Auch ist in Aussicht gestellt, daß nach einer Reihe von Jahren die Grundsteuereinschätzung revidirt werden soll. Der Grundsteuer fehlt somit das, was eine Reallast an sich haben muß und was nicht schien darf, — die Ein« willigung auch des Belasteten, wenn eine Erhöhung statt« finden soll, hat aber dafür alles das an sich, was eine Steuer charakterisirt.
Bei der Gebäudesteuer ist nun gar nicht einmal ein Schatten von Möglichkeit vorhanden, von einer Reallast su reden, und doch hat man die Gebäudesteuer den Hausbesitzern auserlegt. Man hat es offenbar bei beiden Steuern der Grund- sowie der Gebäudesteuer, mit einem Zugreisen dahin wo etwas zu haben war, zu thun, in einer Zeit, wo die Finanzwiffenschast noch wenig entwickelt war.
Der Fürst Reichskanzler hat in seinen Resormvorschlägen nur verlangt, daß die Hälfte'der Grund- und Gebäude- steuer den Gemeinden vom Staat überlassen werde, er hat nicht gesagt, daß er die ungleich vertheilte Last gleichmäßig aus das Kapital, das jetzt so wenig von derselben trägt, vertheilen wolle, er hat aber wiederholt es ausgesprochen, daß das Kapital besser herangezogen werden müsse und es ist auch thatsächlich durch seinen Vorschlag eine bessere, wenn auch noch lange nicht vollständig gleiche Vertheilung erstrebt, also wenigstens ein Anfang in Aussicht gestellt.
Weiter verlangte Fürst Bismarck eine vollständige Beseitigung der Klassen- und der 5 untersten Stufen der klassifizirten Einkommensteuer. Er erklärt die erst nach ben Freiheitskriegen eingeführte Steuer für eine reine Kopfsteuer, die nur von der Erlaubniß überhaupt zu athmen und zu leben erhoben werde, deren Druck obendrein noch unleidlich erhöht werde durch die unzähligen Pfändungen, welche ihre Einziehung in den untersten Stufen erfordere.
Zwei Beweggründe liegen offenbar diesem Borschlag zu Grunde. Die Menschenfreundlichkeit, welchederjenigen Klasse unserer Mitbürger, die ohnehin in der Schattenseite des Lebens zu wandeln haben, Aerger und Verdruß abzunehmen wünscht, wenn sie bei ihren geringen Einnahmen und ihren Sorgen für Frau und Kind auch noch gezwungen werden, Steuern zu bezahlen. (Schluß s.)
Uotttische JlacQridjten.
Deutschland.
Der ungewöhnlichen Bewegung, welche der Ausbruch des e g y p t i s ch e n A u f st a n d e s, der Zusammentritt der Botschafter-Conferenz, der Rücktritt des Ministeriums Freycinet im Laufe des verflossenen Sommers aus dem Gebiete der auswärtigen Politik hervorgernfen, ist eine Periode verhältnißmäßiger Ruhe gefolgt, welche dem allgemeinen Friedensbedürfniß der Regierungen und Völker entspricht. In erster Linie gebührt offenbar dem deutschen Kanzler ein hervorragendes Verdienst an der Erhaltung des Friedens und an der Fernhaltung von Verwickelungen, welche Eifer- Zucht und Mißgunst einzelner Mächte leicht Hütten entstehen lassen können, wenn nicht ein direct völlig uninteressirter Zuschauer sorgfältig darüber gewacht hätte, daß jeder Zündstoff sofort im Aufflammen erstickt werden konnte. Andererseits hat aber auch, wie anerkannt werden muß, die ebenso loyale als maßvolle Haltung der englischen Regierung, die ihre großen militärischen Erfolge in Egypten nicht mißbrauchest zu wollen erklärt, sehr wesentlich dazu beigetragen, allen Störungen des Friedens vorzubeugen. Rußland und Frankreich sind allzu sehr im Innern beschäftigt, als daß diese Mächte daran denken könnten, ohne die zwingendsten Gründe der Sclbsterhaltung, die wenigstens in der nächsten Zukunft nicht vorliegen, an eine Aggression nach außen zu gehen.
