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Raths und der kühnen entschlossenen That! Be­weisen wir, daß wir an unserem Theil dieselben geblieben sind, die an großen Erfolgen Theil zu nehmen berufen waren, weil sie bewährtem Rathe zu folgen, kühner That vertrauensvoll nachzu- eifern wußten!

chf Zur I a n d w i r t h s ch a f t l i ch e n Beschäfti­gung der Corrigenden wird uns von schützenswerther Seite geschrieben:In der Pro­vinz Pommern werden die Corrigenden in den Anstalten zu Ueckermünde und Neu-Stettin nicht erst in neuerer Zeit, sondern bereits seit dem An­fänge der vierziger Jahre mit landwirthschaftlichen Arbeiten beschäftigt, und zwar bei beiden Anstalten in erheblichem Umfange. Zu diesem Zwecke ist seiner Zeit von dem früheren Commnnalverbande von Altpommern das Rittergut Neuhof bei Uecker­münde erworben, welches ausschließlich mit Corri­genden bewirthschaftet wird, während bei Neu- Stettin das Areal der Anstalt nach und nach angekauft und namentlich in den letzten Jahren durch umfangreiche Ankäufe erweitert ist. Die Bruttoeinnahme dieser Ackerwirthschaften hat pro 1. Juli 80 bis 1. März 81 betragen: in Neuhof rund 48 500 Mark, in Neu-Stettin 24 400 Mark." Diese Mittheilung beweist nur noch in höherem Grade, welche Verdienste sich auch andere Pro- vinzialverwaltungen um die Einführung ähnlicher Einrichtungen erwerben werden.

Frankreich.

Die Deutschenhaßzüchtung in Paris geht weiter. Der deutsche Turnverein konnte gestern seine Ver­sammlung in einem gewöhnlichen Lokal in der Rue St. Marc nicht abhalten, da der Besitzer des Lokals die Hergabe desselben verweigerte und viel­mehr die patriotische Liga zu einem Bautet ein­geladen hatte, das dort gestern Abend stattgefun- deu hat und, wie der offiziöse Telegraph berichtet, ohne bemerkenswerthen Zwischenfall verlief.

Wie aus Paris mitgetheilt wird, hielt Deroulede eine heftige Rede und erklärte, dies sei nur der Anfang der Kampagne gegen die Deutschen; der Gemeinderath Sick hielt eine große Rede zum Preis der Revanche.

Rußland.

DerRegierungsanzeiger" bringt fofgende offi­zielle Mittheilung: Am 28. v. M., Abends 6 Uhr, während ein politischer Gefangener in dem Garten des Gefängnisfes in Saratow einen Spaziergang machte, hielt an der Gefängnißmauer ein kleiner Wagen mit zwei Paffagieren. Sofort warf der Gefangene dem ihn begleitenden Aufseher Sand in die Augen, während einer der Passagiere auf denselben zwei Revolverschüsse abfeuerte und ihn tödtlich verwundete. Der Gefangene sprang über die Mauer und setzte sich in den Wagen, worauf alle drei Personen rasch davon fuhren. Inzwischen hatte sich eine Volksmenge gesammelt, welche den Davoneilenden nachjagte. Der Wagen fiel um, die Verbrecher wurden festgenommen und von der wüthenden Volksmenge gemißhandelt. Obwohl es der herbeigerufenen Polizei und dem Militär gelang, die Verbrecher gegen die Menge zu schützen, starb doch einer derselben in Folge der erlittenen Mißhandlung. Seine Persönlichkeit konnte bis­her nicht festgestellt werden. Das Individuum, welches auf den Aufseher schoß, nannte sich Peter Sergejewitsch Poliwanow, Lrohn eines Gutsbesitzers aus Saratow. Die Untersuchung ist eingeleitet. DasJournal de St. P6tersbourg" sagt an­läßlich einer Depesche aus Yokohama über die neuerlichen Vorgänge in Korea, die Gefahr eines Krieges mit Japan sei beseitigt, die Regierung des Mikado habe Genugthuung erhalten.

Aegypten.

