horrende Kosten gemacht? Unter uns wäre das ja gar nicht nöthig gewesen. Spottbillig und dennoch Pikfein, das ist mein Wahlspruch", fügte der Kleine mit einem bewunderten Blicke über seine eigene Persönlichkeit hinzu.
Nicht mehr im Stande, ihr Lachen zurückzu- halten, retirirten Agathe, Rosa und Helene in das Nebenzimmer.
„Herrliche Mädchen!" fuhr der Nachbar fort, ihnen nachsehend und dabei kokett wie ein junger Lieutenant die beiden ohnehin haarscharfen Spitzen seines Schnurrbarts drehen. „Muß unser Einem da nicht die Wahl sauer werden? Aber zu ängstigen brauchen Sie sich deshalb nicht; am nächsten Freitage ist die festgesetzte Frist vorüber und dann setze ich Sie sofort von meiner Entscheidung in Kenntniß."
„O, wir vergönnen Ihnen herzlich gern noch viel längere Zeit dazu", antwortete der Aktuar verdrießlich. Minna hielt es dagegen für gut, dem Nachbar wenigstens in einer Hinsicht schon jetzt den Staar zu stechen, und theilte ihm deshalb mit, welche Gäste sie noch ferner erwartete.
Im Nu war Plümke's Grinsen verschwunden und sein Gesicht verlängerte sich zusehends.
„Also vier Stück junge Leute!" eiferte er, „das ist ja, nehmen Sie mir es nicht übel, in Ihrer Lage eine unverantwortliche Verschwendung, aber auch zugleich schreiendes Unrecht gegen mich. Mindestens hätten Sie mit der Einladung der Herren so lange warten müssen, bis meine Wahl unter Ihren Töchtern erfolgt ist. So etwas hätte ich Ihnen wirklich nicht zugetraut."
Lehnert ballte heimlich die Faust, seine Gattin erwiderte dagegen: „Sie können es uns doch unmöglich verargen, Herr Nachbar, wenn wir für die Zukunft unserer Kinder Sorge tragen; das ist ja unsere Pflicht. Auch würden Sie doch immer höchstens nur eine von ihnen heirathen können."
Gerade jetzt ließ sich Fritz Bradford, der aus der Stadt heimgekehrt war, auf der Bank vor dem Hause nieder, nnd da ein Fenster der Wohnstube offen stand, entging ihm kein Wort von deck, was dort gesprochen wurde.
„Larifari, dazu wäre auch einige Wochen später Zeit gewesen!" muckte Plümke wieder auf. „Was die Schreiber anbetrifft, so würden mich die am Ende nicht gar zu schr in Harnisch bringen, aber die Einladung des Monsieur Fritz kann ich Ihnen nimmermehr verzeihen. Das ist ja ein abscheulicher Mensch, ein Bummler schlimmster Sorte, M dem lieben Gott jeden Tag abstiehlt, um allerlei Allotria und Gewaltthätigkeiten zn verüben. Mir völlig unbegreiflich, weshalb Sie ihm nicht schon den Laufpaß gegeben haben."
„Warte, Du alter Vampyr", murmelte der da draußen, „wir rechnen noch mit einander ab."
Auch Aktuars ärgerten sich ungemein über Plümke's unverschämtes Gebühren, und wenn sie sich bezwängen und es schweigend duldeten, so geschah es nur aus uns längst bekannten Gründen.