In einer unterm 9. d. M. ergangenen Verfügung des Justizministers wird sämmtlichen Justizbehörden mitgetheilt, daß nachstehend benannte Königliche Forstschutzbeamte: Revierförster, Hegemeister, Förster, Forstausseher und Forsi- Hilssjäger sowie diejenigen Waldwärter, welche auf Forstanstellungs-Berechtigung nach den Bestimmungen des Regulativs vom 15. Februar 1879 dienen, zu Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft bestellt worden sind.
Im Bundesrath wird anläßlich der eingegangenen Petitionen die Briefmarkenfrage sehr bald zur Erörterung kommen. Man scheint anzuuehmen, daß nach dem Beschlusse des Beiraths der Württembergischen Verkehrsanstalten auch Baiern die Beförderung von Postkarten mit »icht-bairischen starken übernehmen werde unter Vorbehalt der Gegenseitigkeit.
England.
Die in mehreren, auch englischen Blättern verbreitete Mittheilung, daß von englischen Soldaten gegen egyptische Gefangene Grausamkeiten verübt worden seien, hat in England, wo mau schon Vorbereitungen trifft, um den zurückkehrenden Truppen einen glänzenden Empfang zu bereiten, große Aufregung hervorgerufen. Man bestreitet nicht nur die gedachten Angaben in der Presse auf das entschiedenste, sondern fordert auch mit Nachdruck eine gründliche Untersuchung Seitens der Regierung, um, wie man voraussetzt, eine definitive Widerlegung jener Gerüchte herbeizuführen.
Mordthaten sind voriger Woche in Irland nicht vorgekommen, dagegen verschiedene Ausschreitungen,
die indessen von keinem großen Belang waren. Der Vicekönig von Irland hat den wegen Mordes zum Tode verurtheilten Mondscheiuler Michael Walsh zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt.
Egypten.
Die Unterredung der englischen Advokaten Broad- ley und Rapier mit Arabi hat nunmehr stattge- funden. Arabi befindet sich bei guter Gesundheit und erklärte sich mit den zu seiner Vertheidigung getroffenen Maßnahmen einverstanden; er gab an, daß er während (einer Gefangenschaft zweimal mißhandelt worden sei, daß indeß seit dem 10. September sich solche Mißhandlungen feiner Person nicht wiederholt hätten. Das Zeugenverhör wird, da die Vernehmung der Zeugen in Abwesenheit der Angeschuldigten stattgefunden hat, nochmals wiederholt werden und nimmt voraussichtlich nächsten L-onnabend seinen Anfang. Wilson hat beantragt, daß die acht Hauptangeschuldigten zusammen ab- geurtheilt werden.
Serbien.
Aus Belgrad vom 23. October wird gemeldet: Während des Gottesdienstes in der Kirche wurde von einer Frau auf den König geschossen.^ Der Schuß ging fehl. Der König blieb bis zum Schluß des Segens in der Kirche und begab sich dann nach dem Palais. — Die Frau, welche in der Kirche auf den König schoß, ist die Wittwe des anläßlich der Topolje-Affaire vom Kriegsgericht zum Tode verurtheilten und Hingerichteten Obersten Markovic.
