Einzelbild herunterladen
 

für den

Kreis HersseN.

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal­ten kommt der Postausschlag hinzu.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

AöonnemenLs-Ginladung.

Mit dem 1. Juli beginnt ein neues Abonnement auf dasKreisblatt". Wir bitten dasselbe rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustel­lung eintritt. Der vierteljährliche Abonnements­preis beträgt 1 Mark excl. Postaufschlag sowohl bei allen kaiserlichen Postanstalten als auch bei der Expedition.

haben, da das Kreisblatt die größte Verbreitung im hiesigen Kreise hat, sichern Erfolg, und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Die Expedition.

Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Cassel, am 23. Juni 1882.

Der bei dem Postamte in Blomberg in Lippe beschäftigt gewesene Postgehülse Westphal ist seit dem 20. flüchtig geworden, nachdem derselbe, soweit bis jetzt festgestellt ist, einen Geldbrief mit M. 346 Werth angabe unterschlagen hat. In diesem Geld­briefe befanden sich: 3 Banknoten zu M. 100 (Nummern unbekannt), 2 Doppelkronen, 1 Fünf­markstück in Gold und M. 2,36 in Freimarken.

Außerdem befanden sich in dem Geldbriefe 6 von F. Wagener u. Fricke in Hannover auf C. Nm- burg Nachf. in Blomberg und von Letzterem auf Mieter und Mahner in Halberstadt girirte Wechsel, und zwar: 9^8. Hannover über M. 138,85, 1 j 7. Alfeld über M. 120,00, 13 [9. Hannover über M. 263,30, 6 i 8. Hannover über M. 108,36, 15 7. Us- lar über M. 77,55,10,9. Hannover über M. 20 0,00.

Das Königliche Landrathsamt benachrichtige ich hiervon mit dem ergebensten Ersuchen, auf West­phal zu fahnden, ihn im Betretungsfalle zu ver­haften und von seiner Festnahme mir und der Kaiserlichen Ober-Postdirection in Minden (Wests.) Mittheilung zu machen.

Signalement des rc. Westphal. Alter: 16z Jahre. Größe: etwa 1,65 Meter. Haare: hellblond. Stirn, Nase und Mund: gewöhnlich. Gesicht: schmal und hager. Besondere Kennzeichen: an der rechten Wange einige geschwürartige Anschwellungen. Kleidung: dunkler Anzug (Joppe, kleiner runder Filzhut).

Der Kaiserliche Ober - Postdirector. zur Linde. An das Königl. Landrathsamt in Hersfeld. 13523.

tzersfeld, am 26. Juni 1882.

Wird den Ortspolizei-Verwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Kennt­nißnahme und Fahndung nach dem rc. Westphal mitgetheilt. Im Betretungsfalle desselben ist als­bald bezügliche Anzeige anher zu erstatten.

8472. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Zur Zahlung der pro term. den 30. Juni d. J. fällig werdenden Zinsen und Kapital-Abträgen von aus der Landeskreditkasse zu Cassel erborgten Dar­lehen sind folgende Termine anher anberaumt worden:

1) den 18. Juli für die Gemeinden: Cruspis, Holzheim, Stärklos, Asbach, Beiershausen, Kohl­hausen, Kerspenhausen und Hilperhausen.

2) den 19. Juli für die Gemeinden: Niederaula, Kleba, Meugshausen und Solms.

3) den 20. Juli für die Gemeinden: Kirchheim, Rotterterode, Kemmerode, Reckerode, Gershausen, Reimboldshausen und Goßmannsrode.

4) den 21. Juli für die Gemeinden: Frielingen, Allendorf, Gersdorf, Heddersdorf, Willingshain, Niederjossa und Hattenbach.

5) den 22. Juli für die Gemeinden: Aua, Ober­geis, Untergeis, Allmershausen, Gittersdorf, Heenes und Kalkobes.

6) den 24. Juli für die Gemeinden: Biedebach, Tann, Rohrbach, Reilos, Friedlos, Mecklar und Meckbach.

7) den 25. Juli für die Gemeinden: Kathus, Sorga, Petersberg, Wippershain, Rothensee, Un­terhaus Oberhaun, Sieglos und Eitra.

Die Herren Bürgermeister wollen den für ihre resp. Gemeinde angesetzten Termin wiederholt in ortsüblicher Weise alsbald bekannt machen lassen.