Ganz ungestraft sollte übrigens der Kleine doch nicht davonkommen, denn mit einem Male stand Helene, welche im anstoßenden Zimmer seine letzten Bemerkungen vernommen hatte, mit der Haltung einer zürnenden Königin auf der Thürschwelle und warf ihm einen langen, unbeschreiblich verächtlichen Blick zu. Von der jetzt selbst ihn blendenden Schönheit des jungen Mädchens betroffen, glotzte er dasselbe wie ein Kümmeltürke an, doch schon rm nächsten Augenblicke schlugen die Worte an sein Ohr: . . ... ., ,
„Herr Plümke, Sie kennen ja Herrn, Bradford noch so gut wie gar nicht, was verleiht ^hnen mithin das Recht, sich ein solches gehässiges und ganz falsches Urtheil über denselben zu erlauben? Der Herr mag zuweilen etwas zu fröhlich, zu
übermüthig sein; nun das ist bei seiner Jugend wohl zu entschuldigen. Jedenfalls hat er sich trotz seines kurzen Aufenthalts im Hause bereits nicht nur unsere Hochachtung, sondern auch unsere aufrichtige Dankbarkeit erworben, und so werden Sie begreifen, wie peinlich uns Ihre Bemerkungen und Rathschläge in Bezug auf den Herrn sein müssen."
Sprach's und verschwand ebenso schnell, wie sie gekommen war.
Fritz, der seinen eignen Ohren kaum zu trauen gewagt hatte, lächelte wie ein Seliger. Am liebsten hätte er in der Wonne seines Herzens ein lautes Hurrah angestimmt; da das jedoch nicht gut anging, machte er sich leise aus dem Staube.
Drinnen in der Stube waren Aktuars durch die Scene so überrascht, daß sie gar nicht wußten, wie sie sich dabei benehmen sollten. Innerlich freuten sie sich nicht wenig darüber, daß wenigstens Helene dem unverschämten Nachbar einigermaßen den Standpunkt klar gemacht hatte, äußern durften sie jedoch dergleichen Nicht. Ganz niedergedonnert war Plümke.
Was sagen Sie dazu, Herr und Frau Aktuar ?" stöhnte er endlich. „Ist so etwas schon seit Schöpfung der Welt dagewesen?"
Glücklicherweise enthob Lehnert'sdas Erscheinen des zweiten Gastes einer Antwort. Es war dies Brückner, ein ganz manierliches, aber auch gewöhnliches Menschenkind im Benehmen und Kleidung
Wenige Minuten später trat oder purzelte vielmehr Jeremias Braun in das Zimmer hinein, denn gleich bei der ersten Verbeugung, die recht im- ponirend ausfallen sollte, hatte er das Malheur auszugleiten und der Länge nach auf den Fußboden zu fallen, wobei feine Kleidung einen höchst bedenklichen Riß erhielt. Und doch hatte er alle Ursache, dieselbe zu schonen. Die Beinkleider waren nämlich auffallend eng und für seine, fabelhaft langen Beine entschieden zu kurz. Im Besitz eines kleinen Fußes und dazu passender, feiner Stiefeln hätte das immerhin wenigstens den Vortheil gehabt, diesen Reiz in das denkbar günstige Licht zu stellen; allein Jeremias lebte leider auf einem sehr großen Fuße, und die Bekleidung desselben hätte ihrer himmelschreienden Mangelhaftigkeit wegen höchstens auf einen Flickschuster einen gewissen Eindruck machen können.(F. t)
Znlwort auf die «frage: „wie unterscheiden sich dieDartchnskuffen nach Raiffeisen's illuster von den Vorschuß - Vereinen nach 8chnltze-
Detilsch?"
(Schluß.)
Es muß nun noch ein Punkt besprochen werden, in welchem beide Arten von Kreditkassen verschieden sind. Die Sicherheit für diejenigen, welche den Vorschußvereinen sowie den Darlehnskassen ihr Geld borgen, liegt in der solidarischen Haft sämmtlicher Mitglieder mit ihrem ganzen Vermögen. Für die Gläubiger hat es also keine eigentlich durchschlagende Bedeutung, wenn die Vereine noch ein eignes Vermögen haben, sie sind doch genügend gesichert. Für die Vorschußvereine und die Darlehnskassen selbst ist dies aber von größerer Wichtigkeit. Wenn eine Krisis hineinbrechen sollte, so kann ihnen das eigne Vermögen nicht entzogen werden, die geborgten Kapitalien s aber können gekündigt werden. Der Kreditverein in Kassel besitzt 43,26g von dem Kapital, mit welchem er arbeitet, als eignes Vermögen 2,034,920 Mark in Geschäftsantheilen, und einen Reservefond von 199,808 M. An fremdem geborgten Geld hatte er 2,932,000 M. int Geschäft. Er hat seinen Umsatz im Jahr 1880 von 39,800,000 mit einem Kapital von 5,167,000 M. gemacht, im Ganzen ist aber das
eigne Vermögen der Vorschuß- und ähnlichen Ver- etne weit geringer.
