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Sonnabend den23. September 1882.

Nr. 76.

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal­ten kommt der Postausschlag hinzu.

für den

Jtreis Zerssesd.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Aöonnemerüs-Gintadung.

Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf dasKreisblait." Wir bitten dasselbe rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustel­lung eintritt. Der vierteljährliche Abonnements- preis beträgt 1 Mark excl. Poslaufschlag sowohl bei allen kaiserlichen Postanstalten als auch bei der Expedition.

haben, da das Kreisblatt die größte Verbreitung im hiesigen Kreise hat, sichern Erfolg, und koslÄ die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pfcp Die Expedition.

AmMches.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 19. September 1882/"

Es wird hierdurch veröffentlicht, daß die Kreis­versammlung des hiesigen Kreises gemäß §. 18 des Gesetzes vom 12. März 1881 betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen, aus den sach­verständigen Eingesessenen des Kreises für das Jahr 1883 folgende als Schiedsmänner zu den Schätzungs-Commissionen heranzuziehende Personen gewählt hat:

1) Oekonom Peter Heil zu Hersfeld.

2) Oekonom Friedrich Friedrich zu Hersfeld.

3) Oekonom Carl Schimmelpfeng zu Hersfeld. .

4) Gutsbesitzer Hermann Braun zu Oberrode.

5) Domainenpachter greife zu Biengartes,

6) Oldenburg zu Wilhelmshof.

7) Suntheim zu Eichhof.

8) Gutsbesitzer Schwarz zu Unterhaun.

9) Landwirth Wilhelm Jacob zu Unterhaun.

10) Gutsbesitzer Franz Roll zu Meisebach.

11) Landwirth Opfer zu Obergeis.

12) Johannes Claus zu Mecklar.

13) Johannes Wetzel 2r. zu Meckbach.

14) Andreas Strüber zu Friedlos.

15) Gastwirth Peter Grebe zu Friedlos.

16) Landwirty Heinrich Schaub zu Tann.

17) Heinrich Fey zu Tann.

18) Courad Hildebrand zu Rohrbach.

19) Bürgermeister Glebe zu Kohlhausen.

20) Gutsbesitzer Eschstruth ir zu Frielingen.

21) Baron von Lepel zu Hattenbach.

22) Oekonom Philipp Schäfer zu Mengshausen.

23) Landwirth Jacob Grenzebach zu Niederaula. 24) Oekonom Bezzenbttger zu Kirchheim.

25) Rittergutspachter L-chlabach zu Kirchheim.

26) Oekonom Courad Schüler zu Reckerode.

27) Landwirth Heinrich Maurer zu Kerspenhausen.

28) Bürgermeister Nutzn zu Asbach.

29) Landwirth Philipp Thiel zu Cruspis.

30) Landwirth George Weitz zu Harurode.

31) Gutsbesitzer Gerlach zu Rippe.

32) Sandrock zu Lautenhausen.

33) Hoßbach zu Hof Weisenborn.

34) Ernst Bippart zu Hermannshof.

35) Gliemroth zu Wölfershausen.

36) Gastwirth Schimmelpfeng zu Widdershausen.

37) Landwirlh Johs. Schimmelpfeng zu Heringen. 38) Gutsbesitzer Schlosser zu Kleinensee.

39) Ackermann Johs. Volkenand zu Bengendorf. 40) Oekonom Theodor Rehren zu Oberlengsfeld. 41) Landwirth Burghard Rüger zuUnterweisenborn. 42) Oekonom Adolph Reinhard zu Unterweisenborn. 43) Ackermann Heinrich Burghard zu Ransbach. 44) Gutsbesitzer August Aulepp zu Philippsthal. 45) Schmied Scheer zu Schenklengsfeld.

46) Ackermann Georg Deisenroth lr zu Hilmes.

47) Rudolph zu Ausbach.

48) Peter Bock zu Conrode.

49) Oswald Steinhauer zu Wüstfeld.

