für den
Jireis ßerssefö.
Nr. 91.
Sonnabend den 12. November
1881.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Corpuszeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.
Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, am 9. November 1881.
Zur Verzinsung und Amortisirung des zum Bau des Landkrankenhauses aufgenommenen Darlehns sowie zur Bestreitung der laufenden Ausgaben wird hiermit für das Rechnungsjahr 1881182 eine Kreissteuer im Betrage von 5417 M. 16 Pfg. ausgeschrieben.
Den Herren Ortsvorständen des hiesigen Kreises werden in den nächsten Tagen Nachweisungen der auf die 2e. Gemeinden repartirten Quoten zugehen und wollen dieselben dafür Sorge tragen, daß die Beträge alsbald und spätestens bis zum 30. d. Mts. an den Rechnungsführer der Kreiskasse, Herrn Waisenhausverwalter Adams, dahier eingezahlt werden. *
12661. Der Königliche Land rath
- _______Freiherr von Broich.
Hersfeld, am 9. November 1881.
In Folge gegebener Veranlassung spreche ich die Erwartung aus, daß die Herren Ortsvorstände des Kreises für die Veröffentlichung der Ihnen direct zugegangenen Bekanntmachung des Herrn Landes- Directors vom 15. v. Mts. betreffend die Hessifche Brand-Verficherungs-Anstaltin entsprechender Weise Sorge getragen haben.
12352. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Pofitisdje Nachrichten.
Deutschland.
Die Frage, wie sich Fürst Bismarck den Wah • len gegenüber, welche die Gegner seiner inneren Politik im Reichstage nur verstärkt haben, verhalten werde, ist von der Berliner „Post" bekanntlich dahin beantwortet worden, daß der Reichskanzler beabsichtige, seine Entlassung zu nehmen, wenigstens geht diese Absicht indirect aus den Mittheilungen des genannten Blattes hervor. Fürst Bismarck soll es müde sein, das Stichblatt für alle Bosheit, Niederträchtigkeit, Verläumdung und neidische Verdächtigung zu sein, welche eine Bevölkerung von 45 Millionen ablagerte. Es ist allerdings keine leichte Aufgabe, zu einer Zeit, in welcher die Reichsregierung auf keiner Seite im Parlamente eine Majorität zu ihrer Unterstützung hat, an der Spitze der Geschäfte zu stehen. Indessen, trotz der verschiedenen Schwierigkeiten der inneren Lage, können wir es nicht glauben, daß Fürst Bismarck ernstlich beabsichtigen sollte, zurückzutreten, er hat ja viel größere Schwierigkeiten siegreich überwunden und dies wird ihm ohne Zweifel auch jetzt gelingen.
Die Kaiserin hat ihre Herbstcur in Baden- Baden beendet und steht ihre Abreise nach Coblenz unmittelbar bevor. Von Coblenz gedenkt die hohe Frau gegen Ende dieses Monats wieder in Berlin einzutreffen.
Unter den Resultaten der bisher stattgefundenen und bekannten Stichwahlen ist besonders das Eine bemerkenswerth, daß, während es den Socialde- mocraten nicht gelang, im ersten Wahlgange auch nur einen ihrer Gesinnungsgenossen durchzubringen, sie bei den engeren Wahlen bis jetzt eine verhält- nißmäßig bedeutende Anzahl von Mandaten wieder errungen haben. Es wäre demnach sehr wohl zu erreichen gewesen, wenn die Ordnungsparteien besser zusammengehalten hätten, für diesmal jede socialdemocratische Vertretung im Reichstage unmöglich zu machen. Es ist bedauerlich, daß dies
unterlassen worden ist und noch bedauerlicher, daß der socialdemocratische Candidatin manchen Wahlkreisen eine bedeutende Anzahl nicht socialistischer Stimmen gegenüber demCandidaten der Ordnungsparteien erhielt.
In der Bundesraths-Sitzung vom vergangenen Dienstag wurden außer einigen Vorlagen von beschränkterem Interesse die Etats der Reichs-Justiz- verwaltung, des Reichskanzlers und der Reichskanzlei, des Reichs - Eisenbah namtes, des Rechnungshofes des dentschen Reiches und der Reichsdruckerei mit unwesentlichen Abänderungen genehmigt.
In dem Befinden des kürzlich an einer. Erkältung erkrankten Großherzogs von Baden ist insofern eine kleine Verschlimmerung eingetreten, als das Fieber und die Beklommenheit etwas zugenommen hat. Der Erbgroßherzog von Baden ist" am Mittwoch von Potsdam in Karlsruhe eingetroffen.
Die Nachricht, daß das bayerische Ministerium v. Lutz um seine Entlassung nachgesucht habe, wird von Münchener officiöser Seite dementirt, mit dem Bemerken, daß hier lediglich ein Wahl- manöver Vorgelegen habe.
Oesterreich-Ungarn.
