«r. 31.
Mittwoch dcu 19. April 1882.
Das „Krcisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu.
für den
Jinis Zerssesd.
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar» mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederholung entsprechender Rabatt gewährt.
Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Kassel, den 4. April 1882.
Die Maschinenfabrik von C. G. Tannert, zu Sady, bei Posen, hat uns eine Vorrichtung zur Sicherung der Arbeiter beim Häckselschneiden und der Speisung von Dreschmaschinen mit der Bitte zugeschickt, auf deren Verbreitung in unserem Bezirke hinzuwirken. Die Vorrichtung, welche, aus einem starken Riemen mit Schnallen und Oese besteht, haben wir dem Vorstand des landwirthschaft- lichen Central - Vereins zur Prüfung übermittelt und hat sich derselbe dahin geäußert, daß der Riemen, der leicht an jeder Häcksellade rc. angebracht werden kann, dem Arbeiter absolute Sicherheit gewähre.
Der Riemen wird an der unteren eeite des Bodenbretts der Strohlade oder des Tischbretts der Häckselmaschine mittelst einer Oesenschraube angeschraubt. Er ist mit einem Armband versehen, mit welchem die die Maschine speisende Hand des Arbeiters gefesselt wird. Die Hand wird dadurch bis auf 10 cm von der gefährlichen Stelle entfernt gehalten und hindert die Hand nicht im Mindesten in ihrer Arbeit.
48ir ersuchen Euer Hochwohlgeboren die Ortsvorstände mit dieser einfachen, sehr billigen Vorrichtung bekannt zu machen.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern. J.A. II. 91r.2879. Kühne.
An die Königlichen Landräthe und die Königlichen
Amtmänner.
*
Hersfeld, den 14. April 1882.
Wird hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht.
4782. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
__E 47, April 1882.
Für Anna Margaretha Diebel von Stärklos, 18 Jahre alt, ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht
worden.
4894.
Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Hersfeld, am 17. April 1882.
Der Schreiner Heinrich König zu Niederaula, 27 Jahre alt, hat für sich und seine Familie um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsoerbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht. 4937. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
tzersfeld, am 19. April 1882.
Die Barbara Katharina Löffler zu Schenk- lengsfeld, 24 Jahre alt, hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika
nachgesucht.
5022.
Der Königliche Landrath Freiherr von Broich
Cassel, 12. April 1882. s.
Vom 15. Mai bis Ende September findet im Verkehr zwischen den Postanstalten in Wildungen Stadt bezw. Wildungen Bad einerseits und den Eisenbahnstationen Cassel, Marburg, Gießen und Frankfurt (Main) andererseits eine unmittelbare Personen- und Gepäckeinschreibung statt.
Es können demnach während der erwähnten Zeit bei den Postanstalten in Stadt Wildungen und Bad Wildungen neben denPostsahrscheinen für die Reise von Wildlingen nach Wabern noch Eisenbahnbillets I., II. und IIL Wagenklasse für die Bahnstrecken Wabern—Kassel, Wabern—Marburg, Wabern—Gießen und Wabern—Frankfurt (Main)
gelöst werden.
Ebenso können bei den bezeichneten Bahnstationen neben den Eisenbahnfahrbillets l., II. und III. Wagenklasse für die Strecke Cassel—Wabern, Marburg—Wabern, Gießen-Wabern und Frankfurts —, — ......-, .................
(Main)—Wabern noch Postfahrscheine für die Was den Aufstand anbelangt, so kann man noch
Strecken Wabern—Stadt Wildungen oder Wabern —Bad Wildungen gelöst werden.
Das Reisegepäck wird vom Abgangsorte bis zum Bestimmungsorte durchbefördert.
Das Personengeld und das etwaige Ueberfracht- porto wird nach dem gewöhnlichen Post- und Eisenbahntarif berechnet.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector. zur Linde.
Cassel, 15. April 1882.
Bei der Postagentur in Frankenau wird am 18. d. Mts. Der Telegraphendienst eröffnet.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector. zur Linde.
ZwangSbefugnifse der Polizei nach Gem. Recht.
^Es leidet nach der der Polizei im gegenwärtigen Staate zugewiesenen Aufgabe einerseits, nach dem nur relativen Werthe des Privatrechts gegenüber öffentlichen Interessen andererseits keinen Zweifel, daß die Polizei an den persönlichen und Vermögensrechten der Einzelnen da keine Schranke findet, wo es sich darum handelt, einem gemeingefährlichen Verhalten der Letzteren entgegenzutreten, und daß ferner die Polizei im Falle des Ungehorsams der Einzelnen ihren berechtigten Anordnungen auch mittelst directen Zwanges' Wirksamkeit verschaffen darf. (Gem. Recht.) Erk. des Reichsgerichts, I. Civilst, v. 14 Jan. 1882 (Nr. 644 | 81).
politische Nachrichten.
Deutschland.
Nach offizieller Nachricht treffen am Mittwoch den 19. März der Kaiser und die Kaiserin in Wiesbaden zu längerem Aufenthalte ein.
Von den Bundesrath-Ausschüssen für Zölle und Steuern ist das Referat über das Tabakmonopol dem großherzoglich sächsischen Geh. Finanzrath Heerwardt, das Referat über Unfallversicherung, Krankenkassen und Abänderung der Gewerbeordnung dem königlich bayerischen Ministerialrath Herrmann übertragen worden. Dem Vernehmen nach wird dem Bundesrathe binnen Kurzem noch ein Gesetzentwurf, betreffend die Fürsorge für die Wittwen und Waisen von Angehörigen des Reichsheeres uub der Kaiserlichen Marine zugehen.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Kaiserliche Verordnung, welche den Reichstag auf den 27. April ein beruft.
