Botschafter, Prinzen Reuß, in dessen Villa in Mauer ein Diner statt.
England.
Die Kosten der englischen Mobilisirung werden auf bereits 3j Millionen Pfund berechnet. Die Kosten der Beschießung Alexandriens sollen allein 200 000 Pfund verschlungen haben.
Das Oberhaus soll fest entschlossen sein, die Pacht- rückstands-Bill zu verwerfen.
Türkei.
Wie aus Smyrna gemeldet wird, hat gestern daselbst eine Feuersbrünst das jüdische und das türkische Stadtviertel zerstört.
AuS Hessen-Nassau.
* H ers feld, 22. Juli. Wie wir hören, ist Herr Landrath Freiherr von B r o i ch dahier gelegentlich der letzten General-Versammlung des landwirthschaftlichen Central-BAeins für den Regierungsbezirk Cassel, wegen seiner Verdienste um die Hebung der Landwirthschaft und Errichtung der Raiffeisen'schen Darlehnskassen- Vereine im hiesigen Kreise, zum Ehrenmitglied des landw. Central-Vereins ernannt worden.
* Hersfeld, 22. Juli. Während des in der Nacht vom 20. auf den 21. d. Mts. über unserer Stadt und Umgegend sich entladenden schweren Gewitters schlug der Blitz in Kathus in die Scheune des Ziegelbrenners Conrad Seelig und brannte dieselbe nieder. Ferner schlug der Blitz in Wehrshausen in eine Schaafheerde und tödtete 2 Stück.
H erss eld, 22. Juli. In der am 19. d. M. stattgefundenen Sitzung der Strafkammer Kgl. Landgerichts zu Cassel wurde u. A. auch gegen den Schreiner Nikolaus Reichwein aus WölferS- Hausen wegen schwerer Körperverletzung verhandelt. Im Wirthshause zu Wölfershausen entstand eines Tages im verwichenen Frühjahr zwischen jungen Leuten eine blutige Schlägerei, die in geringfügigen Ursachen ihre Veranlassung hatte. Auf dem Nachhausewege setzte sich der Streit auf dem Hofe und der Wirthshaustreppe fort, wobei der Angeklagte einen zur Seite liegenden Misthaken ergriff und damit seinen Gegner, den Bauer Müller, dermaßen über den Kopf schlug, daß eine tiefklaffende Wunde entstand und der Schwerverletzte längere Zeit krank gelegen hat. Wegen dieser rohen und brutalen Körperverletzung wurde Reichwein — welcher auch noch wegen Körperverletzung mit tödtlichem Ausgange sich in Untersuchungshaft befindet — zu einer Gefängnißstrafe von 6 Monaten verurtheilt.
t Heringen, 21. Juli. Am 14. d. Mts. Nachmittags 4z Uhr ertrank beim Wasserholen der 4jährige Johann Heinrich Laun, Sohn des Manrers Conrad Laun dahier, im sog. Werra- brunnen.
§§ Rothensee, 20.Juli. Bei der gelegentlich des landwirthschastlichen Festes zu Hersfeld statt- gehabten Verloosung gewann Lehrer Knoth 1 Tafelwaage, Paulus 1 Jauchepumpe und 1 Ackerpflug, und Ellenberger ein Beil. Verkauft waren in hiesiger Gemeinde 36 Loose.
— Eine kleinere Veränderung, welche das Aeußere unserer deutschen Postkarten seit einiger Zeit erfahren hat, ist vom Publikum wohl kaum bemerkt worden. Auf der rechten unteren Seite der Karte findet sich nämlich jetzt Monat und Jahreszahl des Drucks der Karte vor, ein bei Postwerthzeichen neues Verfahren.
Kassel, 20. Juli. Mit der vom 23. bis 25. d. M. in Hannover abzuhaltenden 11. H aup t- Versammlung des deutschen Geometer- ver eins wird eine Ausstellung von geodätischen und anderen wissenschaftlichen Instrumenten verbunden werden, zu welcher geeignete Räume in dem prachtvollen Gebäude der technischen Hochschule, dem ehemaligen Welfenschloß, zur Verfügung gestellt sind. (H. M.)