In dem erwähnten Jahresbericht für 1879 wird angegeben, daß mit Einrechnung von 642 Konsumvereinen und 42 Baugenossenschaften, 3202 Genossenschaften mit einem Kapital, welches auf 580,000,000 M. veranschlagt wird, gewirthschaftet haben, davon seien 180,000,000 M. eignes Kapital der Vereine gewesen, und 400,000,000 M. fremdes geborgtes Geld, also rund 32g eignes Geld. Dieses eigne Kapital hat aus zirka 94 £ Geschäftsantheilen und 6 § Reservefonds bestanden, denn die Vorschußvereine bedürfen neben dem eignen Kapital ihrer Geschäftsantheile keine großen Reservefonds.
Den Darlehnskassen, die alle ohne nennenswerthes eignes Vermögen ihren Betrieb begannen, sind zwar bis jetzt noch keine Nachtheile aus diesem Mangel erwachsen, doch ist es sehr zu empfehlen, bei Zeiten dafür Sorge zu tragen, daß sie, wenn eine Krisis einmal hereinbrechen sollte, gerüstet sind, dieselbe leichter zu überstehen.
Die Darlehnskassen mögen also darauf bedacht sein, ein eignes Kapital sich durch den im Betrieb gemachten Gewinn möglichst rasch zu beschaffen, 25—30 Prozent des Kapitals, womit sie arbeiten, wird zu ihrer Sicherheit vollständig genügen.
Wir haben nun gesehen, weshalb die Vorschußvereine nach Schultze-Delitsch den Wucher nicht ausznrotten vermögen, wir haben weiter gesehen, warum die Darlehnskassen nach Raiffeisen, die aus dem Westerwald das wirklich gethan haben, dies leisten konnten, und ersehen daraus, daß sie denselben Dienst auch uns leisten können, ich darf darum sagen, das Lamentiren muß aufhören und der That Platz machen, wo man aus Unlust und Geistesträgheit sich nicht dazu aufraffen kann, den Kampf mit den rechten Mitteln aufzunehmen, darf man sich nicht wundern, wenn man dann dem Wucher auch schließlich zum Opfer fällt.
Kassel. __________________ Thon.
Ueber Blähungen.
Das Eümchmen von Nahrung bringt stets auch einen Zugang von Lust in den Magen und von da in die Gedärme mit sich. Dazu tritt die Entwicklung von Gasen, welche beim Verdauen von schwerverdaulichen Nahrungs- stosfen, die sich leicht zersetzen in jenen Organen vor sich geht. Steht jedoch dem Entweichen der Gase aus dem Darmkanal ein Hinderniß entgegen, oder entwickeln sie sich in zu großer Menge, wozu ein krankhafter Zustand des Verdauungsapparates den Anlaß gibt, so tritt ein kolikartiges Schmerzgefühl (Leibschneiden) ein, der Leib wird aufgetrieben, der Patient fühlt ausstrahlende Schmerzen in den benachbarten Organen und Körpergebilden, hat Athcmnoth, Beklemmungen, ja Ohnmachten werden hervor« gerufen, Blutandrang, Kopfweh, hartnäckige Verstopfung rc. stellen sich ein, der Kranke fühlt eine bedeutende Abspannung und Müdigkeit, die sich des Körpers bemächtigt undjmacht den Patienten glauben, er sei von einem schweren inneren Leiden ergriffen. Allerdings können Blähungen, welche ja meistens durch Unverdaulichkeit und Verstopfung hervorgerufen werden, zu ernsteren Leiden Anlaß geben. Man behandelt und beseitigt die Blähungen am besten, wenn man die Ursache derselben zu entfernen sucht und ihren Austritt auf natürlichen Wege gestattet. Scharf wirkende und stark abführende Mittel sind durchaus zu verwerfen, denn nur dadurch, daß man auf die Darmparthien in milder, an« regender Weise einwirkt uird die Thätigkeit des Darmes fördert und kräftigt, wird man sich dieses oft sehr lästigen und auch gefährlichen Gastes entledigen.