# Directe und indimte Steuern in Frankreich.
Zu den nachgerade herkömmlich gewordenen Widersprüchen, in -denen die Presse der manchesterlichen und fortschrittlichen Opposition sich ergeht, gehört die Gewohnheit, Frankreichs finanzielle Entwickelung zu bewundern und gleichzeitig jedem Versuch hindernd in den Weg zu treten, der darauf abzielt, in unserem Vaterlande diejenigen Einrichtungen weiter zu entwickeln, denen die französische Finanz- Verwaltung ihre Haupterrungenschaften zn danken gehabt hat. Dieselben Zeitungen, die unter der Rubrik „Frankreich" Hinweise aus die Leichtigkeit veröffentlichen, mit welcher unsere westlichen Nachbarn die auf 10 Milliarden angeschlagenen Ver- lnste der Kriegsjahre 1870171 getragen und trotz des Verlustes zweier reicher Provinzen, während der folgenden Jahre die Mittel zur Bestreitung eines fast um die Hälfte erhöhten Staatsbedarfs aufgebracht haben, — diese selben Zeitungen bringen in ihrem raisonnirenden Theile fulminante Artikel gegen die weitere Entwicklung des finanziellen Systems, welches den Hauptpfeiler des französischen Staatseinkommens bildet.
Dieses System ist das von dem Reichskanzler seit Jahren empfohlene System der indirekten Steuern. Die geradezu maßgebende Bedeutung, welche dieselben für das französische Finanzwesen haben, ist in dem neuerdings erschienenen verdienstvollen Werke „die Finanzen Frankreichs, von R. v. Kaufmann" (Leipzig, Bibliographisches Institut) mit besonderer Deutlichkeit nachgewiesen worden. An der Hand einer bezüglichen Publikation des Königlichen statistischen Bureaus theilen wir nachstehend einige besonders lehrreiche Ergebnisse der v. Kaufmann'schen Untersuchungen mit.
Frankreich ist das meist besteuerte Land Europas; nach der Kopfzahl der Bevölkerung berechnet, kommt auf jeden Franzosen eine Steuerlast von 53 Mark, während auf den Preußen nur 18 Mark pro Kopf komme». Wenn die französischen Steuern nichts desto weniger ohne Ueberbürdung der Bevölkerung aufgebracht werden, während bei uns das Gegentheil der Fall ist, so hat das (neben dem großen natürlichen Reichthum des Landes und der außerordentlichen, mit Sparsamkeit gepaarten Betriebsamkeit seiner Bewohner) vornehmlich darin seinen Grund, daß 84 Procent aller französischen Steuern auf indirectem Wege und nur 16 Procent durch directe Steuern aufgebracht werden, während in Preußen die indirecten Steuern bloße 64 Procent, die directen Steuern dagegen volle 36 Procent der Gesammtfumme ausmachen.
In Frankreich werden durchschnittlich pro Jahr 2777 Millionen von der Staatskasse vereinnahmt. Davon kommen auf die directen Steuern 379 Millionen Francs, auf die indirecten Steuern 2172z Millionen Francs.
Die directe» französischen Steuern führt Herr von Kaufmann auf vier Grundformen: 1. die Grundsteuer, 2. die Personal- und Mobiliensteuer,
3. die Thür- und Fenstersteuer uub ~4. die Gewerbesteuer zurück. Die indirecten Steuern zerfallen in 5 Hauptklassen: die Registerungs- und
Stempelsteuer mit einem Ertrage von ca. ,660 Millionen Francs, die Zölle und die Salzsteuer mit einem Ertrage von ca. 327 Millionen Francs, indirecte Steuern und Monopole mit einem Ertrage von ca. 1048 Millionen Francs, Posten mit einem Ertrage von ca. 109 Millionen Francs, Telegraphen mit einem Ertrage von ca. 26 Millionen Francs.
Allein die Getränksteuer ergab einschließlich der Licenzsteuer i. I. 1880 ca. 404 Millionen, die inländische Zuckersteuer 124 Millionen Francs.
„Zahlen beweise n." Was sie im vorliegenden Falle beweisen, wird der Leser sich am besten selbst sagen.
Aus Hessen-Nassau.