Fuld a, 18. Juli. Vor einigen Tagen erschoß sich in der Nähe des landgräflichen Jagdschlosses „Adolfseck" der hiesige Kohlen- und Holzhändler L. Freudenstein. Die Veranlassung zu dem Selbstmorde soll in einem Strafprozesse zu suchen sein, welcher eingeleitet wurde, weil der Verstorbene einen Gerichtsvollzieher in Ausübung seines Amts in gröblicher Weise bedroht hatte.
Von der Kinzig, 18. Juli. Lohrhaupten (Kreis Gelnhausen) scheint das hessische Eldorado der Hundertjährigen zu sein, zum mindesten aber einen Beleg zu der verbreiteten Ansicht zu liefern, daß unter den Juden die längstlebenden Menschen zu finden sind. In der aus nur 11 Familien bestehenden israelitischen Gemeinde zu Lohrhaupten befinden sich vier Personen, welche zusammen nicht weniger als 371 Lebensjahre zählen. Der Jüngste dieses Vierblatts ist ein 82jähriger Mann, ihm voran steht ein 84jähriger, der aber von einem
100jährigen, dessen Auge allerdings fast ganz um- nachtet ist, an Rüstigkeit und leichter Beweglichkeit noch übertroffen wird. Die älteste Person ist eine 10öjährige Frau.
Eschwege, 18. Juli. In dem nahegelegenen Jestädt ist gestern Abends ein arges Verbrechen verübt worden. Ein dortiger Einwohner, der Metzger und Maurer Nicolaus Pstster, welcher als gewaltthätiger Mensch geschildert wird und mit seinen Angehörigen nichts weniger als friedfertig gelebt haben soll, versetzte infolge eines Streites seiner Frau einen lebensgefährlichen Messerstich und verwundete seine Tochter in bedenklicher Weise am Arme. Sofort ergriffen, gelang es dem Uebelthäter doch zu entkommen und sich in die Werra zu stürzen, wo er trotz angestellter Ret- tungsversuche den Tod fand, auf solche Weise sich dem irdischen Richter entziehend. Der Sohn, welcher Mutter und Schwester gegen die Gewaltthätigkeiten seines Vaters zu vertheidigen pflegte und die Katastrophe vielleicht verhütet hatte, Waran dem unheilvollen Abend vom Hause abwesend.
Wächtersbach, 19. Juli. Zu Hersfeld auf dem landwirthschaftlichen Feste der Provinz wurde beschlossen, daß dasselbe nächstes Jahr in Birstein abgehalten werden soll; es ffndet daher das für den hiesigen Kreis in Birstein in Aussicht genommene qu. Fest in diesem Monat nunmehr nicht statt.
F r i tz I a r, 20. Juli. Gestern Nachmittag wollten zwei Geschwister, ein Mädchen von zwölf Jahren und ein Knabe von neun Jahren, ihren Hund in der Edder baden und gingen zum Unglück an eine sehr tiefe Stelle. Der Knabe fiel in’S Wasser und als ihn das Mädchen retten wollte, wurde es mir hineingezogen. Einer in der Nähe arbeitenden Person gelang es zwar, den Knaben zu retten, allein das Mädchen wurde erst nach einer halben Stunde entseelt aus dem Wasser gezogen.
Walburg, 13. Juli. Heute wurde hier eine Fischotter auf einem Tellereisen gefangen, welche eine Länge von 1,05 Meter hat. Walburg hat eins der besten Fischwasser, was sich daraus schließen läßt, daß es vor Jahren hier sehr viele Forellen gab; diese sind aber ganz nnd gar von den Ottern vertilgt worden.
