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Grund haben, die Gegner des arbeiterfreundlichen Staatsmannes zu unterstützen.

Was die Handwerker-Kreise anlaugt, so bricht sich innerhalb dieser mehr und mehr die Ueberzeugung Bahn, daß die Sache des kleinen und mittleren Gewerbes ihre eifrigsten und ver- ständnißvollsten Freunde auf der konservativen Seite habe. Die Errungenschaften der Novelle zur Ge­werbe-Ordnung vom Jahre 1878 und des Jnnungs- gesetzes vom Juni v. I. hat das Kleingewerbe fast ausschließlich denjenigen Politikern zu verdanken, welche heute als „Reactionäre" verschrieen werden; die entscheidenden Paragraphen beider Gesetze haben den Fortschrittlern und" radicalen Freihändlern von den Conservativen und von den diesen verbündeten Mittel-Parteien förmlich abgerungen werden müssen.

Dem Landmanne einzureden, daß seine In­teressen im fortschrittlich-liberalen Lager besonders gut aufgehoben seien, hat die Demokratie bisher nur zeit- und versuchsweise gewagt. Dafür wird den ländlichen Wählern mit' desto größerer Uner- schrockenheit vorgeredet, von conservativer Seite würden ihnen nur trügerische Scheinvortheite ge­boten: wirthschaftliche Einrichtungen, die die Kauf­kraft der städtischen Bevölkerung lähmten und dadurch der ländlichen Prodnction (die doch auf die städtischen Abnehmer angewiesen sei) größeren Schaden bereiteten, als durch Zölle auf das Ge­treide und das Weh des Auslandes jemals einge­bracht werden könne. Von denjenigen Dingen, die für den Landmann zunächst in Betracht kommen: Herabsetzung der directen Steuern, Minderung der kommunalen Lasten, Vorkehrung gegen die zu­nehmende Bodenzersplitterung und gegen die Ueber- schuldung des Grundbesitzes (welche durch unzweck­mäßige Erbfolge-Ordnungen sistematisch gefördert wird), von diesen Dingen zu reden, hüten die Fortschrittler sich, denn in allen diesen Fragen haben sie sich als entschiedene Gegner der Interessen des ländlichen Grundbe­sitzes gezeigt.

Bei solcher Lage der Dinge ist in der That nicht zu verwundern, wenn die Werberufe der fortschritt­lichen Wahlbüreaus ihr früheres Publikum nicht mehr finden. Der Handwerksmeister, der städtische Arbeiter, der Landmann, — sie alle haben an ihren nächsten Interessen die sichersten und besten Maßstäbe für die Beurtheilung dessen, was ihnen von den verschiedenen Parteien geboten wird. Der Fortschritt aber hat nichts zu bieten als die For­derung neuer „Volks- und Freiheitsrechte". Die­selben bestehen bekanntlich der Hauptsache nach darin, daß noch öfter wie bisher gewählt und die Tyrannei der Fortschrittspartei etablirt werden soll. Die Zeiten, in denen die Leute an solcher Speise Geschmack finden, sind hoffentlich vorüber!

Aus Hessen-Nassau.

Hersfeld, 22. Aug. Der Premier-Lieutenant der Reserve, Herr Kreissecretair Heeg dahier, ist zum Hauptmann befördert worden.

Hersfeld, 19. August. In der am 18. d. stattgefundenen Sitzung der Strafkammer König­lichen Landgerichts zu Cassel wurde der Tagelöhner Heinrich M a h r e s aus Friedlos wegen Bedrohung und Beleidigung zu einer Geldbuße von 50 Mark verurtheilt.

— Die Prinzessin Maria Polixena von Hessen starb an den Folgen einer Knochenmark­entzündung. r .

