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für den

(Kreis ^ers^Ci).

Nr. 79. Sonnabend den 1. Oktober 1881.

DasKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben Lei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Corpuszeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.

Bestellungen aufdaSKreiöblatt" AWWWM werden noch fortwährend von allen Postanstalten, Landbriesträgern und von der Expe­dition angenommen.

Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, am 29. September 1881.

Nach den von dem ständischen Bauamt mir mit- getheilten Restanten-Listen sind noch die meisten Gemeinden rc. des hiesigen Kreises mit Graben- und Bankett-Arbeiten im Rückstände.

Da mit Rücksicht auf die vorgeschrit­tene Jahreszeit die schleunigste Er­ledigung dieser Arbeiten dringend ge­boten ist, so werden die Herren Ortsvorstande der betreffenden Gemeinden rc. hierdurch angewiesen, die fraglichen Arbeiten, welche schon biS^uml. Septembercr. hätten erledigt sein müssen, sofort in Angriff nehmen zu lassen und dafür zu sorgen, daß die­selben bis spätestens zum 12. O.ctober d. I. ordnungsmäßig und vollständig erledigt sind. Nach Ablauf dieser Frist wurde ich genöthigt sein, etwaige Rückstände sofort auf Kosten der Gemeinden beseitigen zu lassen und die säumigen Ortsvorstände zur Verantwortung zu ziehen.

11127. Der Königliche Landrath.

J. V.:

Heeg, Kreissekretair.

Hersfeld, am 28. September 1881.

Der Zugführer Johannes Nehm zu Krems­münster, gebürtig aus Sorga, 28 Jahre alt, hat für sich und seine Familie um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanen-Verbande behufs Er­langung der Aufnahme als österreichischer Staats­bürger nachgesucht.

11059. Der Königliche Landrath.

J. V.:

Heeg, Kreissekretair.

PodtifcQe Nachrichten.

Deutschland.

Die Kaiserin feierte am 30. September in Baden-Baden im engsten Familienkreise die Vollen­dung ihres 70. Lebensjahres. Zweierlei Umstände verleihen diesem festlichen Tage eine besondere Bedeutung, dadurch, daß er für die hohe Frau gleichsam das Fest der Genesung nach langer und schwerer Krankheit bildete und daß es ihr außerdem vergönnt war, kurz vorher dem schönen Doppel- feste am badischen Hofe beizuwohnen. Das deutsche Volk nimmt darum diesmal besonders innigen Antheil an diesem für seine Kaiserin so bedeutungs­vollen Tage; möge die Gunst des Himmels es der hohen Frau gestatten, noch oft die Wiederkehr ihres Geburtstages im Kreise ihrer Lieben zu feiern.

Die Nachricht, daß sich Herr von Schlözer, der deutsche Gesandte in Washington, bereits am 26. September auf seinen Posten zurückbegeben 'habe, war verfrüht, da Herr von Schlözer sich erst am Mittwoch an Bord desHerder" in Hamburg nach New-Aork eingeschifft hat. Ueber die Rückkehr des deutschen Gesandten in Washington auf seinen, längere Zeit nur intermistisch verwalteten Posten sind mancherlei Vermuthungen laut geworden, denen gegenüber betont werden muß, daß der Re­gierungswechsel in Nord-Amerika die Anwesenheit unseres Vertreters doch auf alle Fälle erfordert,

da ja Deutschland sehr bedeutende Interessen in Amerika wahrzunehmen hat. Hauptsächlich dürfte es sich bei der ferneren Anwesenheit Herrn von Schlözers in Washington um die Erledigung der schon längere Zeit zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten schwebenden Naturalisations­und Auslieferungsfrage handeln und erst nach Abschluß der bezüglichen Verhandlungen wird sich ergeben, ob der genannte Diplomat auf seinem bisherigen Posten verbleibt oder was allerdings wahrscheinlicher ist abermals als außerordent­licher Gesandter der preußischen Regierung nach Rom geht.

Vor einigen Tagen war in einem Wiener Blatte das Gerücht von einer Begegnung der Kaiser von Oesterreich und Rußland in Granica an der russisch- galizischen Grenze aufgetaucht und es hieß weiter, daß auch Kaiser Wilhelm dieser Begegnung bei­wohnen würde. Schon in Wiener Hofkreisen ist dieses Gerücht entschieden dementirt worden und jetzt wird dasselbe auch von Berlin aus als unbe­gründet bezeichnet, wenigstens, soweit es sich um die Theilnahme des deutschen Kaisers handelt, da ver­sichert wird, daß Kaiser Wilhelm nach der Rück­kehr von den Jagden in Mecklenburg für dieses Jahr keine weiteren Reiseausflüge geplant habe.

In Karlsruhe wurde am 27. September die badische Generalsynode unter dem Vorsitze des Professor Bluntschli (Heidelberg) eröffnet; unter den vorn Präsidenten des Oberkirchenrathes einge­brachten elf Vorlagen befanden sich der Entwurf für die Feier eines gemeinsamen Reformationsfestes in der evangelischen deutschen Landeskirche, sowie eines Leitfadens für den Religionsunterricht in den Schulen.

Der bayerische Landtag ist am Mittwoch durch den Prinzen Luitpold im Auftrage des Königs feierlich eröffnet worden.

Oesterreich-Ungarn.