Unter denjenigen Arzneimitteln, deren Wirkung ärztlicher Scits sehr lobend anerkannt wird, wie sich Jedermann auS der Zahl ärztlicher Gutachten, welche in den meisten Apotheken zu haben sind, leicht überzeugen kann und welche in ihrer Zusammensetzung keine, dem Körper nachlheiligen Stoffe enthalten, nehmen die Apotheker Rich. Brandts Schweizerpillen die erste Stelle ein. Allen Kranken, deren Leiden in der gestörten Thätigkeit des Verdauungsapparates zu suchen ist, wie Hämmorrhoiden, Hypochondrie, Magcu- und Darmschmcrzcn rc. können diese wirklich heilenden Schweizerpillen bestens empfohlen werden. Ihr Preis ist ein so niedriger, daß selbst der Aermste sie anwenden kann und zwar werden dieselben nur in Blechdosen mit 50 Pillen zu 1 Mark und 15 Pillen zu 35 Pfge. verkauft.
AIZEIUEI.
Submission.
Hur Erbauung eines Verbiu- drnigS'Weges von 2,5 Kilometer Länge zwischen den Orten Leimba ch und Malges im Streife Hunfeld, Baubezirk Hersfeld, sollen die,hierzu erforderlichen Erd-, Befesttgnnqs- und Chaussirungs - Arberten nebst Ka»alausführnugen im Wege der öffentlichen Submission in 2 Loosen getrennt, an einen Unter- uehmer vergeben werden.
Offerten hierzu sind portofrei, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum
Montag den 20. Juni er.
Bormittags 11 Uhr
au den Unterzeichneten einzureichen, und wird deren Eröffnung um die angegebene Zeit in Gegenwart der etwa erschienenen Submittenten statt- finden.
Die Bedingungen, Zeichnungen und Jnhaltsberechnungen sowie die vorgeschriebenen Submissionsformu- lare resp. Massen- und Preisverzeichnisse liegen während der Nachmiltags- stunden täglich fron 2 Uhr ab in meinem Bureau hierselbst zur i Einsicht auf, und können auch gegen Erstattung der Copial-Gebühren von da bezogen werden.
Außerdem ist der Wegebau-Aufseher iPetzold in Eiterfeld — in dessen i Bezirk der Weg erbaut wird — angewiesen, etwaige Unternehmungslustige bei Begehung der Wegetrace
zu begleiten und die nöthige Ansknnft zu ertheilen.
Hersfeld, am 23. Mai 1881.
Der ständische Baumeister
Xylander.
Zur Veraccordirung folgender in demPfarreigebändezn seeklar erforderlichen Arbeite», als:
1) das Weißen und Tapezieren mehrerer Zimmer,
2) der Oclanstrich von 18 Fenstern! und 12 Thüren,
3) die Herstellung von 4 neuen Fenstern
ist Termin auf
Dienstag den 7. Juni d. J. Mittags 12 Uhr
1 in die Wohnung des Unterzeichneten
anberaumt worden, wozu Accordlustige eingeladen sind.
Mecklar, den 27. Mai 1881.
Der Bürgermeister
__Jffland.
IreiwiLige^ Verweigerung.
Äm Dienstag den 7. Juni c.
Bormittags 10 Uhr
läßt der Gasverwalter Herr Reuß zu Hersfeld auf der Ane bei Friedcwald ein Osen Ziegelsteine circa 50,000 Stück
in einzelnen Parthieen gegen ZahlungsAusstand versteigern.
Fiedewald, den 26. Mai 1881.
Geller, Gerichtsvollzieher.