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Nr. 90.

Areis

Watt Sonnabend den 11. November 1882.

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich zweimal, Mittwochs». Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal­ten kommt der Postausschlag hinzu.

für den

«Kreis Hersseld.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Amtliches.

Berlin, den 2. November 1882. Bekanntmach un#.

Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 2. d. Mts., durch welche die beiden Häuser des Landtages der Monarchie, das Herrenhaus und das Haus der Abgeordneten, auf den 14. November d. I. in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die besondere Benachrich­tigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungs­sitzung in dem Bureau des Hauses der Abgeord­neten am 13. d. Mts. in den Stunden von 8 Uhr früh bis 8 Uhr Abends und am 14. d. Mts. in den Morgenstunden von 8 Uhr ab offen liegen wird.

In diesen Bureaus werden auch die Legiti­mationskarten zu der Eröffnungssitzung ausgegeben und alle sonst erforderlichen Mittheilungen in Bezug auf dieselbe gemacht werden.

Der Minister des Innern, (gez.) von Puttkamer.

Kreis Hersfelv.

Berlin, den 14. October 1882.

Nach einer Mittheilung des Herrn Ministers der auswärtigen Angelegenheiten vom 26. v. M. sind neuerdings Seitens der Königlich Spanischen Regierung zur Ausfertigung der Ursprunqs-Zeug- mssc für die nach Spanien bestimmten inländischen Waaren auch die Handels- und Schiffsahrts-Kor- porationen, sowie die Ortspolizeibehörden für be­fugt erklärt und die Zoll- und Konsularbehörden von der genannten Regierung mit entsprechender Anweisung versehen worden.

Die Königliche Regierung setze ich hiervon in; Verfolg des Circular-Erlasses vom 18. Juli d. Js. II. 7347 mit dem Auftrage in Kenntniß, die ihr untergebenen Polizeibehörden gefälligst von dem Geschehenen zu benachrichtigen.

Seitens des Herrn Handelsministers ist an die Handelskammern und kaufmännischen Korpora­tionen das Geeignete verfügt worden.

Der Minister des Innern.

Im Auftrage, (gez.) Herrfurth.

An die Königl. Regierung zu Caffel. II. 10687. * * *

Caffel, den 28. October 1882.

Abschrift zur Kenntnißnahme und entsprechenden Bescheidung der Ortspolizeibehörde.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern. K ü h n e.

An die Königlichen Landräthe 20. A. II. 11611.

Hersseld, den 8. November 1882.

Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises unter Hinweis auf meine Verfügung vom 10. August er. Nr. 10138 im Kreisblatt Nr. 64 hier­durch zur Kenntnißnahme und entsprechenden Be­achtung mitgetheilt.

13965. Der Königliche Landrath

________ Freiherr von Broich.

Hersfeld, am 10. November 1882.

Mit der Zerkleinerung der Landwege-Unterhal- tungs-Materialien sind noch eine größere Anzahl von Gemeinden rückständig.

Die Herren Bürgermeister der betreffenden Gemeinden weise ich hierdurch an, diese Rückstände noch bis spätestens zum 20. d. MtS. zu beseitigen, widrigenfalls die Erledigung der frag­lichen Arbeiten aus Rechnung der Gemeinden sofort veranlaßt werden wird, umsomehr als sonst in Folge der vorgerückten Jahreszeit im Falle Eintretens ungünstiger Witterung die qu. Aufgaben nicht mehr zu Ende geführt werden können.

14212. Der Königliche Landrath

______Freiherr von Bro ich.

Se. Excellenz der Herr Ober-Präsident Staats­

# Die neuesten Vorgänge in Frankreich nehmen die Aufmerksamkeit der gebildete» Welt vornehmlich deshalb in Anspruch, weil sie vielfache Bestätigungen für das Wiederaufleben der internationalen Propaganda der socialdemocratischen Partei bringen. Dieses Wiederaufleben hat sich von den Vorgängen in Rußland und Irland

minister Graf zu Eulenburg hat durch Ver­fügung vom 3. März 1882 genehmigt

daß der Vaterländische Bezirks-Frauen-Verein zu Caffel zur Gewinnung weiterer Mittel für den unternommenen Bau eines Vereinshauses und Krankenpflege-Institutes im laufenden Jahr bei den Bewohnern des Regierungsbe­zirks Caffel eine einmalige Sammlung frei­williger Beiträge durch polizeilich legitimirte Collectanten mit der Maßgabe veranstalten darf, daß das örtliche Zusammentreffen dieser Sammlung mit der dem Diaconiffenhaus zu Wehlheiden bewilligten Collecte bei den evan­gelischen Bewohnern des Regierungsbezirks vermieden wird.