— Dem Vernehmen nach sind im Munllerium der öffentlichen Arbeiten die Vorarbeiten für das Project der Schiffbarmachung der unteren Fulda von Münden bis Kassel und der Anlage eines Hafens dortselbst dem Abschlüsse nahe. Die für die Beurtheilung des immerhin kostspieligen Pro- jects — 2.z Millionen Mark, wovon 540,000 Mk. auf die Schleusen, 350,000 Mk. auf die Fluß- correction, 400,000 Mark auf den Kasseler Hafen, 17,000 Mark auf den Ueberwinternngshafen bei Speele und 193,000 Mark auf die Bauleitung 2c. entfallen — in Betracht kommenden Verhältnisse sind nunmehr vollständig klar gestellt worden. Die anfangs des Monats in Cassel eingetroffene Com­mission, bestehend aus je zwei Vertretern der Mi­nisterien der öffentlichen Arbeiten, der Finanzen und des Handels hatten nur noch einige Detail­feststellungen vorzunehmen, deren Ergebniß freilich auch maßgebend für die Entscheidung der Frage wegen Einbringung einer diesbezüglichen Vorlage an den Landtag sein wird. Kommt das Project zur Ausführung, so wird der ganze Transittrans­port auf der Weser über Kassel geleitet werden, was für den Güterverkehr von Bremen und den zwischen Bremen und Münden belesenen Wasser­stationen nach Mittel- und Süddeutschland und vice versa sehr wichtig ist. An die Correction der Fulda von Münden bis Kassel, wird sich wahrscheinlich über kurz oder lang eine Correction der wasserreichen Werra anschließen. Dies dürfte

wohl daraus zu schließen sein, daß das Ministerium für öffentliche Arbeiten bereits über die auf der Werra stattfindende Schifffahrt und deren vor­aussichtliche Entwicklung Ermittelungen anstellen ließ.

— Die kleinen goldenen Fünfmarkstücke (halbe Kronen) dürften, wie Berliner Blätter wissen wollen, demnächst gänzlich aus dem Verkehre verschwinden. Die Reichsbankanstalten sind angewiesen worden, die eingehenden halben Kronen anzuhalten und nicht von Neuem in Umlauf zu setzen. Es scheint demnach, daß sich die kleinen Goldstückchen für den Verkehr ungeeignet erwiesen haben.

— Es werden jetzt häufig sehr empfindliche An­schwellungen beobachtet, welche von Fliegenstichen herrühren; nicht selten muß ärztliche Hilfe in An­spruch genommen werden. Bekannt ist, daß durch solche Stiche tödtlich verlaufende Blutvergiftungen herbeigeführt werden können. So ist noch kürzlich ein Locomotivheizer der Berlin-Hamburger Bahn an einem Fliegenstich gestorben. Es empfiehlt sich deshalb für alle die, welche fitzt im Freien sich aufhalten, ein Gläschen mit Salmiakgeist bei sich zu führen, um sofort die durch einen Jnsectenstich hervorgebrachte schmerzhafte Wunde damit einzn- reiben. Es ist das ein vortreffliches Vorbeugungs­mittel.

— Die Einberufung der Ersatzreservisten erster Klasse zur ersten, bezw. zur zweiten Uebung erfolgt gegenwärtig. Die Mannschaften haben sich wie folgt zu gestellen: Zur zehnwöchentlichen Uebung: Infanterie, Jäger und Pioniere am 23. August d. I. und Fußartillerie am l. September; zur vierwöchentlichen Uebung: Infanterie und Jäger am 4., Fußartillerie am 13. Oktober d. I. Die Mannschaften verbleiben in den dem Heimaths- orte am nächsten gelegenen Garnisonen. Die in diesem Jahre nicht zur Einziehung gelangenden Mannschaften des zweiten Uebungsjahres verbleiben für nächstes Jahr disponibel. Zurückstellungen auf Grund von Reklamationen sind für die erste Ucbungsperiode unzulässig, dagegen können sie im zweiten Uebungsjahre erfolgen.

Hersfeld, 21. August. Der Inhaber einer Berliner Samenhandlung schreibt: Der Sammel­eifer zu Gunsten Unbemittelter hat sich bisher be­kanntlich fast ausschließlich auf die Abschnitte von Cigarren erstreckt. Zu gleichem wohlthätigen

Zwecke möchte ich Obstessern die Sammlung

von Birn- und Apfelkernen in Vorschlag . . „.. „

bringen. Das Ergebniß dieser Sammlung würdet? M. 75 Pf. Gerste 100 Kilogr. — M. — Pf. noch viel reicher ausfallen. Wie ich als Fachkenner, bis — M. — Pf. Hafer 100 Kilogr. 13 M. Samenhändler, weiß, wird in Obstkernen, natürlich 35 Pf. bis 15 M. 35 Pf.