Hersfeld, am 26. Juni 1882.

Königliche Steuerkasse. W i s k e m a n n.

politische Nachrichten.

Deutschland.

# Aus Ems, 24. Juni wird uns geschrieben: Das Unwahrscheinliche, hier wird's Ereigniß!" Hört man doch täglich von Kurgästen und Passan­ten die Frage aufwerfen, ob denn wirklich jener rüstigen Schrittes mehr dahin eilende, als gehende Herr, ob denn das wirklich der Deutsche Kaiser sei, da Derselbe doch im 86. Lebensjahre stehe und deshalb ein hinfälliger Greis sein müsse! Mit welch herzlicher Freude aber erschallt dann die Ant­wort : Ja, jene Heldengestalt, das ist unser König Wilhelm, der Deutsche Kaiser! Regel­mäßig gegen 8 Uhr Morgens trinkt der Kaiser das erste Glas Kränchen-Brunnen, geht dann, leicht auf ein dünnes Stückchen gestützt, zunächst etwa eine Viertelstunde im Kurgarten auf und ab. Hier nun wird manche Dame, manch' ein hochstehender Militair oder Beamter, ja selbst kleine Mädchen und Kinder durch leutselige, freundliche Ansprachen des Kaisers hoch geehrt und erfreut. Die übrigen Badegäste folgen in angemessener Entfernung dem stets von seinem dienstthuenden Flügel-Adjutanten begleiteten Monarchen und Niemand, sei er groß oder klein, arm oder reich, Niemand geht vorüber, ohne das Haupt zu entblößen oder sich tief zu verneigen. Gegen 10 Uhr ist das Hin- und Hergehen von den Quellen im Kurhause (denn der Kaiser trinkt seit einigen Tagen neben dem Kränchen auch Kessel­brunnen), nach dem Kurgarten beendet und Seine Majestät begiebt sich in die höchst bescheidenen Wohnräume, welche im ersten Stockwerke des alten Kurhauses belegen sind und schon seit Jahren die hiesige Residenz bilden. Nach dem Frühstücke be­ginnen die Vorträge; denn tagtäglich bringen die Kuriere große Aktenstücke aus Berlin und kehren mit den erledigten Dienstsachen wieder dorthin zu­rück. Bald nun ist es der General von Albedyl, bald der Geheime Cabinetsrath von Wilmowski oder auch unser Württembergischer Gesandte von Bülow, der längere oder kürzere Zeit im Arbeits­zimmer des Kaisers verweilt. Regelmäßig um 4 Uhr findet das Diner im Kurhause statt. Die Cavaliere aus der Reisebegleitung des Kaisers bilden dessen tägliche Tischgäste; außerdem werden noch häufig hervorragende Kurgäste oder bei Sr. Majestät sich meldende höhere Offiziere und Civilbeamte mit zur Tafel befohlen. Nachdem nunmehr warme, er­quickende Luft wieder das schöne Lahnthal durch­strömt, pflegt der Kaiser auch stets am Nachmittage zunächst nach der Gegend von Nassau zu oder neben der Lahn entlang nach Lahnstein zu eine Spazier­fahrt zu machen. Zwischen 7 und 8 Uhr Abends versammeln die Kurgäste sich wieder im Kurgarten, theils um zu promeniren, theils um den Kaiser nochmals begrüßen zu können, wenn er sich, bei gutem Wetter stets zu Fuß, in das Theater be­giebt. Hielten die künstlerischen Leistungen aber nur gleichen Schritt mit der räumlichen Ausdehnung der Bühne, so würde der Kunstfreund sich arg ge­täuscht sehen. Denn nur eine kleine Ecke des hoch­eleganten Kursaales konnte für die Bühne einge­richtet werden, sollten Orchester und Publikum, worauf denn doch wohl das Augenmerk mit ge­richtet sein muß, noch im Saale Platz finden.

Nach Schluß der Vorstellungen geht oder fährt der Kaiser wieder nach dem Kurhause zurück und die hellleuchtende, grüne Lampe am Eckfenster giebt noch bis spät in die Nacht hinein davon Kunde, daß für seines Volkes Wohl der Deutsche Kaiser noch wacht und arbeitet.

