HulfSbedurstigkeit arbeitsfähiger Personen.
Erk. d. Bundesamts f. d. Heimathwesen v. 3. Juni 1882.
„Streitig ist zwischen den Parteien nur, ob der Arbeiter K-, dessen Ehefrau vom Kl. verpflegt ist, bei einem Verdienst von 2 M. 40 Pf. täglich und bei 4 unerwachsenen Kindern für Hülssbedürstig zu erachten war.
Dem I. Richter ist darin beizutreten, daß K. nicht im Stande war, die Kurkosten von 37 M. 50 Pf., welche der Familie etwa den halben Monatsverdienst entzogen hätten, auf einmal zu bezahlen und daß deshalb der Eintritt der öffentlichen Armenpflege erfolgen mußte. Kl. ist nicht verpflichtet, etwa durch Theilzahlungen die Wiedereinziehung von K. selbst zu versuchen.
Daß aber auch arbeitsfähige Personen, wenn sie zur Befriedigung der nothwendigen Bedürfnisse augenblicklich keinen genügenden Erwerb haben, hülfsbedürftig sein können, hat das Bundesamt wiederholt auSgeführt (cfr. Entsch. X S. 67, XII S. 44 ff 1."
Im Bann der Schuld.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Der Richter wußte darauf nichts zu erwidern, er las das Protocoll vor und ersuchte den Baron, zu unterschreiben.
„Ich weiß, was mich nun erwartet", sagte der Baron, nachdem er dieser Forderung nachgekommen war, „ich habe Zeit genug gehabt, mich darauf vorzubereiten. Werden Sie Berthold Henning nun aus seiner Haft entlassen?" -
„Gewiß", erwiderte der Richter, „seine Schuld- losigkeit ist ja nun bewiesen."
„Und dürfte ich Sie bitten, ihm seine Befrei- unä in meiner Gegenwart zu verkünden?"
Der Untersuchungsrichter blickte den Inspektor fragend an, der alte Herr nickte ihm mit einer Miene zu, als ob er ebenfalls ihn bitten wolle, diesen Wunsch zu erfüllen.
„Nun wohl, ich will Ihrer Bitte nachkommen, muß ich Ihnen doch dankbar dafür sein, daß Sie durch ein offenes Geständnißmirdie Untersuchung erleichtert haben", sagte er, dann gab er dem Aktuar einen Wink, der ohne Verzug das Bureau verließ. „Sie werden die Zelle erhalten, die er bisher bewohnt hat, sollten Sie irgend welche Bequemlichkeiten wünschen, so dürfen Sie es nur aussprechen, was ich Ihnen erlauben darf, das soll Ihnen gerne gewährt werden."
Der Baron verneigte sich dankend, ein seltsames Lächeln umzuckte flüchtig seine Lippen.
„Wird die Baronin Felsing bestraft werden?" fragte er.
„Ohne Zweifel, indessen glaube ich nicht, daß das Urtheil sehr streng ausfallen wird. Ist es wahr, daß Sie und Ihr Herr Bruder zu Gunsten dieser Dame auf den Nachlaß des Ermordeten verzichtet haben?"
„Das ist die Wahrheit!"
„Aber doch erst nach dem Tode Ihres Stiefbruders?"
„Allerdings; ich sagte es ihr, als sie sich bereit erklärte, alle Anordnungen für das Begräbnißzu übernehmen."
„Also konnte Sie nicht vorher schon das Geld als ihr Eigenthum betrachten", erwiderte der Richter, „und die Behauptung, daß Baron Kurt von Hammerstein schon zu seinen Lebzeiten sie als seine Universalerbin bezeichnet habe, ist keineswegs bewiesen."
Die Unterhaltung stockte, Baron Udo hatte das Haupt auf die Brust gesenkt und hing seinen Gedanken nach, der Richter blätterte in seinen Akten, und der Kriminalbeamte stand mit der Tabakdose in der Hand am Fenster, und schaute sinnend hinaus. Endlich trat Berthold ein, der Baron erhob das Haupt und ließ den Blick prüfend auf ihm ruhen.
„Sie sind frei, Berthold Henning", sagte der Richter, „Ihre Schuldlosigkeit ist durch das Ge- ständniß dieses Herrn bewiesen. Das confiscirte Geld wird Ihnen später zugeschickt werden, Sie reisen nun wohl in Ihre Heimat zurück?"
Berthold blickte ihn starr an, Zweifel und Ueber- raschung spiegelten sich in seinen Zügen.
„Lesen Sie ihm mein Geständniß vor", bat der Baron.
Mit wachsendem Staunen hörte Berthold zu; daß der blinde Geiger ein Freiherr von Hammerstein, Elfe eine Baronesse war, erfuhr er erst aus diesem Protokoll.
