Die Abtheilung des Generals Logerot soll am 4. k. M. in Gabes eintreffen und von da nach Susa marschiren.
Italien.
Die italienischen Finanzen, weisen allmälich 8 eine unverkennbare Besserung auf. Schon die directen Steuern dieses Jahres haben, gegenüber den Erträgnissen der directen Steuern im Jahre 1880, ein nicht unbeträchtliches Plus aufzuweisen. Aber auch die Mahlsteuer, die Zollgebühren, die Seezölle und einige andere indirecte Steuern haben einen bedeutenden Ueberschuß in den ersten zehn Monaten dieses Jahres gegen die gleiche Periode des Vorjahres ergeben, derselbe beträgt rund 42 Millionen Lire.
NnMand.
Für die innere Verwaltnng des russischen Reiches stehen umfassende Reformen in Anssicht. Der „Re- gierungs-Anzeiger" veröffentlicht hierüber einen kaiserlichen Befehl, derselbe erinnert zunächst daran, daß die von 1859 bis 1880 in Rußland geschaffenen Reformen ihren Zweck nicht erreicht hätten und es sei deshalb eine eingehende Untersuchung über die innern Zustände des Landes angeordnet und jetzt zu Ende geführt worden. Auf Grund der Ergebnisse dieser Enquöte soll zunächst die bestehende' Provinzialverwaltung mit einer theilweisen Verbesserung der Zeinstvos und der Municipalitäten vollständig umgestaltet werden. Es ist deshalb eine besondere Commissson unter dem Vorsitze des Staatsraths Kohkanow zur Ausarbeitung hierauf bezüglicher Entwürfe eingesetzt worden und sollen letztere die Reorganisation der Verwaltungen der Provinzen, der Stadt- und Lauddistricte und der Bauerschaften umfassen. Außerdem sind noch eine Menge anderer Maß- regeln in Vorbereitung, welche die Art und Weise der Einführung der hier im Allgemeinen angedeuteten Reformen betreffen und sind hierbei besonders die speciell bäuerlichen Einrichtungen berücksichtigt. Eine Wirkung dieser Maßregeln darf man aber bei dem starren autocratischen Regime in Rußland nicht so bald erwarten.
Serbien.
Der Kampf, welchen das serbische Cabinet Pirotschanatz mit dem nunmehr abgesetzten Belgrader Metropoliten (Erzbischof) Michal geführt hat,,ist nun definitiv zu Gunsten der serbischen Regierung entschieden. Der abgesetzte Erzbischof wollte durchaus nicht Ute Autorität des Staates in verschiedenen kirchlichen Fragen anerkennen, so daß sich seine Suspension schließlich nothwendig machte. Aus dem Innern des Landes sind dem Cabinet zahlreiche Zustimmungserklärungen bezüglich seines Vorgehens gegen den Ex-Metropo- liten zugegangen. Zum Nachfolger Michal's wurde Bischof Mossije ernannt.
Türkei.
In der am Sonnabend abgehaltenen Sitzung der, türkisch-russischen Finanz-Commission zu Con- stantinopel erklärte der russische Botschafter v. Novikoff, daß Rußland nicht dagegen opponire, wenn die Fragen der Befriedigung der Bondhol- ders und der russischen Kriegsentschädigung getrennt geregelt würden. Doch müsse dieses Arrangement gleichzeitig erfolgen und sich auf die Hypotheken beschränken, welche jeder Emission einer Anleihe als Garantie gegeben worden seien. Ferner erneuerte der Botschafter das Verlangen nach einer Garantie für die Regelung der Kriegsentschädigung. Die türkischen Delegirten haben ihre Antwort noch verschoben.
Nord-Amerika.
Das stehende Heer in Nord-Amerika ^soll um 20 Procent vermehrt werden, da die Soldaten jetzt nicht auslangen, um den Dienst zu versehen.
Aus Heffen-Nafsau.
Kassel, 14. Nov. Am Sonnabend Abend erregte ein Selbstmordversuch in der Müllergasse große Aufregung. Ein Arbeiter Namens Schade, versuchte sich mittelst eines Rasirmessers den Hals abzuschneiden, brächte sich auch eine kleine Wunde bei und stürzte sich sodann aus dem Fenster seiner im 2. Stock befindlichen Wohnung auf das Straßen- pflaster. Trotzdem sollen seine Verletzungen keine gefährlichen sein. Er wurde in das Landkrankenhaus gebracht.
Kassel, 13. November. Der Vatermörder Jakob aus Rotenburg, welcher sein Verbrechen willig eingestanden hat, wurde gestern geschlossen und unter starker Bedeckung hier eingebracht und in das hiesige Kreisgerichtsgefängniß überführt.
