erhielt. So hätte es bleiben müssen, aber ich vermuthe, Sie wollten zu rasch ein reicher Mann werden."
„Und wenn die Weinhändler mich betrogen —"
„Das entschuldigt Sie nicht, Sie dürften sich nicht betrügen lassen, und geschah es dennoch, dann mußten Sie allein auch den Schaden tragen, der Gast, der sein gutes Geld zahlt, will auch preis- würdig bedient sein."
Die Unterhaltung stockte, Johann Palm brummte einige Worte, die sein Begleiter nicht verstand.
„Sie haben auch in anderer Beziehung Unglück gehabt", nahm der Inspektor nach einer Pause wieder das Wort, „Ihr Sohn ist plötzlich gestorben, wie ich höre?"
„Ein Unglück kommt ja selten allein!" seufzte Palm. „Er stürzte die Kellertreppe hinunter und war eine Stunde später todt."
„Haben Sie so gefährliche Treppen in Ihrem Hause?"
„Etwas steil sind sie, aber nicht gefährlich. Meine Frau erwartete ihn oben an der Treppe, hätte sie ihm zugernfen, so wäre das Unglück nicht geschehen, ihr plötzlicher Anblick muß ihn erschreckt haben, und in dem Schrecken that er den Fehltritt."
„Und wann wird er beerdigt?" ............„„,_„,____________________
„Morgen Nachmittag um vier Uhr, es wird ein Mit Ihren PlänenZst es nichts, besteigen’,' ich einfaches Leichenbegängniß sein, ich habe kein Geld,; komme hier auf keinen grünen Zweig mehr, es ist um es mir viel tosten zu lassen." i besser, wenn ich mein Glück drüben versuche. Ja,
„Der Prunk thut's ja auch nicht; hat Ihre wenn meine Gläubiger mir Ausstand und Kredit Frau den Schmerz überwunden?" geben wollten, so könnte ich noch einmal den Ver-
„Hm, eine alte Betschwester ist rasch getröstet",: such machen, aber auch dann ging ich nicht mit
erwiderte Palm achselzuckend, sie überwindet es' freudigem Muthe an's Werk, der plötzliche Tod
leichter, wie ich." meines einzigen Sohnes hat meine Thatkraft ge-
„Sie wollen ja auswandern?" ......
„Wer hat Ihnen das gesagt?" •
„Ich hörte es, konnte aber nicht daran glauben—"
„Weshalb nicht?"
„Weil ich nicht weiß, woher Sie die Drittel nehmen wollen; eine Reise nach Amerika kostet Geld, und drüben darf man auch nicht mit leeren Händen ankommen." 1ULlD v
Ein heiseres Lachen war die Antwort Palm's, e§ U wissen?" '
er warf dabei einen forschenden mißtrauischen Blick „Weil ich Ihnen helfen möchte. Haben Sie auf seinen Begleiter, dessen freundliches Gesicht ! noch eine gute Flasche Wein im Keller? So sehr nur Wohlwollen und Güte verrieth. : "
„Man hat immer noch einige Freunde", sagte, er, „ich hoffe, sie werden mich nicht im Stiche lassen, wenn ich mein Projekt ausführen will."
„Werden Sie Ihre Frau mitnehmen?"
„Nein, sie kann nachkommen, wenn ich mir drüben etwas erworben habe. In die kurze Trennung muß sie sich fügen, es wäre Thorheit, wenn ich sie mitnehmen und mir diese Last aufbürden wollte."
„Standen Sie früher nicht in den Diensten des alten Freiherr» von Hammerstein?" fragte der Inspektor. „Erinnere ich mich recht, so gab er damals Ihnen die Mittel, die Restauration zu gründen, er muß also große Stücke auf Sie gehalten haben!"
„Das that er", antwortete Palm, „ich habe ihm treu und mit uneigennütziger Aufopferung gedient, und das Legat, das er mir anssetzte, war nur ein geringer Lohn für meine Dienste."
