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Nr. 59.

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal­ten kommt der Postausschlag hinzu.

für den

Kreis ZersseN.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Amtliches.

KmortisaLionserktärung.

Der auf den Namen der Heinrich Schäfer Ehe­frau früher Ch. Stiehl Witwe zu Hersfeld unterm 28. Januar d. I. zu Nr. 4196 ertheilte Legi- timations-Gewerbeschein für das Jahr 1882 zum Sammeln von Lumpen, Knochen und Werggarn unter Verwendung des kleinen Nadelkrams als Tauschmittel ist angeblich abhanden gekommen. Dieser Schein wird hierdurch für ungültig erklärt und ist der Vorgenannten heute eine Duplicat- Ausfertigung ertheilt.

Cassel,' am 20. Juli 1882.

Königliche Regierung, Abth. für directe Steuern, Domainen u. Forsten.;

Schöniau.

Kreis Hersfelv.

Hersfeld, am 25. Juli 1882.

Seitens des Königlichen Proviantamtes zu Lasset ist dahier zur Spräche gebracht worden, daß ein großer Theil der zur Militairverpfleguug erforder­lichen Naturalien demselben aus hiesiger Gegend durch Makler und Zwischenhändler zugeführt werde.

Diese Wahrnehmung läßt die Vermuthung auf- kommeu, daß viele Producenten der irrtümlichen Ansicht sind, eine directe Veräußerung ihrer Vor- räthe an die Militärverwaltung sei unzulässig, obgleich eine solche dem beiderseitigen Interesse entspricht und Seitens des genannten Proviant- Amtes thunlichst begünstigt wird. ,

Die Herren Bürgermeister des Kreises veranlasse ich daher in ihren Gemeinden in geeigneter Weise; darauf aufmerksam machen zu lassen, daß nach einer Mittheilung des mehrgedachten Amtes für die Militair-Magazine zu Cassel R o g g e n, H a f e r Heu und Stroh zu jeder Zeit in allen Quan­titäten zu marktgängigen Preisen angekauft und nähere Auskunft im Büreau des Proviant-Amtes (Untere Königsstraße Nr. 93) während der üblichen Geschäftsstunden ertheilt wird.

9392. Der Königliche Landrath.

I. V.:

Heeg, Kreissecretair.

Hersfeld, am 26. Juli 1882.

Die Herren Ortsvorstände zu:

Allendorf, Biedebach, Friedlos, Frielingen, Hattenbach, Hecues, Kalkobes, Kathus, Kem- merode, Kerspeuhausen, Kirchheim, Kleba, Meckbach, Riecklar, Mengshausen, Niederaula, Oberhaun, Petersberg, Reimboldshausen, Roßbach, Sorga, Taun, Unterbaun, Beugen- dorf, Courode, Gethsemane, Hilmes, Kleinen­see, Lampertsfeld, Leimbach, Lengers, Raus- bach, Röhrigshof, Uuterueurode, Wehrshausen, Widdershausen, Wölfershausen

werden hierdurch an Erledigung meiner Verfügung vom 5. d. Mts. Nr. 8773 im Kreisblatt Nr. 53, das über die in die Pflichtfeuerwehr einzureihende Manuschaft zu führende Verzeichniß betreffend, mit Frist bis zum 31. d. Mts. Nachmit­tags 2 Uhr bei Meldung der Zusendung eines Strafboten erinnert.

8773. Der Königliche Landrath.

I. V.:

Heeg, Kreissecretair.

Hersfeld, den 20. Juli 1882.

In Folge Verfügung Königlicher Regierung zu Cassel vom 26. Juni d. I. Nr. A. I. 9068 werden die Königlichen Standesbeamten des Kreises hier­durch benachrichtigt, daß die Entschädigungen für die Ausfüllung der dem Königlichen statistischen Büreau in Berlin in der Zeit vom I. April 1881 bis 31. März er. eingereichten Zählkarten über Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle zur Auszahlung durch die betreffende Steuerkasse an­

gewiesen worden sind und bei Letzterer in Empfang genommen werden können.