Wrexen, 19. Juli. In dem benachbarten Schersede hat sich vor einigen Tagen folgender Vorfall zugetragen. Ein junger Bauer aus dem unweit gelegenen Dorfe Nörte begiebt sich nach Bahnhof Schersede, um behufs Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten nach Nieder-Marsberg zu reifen. Er versäumt aber den passenden Zug und macht — die Gelegenheit ist verführerisch — das gerade in Schersede stattfindende Schützenfest mit. Hier kam es nun gelegentlich zur Sprache, daß er anderen Tages nach Nieder-Marsberg müsse, um Gelder einzukassiren. Gesagt, gethan. Er reist ab und kommt bereits gegen Abend von dort zurück, die einkasfirten 810 M. in der Tasche. Er läßt sich überreden und feiert, anstatt nach Hause zu machen, das Schützenfest weiter mit. Als er am anderen Morgen nach Hause reisen will, vermißt er plötzlich seine Baarschaft, die ihm, ohne daß er etwas gemerkt hatte, abhanden gekommen war. Sofort angestellte Nachforschungen hatten leider keinen Erfolg. Auch die Sicherheitsbehörde, der sofort Anzeige erstattet wurde, hat bisher über den Verbleib des Geldes nichts zu ermitteln vermocht.
# Die Vorgänge in Aegypten.
Den Hauptgegenstand des Zeitungsintereffes der vorigen Wochen hat das englische Bombardement der Forts von Alexandrien gebildet. Die große Mehrzahl deutscher Zeitungen sieht in diesem Er- eigniß den Anfang einer gefährlichen Verwicklung, sagt ein Zusammenstoß zwischen Frankreich und England voraus und ergeht sich in heftigen Angriffen gegen den britischen Admiral, der in zweckloser Weise eine blühende Stadt zerstört und zu einer Friedensstörung Veranlassung gegeben haben soll, welche die gesammte civilisirte Welt bedrohen und die Arbeiten der in Konstantinopel versammelten Konferenz gegenstandslos machen könnte.
Soweit sich bis jetzt absehen läßt, fehlen die thatsächlichen Voranssetzungen für diese Auffassung. Noch hat sich keine der betheiligten Großmächte amtlich zur Sache geäußert, keine der britischen Behauptung widersprochen, daß das Bombardement der Forts von Alexandrien ein Act durch die Verhältnisse bedingter Selbsthilfe gewesen sei. Besonders bemerkenswerth ist dabei, daß die an der Sache zunächst interessirte französische Regierung vollständige Zurückhaltung beobachtet hat und daß die ägyptischen Ereignisse auch auf das mit der Feier der Einweihung seines Rathhauses beschäf- ligte „Volk von Paris" keinen tiefer gehenden Eindruck gemacht zu haben scheinen. So lange
aber Frankreich an dem britischen Versuch, die europäische Autorität in Aegypten gewaltsam wieder- herzustellen, keinen ernsteren Anstoß nimmt, läßt sich nicht wohl annehmen, daß Italien, Rußland, Deutschland oder Oesterreich zu der englischen Politik in feindlichen Gegensatz treten werden. .— Dazu kommt, daß das Londoner Kabinet keine Miene macht, seinen Erfolg auf Unkosten Frankreichs und der übrigen Betheiligten einseitig ans- zubeuten; nach den aus Konstantinopel eingetroffenen Nachrichten nimmt der britische Bevollmächtigte nach wie vor an den Sitzungen der Conferenz Theil und ist die an die Pforte gerichtete Einladung zur Intervention in das insurgirte Land unter seiner Mitwirkung dahin präcisirt worden, daß Arabi-Pascha entfernt, den abzusendenden türkischen Truppen eine zweimonatliche Frist zur Wiederherstellung der Ordnung gesteckt und die Begleitung zweier europäischer Commissarien beigegeben werden soll. Bereits einige Tage zuvor hatte das Londoner Kabinet den Wunsch ausgesprochen, im Falle fortgesetzter Passivität der türkischen Regierung die nothwendig werdenden ferneren Repreffionsmaßregeln im Verein mit einer oder mehreren anderen Mächten (d. h. unter französischer oder französisch-italienischer Mitwirkung) vorzunehmen. — Alle diese Umstände zusammen genommen, legen die Hoffnung nahe, daß das Einvernehmen der großen Mächte ungestört bleiben und daß an der Wiederherstellung geordneter Zustände in Aegypten mit vereinigten Kräften werde gearbeitet werden.