„Vielleicht erinnert seine Familie sich daran, seine beiden Söhne, die bisher verschollen waren, sind plötzlich zurückgekehrt." .
„So? Das wissen Sie auch schon?" fragte der Gastwirth spöttisch, dem plötzlich der Zweck dieser Unterredung klar zu werden schien, „tote scheinen sich ja sehr lebhaft für mich zu interessiren, aus welchen Gründen geschieht das?"
Der Beamte sah abermals den mißtrauischen Blick des Fragenden forschend auf sich gerichtet, dieses Mißtrauen mnßte er beseitigen, wenn er seinen Zweck erreichen wollte.
„Aus welchen Gründen?" wiederholte er mit unbefangenem Lächeln. „So oft ich Sie sehe, erinnere ich mich der angenehmen Stunden, die id) früher in Ihrer Wirthschaft verbracht habe, ich gäbe viel darum, wenn jene Zeiten sich noch nn- inal zurückkaufen ließen. Der Wein ist jetzt überall miserabel, ein ehrlicher Wirth, wie Sie es damals waren, könnte heutzutage ein gutes Geschäft machen. Wenn Sie gute Freunde fänden, die Ihnen aus Ihrer augenblicklichen Verlegenheit heraushelfen wollten —"
„Darf ich Sie zu diesen Freunden zählen?"
„Weshalb nicht! Ich würde mich gerne für Sie bemühen, vorausgesetzt, daß Sie für die Ausführung Ihrer guten Vorsätze sichere Garantien bieten. Ich bin mit vielen vermögenden Leuten bekannt, unter Anderen auch mit dem Bankier Degner, vielleicht ließe dieser Herr sich bereit finden, Ihnen ein Kapital unter günstigen Bedingungen vorzuschießen."
„Der Bankier Degner?" fragte Palm, der bet den letzten Worten seines Begleiters stehen geblieben war. „Daran ist nicht zu denken!"
„Haben Sie schon diese Bitte an ihn gerichtet?"
„Nein, ich werde es auch nicht thun, ich will mir keine grobe Antwort holen. Was habe ich überhaupt mit dem Bankier Degner zu schaffen? Ich kenne ihn nicht und trage auch kein Verlangen danach, ihn kennen zu lernen, und ich müßte ein sehr großes Kapital haben, wenn ich alle meine Schulden tilgen und Küche und Keller wieder füllen wollte."
„War Ihr Sohn nicht Schreiber bei dem Notar Wedekind?"
„Was soll das?"
„Na, na, man wird doch fragen dürfen, zumal wenn es nur in der Absicht geschieht, Ihnen zu
helfen! Wenn der Notar mit Ihrem Sohne zufrieden war, so dürfen Sie dreist eine Bitte an ihn richten, er ist ein gütiger, menschenfreundlicher Herr, und er hat Geld genug, um —"
| ' „Ich kenne ihn besser", unterbrach Palm ihn barsch, „er ist ein mißtrauischer Mann und ein Knicker, wie alle reichen Leute. Ich habe ihn um eine Unterstützung gebeten, statt meine Bitte zu
I erfüllen, beschimpfte er meinen Sohn."
; „Dann wird er wohl Ursache dazu gehabt haben!" „Ursache? Wenn man suchen will, kann man immer etwas finden, und einen Advokaten kommt
i es nicht darauf an, Gründe aus der Luft zu greifen!
lähmt."
Sie hatten jetzt den Gasthof erreicht, vor dem
sie stehen blieben, Johann Palm warf einen Blick auf die dunklen Fenster und holte den Hausschlüssel
aus der Tasche.
„Und wann wollen Sie abreisen?" fragte der
Inspektor.
„Das weiß ich noch nicht, weshalb wünschen Sie
spät ist es noch nicht
! „Spät genug für mich", unterbrach der Wirth ihn mürrisch, „zudem bleibt mein Haus geschlossen, so lange der Todte darin liegt. Gute Nacht!"
Er verschwand im nächsten Augenblick hinter der Hausthür, die heftig zugeworfen wurde, der alte Herr blieb noch einige Sekunden in Nachdenken versunken stehen, dann setzte er mit triumphirenden Lächeln seinen Weg fort. (F. f.)
