Oelfarbe, zur Herstellung von Spielwaaren ist verboten.

§. 4. Die Verwendung der mit Arsenik darge­stellten Farben zur Herstellung von Tapeten, im- gleichen der mit Arsenik dargestellten Kupferfarben und der solche Farben enthaltenden Stoffe zur Herstellung von Bekleidungsgegenständen ist ver­boten. ~

§. 5. Das gewerbsmäßige Verlausen und Fest­halten von Nahrungs- und Genußmitteln, welche den Vorschriften der §§. 1, 2 zuwider hergestellt, aufbewahrt oder verpackt sind, sowie von Spiel­waaren, Tapeten und Bekleidungsgegenständen, welche den Vorschriften der §§. 3, 4 zuwider her­gestellt sind, ist verboten.

§. 6. Diese Verordnung tritt mit dem 1. April 1883 in Kraft.

Urkundlich unter Unserer Höchstelgenhaiidlgeu Unterschrift und beigedrucktem Kaiserlichen Ju- siegel.

Gegeben Berlin, den 1. Mai 1882.

(L. S.) W ilhelm.

v. Boetticher.

Kreis Hersfelv.

Hersfeld, den 14. November 1882.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Riesigen Kreises, welche noch mit Erstattung der durch meine Verfügung Dom 4. August c. Nr. 10257 im Kreisblatt Nr. 62 geforderten Nachweisung über die in dem Monat September c. zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Rückstände an directen Kommunal-, Kreis- und Provinzial-Stev- ern im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 17. d. Mis« Nachmittags 2 Uhr bei Meidung der Zusendung eines Strafboten erinnert.

10257. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfcld, den 14. November 1882.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erstattung der durch meine Verfügung Dom 24. Juli c. Nr. 9559 ge­forderten Nachweisung über die in dem Monat September c. zur Zwangsvollstreckung über­wiesenen Schulgeldsrückstände im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 17. d.MtS.

Nachmittags 2 Uhr bei Meidung der Zu­sendung eines Strafboten erinnert.

9559. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 14. November 1882.

Zufolge gegebener Veranlassung werden die Herren Bürgermeister 2C. des Kreises unter Bezug­nahme auf meine Verfügung Dom 17. März 1879 Nr. 2955 (Kreisblatt Nr. 23) darauf aufmerksam gemacht, daß die Bezirks-Polizei-Verordnung der Königlichen Regierung vom 9. Januar 1879 über die Führung der Gesinde-Dienstbücher ge­mäß Entscheidung derselben Behörde sich nur auf gemeines Gesinde bezieht, zu welchen die Oekono- mie-Verwalter überhaupt nicht und die HaushäC terinnen in der Regel nicht zu zählen sind.

14397. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Steckbrief.

Gegen den unten beschriebenen Maler Adolf Dübow aus Schwerin, welcher flüchtig ist, ist die Umersuchungshaft wegen Diebstahls (unter Anderem an einem schwarzen Zauella-Regenschirm mit zerbrochener Krücke und dem Zeichenschild A. H., an einer silbernen Taschenuhr mit einem Hun­debild auf dem Deckel, an einem japanesischen Taschenmesser, dessen Hauptklinge erst zugeht, wenn man auf das Federmesser drückt) verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Amtsgerichts-Gefängniß zu Hersfeld abzu- ,liefern bei Nachricht hierher zu den Akten J. II 12054 82.

Caffel, den 13. November 1882.

Königliche Staatsanwaltschaft. Chuchul.

Beschreibung: Alter: 28 Jahre. Statur: groß, breit. Haare: blond. Bart: Schnurrbart und sog.Fliege." Nase: etwas röthlich. Kleidung: trägt einen breilkrämpigen schwarzen Hut.

Oeffentliche Aufforderung.

