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für den
Kreis |ersfefÖ.
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederholung entsprechender Rabatt gewährt.
Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 22. Juli 1882.
Die Herren Ortsvorstände rc. zu:
Asvach, Aua, Beiershausen, Biedebach, Hatten- bach, Meckbach, Meisebach, Ncengshausen, Me- deraula, Oberrode, Reilos, Roßbach, Rotter- terode, Solms, Sorga, Stärklos, Untergeis, Wippershain, Ausbach, Bengendorf, Dünkel- rode, Gethsemane, Harnrüde, Hilmes, Lam- Pertsfeld, Landershausen, Leimbach, Lengers, Rialtomes, Oberlengsfeld, Unterweisenborn, Wehrshausen, Wüstfeld
werden hierdurch an Erledigung meiner Verfügung Dom 7. Juli 1882 Nr. 8963 im Kreisblatt Nr. 55, die Bekanntmachung des diesjährigen Ober- Ersatz-Geschästes betreffend, mit Frist bis zum 2 7. d. M t s. N a ch m i t t a g s 2 U h r bei Mei- dung der Zusendung eines Strafboten erinnert.
8963. Der Königliche Landrath.
I. V.:
________ Heeg, Kreissecretair.
tzersfeld, den 22. Juli 1882.
Die Herren Bürgermeister zu:
Asbach, Aua, Biedebach, Heeues, Kleba, Meck- bach, Mengshansen, Niederaula, Obergeis, Oberhaun, Sorga, Tann, Willingshain, Ausbach, Eonrode, Dünkelrode, Gethsemane, Kleineusee, Landershausen, Leimbach, Ober- lengsfeld, Philippsthal, Scheuksolz, Unter- weisenborn, Wüstfeld werden hierdurch an Einsendung der durch meine Verfügung vom 11. Juli 1882 Nr. 5547 im Kreisblatt Nr. 55 geforderten Uebersicht über die in der Gemeinde bezw. dem Feuerwehrbezirk vorhandenen Feuerwehren 2C. mit Frist bis zum 27. d. Mts. Nachmittags 2 Uhr bei Meldung der Zusendung eines Strafboten erinnert.
5547. Der Königliche Landrath.
J. V.:
____H e e g, Kreissecretair._______
Hersfeld, den 19. Juli 1882.
DieLouise Thomas aus Malkomes, 23 Jahre alt, hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
9465. Der Königliche Landrath.
J. V.:
Heeg, Kreissecretair.
politische Nachrichten.
Deutschland.
Se. Majestät der Kaiser W ilhelm ist am 18. d. Mts. im besten Wohlsein in Gastein eingetroffen und von der dichtgedrängten Volksmenge mit enthusiastischen Kundgebungen empfangen worden.
Ihre Majestät die Kaiserin, welche sich, wie aus Koblenz mitgetheilt wird, des besten Wohlseins erfreut^ beabsichtigt, wie es heißt, bereits in iden ersten Tagen der nächsten Woche wieder von Koblenz abzureisen.
Die vom Bundesrath beschlossenen Bestimmungen über die Verladung und Beförderung von lebenden Thieren auf Eisenbahnen (Bekanntmachung vom 13. Juli 1879) enthalten im § 3 Absatz 5 das Verbot, die Fußböden offener Wagen mit brennbarem Material zu bestreuen. Die in Rücksicht hierauf, insbesondere über die Zulässigkeit der Verwendung von Sägemehl (Sägespähne) hervorgetretenen Zweifel haben dem Reichs-Eisenbahn-Amt Anlaß zu Erhebungen über die im Eisenbahnverkehr bei der Biehbeförderung auf offenen Wagen üblichen Streuarten, wie über die Frage gegeben, wieweit dieselben als „brennbares" Material an- zusehen sind. Nach dem Ergebniß dieser Erhebungen hat sich das Reichs-Eisenbahn-Amt dahin ausge
sprochen, daß Sägemehl, auch ohne Zusatz von Sand, sofern es bei der Liehverladung mit Wasser besprengt wird, als brennbares Material im Sinne der vorbezogenen Vorschrift nicht zu betrachten, daß dagegen die — aus vereinzelten Fällen con- statirte — Verwendung von Stroh, Spreu, grasartiger Streu und Torfstreu unzulässig ist. Das Reichs-Eisenbahn-Amt hat Fürsorge getroffen, daß die Bahuverwaltungen mit entsprechender Weisung versehen sind.
# Unsere Wirthschaftspolitik,
ii.
Diejenigen, welche den Zweck und die Bedeutung der neuen Wirthschaftspolitik verstehen und an ihren Sieg glauben, würden eine große Schuld auf sich laden, wenn sie, der guten Sache vertrauend, die Dinge gehen lassen, wie sie wollen, statt eifrig mitzuwirken und thätig zu sein in dem Kampfe gegen die Hindernisse, welche Uebelwollen oder Unverstand dem Kanzler in den Weg werfen. Ein Jeder muß in seinem Kreise für Aufklärung in wirthschaft- lichen Fragen zu sorgen bemüht sein und überall auch das Bewußtsein von der Bedeutung der gegenwärtigen Kämpfe und der Wichtigkeit der Reform in's Leben zu rufen und zu stärken suchen.