8846. Der Königliche Landrath.

J. V.: __Heeg, Kreissecretair. _

Hersfeld/ den 25. Juli 1882.

Die Ortspolizeiverwaltungen und die Königliche Gendarmerie des Kreises benachrichtige ich hier­durch, daß durch rechtskräftiges Erkenntniß der II. Strafkammer des Landgerichts I zu Berlin vom 2. Mai d. I. für Recht erkannt ist, daß das bei Carl Minde in Leipzig erschienene,Schule der Wonne" betitelte Buch als unzüchtig im Sinne des §. 184 des Strafgesetzbuchs unbrauchbar zu machen und dasselbe in allen beim Verfasser, Drucker, Herausgeber oder Buchhändler sich be­findenden oder öffentlich ausliegenden Exemplaren in Beschlag zu nehmen und die zur Herstellung dieses Buches erforderlichen Platten und Formen unbrauchbar zu machen, die Kosten des Verfahrens aber der Staatskasse aufzuerlegen.

9583. Der Königliche Landrath.

J.

_____Heeg, Kreissecretair. Hersfeld, am 25. Juli 1882.

! Die Ortspolizeiverwaltungen und die Königliche ! Gendarmerie des Kreises benachrichtige ich hier­durch, daß die I. Strafkammer des Königlichen Landgerichts zu Magdeburg unter dem 20. April ' d. I. dahin erkannt hat: daß die am 5. November : 1881 bei dem Buchhändler Eugen Wagner hier- selbst vorgefundenen Exemplare des RomansNana" von Zola, übersetzt von Wohlfurth, sowie die zu ihrer Herstellung bestimmten Platten und Formen unbrauchbar zu machen und daß die Kosten des Verfahrens der Staatskasse aufzuerlegen, und daß dies Urtheil rechtskräftig geworden ist.

9582. Der Königliche Landrath.

I. V.:

Heeg, Kreissecretair.

A u s s ch r e i b e n.

Der frühere Commis, jetzige Tagelöhner Georg Nitschke, am 22. October 1861 in Bunzlau geboren, , unter mittelgroß, schmal, fast schwarze Haare und i kleines Schnurrbärtchen, frisches rothes Gesicht, : schnelle Sprache, gewöhnlich bekleidet mit dunklem Schooßrock, hellen Hosen und schwarzem Filzhut, wird beschuldigt, am 9. v. Mts. die am 11. August 1877 in Cassel geborene Elisabethe Stengel, Tochter der hier wohnhaften Taglöhners-Eheleute Georg und Sophie Stengel, klein, hellblonde Haare, hohe Stirn, blaue Augen, kleine stumpfe Nase, gute Zähne, spitzes Kinn, rundes blasses Gesicht, das rechte Bein ist nach einwärts schief, bekleidet mit roth-geblümtem Kattunkleidchen, zwei ! roth-carrirten Unterröckcheu, einer mit grauer Borde, und Schnürschuhen, entführt zu haben.

Da es bis jetzt nicht gelungen ist, weder über den Aufenthalt des Nitschke, noch über den Ver­bleib des Kindes Auskunft zu erhalten, so wird hierdurch um gefällige eingehende Recherche nach den beiden Genannten, Sicherstellung des Kindes, Verhaftung des Nitschke und Nachricht ergebenst ersucht.

Frankfurt a. M., den 19. Juli 1882.

Königliches Polizei-Präsidium.

politische Hai (fristen.

Deutschland.

Se. Majestät der Kaiser setzt, wie ausGastein berichtet wird, seine Badecur mit bestem Erfolge fort und erfreut sich andauernd auch des besten Wohlbefindens. Auch während des diesjährigen Aufenthaltes in Gastein erledigt Se. Majestät in den Vormittagsstunden die laufenden Regierungs- geschäfte mit gewohnter Regelmäßigkeit und nimmt täglich Vorträge entgegen.

Die Kronprinzliche Familie hat die Reise von Wien aus fortgesetzt und war am Frei­tag, den 21. Juli, in Toblach eingetroffen, um dort den schönen Toblacher See zu besichtigen. Die Weiterreise sollte zunächst nach bemAmpezzo- thal und von dort über Bozen, Meran und das Stilfserjoch bis Lugano erfolgen.