Die Lage der britischen Armee in Aegypten ist den neuesten Berichten zufolge keineswegs so brillant, wie es nach den vielen Siegesdepeschen den An­schein haben könnte. Offenbar hat Sir Garnet Wolseley und sein Stab zu viel Werth auf die Aussagen von Ueberläufern gelegt, welche, nicht müde werden, den Zustand der Armee Arabi's als kläglich zu schildern; auch hat man dem Klima Aegyptens in den Kriegsvorbereitungen zu wenig Rechnung getragen und die Klagen über die mangel­haften Vorkehrungen der Kriegsverwaltung mehren sich. Die Truppen werden den Anstrengungen einer Wüstencampague nicht mehr lange gewachsen sein, wenn nicht unverweilt ein geregelter Transport eingerichtet wird, der ihnen regelmäßig Lebensmittel und frisches Wasser zuführt. Schon hat man sich dazu entschließen müssen, zwischen 12 und 4 Uhr Nachmittags den Truppen unter allen Umständen Ruhe zu gönnen, da sonst die Bataillone durch Krankheitsfälle bald decimirt sein würden. Es fehlt an genügenden Arbeitskräften, um die in

Jsmailia lagernden Vorräthe den in der Front befindlichen Truppen zuzuführen; die wenigen Araber, welche zum Dienst gepreßt sind und dafür vier Schillinge pro Tag bekommen, reichen bei weitem nicht aus. DerTimes" -Korrespondent empfiehlt die Herbeischaffung von chinesischen Kulis, welche für billigen Preis die erforderliche Arbeit verrichten würden. Die von den Transportschiffen herbeigeschafften Locomotiven und sonstigen färben Eisenbahndienst erforderlichen Maschinen, Waggons u. s. w. haben aus Mangel an genügenden Spann­kräften noch nicht aus Land geschafft werden können. Major Tulloch, welchem die Leitung des Eclaireur- dienstes übertragen ist, führt eine Anzahl Kameele mit sich, die mit genügenden Vorräthen für mehrere Tage beladen sind, um von dem Verpflegungs- commissariat unabhängig zu sein. Heute liegen wieder drei unscheinbare, aber wichtige Nachrichten von dem Kriegsschauplatze aus Aegypten vor, die die Lage der Dinge in Wa di-Tu m il at ebenfalls in einem anderen Lichte erscheinen lassen als die Anfangsdepeschen des Generals Wolseley, welche, über das Maß knapper militärischer Berichterstattung hinausgehend, Erwartungen ausspracheu, deren Er­füllung ausgeblieben ist.Der Feind verschanzt sich unweitKassasin",die schottische Brigade wird von Alexandrien nach Jsmailia abgehen" undGeneral Wolseley ist mit dem Generalstabe am 30. nach Jsmailia zurückgekehrt" das sind die neuesten Meldungen. Aus ihnen ergiebt sich, daß die Engländer seit Sonnabend, wo sie die Schleuse bei Kassasin besetzt haben, kein Terrain weiter ge­wonnen haben und daß die Arabiten trotz ihres fehlgeschlagenen Angriffs nicht aus dem Felde ge­wichen, sondern an der Arbeit sind, durch Aus­werfen von Befestigungen dem Gegner den Marsch nach vorwärts zu verlegen. Und die Nachsendung der schottischen Brigade nach Jsmailia läßt darauf schließen, daß Sir Garnet Wolseley seine jetzige Truppenmacht nicht für ausreichend erachtet, um sich den Weg nach dem Nildelta zu erzwingen und gleichzeitig seine rückwärtige Verbindung mit dem Suezcanal zu sichern. Neuere Nachrichten über egyptische Angriffsversuche auf die englischen Vor­posten vor Alexandrien liegen allerdings aus den letzten Tagen nicht vor.