Wer wollte leugnen, daß das Verständniß für die wirth- schaftlichen Fragen und die Bedürfnisse des Landes im Allgemeinen noch ziemlich gering ist und daß die öffentliche Meinung in dieser Beziehung durch politische Schlagworte noch vielfach irregeleitet wird? Ja, es herrscht sogar noch vielfach völlige Untenntniß über die Bedeutung und das Verhältniß der einzelnen wirthschaftlichen Zweige unter einander. Industrie und Landwirthschaft faßt man immer noch als Gegensätze aus, die sich gegenseitig ausschließen, und man glaubt, daß ihre Interessen so weit auseinander liegen, vaß sie nach entgegengesetzten Grundsätzen geleitet werden müssen. Ebenso wird die Stellung des Handels als eine der Industrie und Landwirthschaft feindliche betrachtet. Und doch sind diese drei Wirthjchastszweige Theile eines und desselben Körpers, und insbesondere besteht zwischen Landwirthschaft und Industrie eine solche Gemeinschaft der Interessen, daß das Wohlbefinden der einen von demjenigen der anderen abhängt. Wenn sich die Industrie in ungünstiger Lage befindet, leidet auch die Landwirthschaft und umgekehrt. Neun Zehntel aller industriellen Erzeugnisse finden im Inland- Verwendung und die in der Landwirthschaft beschäftigte und die von derselben abhängige Bevölkerung ist vermöge ihrer großen Ueberlegenheit die vornehmlichste Abnehmerin dieser Erzeugnisse. Ebenso ist die industrielle Bevölkerung die bedeutendste Käuferin der landwirthschafilichen Produkte; je geringer die Zahl und der Verdienst der industriellen Arbeiter ist, desto weniger landwirthschaftliche Produkte werden verbraucht und desto niedriger werden die Preise derselben. Wenn die Landwirthschaft sich bemüht, die Ergiebigkeit des vaterländischen Bodens zu heben und danach strebt, durch angemessene Entlastung des Grundbesitzes von Abgaben die Kosten für die landwirthschaftliche» Produkte zu vermindern, so verfolgt sie keine Sonderinteressen, sondern arbeitet damit wesentlich auch der Industrie in die Hände.
Das Gebot der Selbsterhaltung nöthigt Industrie und Landwirthschast zu gegenseitiger Unterstützung. Statt dessen behandeln sie sich oft gegenseitig mit Mißgunst und Eifersucht, und ebenso theilt die Bevölkerung ihre Neigung in diese beiden Produktionszweige, ohne zu bedenken, daß sie beide völlig gleichwerthige Faktoren der nationalen Produktion sind und ihre gemeinschaftliche Blüthe allein den Rationalwohlstand heben kann. Der Handel freilich hat zum Theil auch das Bestreben, durch Heranziehung und Begünstigung der ausländischen Concurrenz einer ange. messenen und möglichst lohnenden Verwerthung der einheimischen Produkte entgegenzutreten, aber auch er muß ein Interesse an der regen Entwicklung der einzelnen heimischen Produktionszweige haben, da er zwischen den heimischen Producenten und Consumenten die Vermittlung herftellt und auch den Ueberschuß der nationalen Produkte zur Verwerthung ins Ausland leitet.
Die drei produktiven Gewerbe — Landwirthschaft, Industrie und Handel — haben die gemeinsame Aufgabe, den nationalen Wohlstand zu heben. Diese Aufgabe würde am besten zu lösen sein, wenn ihre Vertreter sich auch zu verständigen suchten. Bisher aber haben sie sich möglichst von einander getrennt zu Hallen gewußt und in der Betonung ihrer eigenen Interessen den Weg erblickt, auf welchem schließlich die Erreichung des Zieles sich von selbst ergeben werde. Die landwirthschastlichen Vereine und der Landwirthschaftsrath, die industriellen Vereine undCentrat- verbände, die Handelskammern haben viel zur Hebung ihrer Interessen gethan. Aber sie verfolgten eben nur ihre Interessen, ganz abgesehen davon, daß sie ihrer Stimme keinen nachhaltigen Einfluß auf die Gesetzgebung und Verwaltung irgendwie verschaffen konnten.
Bei der großen Bedeutung, welche der wirthschaftlichen Entwickelung unseres Vaterlandes beizumessen ist, kann es
aber keinem Zweifel unterliegen, daß das Interesse der Nation am besten gewahrt wird, wenn die Stimme der Vertreter dieser Produktionszweige mehr und nachhaltiger zum Ausdruck kommt als bisher, und wenn ferner eine Organisation gefunden wird, in welcher die Vertreter der drei Zweige gemeinsam die Verschiedenheit ihrer Interessen zum Ausgleich zu bringen suchen. Nur durch ein gegenseitiges Abwägen der Interessen, durch eine gegenseitige Anerkennung berechtigter Forderungen und Wünsche können Landwirthschaft, Industrie und Handel ihre nationale Aufgabe lösen.
