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seit einigen Tagen die hiesigen Kriminalpolizisten Finke und Grunewald am dortigen Platze; denselben ist es nun, wie ich erfahre, gelungen, gestern zwei schon bestrafte Personen zu verhaften, die in dem dringenden Verdacht stehen, die er­wähnten Diebstähle ganz oder theilweise verübt zu haben. Nähere Nachrichten sind abzuwarten. (H. M.) Kassel, 14. Juni. Wegen schweren Raubes, wobei die Tödtung eines Menschen erfolgte (§. 251 des Reichs-Str.-G.), wurde der Dienstknecht I s ke aus Jmmighausen (Waldeck) zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtheilt.

Hanau, 11. Juni. In Grotz-Auheim fand man gestern Mittag bei der z. Z. bewirkten Abtragung des jenseitigen Ufers z w e i m e n s ch l i ch e S k e l e t t e (ein jüngeres mäunl., ein älteres weibl.), welche muthmatzlich etwa 70 Jahre (aus dem Jahre 1813) unter den angeschwemmten Sandschichten ge­legen haben konnten, regelmäßig nebeneinander. Von Kleidern und Sarg keine Spur, die Knochen (besonders die Zähne des jungen Mannes, dessen Weisheitszähne noch nicht durchgebrochen waren), ganz gut erhalten.

Der junge Fritz.

Humoristische Erzählung von Emil Eolbe.

(Fortsetzung.)

„Rappelt's Ihnen im Oberstübchen, Herr Vrann?" lachte die gutmüthige Agathe und bog sich dann zur Seite, um durch den, an welchem die Reihe des Suchens war, nicht etwa unversehens überrascht zu werden.

Ihr Lachen beseligte ihn. So freundlich, so ge- ,..........—

duldig war bei seiner Liebeserklärung noch niemals gekommen sein mußte, denn ein Paar entsetzlich langer ein weibliches Wesen geblieben. „Jetzt oder nie!" ' und dürrer Beine, mit sehr defekten Beinkleidern dachte er und ließ sich sogleich auf beide Kniee: und Stiefeln versehen, baumelten daraus hervor, nieder, fest entschlossen, die vorige, bewährt gefun- Sie gehörten natürlich Jeremias Braun, der bei dene Pantomime mit obligatem Stöhnen zu wieder- j seinem Nahen den Kopf zurückwandte und lachend holen, sobald Agathe ihm das holde Antlitz zuwandte. z sagte:

" " .™ — „Ein prächtiger Versteck — wie? Es ruht sich

hier zehn mal molliger, als in Abraham's Schooße." Mit mißgünstigen Blicken sah der Rentier auf den Glücklichen herab. „Wäre da vielleicht auch uoch Platz für mich?" fragte er endlich.

„I gewiß, in Fülle", lautete die Antwort Braun's dem es prächtig paßte, sich die Langeweile mit Plümke vertreiben zu können.

Der Letztere kroch denn auch in das Faß hinein. Gerade mollig war es des beschränkten Raumes wegen dort nicht, im Gegentheil, kaum ausznhalten; aber die Gewißheit, seinem Feinde damit einen Hauptstreich zu spielen, ließ ihn alles ertragen.

Als nun Beide, wie die Häringe eingepökelt, neben einander lagen, begann Jeremias: „ Eine Ge-

Leider hatte der ewige Pechvogel die Distance zwischen sich und der Geliebten nicht richtig abge­schätzt, in Folge dessen seine Kniee gerade auf der Schleppe ihres Kleides den Ruhepunkt fanden. Als sich Agathe nun mit einer schnellen Bewegung nach hm umwandte, da krachte es laut und das nagel­neue Kleid riß an der Taille entzwei.

Agathe war seelensgut, wie die Korpulenten es durchschnittlich sind, allein auch die Gutmüthigkeit der Besten hat ihre Grenzen. Das wirklich brave Mädchen hätte gewiß nicht einmal einer Fliege weh thun können; das Abreißen des Kleides ließ jedoch selbst sie Gefühle empfinden, die alles Andere, nur nicht gerade liebende genannt werden konnten. Und so wollte sie eben den Mund öffnen, um den noch immer vor ihr knieenden und schauderhafter denn je stöhnenden Jammer-Jeremias derbe den Stand­punkt klar zu machen, als Held, der inzwischen seine Niederlage in Bezug auf Helene wenigstens einiger­maßen verscherzt hatte, und nun sein Glück bei Agathe versuchen und deshalb ihren Versteck theilen wollte, im vollen Laufe herbeigerannt kam, und da er den knieenden Kollegen übersah, mit ganzer Wucht über diesen zu Boden stürzte.

