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zwanzigsachen Betrage nur noch durch Baarzahlung bewirken können.

Die Ablösungsanträge können von den Bethei- ligten direkt an uns eingercicht, aber auch bei unsern Spezialkommissarien schriftlich oder zu Pro­tokoll angebracht werden.

Kassel, den 19. Februar 1881.

Königliche Generalkommission.

Wilhel m y. '

Hersfeld* am 18. März 1881.

Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Kenntnißnahme und geeigneten Hinwirkung auf die Ablösung der in den betreffenden Gemeinden zur Zeit noch bestehenden ablösbaren Reallasten mitgetheilt. Die Ablösungsantrüge können direkt bei der Königlichen General-Commission eingereicht oder bei der Spezial-Commission schriftlich oder zu Protokoll angebracht werden.

2764. ' Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Fotttische 3W)ndjhm.

Deutschland.

Die Wiederberufung des Bundesrathes steht in der nächsten Zeit zu erwarten. Unter den Vorlagen, die demselben zur Berathung zugehen werden, dürf­ten sich außer dem Reichshaushaltsetat vorläufig keine von weittragenderer Bedeutung befinden; für den Etat des Reiches sind die Arbeiten im Schatz- amt schon bedeutend gefördert worden, auch die vorbereitenden Arbeiten für das Tabaksmonopol sind bereits in vollem Gange.

Im Reichsamt des Innern sind in vergangener Woche die Berathungen über die Revision des Hilfskassengesetzes zum Abschluß gebracht worden. Es handelte sich bei dieser Revision in erster Reihe um die Belastung der Hilfskafsen mit der Ent- schädigungslefflung bei Unfällen während der ersten vier Wochen der Arbeitsunfähigkeit, worüber offi- ciöserseits bemerkt wird, daß der Staat, wenn die Hilfskaffen als Korrelat der Unfallversicherungs­anstalt aufgefaßt werden, selbstverständlich auch eine wesentlich vermehrte Controle über dieselben zu übernehmen habe, wie denn überhaupt das ganze Hilfskassenwesen, welches keineswegs die bei dem Inkrafttreten des Gesetzes erhoffte allgemeine Aus­dehnung gefunden habe, neu organifirt und die Leistungsfähigkeit der einzelnen Hilfskaffen sicher­gestellt werden solle.

Die Angabe, daß bei dem nächsten Reichstage eine Creditforderung für eine geplante Erweiterung der Berufsconsulate des deutschen Reiches bean­tragt werden solle, beruht sicherem Vernehmen nach auf einer Verwechslung. Es handelt sich lediglich um die Vermehrung einiger Berufsconsulate, bei­spielsweise in Montenegro u. s. w., welche durch die Verhältnisse unabweisbar geboten erscheinen und die als einfache Etatsposition in den Etat des Auswärtigen Amtes aufgenommen werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß bei dieser Gelegen­heit die grundsätzliche Frage wegen Vermehrung der Berufsconsulate in dem vom Reichskanzler früher schon angeregten Sinne zur Erörterung gelangen werde.

Die neueste „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, es handle sich bei den Reformen des Reichskanzlers darum, die bisherige unvollkommene Maschinerie des Armenwesens durch eine vollkommenere zu ersetzen. Um Mittel zur Begründung einer Alters­versorgung zu gewähren, sollten die Erträge des Tabakmonopols in erster Linie verwandt werden. Das Reich könne nicht sämmtliche dazu erforder­liche Mittel gewähren und müsse bei Begründung einer allgemeinen Altersversorgung die nothwen­dige Ergänzung in Bildung genossenschaftlicher Versicherungsverbände in jedem einzelnen Erwerbs­zweige und nach Provinzen und Kreisen gesondert finden.

Auf die Beschwerdeschrift des Herrn Howaldt in Kiel an das preußische Ministerium des Inneren in Sachen der beschlagnahmten Dampfer „Sokra- tes" und „Diogenes" ist nunmehr die Antwort erfolgt. Herr von Puttkamer erklärt,. daß wie von Howaldt vorgebrachten Gesichtspunkte nicht ver­anlassen könnten, das Verbot wegen Auslaufens der Schiffe zurückzunehmen, welches auf Grund einer Reclamatiou des chilenischen Gesandten in Paris erfolgt fei.

Oesterrcich-Ungaru.

In Oesterreich hat sich der Gedanke der „Times, daß Oesterreich-Ungarn das Protectorat über Griechenland übernehmen und sich in den Besitz von Thessalien und Epirus setzen solle, wenn es England in Egypten nach Gutdünken walten lasse, keiner sonderlich freundlichen Aufnahme zu erfreuen gehabt. Die Wiener Blätter weisen diese Auffor­

derung zum frischen und fröhlichen Zugreifen ent­schieden zurück, das Augenmerk Oesterreich-Ungarns müsse darauf gerichtet sein, sich das Vertrauen und die Sympathie der selbstständigen Balkan- Staaten zu erwerben, und in dieser Richtung hat allerdings das Wiener Cabinet nicht unbedeutende Erfolge errungen. Darüber ist man in London verstimmt, und es ist leicht möglich, daß der be­treffende Artikel in der „Times", welcher der österreichischen Monarchie so freiwillig die westlichen Provinzen der europäischen Türkei überantwortet, nur den Zweck hatte, Griechenland und,die übrigen Balkanstaaten vor den „ehrgeizigen Plänen" Oesterreichs zu warnen.

