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und Dörfer niederzulaffen, 2. sind alle Kauf- und Pachtabschlüsse mit Juden zu sistireu, 3. ist den Juden verboten, an Sonn- und Feiertagen, an denen die christlichen Geschäfte geschloffen sind, Handel zu treiben, 4. sind der dritte und erste Punkt nur in den Gouvernements anzuwenden, in welchen Juden ständig ansässig sind. Diese Bestimmungen erscheinen nur als die natürliche Folge der unter dem Jgnatieff'schen Regime gegen die russischen Juden inscenirten Gewaltmaßregeln und beweisen, daß der Einfluß dieses Mannes wieder mehr als je beim Ezareu maßgebend ge­worden ist.

Egypten.

Die egyptische Crisis hat über Nacht ein recht kriegerisches Aussehen erhalten. Die Verhand­lungen zwischen den Vertretern Englands und Frank­reichs in Kairo mit dem egyptischen Ministerium sind von letzterem abgebrochen worden und trifft dasselbe bereits kriegerische Vorkehrungen gegen eine .eventuelle Landung fremder Truppen in Egypten. Nach Alexandrien wurden 400, nach Damiette 200 Mann Artilleristen geschickt, auch wurden an der Küste eine Reihe Torpillos gelegt. Entgegen anderen Gerüchten wird jetzt versichert, daß zwischen den Westmächten und den übrigen Mächten bezüglich der egyptischen Angelegenheiten vollständiges Einvernehmen herrsche; Frankreich und England beabsichtigen, die Entscheidung über die weiterhin zur Wiederherstellung der Ordnung in Egypten zu ergreifenden Mittel den anderen Mächten zu unterbreiten.

Aus Heffeu-Nassan.

* Hersfeld, 26. Mai. Wie uns soeben mit- getheilt wird, ist in Folge der besonderen Be­mühungen des Herrn Pfarrers G a m b zu Hilmes am 23. d. Mts. auch für das dortige Kirchspiel ein Raiffeisen'scher Darlehns- und Spar- k.a s s e n - V e r e i n gegründet worden, so daß gegen­wärtig schon für 14 Kirchspiele hiesigen Kreises solche Vereine bestehen und daher um so mehr zu hoffen ist, daß die beiden noch fehlenden Kirch­spiele Cruspis und Ransbach sich auch nicht lange mehr gegen eine solche Wohlthat sträuben werden.

Hersfeld, 25. Mai. Am hiesigen Gymna­sium und Realprogymnastum sind der bisherige Oberlehrer an der aufgehobenen höheren Bürger­schule Rupertus S t ö l tz i n g und der ordentliche Gymnasiallehrer Dr. Arwed Klippert zu Ober­lehrern ernannt worden. Ferner ist der Hülfs- lehrer Scheukheld als ordentlicher Gymnasial­lehrer und der technische Lehrer Lindow definitiv angestellt worden. Zu dem aus 21 Mitgliedern bestehenden Lehrerkollegium ist der Kandidat des höheren Schulamts Dr. Linz zu Fulda als 22. hinzugetreten.

Provisorisch angestellt wurden: die evang. Schulamtskandidaten Hartmann als Lehrer au der ev. Schule zu Goßmannsrode, Kegelmann als Lehrer an der ev. Schule zu Wehrshausen, Steinhauer als Lehrer an der ev. Schule zu Wippershain. Definitiv angestellt wurde: Op­penheim zu Niederaula als Lehrer au der ; israelit. Schule daselbst.