Birn- und Apfelkerne getrennt, jährlich eine nicht

zu unterschätzende Summe gehandelt. Für die Inangriffnahme der Sammlung dürfte gerade jetzt die richtige Zeit sein.

Fulda, 19. August. Ihre Majestät die Kai- sörin'-Kö nigin hat der Gemeinde Dittlofrod, Pfarrei Eiterfeld, zur Deckung der Kosten der neu erbauten Capelle ein Gnadengeschenk von 100 Mark

— In Aachen fordert das Polizei-Präsidium anläßlich eines wiederum vorgekommenen Unglücks- salles, das Publikum auf, in allen Fällen, wo Stöcke und Schirme wagerecht getragen werden, einzuschreiten und diese Ungezogenheit, anders könne es nicht genannt werden, selbst zu beseitigen.

— Probates Mittel gegen den Keuchhusten. £ "M»n Au» Am II. September jeicrt SJÄÄ Stadtpfarrer Georg Kalb dahier sein goldenes S

Priesterjubiläum. Derselbe, ein würdiger, durch Lt aM u an

humane Gesinnung ausgezeichneter und in hoher । Ö ä ein n Theelöff? voll - in 8-14 Tagen Achtung stehender Geistlicher, welcher vor wenigen t vorbe Hunderte von Änderst bat

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Allerhöchst zu bewilligen geruht.

Tagen sein 73. Lebensjahr zurückgelegt hat, bekleidet die einflußreiche Stellung eines Stadtpfarrers in Fulda nunmehr 30 Jahre. Früher war derselbe Dechant in Hanau und vordem Pfarrer in Geln- Hauscu. In beiden Städten steht er noch heute in

bestem Andenken.

H a n a u, 20. August Wie bem „Frankfurter Journ." mitgetheilt wird, haben die seit einiger Zeit bei Eckenheim und neuerdings in der Nähe von Hanau unternommenen Bohrversuche zur Entdeckung großer Braunkohlenlager geführt.

Beb r a, 18. August. Beim Rangiren des Frank- furt-Leipziger Tagesschnellzuges versagte eine Bremse, so daß ein Zusammenstoß erfolgte. Mehrere Fensterscheiben wurden zertrümmert und ein Knabe erlitt eine schwere Verletzung im Gesichte. Der stark blutende Verwundete wurde nach Eisenach verbracht. (Fr. Z.)

Beiseförth, 20. Aug. Dem am verwichenen Dienstag hier niedergegangenen Wolkenbruch folgte heute früh gegen 4 Uhr ein zweiter und zwar wiederum am Wildsbcrg und schädigte hauptsäch­lich das Hainaer Feld. Auch wurde die Eisen­bahnstrecke zwischen hier und Morschen in Folge dessen wieder so arg verschüttet, daß der Betrieb seit heute Morgen gestört ist und die Passagiere an derselben Stelle und auf dieselbe Weise wo und wie am Dienstag von einem Zug zum andern wandern müssen. Einige hundert Leute sind be­schäftigt, den Schutt wegzuräumen und hofft man bis heute Nachmittag das Geleise wieder frei zu haben, obschon die Verschüttung stärker als am Dienstag ist. — In dem nahen Binsförth er­

trank gestern Abend der ca. sechzig Jahre alte Uferwärter George Range in den Fluthen der Fulda.

Sch malkalden, 14. August. Der Herzog Ernst von Coburg-Gotha erlegte auf der Jagd, welche am Sonnabend im Asbacher Forst abge­halten wurde, einen ungeraden Achtzehnender. Ein zweiter, von Herrn Landrath Medner geschossener Hirsch ist erst nach langem Suchen am Sonntag noch lebend aufgefunden worden. (C. Tgbl.)