# Die heiße Sommerzeit, in der wir uns gegen­wärtig befinden, gehört nicht der Politik, die, so­weit es möglich ist, Pause macht und zur Zeit eigentlich nur hinsichtlich der ägyptischen Frage eine allerdings beträchtliche Regsamkeit zeigt, son­dern vor allen Dingen der Landwirthschaft. Es ist Erntezeit, und da nicht nur das Korn in trefflicher Weise gediehen, sondern auch die Wit­terung der Erntearbeit günstig ist, so sieht man überall auf Feld und Flur früh und spät geschäf­tige Leute, die sich beeilen, den reichen Erntesegen zu bergen.

Aber nicht nur die Landwirthschaft, auch an­dere Industriezweige entwickeln eine große Regsamkeit. So wurde dieser Tage einem liberalen Blatte aus Westfalen mitgetheilt, daß dort auf allen. Gebieten der Industrie eine ungemeine Thä­tigkeit herrscht. Es hämmere und poche, dampfe und zische auf allen Werken, daß es eine Freude sei, es anzusehen. Selbst die Kohlengruben, die doch'im Sommer ihre stille Zeit zu haben pflegen, arbeiten mit aller Kraft, so daß die Eisenbahnen trotz ihres, in jüngster Zeit vermehrten Betriebs­materials kaum die Massentransporte bewältigen können.Die Zeiten haben sich", schließt der Artikel des liberalen Blattes,sichtbar zum Besseren gewendet, und man hört vorurteilsfreie Stimmen genug, die dies anerkennen und die zugestehen, daß die neue Wirthschaftspolitik großen Antheil an diesem Umschwünge hat."

Aber diese Thatsachen werden die Sezessionisten und Fortschrittler nicht abhalten, bei der gegen­wärtig immer mehr in Fluß kommenden Agitation für die Landtagswahlen den Wählern die Lage der Dinge im Lande in schwärzester Farbe auszu- malen und dafür die innere Politik des Reichs­kanzlers ganz allein verantwortlich zu machen. Welche Rührigkeit jene radikalen Elemente des Liberalismus entwickeln, geht u. A. aus einem Rundschreiben der Sezessionisten hervor, in welchem alle Agitationsmittel in nachdrücklichster Weise in Bewegung gesetzt werden.

Dem gegenüber ist die Mäßigung bemerkens­wert, mit welcher auf national-liberaler Seite vorgegangen wird. Man scheint hier doch zu der Erkenntniß zu kommen, daß ein Zusammengehen mit dem Fortschritt immer schwieriger und nahezu unmöglich wird. DieKölnische Zeitung" pro- testirt Namens der Nationalliberalen mit Schärfe gegen die Auslegung, welche das von Herrn von Bennigsen proclamirte Zusammengehen aller libe­ralen Parteien bei den Wahlen von Seiten fort­schrittlicher Organe erfahren hat, daß nämlich die Nationalliberalen in solchen Wahlkreisen, wo der Fortschritt gefährdet sei, diesen zu unterstützen und auf felbständige Thätigkeit zu verzichten habe. Schwerlich," sagt die Köln. Zeitung,dürften die Natwnalllberalen sich diese Deutung der Bennig- sen'schen Worte gefallen lassen. Wir sind der Ansicht, daß es den Nationalliberalen der westlichen Provinzen meist leichter sein wird, ihren Beruf durch eine Verbindung mit den mehr nach rechts stehenden gemäßigten Elementen zu erfüllen, als durch eine Coalition mit den extremen Elementen nach links, die von ihnen doch nur etwas wissen wollen, wo sie ihrer bedürftig sind."

England.

In Irland ist in vergangener Woche kein einzi­ges schweres Verbrechen vorgekommen. Ob dies, wie Einige glauben, dem neuen Zwangsgesetz zu- zufchreiben oder ob das Volk der ewigen Ausschrei­tungen endlich müde ist, ist schwer zu entscheiden, jedenfalls aber ist die Thatsache, daß keine erheb-