Der Komet, über welchen an dieser Stelle schon berichtet worden ist, kann gegenwärtig am nördlichen Himmel mit bloßem Auge erkannt wer­den. Der neuesten Rechnung zufolge kommt er am 8. Juni Vormittags der Sonne bis auf 900,000 Meilen nahe, wodurch fein Glanz außer­ordentlich zu nehmen muß. Am 6. Juni ist er 612mal Heller als am Tage der Entdeckung, am 8. Juni dagegen 5824mal, am 10. nur noch 587mal. Alan sieht hieraus, wie rasch der Komet in seiner Sonnennähe an Glanz wächst. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, daß derselbe an jenem Tage bei vollem Sonnenscheine in der Nähe der Sonne ge- sehen werden kann. Man wird ihn dann vor dem Augenblick seiner Sonnennähe auf der der Sonne folgenden Seite wahrnehmen, nach jener Zeit aber wird er der Sonne vorausgehen. Will man au jenem Tage den Kometen wahrzunehmen versuchen, so muß man sich natürlich so stellen, daß man von der Sonne nicht geblendet wird. Eine Auf­stellung im Schatten eines Gebäudes, welches die Sonne verdeckt, ist am geeignetsten. Eines dunkel gefärbten Glases darf man sich nicht be­dienen, denn dafür ist der Komet unter allen Um­ständen zu schwach.

8 S o r g a, 25. Mai. In einer gestern unter dem Vorsitze des Herrn Landraths Frecherm von Broich, von ca. 25, auf besondere Einladung zusammengetretenen Personen dahier abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, für das Kirchspiel Petersberg mit Einschluß des angrenzenden >Land- gutes Hermanushof einen Darlehns - und Sparkassen-Verein nach dem Raiffeisen'schen System in nächster Zeit zu gründen und wurden

troffen. Darnach wird die Abreise nach Eins in die Zeit zwischen dem 12. und 18. Juni fallen. Nach dreiwöchigem Curgebrauche daselbst ist wie­derum ein mehrtägiger Aufenthalt auf der Insel Main au im Bodensee beabsichtigt, so daß, wenn; die gleichfalls auf drei Wochen berechnete Cur in Wildbad Gastein beendigt sein wird, die Rückkehr nach Berlin innerhalb der ersten Hälfte des August erfolgen würde.

Nach Mittheilungen aus Friedrichsruhe soll der Reichskanzler Fürst Bismarck in keiner Weise durch die ablehnenden Beschlüsse der Tabakmouopol- Commission des Reichstages überrascht worden sein. DerKreuz-Ztg." zufolge war Fürst Bis­marck auf die Ablehnung des Monopol-Entwurfes gefaßt und hatte auch die Annahme der Ausfeld'- schen - jetzt Lingens'schen Resolution voraus­gesehen. Da der Kanzler genöthigt ist, seines kör­perlichen Zustandes wegen die größte Schonung seiner Kräfte eintreten zu lassen, und weil zu seiner völligen Wiederherstellung ein mehrwöchentlicher Aufenthalt in Friedrichsruhe geboten ist, so wird Fürst Bismarck der zweiten Lesung des Monopol- Entwurfes im Plenum voraussichtlich ebenfalls fern bleiben.

Oesterreich-Ungaru.

Die Befürchtung, daß Oesterreich den Aufstand in der Erivoscie auch noch in die Pfingsttage hincinschleppön werde, scheint sich nicht zu bestätigen. Wie aus Ragusa gemeldet wird, sind die Insur­genten der Erivoscie, sowie diejenigen von Lede- niee und Ubli aus allen ihren Schlupfwinkeln durch die streifenden Truppen vertrieben worden und auf das montenegrinische Gebiet übergetreten. Die in sehr verwahrlostem Zustande befindlichen Insur­genten sind von Den montenegrinischen Cordon- truppen nach einigem Sträuben entwaffnet und in der Nähe vonGrahovo internirt worden. Das Herrenhaus hat die Reichsraths-Wahlordnung in namentlicher Abstimmung mit 68 gegen 53 Stim­men abgelehnt.

Frankreich.

