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Nr. 81.

KmsWblatt

Mittwoch den 11. Oktober 1882.

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal­ten kommt der Postaufschlag hinzu.

für den

Zireis ZerssesÜ.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar. mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

w^^> Bestellungen aus das Kreisblatt" werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition angenommen.

AmMhes.

Kreis Hersfeld.

Berlin, den 29. September 1882. Bekanntmachung.

Auf Grund der §§. J7 und 28 der Verordnung über die Ausführung der Wahl zum Hause der Abgeordneten Dom 30. Mai 1849 (Gesetz-Samm­lung Seite 205) setze ich

den Tag der Wahl der Wahlmänner auf den 19* October b. J.

uüd den Tag der Wahl der Abgeordneten auf den 28. Oktober d. J.

hierdurch fest.

Der Minister des Innern, gez. von Puttkamer.

Hersfeld, den 7. Oktober 1882...

Unter Hinweis auf vorstehende Bekanntmachung des Herrn Ministers des Innern und mit Bezug auf meine Verfügung vom 12. v. Atts. Nr. 11755 im Kreisblatt Nr. 73 wird inGemäßheit des ß. 11 des Reglements vom 4. September er. zur Aus­führung der Wahlen zum Hause der Abgeordneten hierdurch bezüglich der Landgemeinden des Kreises bestimmt, daß die Wahl der Wahlmänner am 19. d. Mt§. Vormittags 9 Uhr in den durch meine gedachte Verfügung bezeichneten Wahllokalen stattzuftnden hat.

Gleichzeitig erhalten die Herren Bürgermeister und Ortsverwalter des Kreises hierdurch die Weisung, folgende, entsprechend zu ergänzende Bekanntmachung in Ihren resp. Verwallungsbe- zirken.s o f o r t in ortsüblicher Weise veröffentlichen zu lassen:

Die Wahl der Wahlmänner des Urwahlbezirks Nr. .... findet am 19. d. Mts. Vormittags 9 Uhr in dem Geschäftslokale des Bürgermeisters zu.....Statt, und werden zu derselben sämmtliche Urwähler der hiesigen Gemeinde (des Gutsbezirks) hierdurch mit dem Bemerken zu­sammenberufen, daß der........ zu.......zum Wahlvorsteher und der........ zu ...... . zu dessen Stellvertreter ernannt ist."

.....den .. . ten October 1882.

Der Ortsoorstand.

Demnächst ist diese Bekanntmachung mit der Bescheinigung, daß dieselbe in ortsüblicher Weise veröffentlicht worden ist, zu versehen, und unge­säumt, jedenfalls aber noch vor Beginn der Wahl, dem betreffenden Herrn Wahlvorsteher zu übersenden. Gegen diejenigen Herren Ortsvorstände, welche dieser Vorschrift nicht pünktlich nachkommen sollten, würde ich unnachsichtlich mit Strafen Vorgehen müssen.

12745. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 6. October 1882.

Höherer Entscheidung zufolge bedürfen alle Mobiliar - F euerversicherun gs - Ver­träge zu ihrer Gültigkeit der Visirung Seitens des Königlichen Landrathsamtes. Es werden deshalb die Kreiseingesessenen hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß ihre laufenden Versicherungsverträge, welche bis jetzt noch nicht landrathsamtlich visirt sind, zu diesem Zwecke nach­träglich dahier zur Vorlage zu bringen sind, und hqben die Herren Bürgermeister des Kreises dieses

auch in ortsüblicher Weise noch besonders zur all­gemeinen Kenntniß zu bringen.

12480. Der Königliche Landrath

______Freiherr von Broich.

" Hersfeld, den 11. October 1882.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erstattung der durch meine Verfügung vom 4. August c. Nr. 10257 im Kreis­blatt Nr. 62 geforderten Nachweisung über die in dem Monat August c. zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Rückstände an directen Kommunal-, Kreis- und Provinzial-Steuern im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 17. d. M. Nachmittags 2 Uhr bei Meldung der Zu­sendung eines Strafboten erinnert.

10257. Der Königliche Landrath _____Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 11. October 1882.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erledigung meiner Ver­fügung vom 24. Juli c. Nr. 9559, die über die zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Schulgelds­rückstände aufzustellende Nachweisung pro Monat August c. betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 17 b. Mts. Nachmittags 2 Uhr bei Meidung der Zusen­dung eines Strafboten erinnert.

