Einzelbild herunterladen
 

nicht mehr nöthig, sich über Zwischenfälle unter­geordneter Art zu beunruhigen oder aufzuregen. Er läßt sich daran genügen, den Dingen, die in seiner Nachbarschaft passiren, aufmerksam zu folgen und darauf Bedacht zu nehmen, daß der Heimath die Bedingungen äußerer und innerer Sicherheit ungeschmälert erhalten bleiben.

# Unsere Schutzzollpolitik. Dieehrliche Probe" mit dem Zolltarif von 1879, welche die Parteien der wirthschaftlichen Opposition ihrer Zeit zusagten, scheint unsern Manchesterleuten bereits gegenwärtig zu lang zu währen. Offenbar in der Besorguiß, es könnten die während derProbezeit" gemachten und von einer beständig zunehmenden Anzahl von Handelskammern als unerwartet günstig bezeichneten Erfahrungen auf weitere Kreise einen gewinnenden Einfluß üben und manchen frei- händlerischen Saulus zum Paulus machen, verkündigen gewisse Freihandelsorgane, die (in Wahrheit erst vor Kurzem eingeleitete) Aera der Schutzzollpolitik sei bereits vorüber, die große Masse der Producenten und Konsumenten fühle sich in ihren Erwartungen getäuscht und der Tarif von 1879 stehe eigentlich nur noch aufzwei Augen", d. h. er werde lediglich durch den Willen des Reichs­kanzlers aufrecht erhalten.

Und woher stammt die Kunde von dieser plötzlichen und überraschenden Wendung? Ist sie etwa das Ergebniß von Studien über die kürzlich veröffent­lichte Uebersicht der deutschen Aus- und Einsuhr für das Jahr 1881? Nein denn diese Ueber­sicht ergiebt eine so erfreuliche Zunahme der Aus­fuhr, daß man im gegnerischen Lager alle mögliche Mühe aufwenden muß, um den Leuten einzureden, die einmal nicht wegzuleugneude günstige Wendung sei nicht wegen, sondern trotz des neuen Tarifs erfolgt.

Oder klagen die Handelskammern etwa? Nein, die Zahl der Handelskammer -Berichre, welche die Ergebnisse der Reform von 18,9 rühmen, hat sich gerade in letzter Zeit sehr croedlich vermehrt, und was die Berichte aus den Judunrie-Besirken aulamzt, so conftmiren dieielbcu eine» Aunchwnng, der in manchen Zweigen <3. B. der Eisen- und Seidenindtlstne) alle Erwartungen übertrifft. Außerdem aber steht fest, daß die meisten im Laufe des letzten Jahres eiugetretenen Lohnveränderungen zu Gunsten der Arbeiter stattgefunden, d. h. zu Lohnerhöhungen geführt haben, während die Preise für Lebensmittel die früheren geblieben sind, eine Thatsache, die freilich Niemandem über­raschend gekommen ist, der über die niedrigen Zoll­sätze für Korn, Vieh und Fleisch nüchtern nachzu- denken befähigt gewesen ist.

Der ganze Lärm stammt daher, daß die Leute von ihrer Zufriedenheit sehr viel weniger zu reden pflegen, als von ihren Schmerzen und daß diese Erfahrung sich auch bei unsern Gewerbtreibenden wiederholt hat. Seit die Geschäfte bester gehen und die Zeiten unfreiwilliger Muße für die deutschen Industriellen vorüber find, hören die Herren auf, ihre Interesim mit dem früheren Eifer öffentlich zur Geltung zu bringen. Das ist u. A. auch den Organen der Schutzzollpartei fühl rar geworden und eines derselben ha: an dieser für seine Per- breitung unliebsamen Wahrnehmung zu einem Allarmruf Veranlassung genommen und vor falscher Sicherheit gewarnt.

Daß dergleichen Warnungsrufe nicht als Symp­tome eines Rückgangs, sondern als bloße Vorsichts­maßregeln anzusehm sind, wissen die Liberalen übrigens sehr genau aus eigener Praxis. Bei ihnen ist man von Alters vorsichtig genug, ohne Weiteresgroß' Feuer" zu sigualisiren, sobald eine liberale Suppe nach Rauch schmeckt. Thun das Andere auch, so soll das sogleich einSymptom" für den Rückgang, ein Zeichen der Zeit sein.