Vermischtes.
— Libau, 15. April. Der auf der hiesigen Rhede ankernde Flensburger Dampfer „Diana" wurde in der vergangenen Nacht von dem englischen Dampfer „Vernön" übersegelt, die „Diana" sank sofort, die Mannschaft ist nur mit großer Mühe gerettet worden. Das Vordertheil des „Vernon" ist stark beschädigt.
— Eine neue Erfindung, wegen welcher das Patent beim Reichspatentamt nachgesucht, und die, soviel wir wissen, von einem Holländer gemacht worden ist, wird in denjenigen Kreisen, die sich mit Druckerei-Angelegenheiten beschäftigen oder sich auch nur oberflächlich für sie interessiern, lebhaftes Interesse erregen. Man weiß, welche colossalen Schwierigkeiten es heute besitzt, verschiedenfarbigen Druck herzustellen, wie oft das Papier durch die Maschine gehen muß und wie mühsam die ganze Manipulation ist. Jene Erfindung nun ist von ganz eigner Art, — der Erfinder hat Druck-Lettern hergestellt, welche die bunte Farbe in sich selbst haben und welche, wenn beispielsweise der Text eines Druckes schwarz, einzelne Bnchstaben aber bunt sein sollen, die schwarze Farbe nicht annehmen, und bläu, roth, gelb, grün, violett oder in welcher Farbe immer drucken, während im fiebrigen die Walze mit der Druckerschwärze ruhig über sie hinweggehen kann. Die Erfindung wird demnächft patentirt werden. (F- 5-)
— Eine beneidenswerthe Gemeinde und wohl einzig in ihrer Art dürfte das am Main in Unterfranken gelegene Städtchen Klingenberg, königl. bayerisches Bezirksamt Obernburg, sein, denn nicht allein, daß die Bürgerschaft nicht nur nichts in die Gemeindecasse zn zahlen hat, erhält sie schon seit Jahren aus derselben Tantiemen vergütet, die oft eine ganz respectable Höhe erreichen. So erhielt z. B. jeder Bürger für das letzte Jahr als Antheil den Betrag von 108 M. baar ausbezahlt. Natürlich hat die Commune durch die reichen Erträgnisse ihrer Thon- Md Lehmgruben, die im Jahr 1881 allein ein Erträgniß von über 200,000 M. lieferten, und durch den ausgedehnten Weinbau ein sehr beachtenswerthes Einkommen, das
jedoch auch wieder auf der anderen Seite dem Gemeindewohl zu Gute kommt. So besitzt z. B. Klingenberg seit Kurzem die schönste Bogenbrücke über den Main in dortiger Gegend. Seitdem der Schienenweg jetzt Klingenberg mit der übrigen Welt verbindet, hat der Wohlstand dieses Städtchens noch zugenommen. Darum auf nach Klingenberg !
— Ueberschwemmung in Amerika. Der „Courrier des Etats-Unis" schreibt unterm 16. März: „Das ganze Thal des Missisippi in einer Längenansdehnung von ungefähr tausend Meilen, von dem durch die Einmündung des Ohio gebildeten Delta bis zum Golf von Mexiko unterhalb New- Orleans ist in diesem Augenblick durch das Austreten des großen Stromes und seiner Nebenflüsse überschwemmt. Das Unglück ist ungeheuer und nimmt die Verhältnisse einer Nationäl-Kalamität an. Der offizielle Bericht eines mit der Inspektion der verwüsteten Gegend beauftragten Ingenieurs fchätzt die unter Wasser stehende Erdoberfläche von Kairo bis Vicksburg auf 68000 Quadratmeilen und den Theil von Vicksburg bis zur Einmündung des Stromes auf weitere 20000 Quadratmeilen. Unzählige Häuser werden von den Fluthen fortgetragen, die Pflanzungen sind verwüstet, die Ernten und Vorräthe zerstört, das Vieh ertrunken oder verhungert und ganze Bevölkerungen alles Dessen, was sie besaßen, beraubt, dem Hunger und Elend preisgegeben. Die Regierung schickte Zelte und Lebensmittel. Dampfer und Schiffe aller Art zirknliren und retten, was gerettet werden kann, Menschen und Thiere. Die Opfer sind aber ohne Zweifel zahllos und man berechnet, daß 60 000 Menschen von der Regierung erhalten werden müssen. Es ist das die größte Ueberschwemmung des Mississippi seit Menschengedenken.