Der Rekrut Carl Diebel, geboren am 25. Juli 1860 zu Niederjossa, Kreis Hersfeld, von Profession Knecht, welcher in dem gestrigen Gestellungstermin behufs Einstellung bei seinem Truppentheil nicht erschienen ist, wird hierdurch aufgefordert, sich sofort auf dem Büreau des unterzeichneten Be- zirkS-Commandos zwecks nachträglicher Einstellung in den Militairdienst zu melden, widrigenfalls das DesertionSverfahren gegen denselben eingeleitet werden wird.

Rotenburg, a. F., den 7. November 1882. * Königliches Bezirks-Kommando. von RZHrscheidt, Major und Commandeur.

Äu8züge aus Der RrochüreZerr von Ri8mark und öie ckortschritt8Mrtei."

«Fortsetzung.)

Bescheiden waren die Preußischen Truppen ins Feld ge­rückt, und, mit unverwelklichem Ruhme bedeckt, ebenso be­scheiden aus dem Kriege zurückgekehrt; wenige Wochen hatten genügt, die Preußischen Fahnen von Sieg zu Sieg bis über den Main und vor die Thore Wiens zu tragen.

Doch trotz all' ihrer Mißerfolge beharrte die Fortschritts­partei aus ihrem bisherigen Standpunkt.

Bei den Neuwahlen 1866 vor Ausbruch des Krieges lautete das Programm der Partei:

Keinen Bruderkrieg, diesem Ministerium keinen Groschen; unbedingte Verwerfung der Politik des Ministeriums Bis- marck als Ursache des bevorstehenden Krieges, welches die wahren Interessen Preußens und Deutschlands schwer zu schädigen, Preußen von seinem deutschen Berufe weiter als je zu verschlagen droht, die Einmischung des Auslandes in innere deutsche Angelegenheiten in Aussicht stellt und dadurch werthvolle deutsche Grenzländer zu gefährden droht!"

Allein abgewandt von einer unfähigen Partei, jauchzte das Volk seinem ruhmgekrönten Monarchen und dessen treuem Minister zu.

Lange blieb die Menge am Tage des Einzuges vor dem Hotel des Grafen Bismarck, und in den endlosen stürmischen Huldigungen, die man ihm darbrachte, lag zugleich die Ab­bitte für alle ihm zugefügten, herzkränkenden Unbillen . . .

Seit dem Tode Friedrich's des Großen hatte man in Preußen eine kräftige auswärtige Politik nicht gekannt; eS genügt, auf den Wiener Kongreß und auf die letzten fünfzig Jahre vor 1866 hinzuweisen, um beurtheilen zu können, was in dieser Zeit aus politischem Gebiete geleistet worden ist.

Nun mit einem Male, durch Herrn von Bismarck, wurde eine auswärtige Politik geschaffen, welche Siege nicht blos auf dem Schlachtjelde zu erfechten, sondern sie auch zu be­nutzen wußte, welche das große Erbübel des Dualismus aus Deutschland herauSbrachte, welche ferner kein deutsches Dorf den diplomatischen Gelüsten des westlichen Nachbars preisgegeben, und welche endlich gewiß nicht als ge­ringstes Verdienst! durch ihre große Mäßigung nach dem Siege das begonnene Werk gekrönt hat.

Sechsze-ate« Blatt.

Patriae in serviendo consumor. von Bismarck.

Schlußbetrachtung für die Gegenwart. Innere Politik. Phrase und ernste Arbeit.

Fragt man sich, wie es geschehen konnte, daß die Fort­schrittspartei nach den geschilderten einzig dastehenden Miß­erfolgen wieder aus der politischen Bildfläche aufgetaucht ist, so liegt, abgesehen von der Lust am Widersprüche, der hauptsächliche Grund hierfür in der Macht der Phrase.