Bange machen gilt nicht", und nie ist für die Anhänger der herrschenden Zollpolitik weniger Ver­anlassung zurBangigkeit" da gewesen, als eben jetzt.

England.

In Irland hat die Regierung mit immer neue:: ] Schwierigkeiten zu sümpfen. Sie entließ einige Eonstabler wegen Betheiligung an einer Agitation zum Zwecke der Gehaltserhöhung, und in Folge hiervon stellten in Dublin sämmtliche Constabler im Ganzen 883 ihren Dienst ein, so daß die Regierung zur Bewachung der Stadt und Auf­rechterhaltung der Ordnung Lruppen^commandireu und einen Aufruf zur freiwilligen Stellung zum Polizeidienst an die Bevölkerung erlassen mußte. Es meldeten sich hierzu 700 Personen; doch hat inzwischen der größte Theil der strikenden Poli­zisten ihre Functionen wieder ausgenommen, nach­dem sie ihr Bedauern über ihren Schritt ausge­sprochen und um Verzeihung gebeten hatten.

Aegyplen.

In Aegypten kam es am 28. bei Gassassin west­

lich von Jsmailia auf der Hälfte des Weges nach Sagazig zu einem ernsten Zusammenstoß, bei welchem die Aegypter der angreifende Theil waren. Dieser Angriff war offenbar nach dem Erfolg von Mahasamä seitens der Engländer nicht erwartet worden, die dort von den Aegyptern bewerk­stelligte Flucht ließ sie vielmehr auf eine Demo­ralisation schließen, welche sich nachträglich aber als irrthümlich herausgestellt hat. Der Kampf bei Gassassin wurde von beiden Seiten mit Heftig­keit geführt. Zwar verfolgte die englische Kavallerie die ägyptischen Truppen, fand aber bei der Rück­kehr nicht mehr die sieben feindlichen Kanonen, deren Bemannung sie vorher niedergemacht hatte, so daß sie also wohl wieder in den Besitz der Aegypter gelangt sein werden. Letztere haben sich nunmehr bei Gassassin verschanzt, was darauf hin- weist, daß es den Engländern nur gelungen war, den ägyptischen Angriff abzuschlagen, nicht aber die Position der Aegypter zu nehmen. Die englisch­türkische Militairconvention ist noch immer nicht zum Abschluß gebracht.

Türkei.

An der griechisch-türkischen Grenze kam es im Verlauf vergangener Woche zu einem Zusammen­stoß zwischen türkischen und griechischen Truppen wegen eines streitigen Gebiets, welches beide Mächte für sich in Anspruch nahmen. Die Feindselig­keiten haben in Folge einer Einwirkung der Groß- mächte jedoch wieder aufgehört und soll die Streit­frage durch directe Verhandlungen zwischen der türkischen und griechischen Regierung auf freund­schaftlichem Wege zu regeln versucht werden.

# Die Einigkeit der Liberalen.

Da wo es den Kampf gegen Konservative und Klerikale gilt, wird kein Liberaler die gemeinsame Sache verrathen und dem Feinde den Sieg über uneinige Liberale erleichtern wollen."

Aus diesen neuerdings von derLiberalen Korresp." geäußerten frommen Wunsch beschränkt sich an- fchcincnd Alles, was von Der gerühmten Einigkeit aller" liberalen Parteien übrig geblieben ist. Den Gedanken an ein gemeinsames Programm hat man längst und vollständig aufgegeben; die beabsichtigte gemeinsameAction" hat sich in ihr Gegentheil verwandelt, seit der zwischen Fortschrittlern und Rational! iberalen entbrannte Zwist sich bis in den Schooß der Fortschrittspartei fortgesetzt hat. sstoch thut unserevorgeschrittene" Presse, als ob es sich bei dem neulich von uns erwähnten Richter-Hänelschen streite um eine bloßepersönliche Meinungsver- schiedenheit" der beiden großen Fortschrittsredner handle und als ob demselben dadurch ein Ende gemacht werden solle, daß Herr Richter großmüthig von seiner Kandidatur im Pinneberger Wahlkreise zurücktrete, aber sie thut eben nur so. Bis auf Weiteres fehlen alle Anzeichen für ein Nach- geben Richters und sieht es im Gegentheil so aus, i als werde der längst oeryandene G^eniatz zivil chen den beiden Forlschritts-Generaleu zu einer spal-1 tung der ^orischrursaimee führen.