Aber er erfuhr auch, daß sie ihn noch immer liebte, und eine Ahnung sagte ihm, daß er ihrer Liebe seine Befreiung verdanke. In seinen Augen leuchtete es freudig auf, wie er Elfe und ihren Vater kannte, durfte er nicht befürchten, daß ihr Rang und ihr Titel hindernd zwischen ihn und sie treten würden.
„Verzeihen Sie mir, daß ich Sie so lange für meine Schuld büßen ließ", sagte der Baron, indem er ihm die Hand bot und ihm fest in's Auge schaute. Sie haben gehört, daß ich zuvor die Existenz meines hilflosen Bruders sicher und sorgenfrei gestalten wollte. Elfe liebt Sie, ich darf wohl darauf vertrauen, daß das edle, unschuldvolle Mädchen ihre Liebe keinem Unwürdigen schenken würde. Und so erwarte ich denn mit Zuversicht, daß Sie Elfe glücklich machen, wie Sie es zu werden verdient."
„Wenn Sie meine Gattin werden und ihre Zukunft, ihr Geschick mir anvertrauen will, dann, ich schwöre es bei dem Allmächtigen, will ich sie auf meinen Händen durch das Leben tragen", erwiderte Berthold mit einem kräftigen Handdruck.
„Ich glaube Ihnen; bringen Sie ihr und ihrem Vater meine Grüße. Und nun habe ich noch eine Bitte an Sie", wandte er sich zu dem Untersuchungsrichter, ich möchte noch einige Zeilen an einen Freund schreiben, die dieser Herr überbringen will. Darf ich in das Zimmer dort treten? Ich werde nur einige Minuten bedürfen, dann mögen Sie Ihre Verfügungen über mich treffen."
Er stand bereits in der Thür und der Richter ließ ihn gehen. „Das Zimmer hat keinen andern Ausgang", flüsterte er dem Inspektor zu, „und durch das Fenster kann er auch nicht entfliehen."
Der alte Herr nickte mit seltsamen Lächeln und bot ihm eine Prise an.
„Wenn er an Flucht dächte, würde er die Schuld nicht so offen und aus eigenem Antriebe bekannt haben", erwiderte er, „er hat mich gebeten, jene Zeilen an seinen Freund zu besorgen, und ich versprach es ihm, ich werde deshalb heute Abend noch abreisen. Sie werden mich wohl auf dieser Reise begleiten, Herr Henning?"
„Gewiß", erwiderte Berthold, „aber —"
„Ah, ich vergaß, mich Ihnen vorzustellen: Inspektor Hofer von der Kriminalpolizei! Gegen meine Begleitung werden Sie hoffentlich nichts einzuwenden finden, denn von mir haben Sie jetzt nichts mehr zu befürchten!"
„Im Gegentheil, Sie verdanken es hauptsächlich den Bemühungen dieses Herrn, daß Ihre Schuldlosigkeit so bald an den Tag gekommen ist!" fügte der Richter hinzu.
„Hm, darüber ließe sich streiten!" erwiderte der Beamte scherzend. „Wenn Fräulein Else von Hammerstein nicht so fest von Jhrer Unschuld überzeugt gewesen wäre, so hätte ich wohl schwerlich den Auftrag erhalten, mich mit dieser Sache zu be- fasseu. Und hiervon abgesehen, würde der Herr Baron auch unter allen Umständen seine Schuld
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561,306 Nähmaschinen £ ÄMff schineuproduction der ganzen Erde wurden im vorigen Jahre von der Singer Manufacturing Co. verkauft, und betragen die Verkäufe dieser Fabrik in den letzten 10 Jahren allein 3 Millionen Maschinen. Dieser außerordentliche Erfolg giebt den besten Maaßstab für die Güte der Original Singer Nähmaschinen, die denn auch thatsächlich durch beständige Verbesserungen und Neuerfindung eine Vollkommenheit besitzen, wie kein anderes Fabrikat, und deshalb überall vorgezogen werden. Besonders sind es die neuen Tretge- stelle die vor allen andern, meistens schon nach kurzer Zeit geräuschvoll und schwer gehenden Gestellen, den außerordentlichen Vorzug besitzen, daß sie sich nie abnutzen, andauernd vollständig geräuschlos arbeiten und so leicht gehen, daß auch schwächliche oder ältere Personen dieselben ohne Anstrengung benutzen können. — Die Original Singer Maschinen werden unter vollständiger Garantie zu Fabrikpreisen gegen wöchentliche Abzahlungen von Mk. 2. — an abgegeben.
6, Heidlinger, Cwd obere Königsir« 41 Mnsterlager in HerSfeld bei Conr. Koch, am Markt.