Nachdem schon die am 24. September erfolgte Eröffnung der wichtigsten Landtage Cisleithaniens das politische und parlamentarische Leben in Oester­reich-Ungarn in lebhafteren Fluß gebracht hat, ist am 28. September auch der ungarische Reichstag zusammengetreten. Der Kaiser und König eröffnete denselben durch eine Thronrede, welche zunächst die Vorlagen erwähnte, mit welchen sich der Reichs­tag zu beschäftigen haben wird. Ferner berührte die Thronrede die wichtigen Interessen des öffent­lichen Bildungswesens und lenkte die Aufmerksam­keit von Neuem auf die Neuorganisation des unga­rischen Oberhauses. Weiter erklärte die Thronrebe, daß der Kaiser erfreut sei, versichern zu können, daß der gute Wille der Mächte, zeitweise aufge­tauchte Fragen friedlich zu lösen, fortdauere und dieser Umstand wie auch die freundschaftlichen Be­ziehungen Oesterreich-Ungarns zu den Mächten be­rechtigten den Kaiser zu der Erwartung, daß seine Völker auch ferner die Segnungen des Friedens würden ungestört genießen können.

Frankreich.

In Frankreich dauert die Aufregung über die Enthüllungen desJntransigeant" bezüglich des Geheimnisses der Expedition von Tunis" fort. Die Angriffe, welche Rochefort in diesen Ent­hüllungen gegen Gambetta schleudert, dem er in dem erwähnten Artikel bekanntlich vorwirft, sich durch dastunesische Geschäft" um Millionen be­reichert zu haben, erregen natürlich den höchsten Zorn der gambettistischen Presse und dieRep. iranQaise meint, daß sie es gar nicht nöthig habe, Gambetta und seine Freunde gegen den Schuft, der sie beschimpfe, zu vertheidigen. Rochefort setzt trotzdem seinen Feldzug gegen Gambetta ruhig fort

und er kann dies einstweilen auch ungestört thun, da die öffentliche Meinung in Paris sich augen­scheinlich über die Stellung, welche sie in dieser neuen Taffaire scandleuse einzunehmen hat, noch nicht klar ist. Präsident Grevy "gedenkt am 3. Oktober nach Paris zurückzukehren, um dann in einem demnächst stattfindenden Ministerrathe die Entscheidung über die Zeit der Einberufung der Kammern herbeizuführen.

England.

Die englische Regierung scheint es den störrischen Iren gegenüber jetzt mit Milde versuchen zu wollen, da aus Dublin die Freilassung des Pater Sheehy und vier anderer irischer Gefangener gemeldet wird. Freilich bewegt sich das Whia-Cabinet in seiner irischen Politik in mancherlei Widersprüchen, denn noch vor Kurzem erklärte der Staatsfecretair für Irland, Mr. Förster, auf eine Eingabe irischer Deputirter um Freilassung der politischen Gefan­genen in Irland, daß die englische Regierung hierzu die Zeit noch nicht für gekommen erachte. Die Landligisten werden nun jedenfalls nicht verfehlen, aus dieser plötzlichen Nachgiebigkeit des englischen Cabinets Capital für ihre Zwecke zu schlagen.

Rußland.

Von dem Organ der russischen Regierung, dem Journal de St. Petersbourg", wird jetzt bemer- kenswerther Weise bestätigt, daß der Inhalt der vom PestherEgyetertes" indiscreter Weise ver­öffentlichten Depeschen über die Kaiserzusammen­kunft in Danzig wesentlich der Lage entspräche. Nur hinsichtlich des Ausdruckesunerwartete Mäßigung des Fürsten Bismark" spricht das Journal einen bestimmten Zweifel aus, denn das russische Cabinet habe nicht nöthig gehabt, die Danziger Zusammenkunft abzuwarten, um sich eine Meinung über die politischen Anschauungen des berühmten Kanzlers zu bilden. Unter allen Umständen habe aber die Jndiscretion des ungarischen Blattes den bestimmten Erfolg gehabt, alle Zweifel und Miß­verständnisse über den äußerst befriedigenden Cha­rakter der Danziger Zusammenkunft für den all­gemeinen Frieden zu beseitigen.

Schweden.

Das schwedische Kronprinzenpaar ist am Abend des 28. September in Gothenburg, der reichsten und größten Handels- und Hafenstadt Schwedens eingetroffen, wo das hohe Paar mit begeistertem Jubel empfangen wurde. Der Landeshauptmann hielt eine Ansprache, in welcher derselbe die hohen Neuvermählten willkommen hieß und woraus der Kronprinz erwiderte.

Orient.

Von der Balkanhalbinsel ist in der letzten Zeit wenig die Rede gewesen; erst die letzten Tage haben bedeutsamere Nachrichten gebracht, die in­dessen erfreulicher Weise von einer allmäligen eintretenoen Consolidirung der dortigen Verhält­nisse berichten. Für das Fürstenthum Bulgarien ist ein Staatsrath eingesetzt worden, der aus 8 gewählten, 4 vom Fürsten ernannten und 3 rechts­kundigen Mitgliedern bestehen wird. In einem Ministerrathe unter Vorsitz des Fürsten Milan von Serbien wurde beschlossen, daß das gegen­wärtige serbische Cabinet unverändert in seinen Functionen verbleiben solle; von Griechenland ist zu melden, daß König Georg eine Reise in die neuen griechischen Provinzen angetreten hat und am Mittwoch in Arta (Epirus) eingetroffen ist.

Nord-Amerika>

In Cleveland im Unioüsstaate Ohio hat am