Was den Schauplatz der jüngsten Ereignisse an- langt, so liegen über die Zustände auf demselben abschließende Nachrichten noch nicht vor. Die verheerenden Feuersbrünste, welche die Stadt Alexanders des Großen zerstört haben, scheinen wesentlich das Werk ruchloser Banden gewesen zu sein, welche den durch das Bombardement hervorgerufenen Schrecken nnd »die herrschende Anarchie zu Mord, Plünderung und Brandstiftung ausgebeutet haben, ohne daß von Seiten der Truppen Arabi-Paschas auch nur der Versuch eines Widerstandes gemacht worden wäre. Der vielgenannte Führer der ägyptischen „Nationalpartei" und seine um alle Zucht und Ordnung gekommenen Soldaten überließen Alexandrien sich selbst und der Fürsorge englischer, nordamerikanischer und deutscher Marinemannschaften, um während der Katastrophe auf Kairo zu marschiren und den Vice-König Tefwik in ihre Gewalt zu bekommen. Dieser Anschlag ist indessen mißlungen und der Khedive unter Beihilfe ägyptischer und englischer Truppen in Sicherheit gebracht worden.
Ueber den schließlichen Verbleib Arabi's laufen einander widersprechende Gerüchte um: die Aufforderung des Sultans, nach Konstantinopel zu kommen, hat der Urheber der ägyptischen Verwirrung abgelehnt.
Trotz des Ernstes der Lage und der durch das britische Bombardement hervorgerufenen Schwierigkeiten liegt für den nüchternen Zuschauer die Annahme einer friedlichen Beilegung des ägyptischen Streites näher als jede andere.
Hülssbrdürstigkcit arbeitsfähiger Personen.
II.
Crk.des Bundesamts f. d. Heimathwesen v. 3. Juni 1882.
„Die in I. Instanz erkannte Abweisung der Klage konnte nicht aufrecht erhalten werden.
Die Annahme des I. Richters, daß I., so lange nicht eine Beschränkung seiner Arbeitsfähigkeit durch ärztliches Zeugniß nachgewiesen werde, im Stande sein müsse, sich und seine Familie, bestehend aus einer kränklichen Frau und 5 unerzogenen Kindern, durch den Ertrag seiner Arbeit auch ohne daß die Frau zum Erwerb beitrage, zu ernähren, findet in den thatsächlichen Verhältnissen keine Begründung, Nach den vom Kl. in dieser Instanz beigebrachten Nach- Weisungen, welchen Bekl. keinen Widerspruch entgegengesetzt hat, war es für den I. bisher in Frankfurt unmöglich, mehr als 15 Mark wöchentlich zu verdienen, insbesondere besser lohnende Arbeit, wie er sie als Spengler vielleicht hätte leisten können, zu finden. Ein Einkommen von 15 M. wöchentlich reicht aber nach der Ueberzeugung des Bundesamtes nicht aus, um die Kosten des unentbehrlichen Lebensunterhaltes von 2 erwachsenen Personen und 5 Kindern in einer theueren Stadt wie Frankfurt zu decken, auch wenn man Steuern und Schulgeld, welche Kl. den Ausgaben für unentbehrliche Lebensbedürfnisse fälschlich hinzurechnet, ganz außer Ansatz läßt. Es war daher gerechtfertigt, daß Kl. noch 5 M. wöchentlichen Zuschuß an Unterstützung, auch dem erkrankten Kinde Krankenpflege, gewährte, und da nicht abzusehen ist, ob und bis zu welchem Zeitpunkte I. höheren Verdienst erlangen wird, so muß seine Hülfsbedürstigkeit zugleich als eine dauernde im Sinne des § 31 Reichsges. v. 6. Juni 1870 anerkannt werden.
Das auf Uebernahme der Familie und Ersatzleistung gerichtete Verlangen des Kl. war daher für begründet zu erachtet, und Bekl. als Armenverband des Unterstützungs- wohnsitzes demgeniäß zu verurtheilen, die Festsetzung des Betrages der zu ersetzenden Armenpflegekosten aber einem besonderen Verfahren vorzubehalten, und zwar auch für die Zeit vor der Klagerhebung, da dieselben bis dahin nicht vollständig liquidirt sind."