Mnterzeichneter kaufte heute von M dem Weißbinder Heinrich Rös Ir und dessen Ehefrau zu Kalkobes deren sämmtliche diesjährige Kar- toffelerndte und warnt deshalb Jedermann vor Ankauf oder Pfändung besagter Erndte.
Kalkobes, am 4. Juli 1882.
Heinrich Heyer.
Warnung.
Unterzeichneter kaufte am 1. Juli d. I. von Christoph Wehner zu Kleinensee dessen sämmtliches lebendes und todtes Inventar, sowie dessen gesammte diesjährige Erndte und warnt Jedermann vor Ankauf oder Pfändung dieser Gegenstände.
Georg Sippel zu Kleinensee.
«Rlagfotmitlare empfiehlt L. Funks Buchdruckerei.
bekannt haben, Sie dürfen mir's glauben, meine Herren, er ist ein Ehrenmann."
In diesem Augenblick dröhnte ein Schuß durch den stillen Raum — entsetzt fuhren Richter und Aktuar von ihren Stühlen empor. Der Erste, der in das Nebenzimmer trat, war der Inspektor. „Ich habe es geahnt", sagte er leise, „und wird auch der irdischen Gerechtigkeit dadurch ihr Opfer entzogen, ich denke, es ist besser so. Sein Gestand- niß kann dadurch nicht in Frage gestellt werden, und was nun noch zu sühnen ist, darüber mag der Allbarmherzige entscheiden."
„Er ist todt ?" fragte der Richter erregt. „Lassen Sie sofort einen Arzt holen, Herr Aktuar, und sorgen Sie, daß kein Unberufener hier eindringt."
„Der Arzt kann nur den Tod konstatiren", erwiderte der Inspektor, „die Kugel hat das Herz durchbohrt, und wohl ihm, daß kein langer Todeskampf ihm das Sterben erschwerte."
„Die öffentliche Meinung wird in dieser Sühne nicht zufrieden sein", meinte der Richter, ich kann ihr freilich nicht helfen, sie muß die Dinge nehmen, wie sie sind, das Geschehene läßt sich nun nicht mehr ungeschehen machen. Da liegt der Brief, den der Baron vor seinem Ende geschrieben hat, er ist addressirt an Gottfried Degner —"
„Und offen", fügte der Beamte hinzu, der rasch das Schreiben entfaltete und nach kurzer Prüfung es dem Richter überreichte. „Lesen Sie selbst, es sind nur einige Zeilen an den Bankier Degner, dem ich das Weitere berichten soll, die letzten Grüße an seine Angehörigen. Und nun zu Ihnen, Herr Henning! Ich habe dem Verstorbenen versprochen, heute noch abzureisen, und es versteht sich von selbst, daß ich mein Versprechen halten werde, unter diesen veränderten Verhältnissen aber wünsche ich Ihre Begleitung nicht. Ich brauche Ihnen wohl die Aufregung, den Schmerz und die Trauer nicht zu schildern, die meine Hiobspost im Kreise Derjenigen, die auch Ihrem Herzen nahe stehen, hervorrufen wird, Sie werden wohl thun, erst dann in diesen Kreis zurückzukehren wenn die ersten Stürme ausgetobt haben. (F. f.)
Neueste Nachrichten.
Paris, 14. Juli: Das Amt des Kriegsministeriums ist in vollster Thätigkeit. Es heißt, daß ganz umfassende Rüstungen bevorstehen. Es werden zahlreiche Transportschiffe bereit gestellt und mit Lebensmitteln ausgerüstet. Man ist noch völlig im Unklaren, wohin dies führen wird und bleibt es eine offene Frage, ob die Rüstungen gegen England gerichtet sind, oder ob man gemeinsam mit England vorgehen wird. Letztere Annahme findet nur wenige Vertheidiger.
P o r t - S a i d, 14. Juli. Morgens hier einge- troffene Flüchtlinge erzählen: In den offenen Landdistricten Aegyptens herrscht die größte Ord- nungslosigkeit. Alle staatlichen Bande sind in dem seit jeher schlecht regierten Lande jetzt ganz gelockert. Wilde Völkerstämme schweifen auf ihren schnellen Pferden umher und plündern, brennen und sengen Alles nieder, was sie finden. Das Land wird völlig ruinirt werden.
London, 14. Juli, Morgens 9 Uhr. Die englischen Marinetruppen, welche von dem vor Alexandrien liegenden Panzergeschwader ausgeschifft wurden, stießen auf eine starke egyptische Ueber- macht unter Befehl Arabi Pascha's, ebenso entwickelte sich in den Straßen Alexandriens ein hartnäckiges Gewehrfeuer. Die englischen Landungstruppen waren in ihrer Zahl zu schwach, um eine energische Verfolgung Arabi Pascha's einleiten zu können.
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