Der Kongreß deutscher Landwirthe sammelt in den landwirthschaftlichen Vereinen Unterschriften für eine Petition um ein generelles Einfuhrverbot für amerikanisches Vieh, amerikanisches Fleisch und Fleischpräparate.
Auf die Entdeckung des Verbrechers, welcher am Ostermontag die Dienstmagd Friederike Ostermann überfallen und ermordet hat, sind 500 M. Belohnung ausgesetzt.
Die Chronik der Theaterbrände ist schon wieder um einen Fall reicher geworden. Am Abend des 16. April brach im Schauspielhause — in der Garderobe — zu Schwerin während der Vorstellung von „Robert und Bertram" Feuer aus, welches schließlich das ganze Haus ergriff. Menschenleben sollen hierbei glücklicherweise nicht zu beklagen sein.
Oesterreich-Ungar».
Die in den österreichisch-ungarischen Delegationen eingebrachte Creditvorlage forderr ca. 23z Millionen Gulden für militairische Zwecke in dem Occupa- tionsgebiete und in Süd - Dalmatien. In der österreichischen Delegation' wurde die Vorlage dem
Budgetausschuß überwiesen, welcher den Abgeordneten Ruß beauftragte, über dieselbe baldmöglichst zu reseriren. Daß die Delegationen die geforderte Summe schließlich bewilligen werden, kann kaum bezweifelt werden, wenn es auch heißt, daß die Delegationen von der Regierung zuvor bestimmte Erklärungen über die vollständige Annexion der occupirten Länder durch Oesterreich fordern werden.
immer nicht behaupten, daß derselbe, wenigstens was die Herzegowina anbetrifft, vollständig erloschen sei. Zwar wird aus Cattaro gemeldet, daß mehrere muhammedanische Bandenführer in der Gegend von Stolac und Durasceric ihre Bereitschaft zur Unterwerfung erklärt hätten und in der Umgegend von Bilek und Trebinje sollen die zurückgekehrten Flüchtlinge die Feldarbeit wieder ausgenommen haben. Dagegen kommt aus Zara die Nachricht, daß die Insurgenten die Jnsanterie-Kasernen zu Dubar unb Trtzina, im Bezirke von Stolac, niedergebrannt und das Dorf Gojikovic im Bezirke von Ljubinje überfallen haben.
Frankreich.
In Frankreich erregt das neue Schulgesetz noch immer die Gemüther. Der Cardinal-Erzbischof Guibert von Paris beabsichtigt in dieser Angelegenheit sogar einen Hirtenbrief zu erlassen, doch hat er denselben schließlich noch vertagt. Laut Nachrichten aus Rom würde der Papst der französischen Regierung Vorstellungen wegen des neuen Unterrichtsgesetzes machen, aber blos auf diplomatischem Wege und unter der Hand, um einerseits einen Bruch mit der französischen Republik zu vermeiden, andererseits aber der Opposition in Frankreich eine Genugthuung zu bereiten.
Rußland-
Die in den letzten Tagen über den bevorstehenden Rücktritt des russischen Ministers des Innern, Grafen Jguatieff, verbreitet gewesenen Gerüchte werden von dem in Beziehungen zur russischen Regierung stehenden Brüsseler „Nord" entschieden de- meutirt. Die Nachricht von der angekündigten Ersetzung Jgnatieffs durch den russischen Botschafter in London, Fürsten Lobanoff, wird von dem genannten Blatte für gänzlich unbegründet erklärt, ebenso wie die Mittheilung, daß Jgnatieff zum Botschafter in London, oder auch in Paris, an Stelle Fürst Orlow's, destgnirt sei. Desgleichen dementirt der „Nord" die Nachricht, Herr von Giers, der Leiter der russischen auswärtigen Politik, habe die Vertreter Rußlands im Auslande nach St. Petersburg berufen, um denselben ein angebliches neues politisches Programm zu entwickeln. Von einem neuen Programm könne aber keine Rede sein.
Egypten.
Der Stand der Dinge in Egypten ist fortdauernd ein besorgnißerregender. Der Geist der Unzufriedenheit mit der Regierung des Vicekönigs Tewstk Pascha herrscht im ganzen Lande und greift täglich mehr um sich. Wie es scheint, ist indessen die Bewegung gegen den Kriegsminister und Führer der nationalen Partei Arabi Bey nicht als ein Ausfluß dieser allgemeinen Unzufriedenheit, sondern nur als ein spontaner Ausdruck des Mißvergnügens mehrerer in ihrem Avancement sich benachtheiligt glaubender Officiere zu betrachten. Mit der Verhaftung mehrerer dieser Officiere scheint die gegen Arabi Bey gerichtete Bewegung vorläufig ihr Ende erreicht zu haben, dagegen steht es mit Tewsik Pascha selbst ziemlich mißlich. Seine Absetzung soll bereits Gegenstand ernstlicher Erörterungen zwischen den Mächten sein, nur liegt die große Schwierigkeit darin, ihm einen geeigneten Nachfolger zu geben. Als solcher wrrd noch immer vorzugsweise Hassan Pascha, der dritte Sohn des abgesetzten Vicekönigs Ismail Pascha, genannt, doch soll auch Ismail Pascha selbst von' Neuem auf den Thron des Pharaonenlandes speculiren.
Eentral-Afien.
Die Verhältnisse in Afganistan sind auch nach dem Regierungsantritte Abdurrhaman's, des Pro- tegüs der Engländer, keineswegs erfreulicher geworden. Der neue Herrscher der Afghanen soll in grausamster Weise gegen die Anhänger seines Onkels Schir Ali und der beiden Söhne desselben, Jakub und Achmed Ejub Khan, wüthen und da-