Die im französischen Cabinet drohende Crisis ist nicht zum Ausbruch gelangt, da der Fiuanzmi- nister Leon Say seine Demission infolge des ihm von der Deputirtenkammer ertheilten Vertrauens­votums wieder zurückgezogen hat. Die Kammer nahm am Dienstag eine, auch von Leon Say acceptirle, Tagesordnung mit 302 gegen 36 Stim- meu an, welche dem Vertrauen zu dem Finanzmi- nister Ausdruck giebt, so daß L>ay keinen Grund mehr hatte, auf seiner Demission zu beharren. Allseitig wird, höchstens mit Ausnahme derGam- bettisten, dieser Ausgang mit Befriedigung be­grüßt und hat der Zwischenfall nur dazu beige- tragen, die Stellung Say's im Cabinet zu stärken.

England.

Im englischen Unterhause haben in den letzten Tagen sehr lange und zum Theil sehr bewegte Debatten über die neue irische Zwaugsbill, sowie über die Pachtrückstandsvorlage stattgefunden. Letztere wurde von Gladstone gegenüber den hef­tigen Angriffen, die sie von conservativer Seite erfuhr, in glänzender Weise vertheidigt und der englische Premier hatte denn auch die Genugthuung, daß das Haus am Dienstag die Rückstandsbill in der Regierungsfassung mit 269 gegen 157 Stimmen in zweiter Lesung annahm. Unmittelbar hierauf trat das Haus in die zweite Lesung der irischen Zwangsbill ein, welche Vorlage besonders von den irischen Deputirten heftig angegriffen wurde. Gtad- stone vertheidigte indessen in überzeugender und fesselnder Weise die Regierungsvorlage, so daß seine Ausführungen nicht verfehlten, im Hause einen großen Eindruck zu machen. Die Debatte über die Zwangsbill dauerte den Mittwoch fort und dürfte wahrscheinlich erst in der Donnerstags- Sitzung beendigt worden sein.

Italien.

In Mailand fand am vergangenen Dienstag der feierliche Empfang der anläßlich der Ein­weihung der Gotthardbahn dort eingetroffenen deutschen und schweizerischen Festgäste statt. In seiner Begrüßungsrede äußerte Maucini, der italienische Minister des Aeußeru, daß das große Ereignis) der Eröffnung der Gotthardbahn be­stimmt sei, die Baude der Freundschaft und die Gemeinsamkeit der Interessen der drei Nationen, welche diesen glänzenden Tribut Der Civilisation entrichten, noch enger zu knüpfen und unauflöslich zu machen.

Rußland.

Die russische Regierung hat plötzlich sehr rigorose Vorschriften gegen die Juden erlassen. Darnach ist 1. den Juden verboten, sich außerhalb der Städte

die Herrn: Pfarrer Hoßbach, Domainenpächler Oldenburg zu Wilhelmshof, Gutsbesitzer B i p p a r t zu Hermannshof, Bürgermeister B r eh nt zu Kathus, Kehres zu Petersberg und Heinz zu Sorga, sowie Lehrer Römer ebendaselbst in das provisorische Comite gewählt, welches die Sache nunmehr unverzüglich zum Abschlüsse bringen soll. Wie der Herr Landrath dabei bemerkte, ist hier­durch bereits das 13te Kirchspiel des Kreises Hersfeld mit einem solchen segensreichen Institut versehen.

H a n a u, 23. Mai. Ein hiesiger Bankier hatte vor längerer Zeit einer hiesigen Spiel-Gesellschaft, welche sich jedoch inzwischen aufgelöst und ihren Loosbestand unter die Mitglieder vertheilt hatte, mit anderen Staatsloosen auch ein Braunschweiger 20 Thaler-Loos Serie 8037 Nr. 27 - ver­kauft, auf welches am 1. Mai d. I. ein Gewinn von 150,000 M. gefallen ist. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, den dermaligen Besitzer dieses Looses zu ermitteln.

Ha u au, 24. Mai. Von den hiesigen Gerichts­behörden ist von Neuem eine Untersuchung einge­leitet worden, die sich auf die vor einer Reihe von Jahren geschehene Ermordung des Müllers Ditter von der Untermühle bei Langendiebach bezieht, den man damals auf einer seiner Wiesen todt fand.

Vermischtes.