G e l n h a u s e n, 12. Nov. Gestern Morgen ereignete sich auf der hiesigen Gummiwaaren-Fabrik
ein sehr bedauerlicher Unglücksfall. Eine Arbeiterin, Namens Maria Bach von hier, kam aus Unvorsichtigkeit zu nahe an die Welle, mittelst welcher der Gummi gezogen wird, wurde von dieser ergriffen und in die Maschine gezogen. Der Unglücklichen wurde ein Bein stark gequetscht. Außerdem soll sie auch noch andere erhebliche Verletzungen erlitten haben. Glücklicherweise haben die Besitzer der Fabrik, Wendt, Buchholz u. Co., sämmtliche Arbeiter versichert, so daß wenigstens, falls die Arme den Tod davon trägt, für ihre 3 unerwachse- nen Kinder gesorgt ist. Die Unglückliche ist eine Wittwe. (C. Tgbl.)
Geinhausen, 13. November. Abermals ist von einem beklagenswerthen Unglücksfall zu berichten, welcher am gestrigen Abend gegen 8 Uhr auf der Neuestraße dahier stattfand. Der Knecht des Müllers Käs dahier, Johann Heitzel von hier, welcher mit einer Fuhre von 162 Centner Getreide nach der Mühle wollte, kam, als er den Hammer festschrauben wollte, unter die Räder, der schwere Wagen lies über seinen Unterleib, so daß der Unglückliche sofort todt war. Da es sehr dunkel um diese Zeit und die Straße nicht beleuchtet ist, wird als Veranlassung dieses bedauerlichen Falles bezeichnet, daß der Knecht auf einem Stein ausgeglitten sei. Der Arme, ein fleißiger, tüchtiger Mann, war Familienvater und hinterläßt eine Wittwe mit vier Kindern, welche seine Stiefkinder waren. Für die nächste Zukunft der Hinterbliebenen hat der Unglückliche in edler Weise gesorgt, indem er sich mit 1600 Mark versichert hat, was für einen Knecht gewiß eine hohe Summe ist.
Im Bann der Schuld.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
„Welche Snmmewäredazu erforderlich?" fragte Udo rasch.
„Fünf bis sechstausend Thaler, ich könnte damit alle Schulden decken und behielte genug in den Händen, um Küche und Keller wieder zu füllen. Und dann wollte ich schon dafür sorgen, daß die Gäste wiederkämen, ich weiß nun, wie es gemacht werden muß. Ich will Sie überzeugen, Herr Baron, Sie sollen einen Blick in meine Rechnungsbücher werfen." ,
„Das ist unnöthig", sagte Baron Udo, aber der Wirth hatte das Gastzimmer schon verlassen, um seine Bücher zu holen.
„Wirst Du ihm helfen?" fragte Burkhard.
„Nein", erwiderte sein Bruder, „wenigstens fühle ich mich in diesem Augenblick nicht geneigt dazu. Er ist nicht aufrichtig uns gegenüber, er weiß mehr, als er uns verrathen will.
„Aber welche Gründe könnten ihn veranlassen, uns die Wahrheit zu verheimlichen?"
„Ich kann Dir darauf jetzt noch keine Antwort geben, aber ich werde darüber nachdenken und diese Gründe hoffentlich erforschen. Derzeit war er ein treuer, ehrlicher Mensch, jetzt ist er ein Lump, dem alle Mittel und Wege recht sind, wenn er nur seinen Zweck erreichen kann. Dadurch, daß er alle Schuld auf seine Frau schieben will, stellt er sich ein schlimmes Zeugniß aus."
„Du glaubst also, daß er den Inhalt jenes Dokuments kennt, das er dem Notar Wedekind überbringen mußte?"
„Ganz gewiß! Hat unser Vater ihm gesagt, daß diese Reise ein Geheimniß bleiben müsse, so wird er ihm auch Andeutungen über den Inhalt des Briefes gemacht haben."
„Vielleicht hat er das Dokument unterschlagen!"
„Daran ist nicht zu denken, er mußte jedenfalls unserem Vater eine Empfangs-Bescheinigung über
bringen."
Johann Palm kehrte in diesem Augenblick zurück, er legte die Bücher auf den Tisch und machte den Baron auf die Summen, die in ihnen verzeichnet standen, aufmerksam.
Baron Udo warf nur einen flüchtigen Blick auf die Ziffern, der Ausdruck seines Gesichtes bekundete deutlich, daß er nicht gesonnen war, die Hoffnungen des bedrängten Mannes zu erfüllen.
„Aus diesen Zahlen geht hervor, daß Sie ein blühendes Geschäft besessen haben", sagte er kühl, „es lag in Ihrer Macht, sich dasselbe auch für die Zukunft zu "sichern, Sie werden mich nicht überzeugen, daß Sie ohne eigenes Verschulden verarmt sind. Wollte ich wirklich Ihnen helfen, so hieße das nur Wasser in's Meer tragen, Sie würden bald wieder aus demselben Standpunkte angekommen sein, auf dem Sie heute stehen. Ich be- daure, einem alten Diener unseres Hauses das
sagen zu müssen, aber Sie nöthigen mich dazu, aus das Antlitz des Sohnes heftend.
und ich sehe mich nicht veranlaßt, Ihnen die Wahr- „Ich wüßte nicht, aus welchen Gründen er mu heit zu verhehlen." zufrieden sein könnte", erwiderte Robert mit einer
Er holte nach chiesen Worten seine Börse aus geringschätzenden Geberde. „Ich arbeite für ihn, der Tasche und berichtigte die Zeche, dann bot er I wie ein Pferd, und er zahlt blutwenig dafür —"
seinem Bruder den Arm, und der Blinde richtete jetzt noch einmal an den Wirth die Frage, ob der Inhalt des bewußten Dokuments ihm wirklich ganz unbekannt sei.