9559. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Cassel, 5. October 1882.

Der Betrüger, welcher sich am 22. Juni in Pirna unter dem Namen Robert Gehe mittels telegraphischer Postanweisung 90 Mark widerrecht­lich angeeignet, bezw. am 3. Juli in Weesenstein unter dem Namen Otto Eichhorn einen ähnlichen Betrug erfolglos versucht hat, und auf dessen Er­greifung eine Belohnung von 100 Mark ausge­setzt ist, ist noch nicht ermittelt; ebensowenig ist es bis jetzt gelungen, den der That verdächtigen Musiker Haupt aus Halsbrücke bei Freiberg (Sachsen) festzunehmen.

Ich gestatte mir, die Aufmerksamkeit des Kö­niglichen Landrathsamts nochmals hierauf hinzu­lenken.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector. zur Linde. An das Kgl. Landrathsamt in Hersfeld. 19615.

* *

Hersfeld, den 7. October 1882.

Wird mit Bezugnahme auf meine Verfügung vom 10. August c. Nr. 10489 im Kreisblatt Nr. 64 hierdurch veröffentlicht.

12749. Der Königliche Landrath

____________Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 7. October 1882.

Der Bauer George Siering zu Ludwigsau­mühle bei Reilos, 55 Jahre alt, ist auf Grund des vorletzten Absatzes des §. 46 des Fischerei-GesetzeS vom 30. Mai 1874 als Fischerei-Ausseher eidlich verpflichtet worden.

12772. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

* Hersfeld, im October. Im Verlage der Beffer'schen Buchhandlung (Wilhelm Hertz) in Ber­lin ist vor Kurzem unter dem Titel:Zwanzig Jahre Rückblicke auf Fürst Bismarcks Wirksamkeit für das deutsche Volk" eine von dem Wirklichen Geheimen Ober-Regie- rungsrath Dr. Hahn verfaßte BrosOire erschienen, welche in kurzen Zügen ein Bild von der poli­tischen Entwickelung Deutschlands und Preußens seit dem Eintritt des Fürsten Bismarck in das Preußische Staatsministerium entwirft.

Daß der Inhalt dieses Werkchens, welches eine politische, aber keine Parteischrift ist, für jeden wohldenkenden Deutschen, von dem höchsten In­teresse sein muß, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Beschäftigt dieselbe sich doch mit einem Wirken, welches überreich an großen, der Weltgeschichte angehörigen Thaten und Erfolgen ist, mit einem Manne, dem Niemand, mag sein politischer Stand­

punkt sein, welcher er wolle, das Zeugniß versagen kann, daß er sich für die Stärkung des Ansehens Preußens im Rathe der Völker und für die Kräf­tigung der deutschen Nation unsterbliche Verdienste errungen hat, für welche ihm stets der ungeschmä­lerte Dank der Nation gebührt.

Um nun unsererseits dazu beizutragen, jener Schrift die wohlverdiente weiteste Verbreitung zu verschaffen, glauben wir nichts besseres thun zu können, als einige Auszüge aus derselben zu ver­öffentlichen:

Vor Kurzem wurde im Reichstage der Ausspruch gethan, das deutsche Volk müsse endlich dem Willen des Fürsten Bismarck seinen eigenen Willen entgegensetzen und ihm das Bewußtsein der Allmacht austreiben. Selbst aus demokratischer Seite schien man einen Augenblick die un­glaubliche Taktlosigkeit des übermüthigen Ausspruchs zu empfinden; das hinderte jedoch nicht, daß er in Vereinen und Flugblättern hundertfach wiederholt wurde. An seine politische Allmacht glaubt der Kanzler gewiß selbst am wenigsten, denn er hat in all seinem Wirken die Grenzen seiner Macht erfahren und muß sie nach allen Seiten noch alltäglich empfinden ; keinem Staatsmann ist die Erreichung hoher Ziele für das Volk so schwer gemacht worden, wie ihm, und wenn er nicht eben durch das Gefühl einer hohen Verpflichtung und durch den Drang nach weiterer Sicher« stellung des Reiches getrieben würde, wer wollte es ihm verdenken, wenn er von jenem unablässigen Kampfe auszu- ruhen und endlich sich dem Genuß der Stellung, die er auch persönlich errungen hat, hinzugeben wünschte.