Die zersetzenden Einflüsse des Sonnenlichtes auf den Wohlgeschmack von Speisen und Getränken werden meistens wenig beachtet, machen sich indessen namentlich bei Bier häufiger, als man glaubt, in unangenehmer Weise bemerkbar, weil dasselbe in Gläsern oder Flaschen vor dem Genuß oft dem Sonnenschein ausgesetzt wird. Hierdurch verliert aber auch das wohlschmeckendste Bier binnen ganz kurzer Zeit sein Aroma und verwandelt sich in eine übelschmeckende, harzig bittere Flüssigkeit. Diese Erscheinung ist bis jetzt fast nur in Fachkreisen bekannt, verdient aber bei der stetigen Steigerung des Bierverbrauchs allgemeine Beachtung. Manche Brauereien, bestrebt, ihre Erzeugniffe möglichst gut in den Consum zu bringen, lassen daher ihre Flaschenbiere mit der Warnung versehen:Vor Sonnenstrahlen zu schützen." Die bayerische Sitte, das Bier aus Krügen zu trinken, ist wohl auch darauf zurückzuführen, daß der Inhalt dieser Trink- gefäße vor den Sonnenstrahlen geschützt bleiben soll.

Rom. (Katastrophe auf einem Artillerie- Schießplätze.) Am Morgen des 15. d. M. waren die Artilleristen des 12. Regiments zur Waffen- Übung im Campo di Lombardore versammelt. Eine Kinderschaar schlich sich im Rücken der Schild- wachen in die Ebene, in welcher die Kanonenkugeln, Bomben und Granaten aufgeschichtet lagen. Ein zehnjähriger Knabe, Namens Antonio Lurgo, nahm eine noch gefüllte Granate, bedeckte die Außenseite mit Pulver, das er einer Patrone entnahm, und zündete das Ganze mit einem Schweselhölzchen au. Die Granate platzte und riß dem Knaben einen Fuß und eine Hand weg, die zehnjährige Clara Botisto ward förmlich in Stücke gerissen, der vier­zehnjährige Domenico verlor beide Arme, vier andere Kinder erlitten sämmtlich schwere Verletzungen, ein achtzehnjähriges Mädchen, das herbeigeeilt war, um nach den Kindern zu schauen, verlor das Augen­licht. Das Kriegsministerium leitet gegen das Regiment eine Untersuchung ein, welches die nöthige Vorsicht verabsäumt hat.

(Münchhausen in Amerika.) Ein Jankee erzählte einem Engländer, daß er bei einer Gelegenheit 999 Tauben geschossen habe. Als sein Zuhörer meinte, er hätte ebenso gut 1000 sagen können, erwiderte der Andere:O nein, wegen einer einzelnen Taube werde ich keine Lüge sagen." Der Engländer wollte sich nicht ansstechen lassen und erzählte eine lange Geschichte von einem Manne, der von Liverpool nach Boston geschwommen sei. Haben Sie ihn gesehen?" fragte der Aankee. Natürlich; als ich herüberkam, fuhr unser Schiff einige Meilen außerhalb des Hafens von Boston an ihm vorüber."Nun, ich bin froh, daß Sie ihn sahen, Fremder", rief der Jankee,weil Sie ein Zeuge sind, daß ich es that, denn der Mann war ich!"

3u einem drolligen Intermezzo hat die -Lounenfiusterulß Anlaß gegeben. Unterhielten sich am vorigen Samstag in einem Zittauer Restau­rant zwei Herren über das Himmelsereigniß; ein Dritter interpellirt sie und erfährt hierdurch erfy daß überhaupt am Mittwoch eine Sonnenfinster- niß stattgefunden habeSchade", sagte er da­rauf kopfschüttelnd,daß ich gerade nicht hier M7 aber ich mußte leider in Geschäften verreisE.^

(Beim Wort genommen.) Wirthin: Du schon wieder betrunken Mann? Da Mt stch doch Alles auf 1 Du solltest Dich ivi^4 vor Schand, in die Erd' verkriechen." M^hSo gib die Kellerschlüssel her!"