Jedenfalls liegt die Sache so, daß ein erfolg- j reiches Zusammengehen Der konservativen Elemente 1 und der dieselben vertretenden verschiedenen Frac- lionen ungleich leichter geworden ist, als die Ver-' ständigung unter den liberalen Parteien, von j der ihrer Zeit verkündigt gewesenen einen und großen liberalen Partei gar nicht mehr zu reden. Die Grundlagen dessen, was angestrebt werden soll, sind allen konservativen Gruppen (auch den­jenigen, welche über die Wahl der Mittel streiten) gemeinsam, während man aus liberaler Seite weder in sachlicher noch in persönlicher Beziehung einig ist.

Daß dieser Zwiespalt ein tiefgehender ist und daß es sich bei demselben um mehr als bloße Meinungsverschiedenheiten über einzelne Fragen handelt, hat sich nie deutlicher gezeigt, wie im gegenwärtigen Augenblick. Darf es doch geradezu als noch nicht dagewesen bezeichnet werden, daß Tags nach der Verrundung eines liberalen Wahl- bündumes und Tags vor den Wahlen Die Zahl der Zwiftigkeilell und Spaltungen im liberalen Lager über ihr gewöhnliches Blas hinaus vermehrt und die Watzicampagne mit einer Anzahl pudu- j cistischer Duelle zwischen den Fractioneu und grac- tionsführern eröffnet wird.

Das geschieht unter Verhältnissen, die den ge- Höfften Sieg außerordentlich zweifelhaft erscheinen lassen. Was würde erst geschehen, wenn die Herren jemals in die Lage kämen, als Sieger eine Beute unter sich ver­theilen zu können?

AuS Heffen-Naffau.

Hersfeld, 6. September. In der am 1. d. M. stattgefundenen Sitzung der Strafkammer Kgl.

Landgerichts zu Kassel erhielt der Tagelöhner Friedrich Göbel aus Heringen wegen Beleidigung und Körperverletzung einen Monat Gefängniß. Derselbe verlangte am 8. Mai von dem dortigen Bürgermeister eine Bescheinigung über Arbeit, die er geliefert hatte. Als dieser ihn auf den andern Tag bestellte, erging sich Göbel in gemeinen Schimpf­reden gegen denselben. An demselben Tage miß­handelte er auf dem Todtenhofe einen Arbeiter, welcher mit Ausschmückung eines Grabes beschäf­tigt war, und beschädigte hierbei auch die Grab­stätte. Einen hinzukommenden Forstaufseher, welcher ihn aufforderte, den Arbeiter gehen zu lassen, be­leidigte er durch ein gemeines Schimpfwort.

Die Erhebungen über den Umfang der durch Regengüsse verursachten Ueberschwemmungen und die Höhe des dadurch angerichteten Schadens führt, so weit man das bis jetzt übersetzen kann, zu recht traurigen Ergebnissen. Man hat sowohl den räumlichen Umfang der Verheerungen als den Schaden erheblich unterschätzt. Letzterer steigt bis in die Millionen, und es wird großer Anstrengungen bedürfen, wenn man sich nicht nur darauf beschränken will, die augenblicklichen Verluste zu decken, sondern auch auf Vorkehrungen Bedacht nimmt, um sich vor künftigem Unglück zu schützen. Uebrigens sind die Erhebungen noch nicht beendet, so daß von einem umfassenden Ueberblick zur Zeit noch nicht die Rede sein kann. (H. M.)

ffch Rohrbach, 5. September. Heute früh 8 Uhr machte der 82jährige Johannes Bonz durch Erhängen seinem Leben ein Ende.