Frankreich.

Dem Bedürfniß der Pariser nach Seandalproceffen trägt der Proceß, welchen der französische Minister- resident in Tunis, Roustan, gegen Rochefort anstrengen wird, entschieden Rechnung. Alle Welt ist begierig, wie Rochefort seine gegen Roustan und Gambetta geschleuderten Anklagen begründen will; es ist zwar nicht glaublich, daß es Rochefort und seine radicalen Freunden gelingen werde, Gambetta in der öffent­lichen Meinung Frankreichs herabzusetzen, allein sie halten sich in gewissem Maße des Erfolges sicher und sie wiederholen daher ihreAnschuldiguugen in den verschiedensten Lesarten. Dazu kommt, daß Gambetta's opulente Lebensweise der letzten Jahre allerdings geeignet ist, diesen Verläumduugen in gewisser Beziehung Vorschub zu leisten und dieselben allen denen glaubwürdig erscheinen zu lassen, welche aus politischen oder persönlichen Gründen die er­bitterten Feinde des Ex-Dictators geworden sind; jedenfalls kann man aus den Ausgang des Processes gespannt sein.

England.

Die irische Laudliga und ihre Anhänger haben in der vergangenen Woche das Conto ihrer Schuld wieder durch eine Reihe arger Ausschreitungen be­reichert. In Pallas Green wurde versucht, das Haus des Gutsbesitzer Lloyd in die Luft zu sprengen, bei Drogheda wurde auf einen Landagenten ge­schossen, inTubercurryfand einblütiger Zusammen­stoß zwischen Polizei und Landligisten statt und AehnlicheS mehr. Die Freilassung des Pater L-heehy und anderer politischer Gefangener scheint demnach keine versöhnlicheren Gefühle bei der Landliga erweckt zu haben.

Italien.

In den italienischen Blättern taucht immer wieder die Seeschlange von der Reise des Königs Humbert nach Wien und der italienisch-österreichischen Allianz auf, ohne daß für die Verwirklichung dieser Pläne in der nächsten Zeit auch nur die geringste Aus­sicht vorhanden wäre. Es wird versichert, daß König Humbert weder seinen Ministern noch seiner Umgebung gegenüber ernstlich den Wunsch oder die Absicht einer Reise ins Ausland geäußert habe und die persönlichen Beziehungen zwischen König Humbert und Kaiser Franz Joses bedürften zu ihrer Besserung auch keiner Begegnung zwischen beiden Monarchen. Der Reiseplan des italienischen Herrschers nach Wien und die Allianz Italiens mit Oesterreich und Deutschland sind darum als Dinge zu betrachten, die vorläufig nicht muf der politischen Tagesordnung figuriren.

Rußland.

Der russische „Regierungsanzeiger" bringt jetzt Erläuterungen und Erklärungen zu der vor einiger Zeit veröffentlichten Verordnung zur Aufrechter­haltung der staatlichen Ordnung und Ruhe. Diese Erklärungen beziehen sich auf diejenigen Organe, welche die exceptionellen Vollmachten erhalten, auf die Grenzen dieser Vollmachten, ferner auf die Gegenden, welche in deren Wirkungskreise liegen und endlich auf die Dauer dieser Wirksamkeit und die Bedingungen ihres Aufhörens. Gegenüber den russischen Nihilisten dürften sich aber diese Maß- nahmen als machtlos erweisen.

Schweden»

Das neuvermählte kronprinzliche Paar von Schweden ist sowohl während seiner Fahrt von Gothenburg nach Schloß Drottningholm als auch bei seinem Einzüge in L-tockholm von der Bevölke­rung mit unbeschreiblichem Jubel empfangen worden und namentlich war der Empfang der hohen Neuvermählten in der Hauptstadt ein äußerst glänzender. Die Straßen derselben waren außer­ordentlich prächtig geschmückt, desgleichen die Plätze und Brücken; am Abend des Octobers, beS Ein­zugstages fand eine allgemeine Illumination, ver­bunden mit Feuerwerk, statt.

Süd-Afrika»

Die Transvaalboers zeigen noch immer eine ge­wisse Erregung gegen die englische Regierung, so

daß General Roberts Befehl erhalten hat, den Ab­marsch der englischen Truppen aus dem Transvaal­lande zu verzögern. Man muß auch gestehen, daß die Medensbedingungen der englischen Regierung gerade nicht allzumilde sind und besonders die von England geforderte beständige Controlle der inneren und der äußeren Angelegenheiten des Transvaal­landes widerspricht dem unabhängigen Sinn der Boers; etwas mehr Großmuth wäre den Eng­ländern gegenüber den Boers mithin anzuempfehlen.

Aus Hessen-Nassau.