# Der Reichskanzler hat Berlin verlassen und sich zu längerem Aufenthalt auf seine Besitzungen in Pommern begeben. Wenn daraus der Schluß gezogen werden sollte, daß nunmehr ein Stillstand in der inneren sowohl als in der auswärtigen Politik eingetreten sei, so wäre es ein großer Irr­thum. Die Angelegenheiten Egyptens, welche neuerdings in raschen Fluß gekommen sind, nehmen selbstverständlich unsern Reichskanzler lebhaft in Anspruch; unsere Leser wissen aber, daß die Lei­tung der auswärtigen Fragen vom Fürsten Bis- marck mit derselben Sicherheit und dem gleichen Nachdruck geübt wird, derselbe mag in Berlin, Friedrichsruh oder Varzin sein. Vielleicht bringt nun die in Konstantinopel zusammengetretene Kon­ferenz der Mächte die egyptische Angelegenheit rascher zur Lösung, als man bisher anzunehmen gewagt hat; immerhin würde aber auch damit noch keine Ruhepause für die Thätigkeit des Reichskanzlers gewonnen sein, denn noch mehr als die auswärtige nimmt ihn zur Zeit die innere Politik in An­spruch. Die parlamentarische Aufgabe des nächsten Winters wird bekanntlich vor Allem die Entschei­dung über die Frage der Fortführung der Steuer­reform sein. Da gilt es nun, die bezüglichen Vor­arbeiten für die dem Landtage sowohl als dem Reichstage zu machenden Vorlagen rechtzeitig fertig zu stellen, und wie man weiß, geschieht solches nicht ohne die unmittelbare Betheiligung des Reichs­kanzlers selber. Da es sich nun vorzugsweise um das Ja oder Nein der Steuerreform handelt, so sind die verschiedenen politischen Parteien natür­lich schon jetzt darüber aus, sich für die Wahlen zum Abgeordnetenhause, welche wahrscheinlich im Oktober stattfinden werden, je nach ihrer Stellung zu der Reformfrage einen entscheidenden Einfluß zu sichern. Allen anderen voraus ist wie immer die Fortschrittspartei. Ihr folgen in enger Waffen­brüderschaft die Sezessionisten und, wenn auch etwas zögernd, aber doch der Gefolgschaft sicher verfallen, die anderen Liberalen. Im anderen Lager, dem der Konservativen, herrscht zur Zeit noch ziemlich allgemein Ruhe. Von den übrigen Parteigruppirungen ist nicht zu sprechen: Kleri­kale und Partikularisten bedürfen nicht einer langen Agitation, da ihre Sitze in dem Parlament so gut wie gesichert sind. Die Fortschrittspartei hat es sich für die Zeit der Wahlvorbereitung nament­lich zur Aufgabe gestellt, überall, wo sie noch keinen festen Boden hat, solchen zu gewinnen. Dabei ist sie bemüht, wie schon früher da, wo die eigentlich gegnerischen Parteien, namentlich die Konservativen, bisher sitzberechtigt waren, mit den anderen liberalen Parteien engen Anschluß zu gewinnen. Dagegen zeigt die Fortschrittspartei in den Kreisen, wo es sich nur um die Wahl eines mehr oder minder vorgeschrittenen Liberalen handelt, ihr wahres Ge­sicht, indem sie ungescheut selbst den gemäßigteren liberalen Richtungen Konkurrenz macht, um, was ihr eigentlicher Zweck ist, die Alleinherrschaft unter den Liberalen an sich zu reißen. Von diesem Be­streben hat namentlich der am verwichenen Sonntag in Bremen abgehaltene Parteitag der Fortschritts­partei Zeugniß abgelegt, welchen Herr Richter mit der Wiederholung seiner schon so oft gehaltenen Rede gegen die Politik des Reichskanzlers eröffnete. Die Beschlüsse des Parteitages beziehen sich auf die Organisirung der Landtagswahlen im Sinne der Partei und rufen die Parteigenossen auf zur lebhaften Agitation und zur Beschaffung von Geld­mitteln fürden bevorstehenden Entscheidungskampf zwischen Verfassungrecht und diktatorischem Regi­ment." Trotz dieses einseitigen Vorgehens der Fortschrittspartei lassen sich die Secessionisten nicht abhalten, fortwährend die Nothwendigkeit der