# Die Tyrannei der Fortschrittspartei.

Dievereinigten" Liberalen waren noch eben voll von Jubel über das zwischen Fortschritts­partei und Nationalliberalen in Schleswig-Holstein getroffene Uebereinkommen wegen gemeinsamen Zu­sammengehens und gegenseitiger Unterstützung bei den Wahlen. Man hatte schon die Wahlkreise jener Provinz vertheilt und insbesondere beschlossen, daß in den Kreisen, wo die bisherigen liberalen sei es fortschrittlichen oder nationalliberalen Abgeordneten eine Wiederwahl annehmen wollen, von beiden Seiten gemeinsam für dieAufrechter­haltung des Besitzstandes" zu sorgen sei. Man hatte diese Einigung als ein gutes Zeichen ge­priesen und sich von derselben eine große Wirkung für das ganze Land versprochen.

Diese fröhliche Friedens- und Feststimmung, die in der Presse nicht genug ausgebeutet werden konnte, ist mit einem Male mit rauher Hand zerstört worden. Wie eine Bombe platzte in das Lager der Liberalen hinein die Nachricht, daß derjenige Theil der Fortschrittspartei, welcher dem Kommando des Herrn Eugen Richter folgt, nichts von jenem Abkommen wissen will, sondern den Kreis Pinne­berg, wo der für das gemeinsame Zusammengehen sehr thätige nationalliberale Abgeordnete Schütt wiedergewählt werden sollte, für sich beanspruche. Und um zu zeigen, daß man entschlossen ist, nicht weiter mit sich paktiren zu lassen, wurde sofort die Aufstellung der Candidatur des Herrn Eugen Richter in diesem Kreise und zugleich die Annahme derselben verkündigt.

Jetzt nun ist des Jammerns kein Ende, der Friede ist gestört, die Einigkeit in die Brüche ge­gangen und als Folge dieses Vorgehens wird sogar eine Spaltung der Fortschrittspartei als wahr­scheinlich bezeichnet, so daß als erste wirkliche Frucht der liberalen Einheitsbestrebungen nicht die Eroberung sämmtlicher conservativen Sitze im Abgeordnetenhause, sondern eine weitere Zer­splitterung der großen liberalen Partei, vielleicht die Vermehrung der vorhandenen verschiedenen Gruppirungen durch die Bildung einer demo­kratischen Fraction unter der Dictatur des Herrn Eugen Richter erscheinen würde.

Die liberalen Blätter der verschiedensten Richtung sind über das in Rede stehende Vorgehen, welches sie direct auf Herrn Eugen Richter und auf seinen Widerwillen, Herrn Hänel neben sich als gleichbe­rechtigten Führer anzuerkennen, zurückzuführen, im höchsten Grade empört und sprechen ihreent­

schiedenste Mißbilligung" darüber aus. Das Hauptorgan der Nationalliberalen sieht darin einen Beweis, daß die Fortschrittspartei, soweit sie dem Kommando Richters folgt, eine ehrliche Verständigung unter den liberalen Parteien gar nicht will, und knüpft daran unwillig die Auf­forderung:Nun lasse man uns aber auch seitens dieser fortschrittlichen Gruppe mit Einigkeitsphrasen fernerhin in Ruhe!"

Wir können den Schmerz der Liberalen über diese Enttäuschung begreifen; wir hätten nur gewünscht, daß er ihnen erspart bliebe. Trotzdem freuen wir uns über diese für uns in keiner Weise überraschende Wendung, weil wir hoffen, daß dieselbe etwas zu ihrer besseren Einsichtund Erkenntniß beitragen werde.

Die Fortschrittspartei von der Richter'schen Schule kennt, wie die Liberalen an diesem Vorgänge jetzt selbst merken werden, keine Rücksicht, keine Pflicht, kein Gebot. Sie hat keinen anderen Zweck, als unumschränkt zu herrschen und andere zu tyrannisiren. Wer sich ihr verschreibt und wer glaubt, mit ihr gleichberechtigt Hand in Hand gehen zu können, wird bald erfahren, daß er seinen Nacken unter das caudinische Joch des demokratischen Absolutis­mus beugen und sich von Herrn Richter als Fuß­schemel benutzen lassen muß. Wehe dem Lande, wenn es ganz in den Ketten und Banden der Richter'schen Fortschrittspartei liegt: freie Meinungs­äußerung, eigene Ueberzeugung, unabhängiger Wille, persönliches Recht werden dann keine Stätte mehr haben!