Hersfeld, 5. October. Die plötzliche einge­tretene erhebliche Steigerung des Verkehrs und der dadurch hervorgerufene große Wagenmangel hat die Königliche Eisenbahn-Direction Frankfurt a. M. veranlaßt, um die durch das öffentliche Ver- : kehrsinteresse dringend gebotene Versorgung der großen Versandtgebiete mit leeren Wagen zu er­möglichen bezw. zu erleichtern, bis auf Weiteres die Ent- und Beladefrist für offene Güterwagen auf 6 Tagesstunden (ohne Einrechnung der Mit­tagszeit von 12 bis 2 Uhr) für die innerhalb einer Entfernung von 5 km. von der betreffenden Station wohnenden Interessenten herabzusetzen. Ausge­nommen sind die Stationen Limburg, Höchst, Wies­baden, Mainz, Frankfurt (Taunusbahnhof und Sachsenhausen), Hanau, Gemünden, Gelnhausen, Fulda, Leinefelde, Wolkramshausen, Nordhausen und Halle. Wir machen jedoch darauf aufmerk­sam, daß mit Rücksicht darauf, daß die zweistündige Mittagszeit, während welcher die Be- und Entla­dung der Wagenladungen sowie die Auslieferung der Wagenladungen ebenfalls stattfindet, in die sechsstündige Entladefrist nicht eingerechnet wird, thatsächlich eine 8stündige Frist für die Be- und Entladung besteht. Um Den Verkehrsinteressenten, soweit der Hauptzweck der schleunigen Rücksendung der Wagen es irgend gestattet, entgegenzukommen, hat die Königl. Eisenbahn-Direction ferner ange­ordnet, daß in allen denjenigen Fällen, in denen mit Rücksicht auf die Lage der Fahrpläne die Ueberschreitung der festgesetzten Ladefristen eine Verzögerung derAbsendung bezw. Rücksendung der Wagen nicht zur Folge hat, von Erhebung einer Wagenmiethe Abstaud genommen werden soll. Auch wird durch die eingeführte Expreß-Avisirung der gegenüber der Avistrung durch die Post entstehende Zeitverlust wesentlich verringert. Wir glauben um so mehr auf eine unpartheiische Würdigung dieser durch das Verkehrsinteresse gebotenen Maßregel seitens des verkehrstreibenden Publikums rechnen zu dürfen, als gerade die Staatsbahnverwaltung in der letzten Zeit durch mannigfache Transport- und Verkehrserleichterungen insbesondere auch durch Verlängerung Der für Stückgüter bestehenden Ab- holungsfristen dargethan hat, wie sehr sie sich die Förderung Der allgemeinen Interessen hat ange­legen sein lassen.

— Der Oberförster-Candidat Martin ist zum Oberförster ernannt, und es ist ihm die durch Ver­setzung des Oberförsters Gies erledigte Ober­försterstelle Bimbach mit dem Amtssitze zu Großen- lüder im Regierungsbezirk Casfel übertragen worden.

Kassel, 2. Oktober. Die strenge verbotene und schon so häufig in Presse und Publikum ernst ge­rügte Unsitte, auf die Trittbretter der Eisenbahn- waggons zu springen und so noch die Mitfahrt erzwingen zu wollen, während Der Zug bereits im Abfahren begriffen ist, hat heute Morgen auf Station Gensungen wieder einmal ein sehr beklagenswerthes Unglück zur Folge gehabt. Ein Passagier geriete bei solchem wagehalsigen Beginnen durch Abrutschen vom Trittbrett mit einem Bein zwischen die Räder des Waggons und wurde so eine Strecke mitge­schleift, bis es gelang, den Zug wieder zum Stehen zu bringen. Außer anscheinend inneren Verletzungen und Quetschungen wurde dem Unglücklichen das Bein abgefahren. Der Verunglückte soll ein Butter- Händler aus Lohre sein, Der unsere Stadt besucht hatte und auf Der Heimreise begriffen war. (H. M.)

Treysa, 2. October. Am heutigen Tage hat sich eine Gerichtskommission nach Gilserberg be- geben, um Die Leiche des vor etwa 8 Tagen dort plötzlich zu Tode gekommenen und bald darauf be­erdigten Sohnes Der alten Witwe des Forstauf­sehers Schmidt daselbst ausgraben und dieselbe in Bezug auf die Todesursache des Mannes nachträg­lich untersuchen zu lassen. Der Letztere hatte in einer Wirthschaft seines Wohnorts an einem sog. Weinkauf Theil genommen und nach sehr reich­lichem Genuß von Spirituosen den Weg nach seiner Wohnung angetreten. Ehe er dieselbe erreichte, war er auf der Straße niedergefallen und hier, da es Abend war, unbemerkt liegen geblieben, bis ihn zwei Einwohner hier auffanden und nach ver­geblichen Versuchen, ihn zum Aufstehen zu veran­lassen, nach seiner Wohnung forttrugen. Hier niedergelegt, wurde er gleich als Leiche erkannt. Ueber die plötzliche Ursache des Todes, welche, was