Unser gedachter Neubau steht in Cassel, am Königsthor Nr. 38z, nnd unser (bisher am Rondel Nr. 6 miethweise untergebrachtes) Kranken­pflege-Institut dient nach unseren (jederzeit bei der Oberin daselbst zu erlangenden) Statuten dem Wohl- deS ganzen Regierungsbezirks, indem es Frauen und Mädchen gebildeten Standes ohne Unterschied der Konfession zu Krankenpflege­rinnen ausbildet und solcheSchwestern vom rothen Kreuz" für Krieg und Frieden bereit hält zu technischer Pflege von Kranken theils im Vereinshaus, theils außerhalb desselben in Fa­milien oder in Gemeinden des ganzen Regierungs­bezirks. Wir bitten deshalb alle Bewohner des Regierungsbezirks herzlichst um hülfreiche Unter­stützung und sagen für jede Gabe im Voraus besten Dank.

Der Vorstand des Vaterländischen Bezirks- Frauen-Vereins zu Caffel.

Hersfeld, den 7. November 1882.

Unter Bezugnahme auf Vorstehendes veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises unter Benutzung der Ihnen in diesen Tagen zugehenden, mit entsprechendem Vordrucke versehenen Sammel­listen eine geeignete Persönlichkeit mit der Erhe­bung der in Rede stehenden Collecte innerhalb Ihrer Gemeinden zu beauftragen, und die gesam­melten Beträge nebst Sammellisten binnen 4 Wochen an mich einzusenden. Auch die kleinste Gabe wird willkommen sein.

8926, Der Königliche Landrath

Freiherr von B r o i ch.

Wer in Beziehung auf den am 24. Oktober 1882 in Wölfershausen ausgebrochenen Brand Thatsachen ermittelt und anzeigt, auf Grund deren die Verurtheilung des Brand­stifters erfolgt, erhält eine von Königlicher Regierung ausgesetzte Belohnung von

Einhundert Mark.

Caffel, den 7. November 1882.

Der Erste Staatsanwalt.

I. V. von Ditfurth.

Oeffentliche Aufforderung.

Der Rekrut Carl Diebel, geboren am 25. Juli 1860zu Niederjossa, Kreis Hersfeld, von Profession Knecht, welcher in dem gestrigen Gestellungstermin behufs Einstellung bei seinem Truppentheil nicht erschienen ist, wird hierdurch aufgefordert, sich sofort auf dem Büreau des unterzeichneten Be- zirks-Commandos zwecks nachträglicher Einstellung in den Militärdienst zu melden, widrigenfalls das DesertionSverfahren gegen denselben eingcleitet werden wird.

Rotenburg, a. F., den 7. November 1882. Königliches Bezirks-Commando.

von Rohrscheidt, Major und Commandeur.

abgesehen in mehreren Ländern angekündigt: in der französischen Schweiz, wo die socialistischen Flüchtlinge eine ganz besondere Rührigkeit entfaltet haben, in Ober-Italien, dem Schauplatz des in Triest zur Ausführung gekommenen Bomben-Attentats, und in Oesterreich, dessen. Hauptstadt Zeuge der von Anarchisten ausgeführten Beraubung des Schuhmachers Merstallinger gewesen ist.