Aus der Zahl dieser Personen hat die Ortspo- lizeibehörde die Schiedsmänner für jeden einzelnen Schätzungsfall zu ernennen. Die Schätzung er­

folgt durch die aus dem beamteten Thierarzt und zwei Schiedsmännern gebildete Kommission, und sind die Schiedsmänner von der Ortspolizeibehörde eidlich zu verpflichten. Dasselbe gilt, wenn an Stelle des beamteten Thierarztes ein nicht beam­teter Thierarzt zugezogen wird, für diesen, sofern derselbe nicht im Allgemeinen als Sachverständiger beeidigt ist.

Die den Schiedsmännern als Ersatz für Reise­kosten und Auslagen zu gewährende Vergütung wird im Verwaltungswege festgesetzt und aus der Staatskasse bestritten.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben die vorstehend genannten Personen alsbald von der auf sie gefallenen Wahl in Kenntniß zu setzen und denselben zugleich zu eröffnen, daß sie verpflichtet seien, auf amtliche Requisition erforderlichen Falls an allen Orten des Kreises Abschätzungen vor- zunehmen.

12094. Der Königliche Landrath

_____Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 21, September 1882.

Diejenigen Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises, welche noch mit Erledigung meiner Ver­fügung vom 28. Februar 1880 Nr. 2182 im Kreisblatt Nr. 18, die Einzahlung des Forstgeldes betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 28. d. Mts. Nachmittags 2 Uhr bei Meidung der Zusendung eines Straf- boten erinnert.

2182180. Der Königliche Landrath

1: Freiherr v on B r o i ch. Hersfeld, den 22. SeptemberZB82.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche die Quartierbescheinigungen, sowie die Quittungen über gelieferte Fourage und geleisteten Vorspann noch nicht eingereicht haben, werden hier­durch aufgefordert, dieselben unfehlbar bis zum 27. d. Mts. an her einzusenden.

12201. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Die landwirthschaftliche Winterschule zu Marburg bett.

Die landwirthschaftliche Winterschule Marburg, welche den 15. Oktober 1877 eröffnet worden ist, ist ein Institut des landwirthschastlichen Zentralvereins für den hiesigen Be­zirk, und wird vom Kommunalverbande unterstützt.

Die landwirthschaftliche Winterschule ist eine aus die Volksschule weiter bauende Fachschule und hat die Aufgabe, in zwei kombinirten Winterkursen den Söhnen solcher Land- wirthe, welche die Arbeitskraft derselben während des Sommerhaibjahres nicht missen können, Gelegenheit zum Erwerbe der nöthigsten Kenntnisse zu geben, die zu einem rationellen, den Zeitverhältnissen entsprechenden Betriebe der Landwirthschaft erforderlich sind.

Der Unterricht bezweckt daher:

1) weitere Fortbildung in den Elementarfächern, 2; landwirthschaftliche Fachbildung

und wird ertheilt von einem Hauptlehrer, der gleichzeitig Direktor her' Anstalt ist und von den weiter nöthigen Hülsslehrern.

Die Auszunkhmenden müssen das 15. Lebensjahr erreicht haben, sich durch ein Zeugniß über ihren bisherigen Schul­besuch und die durch denselben erlangten Kenntnisse aus­weisen, außerdem, falls sie bereits seit mehr als einem Jahre die Schule verlassen haben, ein Attest der Ortsbe- Horde über ihre Unbescholtenheit beibringen.

Der Unterricht beginnt den 17. Oktober und endet im April, so daß derselbe etwa 24 Wochen umfaßt.

Das -Schulgeld beträgt für jeden der beiden Winterkurse 45 M. und ist die eine Hälfte dieser Summe zu Anfang des Kursus, die andere dagegen in den ersten Tagen des Januar zu entrichten.

Am Schlüsse eines jeden Winterkursus findet eine öffent­liche Prüfung statt und erhält jeder Schüler gelegentlich dieser ein Zeugniß über Fleiß, Fortschritte und Betragen, welches am Schlüsse des zweiten Kursus ein Abgangs­zeugniß ist.

Wohnung rc. finden die Schüler in geeigneten Bürger- Häusern der Stadt und wird die Direktion der Anstalt aus Verlangen passende Wohnungen vermitteln.

Selbstverständlich stehen die Schüler auch in ihren Woh­nungen unter Aussicht des Direktors, welcher auf besonderen

Wunsch der Eltern rc. die Geldangelegenheiten der Schüler besorgen wird.