Also nicht von geträumter Allmacht ist beim Fürsten Bismarck die Rede, wohl aber sollte bei den Führern des deutschen Volkes eine lebhaftere Erinnerung für die wirklichen unvergänglichen Verdienste vorhanden sein und zur Geltung gelangen, welche er sich um das Vaterland er­worben hat, man würde nicht umhin können, zu gestehen, daß es Größeres ist, als irgend ein Einzelner nicht blos, sondern irgend eine politische Partei von sich rühmen kann, und man würde selbst da, wo man ihn bekämpfen zu müssen glaubt, doch einen achtungsvolleren Ton anschlagen und davon avsgehen, daß auch in diesen Dingen dem Streben des Fürsten Bismarck eine tiefe und gewiß sehr be- achtungswerthe Ueberzeugung von dem Bedürfniß und Interesse des Reichs zu Grunde liegt.

Je heißer die Kämpfe der Gegenwart sind, desto mehr ziemt es sich, jener historischen Thatsachen nicht zu vergessen, bei denen Fürst Bismarck theilweise eine ebenso ein» müthige öffentliche Meinung entgegenstand und die heute als Wohlthaten für die d e u t f ch e N a t i o n allgemein anerkannt sind.

Wir halten es deshalb nicht für überflüssig, in schlichter Weise und ohne jede Parteipolemik einen kurzen Rückblick auf die wirkliche Geschichte jenes Staatsmannes zu geben.

Die Arbeit an der norddeutschen Verfassung.

ES ist ein weit verbreiteter Irrthum, daß Fürst B l s - marcks größte Verdienste in der Aufrechterhaltung der Reorganisation und besonders in der trefflichen Leitung der auswärtigen Dinge liegen, welche letzteren alle Parteien offen anerkennen, auch diejenigen, welche zur Militärfrage noch immer ein böses Gesicht machen und BismarckS Energie in dieser Beziehung nicht gern rühmen hören; man hat sogar den Setz aufgebracht, der Kanzler verstehe sich sehr gut auf äußere Politik, viel schlechter auf innere, und diese bequeme Antithese wird gedankenlos nachgeplaudert. Vielleicht scheint es nur deshalb so, weil die inneren An­gelegenheiten von vornherein auf dem öffentlichen Markt verhandelt werden und Jedermann sein Wort dazu geben kann: die Absichten der Regierung werden hier von allen Parte,standpunlten kritisirt, zerpflückt, selbst inS Lächerliche gezogen, ehe es zu irgend einem positiven Schaffen kommen kann; wogegen die auswärtigen Dinge mit dem diploma« tischen Schleier bedeckt werden, bis sie fertig vorliegen. Wäre Fürst Bismarck auch in seiner auswärtigen Aktion an die Mitwirkung der parlamentarischen Körperschaften gebunden gewesen, die in inneren Fragen mit zu entscheiden haben, so würde seine Meisterschaft auch in jener Beziehung nicht so anerkannt sein. Gewiß konnte er auch hierin seine Gedanken und Pläne keinesweges so, wie er sie gefaßt, ins Werk setzen: er hatte, statt der Kritik der Parlamente die oft durchaus nicht leichteren diplomatischen Schwierigkeiten zu überwinden, und statt der Parteien die mannigfachen Interessen und Traditionen der Kabinette und bis Charaktere und Eigenthümlichkeiten der mitwirkenden Personen ins Auge zu fassen. Aber es ist eben ein großer Unterschied für die öffentliche Beurtheilung, ob alsbald eine fertige Thatsache vorliegt oder ob die Parteien die ganze Ent­stehung, alle die Wege, welche die Regierung zu gehen ge­nöthigt ist, mit ihrer lauten, oft heftigen Kritik begleiten und theilweise durchkreuzen. Wir sind nicht so weit im parlamentarischen Leben, haben auch ganz andere Grund­lagen des Parteiwesens, wie etwa in England, wir haben auch noch keine wesentlich feststehende, überlieferte Politik, daß unsere Parteien in auswärtigen Dingen sich selbst ze«