Frankreich hat in jüngster Zeit eine ganze Anzahl ähn­licher Ausbrüche erlebt Aus die Kirchenschändungen und Plünderungen der Fabrikstadt Montceau les Mines folgte ein Bomben-Attentat in Lyon; in der Stadt Chalons für Saüne mußte das gegen die Verschwörer von Montceau begonnene schwurgerichtliche Verfahren eingestellt werden, weil die betheiligten Richter und Geschworenen mit Droh­briefen überschüttet worden waren; bei Gelegenheit der zu St. Etienne und zu Roanne abgehaltenen Arbeiter« Songreffe und auf einer ganzen Anzahl von Pariser Volks- Versammlungen kam es zu wilden tumultuarischen Auftritten und zu schweren Bedrohungen gegen Geistlichkeit, Regierung und Besitzende, denen man mit Dolch und Dynamit den Garaus zu machen versprach. Endlich haben die in der Pariser Vorstadt St. Antoine zwischen Arbeitgebern und Arbeitern der (mehr als 20,000 Menschen beschäftigenden) Möbelindustrie ausgebrochenen Lohnstreitigkeiten einen so leidenschaftlichen Charakter angenommen, daß man sich darauf gefaßt macht, eine etwaige Arbeitseinstellung von politischen Demonstrationen begleitet zu sehen. Die Sache nimmt sich um so bedrohlicher aus, als nur ein Theil der Arbeiter mit einem Strike droht, die Arbeitgeber aber alle Werkstätten schließen wollen, um der Bewegung ein mög­lichst rasches Ende zu machen und Unterstützungen der Feiernden durch ihre weiter arbeitenden Kameraden zuvor zu kommen. Zwanzig tausend, zum Theil unfreiwillig feiernde Pariser Arbeiter würden unter den gegebenen Ver­hältnissen den unruhigen Elementen eine gefährliche Hilfs« armee zuführen.

Die französische Regierung befindet sich aus mehreren Gründen in einer außergewöhnlich schwierigen Lage. Wegen der Zersplitterung der republikanischen ParlamentS-Mehrheit entbehrt sie der gehörigen Unterstützung der Parteien, wegen der Neuheit des Beamtenpersonals und der weitgehenden Liberalität der Gesetzgebung der Mittel zu energischem Ein­schreiten gegen die Meuterer; außerdem wird von den politischen Gegnern geltend gemacht, daß unter der Herr­schaft der republikanischen Partei für die Besserung der Lage der Arbeiter so gut wie Nichts geschehen sei. Allge­mein ist die Spannung auf den bevorstehenden Wiederzu- sam menlritt der Kammern, der möglicher Weiseeine abermalige, von den Anhängern Gambettas eifrig gewünschte Aenderung des Ministeriums zur Folge haben kann.

Frankreichs Nachbarn haben allen Grund, diesen Vor­gängen mit Ausmerksamkeit zu folgen. Zwischen den ver­schiedenen Culturländern bestehen so enge und so zahlreiche Verbindungen, daß Ordnungsstörungen in dem einen leicht auf das andere hinüberwirken können. Was uns Deutsche an langt, so werden wir uns zunächst zu sagen haben, daß die Fortdauer des Socialistengesetzes unter den gegenwärtigen Zeilumstänoen' unentbehrlicher denn je erscheint und daß die fortschrittlichen Declamationen gegen dasselbe so übel wie möglich angebracht erscheinen, wo immer neue Belege für das Wiederaufleben der internationalen Propaganda beigebracht werden. Ebenso deutlich werden wir uns aber der Verpflichtung bewußt bleiben müssen, die von der Regie­rung ein geleiteten Socialresormen mit allem Nachdruck zu unterstützen. Bilden dieselben doch die wirksamste Waffe, welche gegen die Partei des Umsturzes der gesellschaftlichen Ordnung überhaupt angewendet werden kann.

Zuszüge aus der RrochüreHerr von Rismark und die Mtfdjattspartei.

(Fortsetzung.)

Drittes Blatt.

von Bismarck.

. . . . Si fractus illabatur orbis Impavidum ferient ruinae.

Horat.

In ernster, leidenschaftsloser Würdigung der schwierigen inneren und äußeren Verhältnisse war sich der Monarch bewußt, daß er eines Mannes bedurfte mit unerschütter­lichem Muthe, energischem Wirken und großartiger An­schauung, welcher die Lage in Preußen und Deutschland zu beherrschen befähigt war.

König Wilhelm hatte das Glück, ihn zu finden.

Am 8. Oktober 1862 wurde Herr von Bismarck zum Präsidenten des Staatsministeriums und zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt.

Bereits als Gesandter beim Bundestage, wo er einen bis dahin unbekannten Widerstand zeigte, hatte Herr von Bismarck die feindlichen Pläne Napoleons gegen Preußen und Deutschland durchschaut; diese Beobachtungen konnte er während seiner gesandtschaftlichen Thätigkeit in Paris vervollständigen und anderseits aus den Mängeln des