Jeremias brüllte, als wenn er am Spieße steckte, Held, der bei dieser Gelegenheit zu seinem Aerger einen Konkurrenten in ihm entdeckte, hatte nur Verwünschungen für sein Opfer kein Wunder, wenn die ganze Gesellschaft in Aufruhr gerieth und zur Hilfe herbeieilte. Agathe lag dagegen naturgemäß Alles daran, in dieser immerhin etwas pikanten Situation von der Gesellschaft nicht betroffen zu werden. Es blieb ihr daher nichts anderes übrig, als Braun, der noch immer wie ein Klotz auf

ihrer Schleppe lag, vermittelst eines tüchtigen Ruckes davon zu entfernen und dann in das Haus zu flüchten, um sich dort umzukleiden.

Den Bitten der jungen Welt nachgebend, nahmen bald darauf selbst Aktuars am Spiele theil, in Folge dessen auch Plümke zeigen mußte, was seine Beine trotz ihrer Kürze leisten konnten. Weit her war es damit allerdings nicht, denn sogar Frau Lehnert wie Agathe überholten im Laufen den kleinen Mann. Fast noch mehr als dieses verdroß es ihn, daß die jungen Herren, welche den als Geizhals und Wucherer Verrufenen innerlich ver­abscheuten, sich die günstige Gelegenheit, ihn mit Witzen und anzüglichen Bemerkungen zu regaliren, keineswegs entgehen ließen.

Endlich wurde Plümke, der vor Müdigkeit kaum noch kriechen konnte, im Suchen von Fritz abgelöst, und nun schlich er sich in den äußersten. Theil des Gartens. Seine Absicht war, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und sich dort zum Versteck ein Plätzchen zu erwählen, an dem der verhaßte Fritz ihn wohl gar nicht oder erst nach langem Suchen zu finden vermochte, welches sich aber auch

zugleich möglichst gut zum bequemen Ausruhen eignete.

Sein Herz klopfte vor Wonne, als er eine der Länge nach auf der Erde liegende und an einer Seite offene große Wassertonne erblickte. „Wenn ich da hineinkrieche", sprach er frohlockend zu sich selbst, „bin ich ja am Ziele meiner Wünsche. Und wenn der Amerikanersich todt sucht, was mir schon ganz angenehm wäre, findet er mich dort nicht."

Näher an die Tonne gekommen, nahm er zu seinem Aerger wahr, daß ihm schon Jemand zuvor-

fälligkeit ist der anderen werth. Wie ist es, alter Herr, können Sie mir vielleicht mit einer Cigarre aus der Noth helfen?"

„Bedaure, aber ich rauche nicht."

„Aus Geiz, alter Herr?"

Uebrigens muß ich Sie doch ersuchen, mich endlich mit der sonderbaren Titulatur „alter Herr" zu verschonen; es hört sich das wirklich nicht hübsch an, wenn man erst 49 Jahre zählt und dabei kräftig und kerngesund ist. Mau nennt mich gewöhnlich „Herr Rentier Plümke."

Na, nehmen Sie es nur nicht übel, Herr Rentier Plümke. Leider vergesse ich immer ihren Namen, und da Sie ungeheuer altmodisch aussehen, konnte ich doch nicht „junger Herr" sagen. Unter uns ge­sprochen, hielt:ch Sie bereits für einen wackeren Sechzigender, um so mehr, da Sie fast gar keine Haare mehr auf dem Kopfe haben. Sagen Sie, alter Herr — wollte sagen, Herr Rentier Plümke,

weshalb schaffen Sie sich eigentlich keine Perrücke an? Die würde Ihnen keinen Pfennig kosten. Sie brauchen ja nur von Ihrem nächsten Opfer doppelte Zinsen, also etwa 160 statt 80 Prozent zu nehmen."

„Herr Braun", muckte Plümke auf, „ich ver­bitte mir ganz entschieden alle solche, mindestens ganz überflüssige Bemerkungen."

„Ganz wie Sie wollen; also von etwas Anderem. Wie wäre es, wenn Sie mir morgen 200 Thaler pumpten? Die könnte ich wirklich brauchen. Als Sicherheit würde ich Ihnen nicht nur einen Wechsel, sondern auch meine Garderobe mit Ausnahme eines Anzugs geben. Aber diesen" — und er zeigte mit der Hand auf seinen langen Hals — „darf es nicht kosten. Sie verstehen mich schon, alter Herr Kravattenmacher — wollte sagen, Herr Rentier Sßlihiife"

„Na warte", dachte Plümke, „geräthst Du Galgenvogel, einmal in Noth und kommst dann zu mir, soll die Rache süß sein. Aber eine laute Antwort gab der Kleine nicht mehr, sondern stellte sich stockftaub.

Schließlich vermochte es Jeremias nicht mehr ohne Cigarre in Plümke's nächster Nähe auszu- halten, infolge dessen er sich einen anderen Versteck aufsuchte. Wer war froher darüber als der Rentier? Jetzt machte er sich's bequem in der Tonne und streckte seine müden Glieder nach Herzenslust aus, was ihm sehr wohl that.