III.
Eine gemeinsame und bessere Vertretung der Interessen der Landwirthschaft, der Industrie und des Handels entspricht vollkommen der Bedeutung, welche das wirthschaft- liche Gebiet gegenwärtig errungen hat. Weder die Regierung kann alle die Wünsche und Bedürfnisse kennen, welche aus der praktischen Beschäftigung hervorgehen, noch kann die vorwiegend nach politischen Gesichtspunkten gewählte Volksvertretung als das Mundstück der gewerblichen Interessen der Nation betrachtet werden. Außerdem aber giebt es hierbei viele Dinge, welche sich der Gesetzgebung entziehen und lediglich die Verwaltung angehen, die in vielen Fällen des Raths und der Mitwirkung der gewerblichen Kreise bedarf.
Die Aufgaben, welche gegenwärtig an den Staat herangetreten sind, erfordern, neue Formen zu schaffen, welche den neuen Bedürfnissen Genüge leisten. Für das wirth- schaftliche Leben würde es jedenfalls von großem Nutzen sein, wenn eine Vertretung der drei großen Erwerbszweige geschaffen würde, welche sich an local abgegrenzte Bezirke anlehnt. Für jeden Regierungsbezirk müßte aus Vertretern der Landwirthschaft, der Industrie und des Handels eine Körperschaft sich bilden, welche für alle wirthschaftlichen Fragen — sowohl für die Vorbereitung wie Ausführung von Gesetzen — die Rolle eines Beiraths der Bezirksregie- run,g übernimmt. Diese lokale Organisation, in welcher die Interessen der drei großen Produktionszweige ihren Ausdruck und ihre Ausgleichung finden, würde am besten die Ermittelung der gemeinsamen Interessen und Bedürfnisse ermöglichen und zugleich auch einen wesentlichen Anhalt- und Stützpunkt für die allgemeine Erörterung wirth- schaftlicher Fragen in der Bevölkerung der betreffenden Bezirke bilden.
Der Schutz der heimischen Gewerbe, die Förderung des nationalen Wohlstandes und die Aufklärung über die Auf. gaben der Nation können nicht ausschließlich durch den Apparat des Parlaments und der Gesetzgebung erreicht werden; auch kann nicht der Reichskanzler allein die ganze Sisyphus-Arbeit der Bekämpfung entgegenstehender Ansichten und der Durchführung der von ihm zum Besten der Nation gedachten Maßnahmen übernehmen. Das Volk muß mitwirken, Landwirthschaft, Industrie und Handel müssen gemeinsam thätig sein, um für ihre Interessen im Volke den Boden zu bereiten und dasselbe von dem Einfluß politischer Schlagwörter zu befreien.
Mit einem Wort: das Volk muß praktisch und wirth- schaftlich werden, es muß dem praktischen und wirthschast- lichen Leben mehr Geschmack abgewinnen, anstatt sich nur immer mit leeren politischen Begriffen zu beschäftigen, eine Eigenthümlichkeit, die ihm noch aus der Zeit des Strebens nach Einheit und Freiheit anklebt, obwohl es nun schon lange im Besitze dieser Güter ist und obwohl es von keiner Seite in diesem Besitz gestört oder auch nur zu stören versucht wird.
Möge sich aber auch das Volk durch keinerlei Schreckgespenster von der ferneren und immer nachhaltigeren Be- schäftigung mit den wirthschaftlichen Fragen abbringen lassen. Die Macht und Größe unseres Vaterlandes, das doch einem Jeden am Herzen liegt, hängt in erster Linie von der Entwickelung und Entfaltung seiner wirthschaftlichen Kräfte ab, und hieran mitzuwirken, muß Jedem als patriotische Pflicht erscheinen.
Oesterreich-Ungarn.
IhreK. K.Hoheiten der deutsche Kronprinz und die Frau Kronprinzessin sind mit Ihrer K. Hohett.der Prinzessin Victoria^von Preußen am 20. d. W Uhr mit dem Courierzuge der Nordwest- bahn m Wien eingetroffen und im Hotel Jmp6rial abgestlegen. Die Allerhöchsten Herrschaften wurden, da auf ihren Wunsch jeder officielle Empfang unter- bM-, auf dem Bahnhöfe nur von dem englischen Botschafter und von dem deutschen Botschaftsrath von Berchem und einigen anderen Mitgliedernder deutschen Botschaft empfangen, der deutsche Botschafter Prinz Reuß war denselben bis zur Landesgrenze entgegengereist. Vor dem Hotel ^mperial hatte sich ein zahlreiches Publikum an- gesammelt, das die Allerhöchsten Herrschaften mit ^haften Hochrufen begrüßte. Zu Ehren Ihrer K. K. Hoheiten fand gestern Abend bei dem deutschen