„Total unbekannt!" erwiderte Johann Palm, mit einer devoten Verbeugung sich verabschiedend. „Ich hoffe, die Herren werden mich wieder beehren, vielleicht erinnere ich mich noch einiger Einzelheiten aus damaliger Zeit, die Ihnen interessant sein dürften."
Der Herr Notar Wedekind wird wahrscheinlich ein besseres Gedächtniß haben, wir wollen uns an ihn wenden", sagte Baron Udo, während Palm ihnen die Hausthür öffnete, „Sie sind sehr unklug gewesen, mein Bester, durch ehrliche Aufrichtigkeit hätten Sie sich unsere volle Gunst erwerben können."
Der Wirth warf die Hausthür hinter ihnen zu und kehrte in-sein Gastzimmer zurück
„Und was hätte ich von dieser Gunst gehabt?" brummte er, während er mit zitternder Hand sein Weinglas füllte und nun anch die dritte Flasche entkorkte, die ebenfalls bezahlt, aber noch nicht berührt war. „Als armer Teufel ist er derzeit ausgewandert, er wird im günstigsten Falle als kleiner Rentner zurückgekehrt sein. Und der Andere, der Blinde, ist so arm, wie eine Kirchenmaus, das konnte man seinem schäbigen Rocke ansehen. Kommen mir da in's Haus gefallen, um mich auszuhorchen! Wenn Ihr das wollt, müßt Ihr früher aufstehen, so klug, wie Ihr seid, bin ich auch!"
Er trank das Glas aus und füllte es wieder, dann legte er, heiser lachend, die Hände auf den Rücken, um mit großen Schritten auf und ab zu wandern.
„Mit dem Bankier Degner steht's faul", nahm er nach einer Pause das Selbstgespräch wieder auf, „er hat in der letzten Zeit große Summen verloren, das alte Haus ist wurmstichig geworden, bei dem geringsten Stoße stürzt es zusammen. He, was willst Du?"
Er hatte diese Frage in barschem Tone an eine kleine, hagere Frau gerichtet, die mit kummervoller Miene in der offenen Thür stand und scheu in das Zimmer blickte.
„Ich wollte nur fragen, ob die Gäste ein Souper wünschen", erwiderte sie.
„Wirklich?" höhnte er. „Und wenn sie es wünschten, könntest Du es zubereiten?"
„Wir haben noch einen jungen Hahn und ein Stück Rinderbraten", sagte sie schüchtern.
„Den Braten kenn' ich genügend, ich hab' mir .schon heute Mittag die Zähne daran stumpf gebissen. Scheer Dich zum Teufel, Du bist an dem ganzen Unglück schuld."
„Ich ertrag's nicht länger, Johann, erwiderte seine Frau, die Hände faltend und mit einem
flehenden Blick ihn anschauend, „so wahr mir Gott helfe, ich habe immer das Metnige gethan —"
„Und thu t es auch jetzt noch, um die Gäste ,zu verscheuchen " rief er wüthend. „Du hast das Deinige redl ch gethan, mich in's Unglück zu bringen. Mach' nur, daß Du mir aus den Augen kommst, wenn Robert heimkehrt, soll er sofort hierher kommen."
,Du hast daS
Er schritt mit geballter Faust auf die unglückliche Frau zu, die hastig ihm den Rücken wandte und von bannen eilte.
„Nichts als Aerger!" brummte er, seine Wanderung wieder aufnehmend, „ich hab's satt, die Geschichte muß ein Ende nehmen. Kann ich etwas Erkleckliches herausschlagen, so versuche ich mein Glück in Amerika. Fünfzehntausend Thaler zu vier und ein halb Prozent in — sagen wir: fünfundzwanzig Jahren, wie viel macht das?"
Er blieb stehen und rieb seine Stirn, und nachdem er in Gedanken eine geraume Weile gerechnet hatte, schüttelte er ärgerlich das graue Haupt.
„Es ist eine lange Rechnung", sagte er, „ich bring's bei Heller und Pfennig so rasch nicht heraus. Aber nahe an fünfzigtausend Thaler werden herauskommen — sapperment, das wäre ein fetter Bissen!"
In Sinnen versunken setzte er seine Wanderung fort, von Zeit zu Zeit der Flasche zusprechend, die er beinahe geleert hatte, als sein Sohn eintrat.
Der junge, stutzerhaft gekleidete tzerr war ebenso hager und eckig, wie sein Vater, und trotzdem er sein zwanzigstes Lebensjahr kaum überschritten haben mochte, zeigte sein blasses, bartloses Gesicht doch schon die Spuren niedriger Leidenschaften. Johann Palm füllte ein Glas und schob es dem Sohne hin, dann nahm er ihm gegenüber Platz.
„Ist der Notar noch immer zufrieden mit Dir?" fragte er, den stechenden Blick fest und durchdringend auf das Antlitz des Sohnes heftend.