Kassel, 2. September. (Zur Beachtung.) Die Zeit des Anlaufens gemästeter Gänse naht heran. Deshalb wollen wir die Hausfrauen daraus aufmerksam machen, sich nicht durch aufgeblasene Gänse betrügen zu lassen. Ein solches Aufblasen der Gänse wird als Betrug bestraft. Dies wurde gestern Morgen einem Handelsmann aus dem Kreise Eschwege von der Strafkammer des Kgl. Landgerichts klar gemacht. Derselbe hatte im vorigen Jahre freilich schon lange Jahre her eine solche aufgeblasene Gans hier zum Ver­kauf ausgelegt und wurde dieserhalb von der Marktpolizei zur Anzeige gebracht. Der Händler hatte versucht, sich dadurch dem Arme der Gerechtig­keit zu entziehen, daß er die Behauptung aufstellte, daß ein Aufblasen der Gänse gar nicht möglich sei; er wurde aber, sicherlich gegen seine eigene Ueberzeugung, eines anderen belehrt und wegen des fraglichen Vergehens in eine Woche Gefängniß und in die nicht unbeträchtlichen Kosten verurtheilt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine weit höhere Strafe beantragt, die auch wohl erkannt worden wäre, wenn nicht strafmildernd in Betracht gekommen, daß es der erste Fall des Aufblasens war. Das Aufblasen lasse also ein Jeder hübsch sein. Ist es schon nicht hübsch, wenn sich selbst jemand aufbläst, so ist es sogar straffällig, wenn er Gänse aufbläst und das von, Rechts wegen.

Aa l sel, 5. Seotember. Zur Warnung theilen wir mit, daß ein hiesiger Verwest ungsgehülfe, welcher auf feinen Geschäftsgängen kurz vorher ungetanste rothe Strümpfe getragen und die Füße sich wund gegangen hatte, an bedenklicher Anschwellung derselben nun schon drei Wochen D änlicher liegt. Wie es scheint, ist der offenbar giftige Farbstoff theilweise in» Blut gedrungen. Man sieht daraus, wie vorsichtig man verfahren muß! (H. M.)

F u l d a, 1. September. Heute Vormittag wur­den in Folge Haftbefehls der Königl. Staatsan­waltschaft zu Hanau Herr M. I. Komp und desfen Sohn wegen dringenden Verdachts der Beihilfe zum betrügerischen Bankerott der Firma M. I. Komp's Nachfolger hier gesanglich eingezogen und in Untersuchungshaft genommen.

Lernt sparen!

Zu unseren Tage« steht der Einzelne wenn ihm nicht grobe Gaben des Geistes und materielle Güter vom Schicksal zu Theil geworden sind, im Gewoge des öffentlichen Lebens völlig machtlos da. Meistens ist eS ihm nur vergönnt, in ängstlicher Sorge um das tägliche Brod so lange seine Kräfte reichen angestrengt zu erbitten, ohne dabei Susncht «r- Bieres zu haben. Da ist ti denn kein Wunder, wenn die grögu Zahl Derer, die von ihrer Hände Arbeit lebe» »üjs-n, durch die auF ihnen liegende Last niedergedrückt, verbissen und neidisch auf den besser siturrten Bürger schauen und eine Aenderung allem auf dem Wege einer allgemeinen Umwälzung erhoffen. In dem Wahne, daß es ihnen bei ihren geringen Mitteln doch nie möglich sein werde, auS ihrem Zoche herauszukommen, verschwenden sie leichtsinnig die wenigen Groschen, die sich doch selbst vom geringsten Verdienst erübrigen ließen, und zwar für Genüsse, welche ihrem Körper meistens nur schaden und ihren Geist durch die Gewöhnung an dieselben verderben. So werden sie durch Leichtsinn und Verschwendung unsahig für die Aus­übung derjenigen Tugenden, welche allein auch beim schwersten Ungemach und in den schlechtesten Lebensverhält­nissen den Menschen aufrecht erhalten, stärken und vor­wärts bringen können: für Gottvertrauen und Sparsamkeit.

Diese trüben Aussichten aufzuhellen und selbst dem Aermsten zu zeigen, wie es möglich ist, den Weg der Zusriedenheit zu finden, ist eine Ausgabe, an deren Lösung Zeder, der