— Der Zukunfts-Regenschirm. Man schreibt dem „F. I." aus Berlin: Zwei Amerikaner sind nach Berlin gekommen, um hier betreffs Ankaufs eines Patents zu unterhandeln, das vielleicht bestimmt ist, einen gänzlichen Umschwung in der Regenschirm-Fabrikationzuveranlassen. Einfindiger Berliner hat nämlich ein Parapluie construirt, das man nicht in der Hand zu tragen braucht, sondern das vermittelst einer mantelartigen Vorrichtung an den Schultern befestigt ist. Man spricht von einer Summe in der Höhe von 50,000 M., welche für die Verwendung des Patents in Amerika geboten worden ist.
— Ein Sonderling. Der excentrische Fürst Sulkowski, Herzog zu Bielitz, welcher noch immer in Berlin verweilt, hat sich im vergangenen Sommer unter anderm das Vergnügen gemacht, von Luzern aus auf die Spitze des Pilatns ein CIavier hinauf- transportiren zu lassen, weil ihn die Lust anwandelte, dort oben einige Stunden zu musiciren. Im Hotel zu Kopenhagen, wo er unlängst verweilte, betrug seine Rechnung nicht weniger als 37 000 Kronen.
— In Bolton brannte am Sonnabend Abend das Temple Opera House, das größte Provinzial- theater in England kurz nach beendigter Vorstellung des Dramas „Die zwei Waisen" bis auf den Grund nieder. Menschenleben gingen bei dem Unfälle glücklicherweise nicht verloren, allein der angerichtete Schaden wird auf Lst. 15,000 geschätzt. Der Ursprung des Feuers ist noch nicht genau ermittelt.
— Treffendes Plagiat. Von einem sehr bekannten Ärzte, Stifter einer neuen Sekte unter den Jüngern Aeskulaps, dessen Kuren ebenso erstaunlich wie teuer zu sein pflegten, lesen wir in einer jüngst zu Paris erschienenen Biographie eine amüsante kleine Anekdote. Der Heilkünstler empfängt eines Tages den Besuch eines steinreichen Lords, welcher ausschließlich, ihn zu konsultieren, über den Kanal gekommen war. Der Arzt sieht den Engländer scharf an, klopft hie und da an ihm herum und hält ihm schließlich ein Flacon unter die Nase: „Riechen Sie!" Der Lord riecht. „Wohl, Sie sind geheilt." Der Engländer ist über diese schnelle Art der Heilung sehr erstaunt, fragt indes ruhig: „Was schulde ich?" — Tausend Franken!" Der Patient zieht sehr ruhig ein Tau- sendfrancsbillet aus der Tasche, hält es dem Doktor unter die Nase: Riechen Sie — — Gut — — Sie sind bezahlt!" und verläßt würdevoll das Zimmer. (G. Z.)
— Bei Metz wurde jüngst ein Rabe von seltener Größe erlegt, an dessen einem Fuße sich ein metallener Ring mit der Inschrift befand: „Geboren zu Lourtrey 1782.? Der schwarze Raubge- felle hatte also 100 Jahre gelebt.
Fruchtpreise.
Weizen 100 Kilogr. 23 M. 8 Pf. bis 23 M. 65 Pf. Roggen 100 Kilogr. 17 M. 50 Pf. bis 18 M. 80 Pf. Gerste 100 Kilogr. - M.-Pf. bis — M. — Pf. H afer 100 Kilogr. 16 M. - Pf. bis 17 M. 40 Pf.