Es fehlte Fritz gewiß nicht an Schlauheit, diesmal war ihm jedoch Plümke darin fast über, denn er konnte diesen längere Zeit nicht auffinden. End­lich kam er von hinten an die Nähe der Tonne, und seinen scharfen Augen entging es nicht, daß Jemand in derselben lag. Da alle Anderen von ihm bereits in ihren Verstecken aufgestöbert waren, konnte es nur der Nachbar sein. (F. f.)

— Ein entsetzlicher Unglücksfall ereig­nete sich, wie die „Reich." Ztg. berichtet, in der vorigen Woche in Barzdorf bei Niemes. Der Wirthschaftsbesitzer B., ein allgemein geachteter und strebsamer Landwirth, bediente sich zur Einreibung eines kranken Pferdes einer Mixtur, die nach Ge­brauch, nicht wohl aufbewahrt, seinen Kindern auf eine unerklärliche Weise in die Hände gelangte. Das älteste derselben, ein Mädchen von ungefähr 9 Jahren, spielte den „Doktor" und rieb zuerst ihre jüngeren drei Geschwister und dann sich selbst mit der erwähnten Mixtur die Augen ein. Die traurigen Folgen stellten sich sehr bald ein. Die Augen begannen aus dem Kopfe herauszutreten, das Weiße derselben wurde unter ungeheurem Schmerze der bedauernswerthen Wesen allmählich schwarz, und nach kurzer Zeit waren sämmtliche vier Kinder des genannten Wirthschastsbesitzers vollständig erblindet. Der Schmerz der unglück­lichen Eltern kennt keine Grenzen, sie sind ob des schrecklichen Vorfalles der Verzweiflung nahe. Für Eltern aber möge dies neuerdings eine Mahnung sein, derartige Sachen vor Kindern in möglichst sichere Verwahrung zu bringen.

— M ä d ch e n r a u b. Die griechische Räuber­bande, deren Hauptmann der berüchtigte Niko ist, hat sich kürzlich eine grauenvolle That zu Schulden kommen lassen. Sie entführte vor Kurzem zwei junge Mädchen im Alter von 17 Jahren, Töchter von verschiedenen Eltern, und verlangte eine Summe Geldes als Lösegeld für dieselben. Einer der Väter zahlte das Lösegeld und erhielt seine Tochter zu­rück. Dem andern aber, der das Lösegeld nicht rechtzeitig zahlte, wurde die Leiche seines Kindes in neun Theile zerstückelt, zugesandt.

A Bs Z E 1 €1 E M.

Iagd-Ierpachtung.

Die der hiesigen Gemeinde zuste­hende Iazdgerechtfame soll an­derweit auf 6 Jahre verpachtet werden, und ist Termin hierzu auf Montag den 27. Juni d. J.

Vormittags 10 Uhr

in die Wohnung des Unterzeichneten anberaumt, wozu Pachtliebhaber mit dem Bemerken eingeladen werden, daß die Bedingungen im Sennin be­kannt gemacht werden.. Untergeis, am 14. Juni 1881.

Der Bürgermeister V a n p e l.

Die erste Etage in meinem IHause, neu eingerichtet, ist zu vermiethen und kann sofort oder später bezogen werden. C. Sauer, Weißbindermeister.

Aekanntmachung.

Sonnabend den 18. Juni er.

Nachmittags 3 Uhr

sollen zu WipperShai» 2 Kühe öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung verkauft werden. Hersfeld, den 15. Juni 1881.

Windelten, Gerichtsvollzieher.

Auf dem Rittergut Meisebach sind im Juni eine Protze Quantität Mastard-IerKet abzugeben, auch steht daselbst ein W“ , , Autle, Frankenrace, zum Verkauf.

F. Null.

Trockne u. in Oel geriebene

M«LG»

sowie

Lack^Firniss

empfiehlt

G. A. Pfaff.

MM”, Hb- mä SMHhj

Mützen

in Seide, Tuch und Backskin empfiehlt

J. Otto,

Linggsplatz.

Safgsisaarsr Landw.

Msstoltaigs-Logse

ä 1 Mark

(Ziehung am 9. Juli.)

Frizlarer Pserdemarkt-Loose

a 3 Mark

(Ziehung am 14. Juli) sind geg. Einsendung od. Nachnahme d. Betrags durch uns zu beziehen.

Th. Dietrich & Co., Cafsel.

/^.ie Wittwe des verstorbenen Metzgermeisters Peter Wolff ist Willens ihre in der Frnuen- straße gelegene Scheuer, nebst Stal- iung, Hintergebäude und Hofraum sowie 2 Keller zu verpachten.

Kotzveraöfolgczettet empfiehlt

L. Funks Buchdruckerei.