An sich ist die Fortschrittspartei dem Bestände des Staates keineswegs gefährlich; denn dazu sind ihre Führer nicht bedeutend genug, die Regierungen zu stark und das deutsche Volk von zu tüchtiger monarchischer Gesinnung. Die Partei bringt indessen den großen Nachtheil mit sich, durch ihre fortgesetzte Negative und durch den Eindruck der Phrase der gedeihlichen Entwicklung des Reiches hinderlich zu sein. So ward es der Regierung während der ganzen Konflikts­zeit unmöglich gemacht, mit denjenigen Vorschlägen vor daS Pai lament zu treten, welche sie für die Organisation und für die Fortentwickelung des Staates für nothwendig er» aeptet., weil sie sich bewußt war, dem prinzipiellsten Wider­sprüche einer ekrasirenden Majorität zu begegnen.

Redner, welche ihre mangelhaften oder selbst unrichtigen Gedanken in gewählter Toilette Ausfahrt halten lassen, pflegen weit über den Werth des Gesagten hinaus aus die Massen Einfluß auszuüben, und wer es irgendwie versteht, einerseits dem Volke Versprechungen zu machen, die er ja nicht zu halten braucht, und anderseits die bestehende Ge­walt herabzusetzen unb der Lächerlichkeit preiszugeben: der wird um ein dankbares Feld für seine problematische Thätig­keit nicht leicht verlegen sein. Die verderbliche Wirkung der Phrase darf nicht verkannt werden. So ist durch die un­ausgesetzten Erzählungen und Deklamationen der französischen Staatsmänner von der Unbesiegbarkeit ihres Landes, durch den Dunkel und Schwindel des Elan das Verständniß der französischen Regierung für die fortschreitende Entwicklung sremver Staaten getrübt, die eigene Thatkraft gelähmt und Frankreich dem Abgrunde zugeführt worden.

Die hauptsächliche Thätigkeit auch der Fortschrittspartei liegt in der Phrase.

Weit entfernt, der Regierung in der Lösung der ihr ob­liegenden schwierigen Aufgaben Hülfe' zu leisten und an dem Ausbau des jungen Reiches schaffende Hand mitanzu« legen, hat die Fortschrittspartei bisher bei allen legislatorischen Fragen vielmehr darauf Bedacht genommen, die Regierung in den Augen des Volkes durch bittere und hämische Reden zu erniedrigen und insbesondere demjenigen Staatsmann persönlich wehe zu thun, durch dessen unbestrittenes Ver­dienst Deutschland in seiner Geschichte nach dem Aus­druck Hegel's einen herrlichen Ruck nach vorwärts ge- macht hat.

Man wende nicht den alten Satz ein:Das Aeußere des Fürsten Bismarck gefällt uns ja ganz gut, allein mit seiner inneren Politik können wir uns nicht befreunden". Der Einwand ist ungerechtfertigt. «Schluß f.)

Errichtung einer Ackerbauschule.

Der landwirthschastliche Kreisverein Melsungen hat im Frühjahr d. I. an den Vorstand des Zentralvereins den Antrag gestellt, die Kreisvereine zu einer möglichst ein­gehenden Erörterung der Frage über die Errichtung einer Ackerbauschule auf kommunalständische Kosten aufzufordern; die Geneigtheit der Kommunalstände den Bedürfnissen der Landwirlhschafl in dieser Beziehung entgegen zu kommen, sei nicht in Zweifel zu ziehen. Die landwirthschaftlichen Versammlungen werden im Sommer meist ausgesetzt oder doch nur schwach besucht, im Winter dagegen ist Zeit vor­handen, sich auch Erörterungen dieser Art zu widmen, und dieselben gründlich zu behandeln. Das Direktorium hat deshalb die Aufforderung zur Behandlung dieser Frage bis zum Herbst verschoben und hofft, daß die Vereine einer recht ernsten und ausführlichen Prüfung der Angelegenheit sich unterziehen werden.

Einige Fingerzeige über das, was der Hauptsache nach ins Auge gefaßt werden muß, werden, wie wir glauben, nicht unerwünscht sein, und die Redaktion erlaubt sich des,