In der Dienstags-Sitzung der ungarischen Delegation hat auch Graf Andraffy, der frühere österreichische Minister des Auswärtigen, Gelegenheit, genommen, sich über die auswärtigen Beziehungen Oesterreichs und zwar speciell zu Italien, zu äußern. Andraffy erklärte, daß er während seiner ganzen ministeriellen Laufbahn der Ueberzeugung gewesen sei, die Eintracht und ein inniges, freundschaftliches Verhältniß zwischen Italien und Oesterreich ein großer, wichtiger Factor des europäischen Gleichgewichts sei. Bezüglich der „Jtalia irredenta" sprach Andraffy seine Ueberzeugung aus, daß dieser Bund nicht nur gegen Oesterreich, sondern auch gegen das jetzige politische System in Italien gerichtet sei und diese Ansicht theilten auch die italienischen Staatsmänner. Ferner erklärte der Redner, daß es unter den Delegations - Mitgliedern ohne Rücksicht der Parteistellung Niemand gäbe, der nicht die kürzliche Monarchen-Begegnung in Wien mit vollem Herzen freudig begrüße, welche eines der erfreulichsten politischen Ereignisse sei, welche Oesterreich in der neusten Zeit begegnet wären. Andraffy schloß mit dem Ausdruck des Bedauerns, daß es dem Baron Haymerle nicht vergönnt war, sich des schönsten Resultates seiner Wirksamkeit persönlichen erfreuen. Die Aeußerungen Andrassys riefen in der Delegation wiederholten lebhaften Beifall hervor.
Frankreich.
Der Verlauf der großen Debatte in der französischen Deputirtenkammer über die tunesische Affaire hat im Allgemeinen den hierauf gesetzten Erwartungen nicht entsprochen. Den Charakter einer großen politischen Debatte hat die betreffende Kammerverhandlung eigentlich nicht getragen, dieselbe machte vielmehr einen ziemlich kläglichen Eindruck, obwohl sie die Kammer nicht weniger als vier Tage lang in Anspruch nahm. Die Vertheidigung des Kriegsministers Farre gegen die wider ihn erhobenen Angriffe war allerdings sehr schwach, doch auch den oppositionellen Rednern fehlte es an Logik und überzeugender Schärfe. Am Mittwoch erfolgte der Schluß der Debatte; der von radicaler Seite gestellte Antrag auf Einleitung einer Untersuchung wurde mit 343 gegen 168 Stimmen abgelehnt, ebenso wurde ein Antrag auf Uebergang zur einfachen Tagesordnung mit 326 gegen 205 Stimmen verworfen, welches Schicksal noch verschiedene bean
tragte Tagesordnungen hatten. Endlich wurde die von Gambetta beantragte Tagesordnung: Frankreich ist entschlossen, den Vertrag vom 12. Mai loyal und vollständig zu beobachten, mit 379 Stimmen angenommen, womit die tunesische Affaire in der Kammer beendigt ist.
England.
In England sieht man mit einer gewissen Spannung den üblichen Ministerreden auf dem bevorstehenden Lordmayors-Banket entgegen. Man will in dieser Hinsicht bereits wissen, daß der Premier Gladstone die Erfolge hervorheben werde, welche seine auswärtige Colonial- und indische Politik seit einem Jahre davongetragen habe, daß in Egypten der Status quo im Einverständniß mit Frankreich gewahrt worden, daß der Handelsvertrag mit Frankreich nicht aussichtslos sei und daß in Irland die Wiederherstellung geordneter Dinge begonnen habe. Diese Erfolge wird man Herrn Gladstone nicht absprechen können, dagegen ist es auch sicher, daß England in der europäischen Politik jetzt lange nicht mehr den Einfluß ausübt, wie unter Lord Beaconsfield, worüber sich Gladstone aber wohl ausschweigen dürfte. — Durch Königliche Verordnung ist vom 1. Nov. die Bildung der „North British Borneo-Company genehmigt und dieselbe ermächtigt worden, die den Vertretern der Gesellschaft durch die Sultane von Brunei und Souton auf Grund der jährlichen Zahlungen abgetretenen Gebiete von Borneo auszubeuten, womit der Grund zur englischen Herrschaft auf den Sunda-Jnseln gelegt ist.
Rußlan d.
In Rußland sind wieder einmal Gerüchte von bevorstehenden Ministerveränderungen in Umlauf. Der bisherige Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Rußlands, Staatsrath v. Giers, soll gesonnen sein zurückzutreten und nennt man den bisherigen Minister des Innern, Grafen Jgnatieff, als seinen Nachfolger; als künftiger Minister des Innern wird Graf Peter Schuwaloff bezeichnet. Indessen sind diese Gerüchte mit großer Vorsicht aufzunehmen, da namentlich ein Ministerium des Aeußern unter Jgnatieff von den europäischen Mächten mit Mißtrauen ausgenommen werden würde.
Belgien.
Die belgische Kammersession ist am 8. November ohne irgendwelche Feierlichkeit eröffnet worden. Die Rechte der Kammer hatte zwar in einer Kirche eine Messe bestellt, doch waren hierbei nur 13 De- putirte und 4 Senatoren der clericalen Partei erschienen. Der Senat hat seine Geschäftsleiter wiedergewählt.
Schweiz.
Die Liste des neugewählten schweizer National- rathes ist nun amtlich festgestellt worden. Demselben gehören hiernach 105 bisherige Mitglieder an, während 40 Mitglieder neugewählt wuroen.
TuniS.
Die Colonne des Generals Delebecque, welche am 5. November die Stadt Ich (östl. Tunis) verlassen und nach Moghar marschiren sollte, hat seit dem 3. November keine Nachrichten von sich gegeben, weshalb man um das Schicksal derselben in großer Besorgniß ist.
Nord-Amerika.
Die in 12 Unionsstaaten stattgefundenen Wahlen zur Repräsentantenkammer sind in größter Ordnung verlaufen, in dem Staat New-Aork haben