Niederelsungen, 18. August. Vorgestern ereignete sich hier ein recht trauriger Fall. Ein sehr kräftiger Mann in den vierziger Jahren, Tag- löhner von Beruf, steht des Morgens ganz gesund auf, um an seine Arbeit zu gehen. Dieses Vor­haben sollte er jedoch diesmal leider nicht ausführen, denn indem er im Begriffe stand, sich den zweiten Schuh anzuziehen, stürzt er plötzlich bewußtlos zusammen. Seine Frau eilte sogleich zum nächsten Arzt, jedoch als dieser ankam, war jener bereits eine Leiche. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Sehr zu bedauern ist die arme Wittwe, die nun mit zwei Kindern ohne Ernährer in sehr armen Verhältnissen lebt.

Polizeiliche Durchsuchung einer Person oder deren Wohnung.

Die Vornahme der Durchsuchung einer Person oder deren Wohnung, welche § 102 der Strafproceßordnung in dem Falle gestattet, daß der Betroffene als Thäter oder Theil- nehmer einer strafbaren Handlung verdächtig ist, ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Straff., v. 1. Mai 1882 nicht statthaft, wenn die strafbare Handlung noch nicht be­gangen worden, sondern nur der dringende Verdacht vor- liegt, daß eine derartige Handlung erst begangen werden solle. Ein Gendarm begegnete auf einem in der Nähe deS Waldes liegenden Wege dem als Wilderer verdächtigen Bauernsohn H., von welchem der Gendarm annahm, daß er in den Wald gehen wollte, um dort einen Wildfrevel zu verüben. Der Gendarm trat an H. heran und eröffnete ihm, er müsse ihn durchsuchen, ob H. nicht ein Abschraube« gewehr in seinen Kleidern verborgen habe. H. leistete Widerstand und warf den an seinen Kleidern herumtastenden Beamten zu Boden. Wegen Widerstandes gegen einen Be­amten angeklagt, wurde er von der Strafkammer freige­sprochen und die vom Staatsanwalt dagegen eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht verworfen, da der Be­amte nicht in der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes gehandelt habe und somit der Widerstand gegen die Durch­suchung ein berechtigter gewesen sei.

Fruchtpreise.

Weizen 100 Kilogr. 20 M. 15 Pf. bis 21 M-

50 Pf. Roggen 100 Kilogr. 14 M. 60 Pf. bis

Vermischtes

dieses Mittel geholfen.

— (Eine neue Verwerthung der Kartoffeln.) Wenn geschälte Kartoffeln 36 Stunden hindurch in einer Lösung von 8 Theilen Schwefelsäure auf 100 Theile Wasser gekocht, dann zwischen Fließ­papier getrocknet und schließlich gepreßt werden,

erhält man eine Masse, die zu allerlei technischen Verarbeitungen in hohem Grade geeignet ist und völlig dem Celluloid ähnlich erscheint. In Frank­reich werden daraus schon Tabakpfeifen in ge­nauester Nachahmung des Meerschaumes herge­stellt. Durch starke Pressung erhält das derart gewonnene Material einen so hohen Härtegrad, daß sogar in gelungener Elfenbeinimitation Billard­bälle daraus gefertigt werden können.

— Vor dem'Postschalter in Texas. Am Schalter erscheint ein Mann, der einen aufzugebenden Brief mit solcher Feierlichkeit handhabt, daß der Post­beamte sofort in ihm einen Menschen erkennt, der sich nur ganz selten, wenn überhaupt je, der Seg­nungen des modernen Postverkehrs bedient. Der Beamte nimmt den Brief, wiegt ihn und erklärt, daß noch eine Marke aufgeklebt werden müsse. „Warum?" fragt der hinterwäldlerische Korrespon­dent, der bereits eine Marke aufgeklebt und damit das Aeußerste, was von ihm verlangt werden kann, geleistet zu haben glaubt. — „Weil der Brief zu schwer ist!" — „Zu schwer, so. Und glaubt man hier einem Mann, der nur alle Jahre einmal zur Stadt kommt, weißmachen zu können, daß der Brief leichter^wird, wenn noch eine Marke darauf kommt?!" Sprach's nahm seinen Brief wieder an sich und schlug sich in seinen Hinterwald zurück.