H e r s f e I d, 25. Octbr. Unter der Anklage des Verbrechens gegen die Sittlichkeit stand am 23. d. der Tagelöhner Georg R o o ß aus Kerspenhausen vor den Schranken der Strafkammer Königlichen Landgerichts zu Cassel. Die Verhandlung fand mit Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Angeklagter wurde schuldig befunden und zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren verurtheilt; gleichzeitig wurde die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf gleiche Dauer ausgesprochen.
ff Tann, 21. Octbr. Herr Förster Gleim zu Gerte rode hatte am 19. d. Mts. das gewiß seltene Glück drei junge Fischottern zu fangen. Die Mutter derselben hatte er vorher durch einen Schuß -erlegt. Die jungen Fischottern sind in den wenigen Tagen schon recht zahm geworden und vertragen sich sehr gut mit den Hunden des Herrn Gleim.
Ebsdorf (Kreis Marburg), 20. Octbr. In unserem Orte, wie in den benachbarten Ortschaften Leidenhofen, Beltershausen, Heskem und Frauen- berg hat sich in dieser Woche der bis jetzt nicht aufgeklärte Fall ereignet, daß Nachts in die Schaf- Pferche dem Hunde ähnliche Thiere eingedrungen sind und bei einzelnen Heerden durch einen Biß in den Hals an zehn Schafe getödtet haben. Ein sonst keinen anderen Hund fürchtender Schäferhund, wie ihn der hiesige Schäfer besitzt, wollte mit diese» frechen Räubern nichts zu thun haben und drückte sich während des Angriffs auf die Schafe bei Seite. Der Schäfer von Leidenhofen will zwei Thiere in seinem Pferch gesehen haben, die die Größe eines mittelgroßen Hundes von röthlicher Farbe hatten. Bei dem wiederholten öfteren Vor- kommen in den verschiedenen Pferchen und dem bereits augerichteten größeren Schaden ist die Annahme nicht ausgeschlossen, daß einige versprengte Wölfe die Thäter sind, es ist daher Vorsicht dringend anzurathen. (O. Z.)
Hanau, 21. Octbr. Mit Staunen lieft man von den riesenhaften Leistungen im Essen und Trinken, deren sich unsere Vorfahren im Mittelalter bei ihren Festgelagen befleißigten. Ein würdiges Seitenstück zu diesen Schmausereien hat sich nun dieser Tage in unserem Kreise, und zwar aus Anlaß der Hochzeit des Sohnes des Bürgermeisters St. in Marköbel, ereignet. Nicht weniger denn 12z Centner Mehl wurden zu Kuchen verbacken, drei Schweine und zwei Kälber, sowie 180 Pfund Rindfleisch consumirt und.auf dem Altare des Bachus circa fünfhundert Liter Wein geopfert. Freilich nahmen auch das ganze Dorf und zahlreiche auswärtige Gäste an dem Hochzeitsfeste Theil, und anerkennenswerth ist der Zug rührender Herzensgüte hervorzuheben, der sich in der besonderen Bedenkung aller Ortsarmen mit nützlichen Geschenken und der Jugend mit Geldspenden Seitens des Hochzeitsvaters kund gab. (Han. Z.)
Eine Heirath aus Verzweiflung.
Von Henry Perl.
(Fortsetzung.)
In diesem Augenblicke kam Jemand rasch die Stiege herauf, eilte durch den Gang und wollte zur Thür herein. Phia eilte zu öffnen, doch nur so weit, um ihren schwarzen^Kopf zu zeigen, nicht aber, um bem neuen Ankömmling Eintritt zu gestatten.
Zur eigentlichen Bedienung gab es im Haus Crespigney nur drei Diener. Phia, ihren Gatten Laban und ihre Tochter Lamia. Diese war es, welche auf das Glockenzeichen herbeigeeilt war.
„Was willst Du, Mammy?" fragte das Mädchen neugierig, als es sah, daß ihr die Mutter den Eingang verweigerte.
„Sag' Deinem Daddy, er solle schnell heraufkommen. Hörst Du, aber gleich und schnell!"
„Ja, ja, Mammy, ich höre, aber der Daddy ist mit dem Voot zu Siniggers?"
„Weshalb?" rief das Weib barsch, „weshalb zu Siniggers?"
„Um den Doktor."