Anmeldungen zur Ausnahme in die Anstalt sind bis zum 1. Oktober an den Direktor der Landwirthschaftsschule, , Herrn ür. Hesse zu Marburg, zu richten, welcher jede etwa weiter gewünschte Auskunft gern ertheilen wird.

Der dctaillirte Stundenplan ist vom Direktor der An­stalt zu beziehen.

Kassel, im September 1882..

Der Vorsitzende des landwirthschastlichen Zentralvereins: W e n d e l st a d t, Geheimer Regierungsrath.

Komische Nachrichten.

Deutschland.

# 3um 23. September. Fürst Bismarck schaut heute aus eine zwanzigjährige Laufbahn als leitender Minister Preußens zurück. Wenn je ein Mann ^Genugthuung und Befriedigung seiner Wirksamkeit sich erinnern darf, so darf es der Kanzler des deutschen Reichs, dessen Thaten nicht ihm allein, sondern seinem Kaiser und Könige und dem ganzen preußischen und deutschen Volke galten. Das kurzlebige Gedächtniß vergißt leicht, wenn es in den Besitz von Gütern gelangt ist, der Mühen und Kämpfe, welche der Erwerb derselben verur­sachte. Auch wir haben uns schon so sehr an die nationale Einheit gewöhnt, daß wir kaum noch der Zeit uns erinnern, in welcher sie geboren ward. Ja, es giebt auch Viele, die sich jener Zeit iffM gern erinnern, und eine mehr wie zarte Rücksitz^ tu 5 eben diese hat jahrelang einen Schleier über die Verhältnisse breiten lassen, welche die eigentliche Wiege der Wiedergeburt Preußens und Deutschlands waren. Ein solcher Erinnerungstag wie der heutige giebt uns aber das Recht, ja legt uns die Pflicht auf, uns jene Zeit wieder zu ver­gegenwärtigen, um so mehr als sie für Alle, welche sehen und hören wollen, reid) an Lehren für die Gegenwart ist. Preußen Mir damals durch innere Kämpfe tief zerrissen. Der Parlamentarismus, der immer anspruchsvoller sein Haupt erhob, wollte das Abgeordnetenhaus zu dem alleinigen Schieds­richter aller Dinge in Preußen machen. Die Rechte der Krone und des Herrenhauses wurden mißach­tet, das Heer als eine freiheitsfeindliche Institution behandelt und die von dem Könige zum Besten Preußens ersonnene Reorganisation desselben als den Interessen des Volkes widersprechend ausge­geben. Durch die Verweigerung der Ausgaben für das Heer und durch fortgesetzte Ablehnung des von der Regierung vorgelegten Staatshaus­haltsetats wollte sich das Parlament einen Hebel verschaffen, mit welchem es seine eigene Macht vergrößern und den König zur Aufgabe seines verfassungsmäßigen Rechts, nach eigenem Ermessen die Politik zu leiten und seine Minister zu er­nennen zwingen können. Nach außen hin war das Ansehen Preußens nicht nur durch die parla­mentarischen Kämpfe erheblich geschmälert. Im Rathe der Nationen galt es wenig, weil es sich bis dahin auf keine genügende militairische Kraft hatte stützen können. Seine Politik nach außen war gelähmt. Im deutschen Bunde nahm es eine ihm nicht gebührende untergeordnete Stellung ein. Der deutsche Bund selbst war ohne politische Be­deutung, weil seine Glieder nicht zu einer Macht verwachsen waren, sondern sich gegenseitig hemmten und einander entgegenarbeiteten. Die Bestrebungen, den Bund auf eine sicherere und einheitlichere Grundlage zu stellen, scheiterten, weil kein Glied auf seine Ansprüche sei es, daß sie berechtigt oder unberechtigt waren zu Gunsten einer na­tionalen Einheit verzichten wollte. Das war das Preußen, das Deutschland vom Jahre 1862! Heute zeigt sich wenigstens nach einer Seite ein ganz anderes Bild. Deutschland ist unter Preußens Führung geeinigt und zu einer ebenso gefürchteten wie friedliebenden Macht geworden. Die Bundes­staaten haben alle auf einen Theil ihrer Rechte