Was in Schleswig-Holstein passirt ist, hat jetzt in der That eine Bedeutung für das ganze Land. Der Fußtritt, den die Liberalen dort von Herrn Eugen Richter erhalten garrer^ wird überall im Lande als eine Nichtachtung empfunden werden und hoffentlich den Entschluß reifen lassen, endlich das Joch des fortschrittlichen Dictators abzuschütteln und ihm jede Unterstützung und Beihilfe zu versagen. Freilich wird es ja manche unterwürfige Seelen geben, welche die Peitsche küssen, mit der sie geschlagen, vielleicht auch manche, welche über jene den Anderen gewordene unwürdige Behandlung frohlocken. Schon lassen sich einige fortschrittliche Preßstimmen in diesem Sinne schüchtern vernehmen. Daß aber eine solche Tyrannei in Preußen triumphiren werde, erscheint uns un­denkbar: sie zu bekämpfen, ist Pflicht eines jeden freiem Mannes! Wie weit freier Wannesmuth und unabhängiger Sinn bei den Liberalen noch vorhanden, wird sich jetzt in den Entschlüssen zeigen, welche sie der Tyrannei des Herrn Eugen Richter und seiner Fortschrittspartei entgegenstellen werden I

Aus Heffen-Naffau.

* H ersfeld, 2. September. Nachstehend ab­gedruckte, sehr nachahmungswürdige Einrichtung in der Rheinprovinz bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntniß.

Megulattv

betreffend die Gründung und Verwaltung einer Unter» stützungskasse für bei der Löschhülseleistung im Interesse der Rheinischen Provinzial-Feuer-Societät Beschädigte oder Verunglückte.

§. 1. Es wird eine Unterstützungskasse gebildet, um solchen Personen, oder den Hinterbliebenen solcher Personen, welche bei der Feuerlöschung von Versicherungs - Objecten der Rheinischen Provinzial-Feuer-Societät beschädigt und dadurch zeitig oder dauernd arbeitsunsähig geworden sind, oder um's Leben kommen, nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen Unterstützungen zu gewähren.

Zu diesem Zwecke wird aus dem aus Grund des § 109 des Societäts Reglements im Etat vorgesehenen Credite eine Summe von 4000 Mark jährlich ausgeschieden und sollen die in einem Jahre nicht zur Verwendung kommenden Beträge den folgenden Jahren gutgeschrieben werden.

§. 2. Die. Kasse gewährt an Unterstützung:

aj bei Krankheit und Arbeitsunfähigkeit

einem Verheiratheten pro Woche bis zu 12 Mark,

einem Unverheiralheten pro Woche bis zu 8 Mark.

Die Unterstützung wird bei dauernder und vollständiger Arbeitsunfähigkeit während sechs Monaten voll und während der daraus folgenden achtzehn Monaten zur Hälfte gezahlt.

Ist die Arbeitsunfähigkeit nur eine lheilweisc, so wird die Hälfte der vorstehenden Unlerstützungsätze gewährt.

d) im Todessalle erhalten die Hinterbliebenen eine ein­malige Unterstützung, welche,

wenn der Verstorbene verheirathet war, bis zu 300 Mark, wenn er unverheirathet war, bis zu 75 Mark beträgt.

Nur in ganz besonders dringlichen Fällen können die Unterstützungsbeträge sub a und b erhöht werden.

§. 3. Anträge auf Unterstützung sind bei dem Bürger­meister desjenigen Ortes, in welchem der Unfall vorgekommen, anzubringen und von diesem mit den Belägen über Art und Umfang der Beschädigung und der daraus entstan­denen Folgen dem Director der Provinzial-Feuer-Societät einzureichen.

Der Unterstützungs-Anspruch geht verloren, wenn Fahr­lässigkeit oder Trunkenheit die Schuld der erlittenen Schädigung ist, oder wenn nicht hinreichend nachgewiesen werden kann, daß die erlittene Schädigung wirklich bei Ausübung der Löschhülseleistung oder in Folge derselben eingetreten ist.

§. 4. Der Director der Provinzial-Feuer-Societät sührt die Verwaltung der Unterstützungskasse; er entscheidet über