daß für die Rheimfch-Westfälische Industrie, nicht minder aber auch für den Bergbau das Zustandekommen dieser Bahnlinie von großer Wichtigkeit ist; es kann deshalb die allseitige Förderung des Projekts nicht warm genug empfohlen werden. __(Essener Zeitung.)
Der junge Fritz.
Humoristische Erzählung von Emil Colbe. (Fortsetzung.)
Ein vollendeter Attentäter mußte der junge Herr wohl noch nicht sein, denn er stand wie ein armer Sünder da, und selbst der Ton seiner Stimm klang seltsam verändert und auffallend weich, als er, Lehnert die Hand reichend, sagte: „Unter solchen Umständen, Herr Aktuar, thut es mir aufrichtig leid, Ihnen wehgethan zu haben. Mein Ehrenwort darauf, daß es, wenigstens in dieser Beziehung, nie wieder geschehen soll! Und so bitte ich Sie recht sehr, mir diesmal verzeihen zu wollen,"
Schon nach Verlauf der nächsten halben Woche hatte Fritz sich vollständig bei Lehnerts eingebürgert; allerdings kein Wunder, da er treulich Wort hielt und bei weitem die meisten Stunden des Tages im Familienkreise zubrachte. Freilich klagten alle über ihn, denn seine Ungenirtheit blieb beständig dieselbe, und wenn er Jemand einen kleinen Schabernak spielen konnte, geschah es sicherlich. Auch war man vollkommen einig in dem Urtheile, daß es keinen verzogeneren, übermüthigeren, mit einem Wort unausstehlicheren jungen Mann geben könne, als ihn.
Und dennoch hätte ihn, vielleicht mit Ausnahme Helenen's, sicherlich Niemand missen mögen; ging es seit dessen Eintreffen doch unendlich belebter und heiterer im Hause zu als früher. Auch gebrach es ihm keineswegs ganz an guten Eigenschaften. Unterhaltend war er immer, und hatte er, was allerdings oft genug vorkam, Jemand durch einen Scherz etwas verletzt, so bereute er das gleich darauf, und ruhte nicht eher, als bis ihm Verzeihung dafür zu Theil geworden. Kleine Geschenke zu machen, war fast eine Leidenschaft bei ihm. Papa Lehnert erfreute er oft durch Cigarren von einer Vorzüg- lichkeit, wie dieser sie bisher nur vom Hörensagen gekannt hatte, die Frau Aktuar durch in der Wirthschaft ebenso angenehm als nützliche Sächelchen, wie Früchte, Wildpret und dergleichen, die jungen Damen hauptsächlich durch Bücher und Bouquets.
Sogar nützlich suchte sich der junge Mann zu machen. So übernahm er, als wenn sich das von selbst verstände, die Pflege des Gartens und arbeitete jeden Morgen darin wie der fleißigste Tagelöhner umher. Da er seine Sache verstand, ferner aus den umherliegenden Gärtnereien manche Blume, manchenStrauch kommenließund indenLehnert'schen Garten verpflanzte, war der letztere nach kurzer Zeit kaum wiederzuerkennen.
Während die übrigen Familienmitglieder es sehr bald gleichsam als ihr unabänderliches Geschick betrachten, sich von Fritz necken, ärgern, aber auch amüsiren und erfreuen zu lassen, und somit gar nicht mehr dagegen ankämpften, beharrte Helene noch immer in einer Art von Opposition ihm gegenüber und gestattete ihm namentlich nicht die geringste Vertraulichkeit. Und doch unterhielt er sich gerade mit ihr am liebsten, wie er sie auch bei jeder Gelegenheit sichtbar bevorzugte. Was half es ihm, daß er sie bald „stolze Lady", bald „spröde und total ungemüthliche Prinzessin" titulirte und im nächsten Augenblick wieder versicherte, er würde dennoch nicht eher ruhen, als bis sie beide Freunde geworden, und zwar die besten, denn die härteste Nuß hätte immer den süßesten Kern. Nichts, gar nichts. Helene blieb kühl und zurückhaltend gegen ihn fast wie am ersten Tage, was ihn zuweilen unverkennbar recht schmerzlich berührte.
Aber auch einen entschiedenen Feind hatte sich der neue Miether bereits in der kurzen Zeit zugezogen, und zwar keinen geringeren als den Nachbar Plümke. Dieser staunte nicht wenig, als er eines Tages durch das Guckloch im Zaune einen ihm wildfremden jungen Mann bei Lehnert's wahrnahm, der dort ganz wie zu Hause that, uud mit den Mädchen lachte uud scherzte, als wenn es gar keinen
Plümke in der Welt gäbe. Was hatte der in dem Gehege zu suchen, welches er bereits als das seine betrachtetes Er haßte Fritz denn auch sehr bald wie die Sünde und klebte förmlich am Guckloche, sobald dieser sich auf dem Hofe oder im Garten seinen ließ*
Wenn Fritz auch noch nicht das Geringste von dem eigenthümlichen Verhältnisse wußte, welches zwischen Plümke und der Familie Lehnert bestand, so vernahm er doch genug im Hause, um zu begreifen, zu welcher Sorte von Ehrenmännern der Nachbar gehörte, und daß man ihn bei Aktuars nichts weniger als gern hatte. Grund genug für ihn, Plümke auch seinerseits nicht mit Gefühlen besonderer Zuneigung zu beehren. Das steigerte sich bedeutend, als er dessen spionirende Augen sehr häufig am Guckloche bemerkte.
Diese Unart muß man dem lächerlich neugierigen Nachbar gründlich abgewöhnen, dachte Fritz, und richtig, als er sich eines Tages allein auf dem Gehöft befand und Plümke ihn wieder durch das Guckloch anstarrte wie eine Boa Constrictor ihre Beute, ergriff er schnell einen Stein und schleuderte ihn so nahe dem Loche und mit solcher Vehemenz gegen den Zaun, daß dem Nachbar die wenigen Haare, welche er noch aus dem Kopfe hatte, förmlich zu Berge standen und er mit einem gellenden Angstgeschrei davonflüchtete.
Als der junge Mann lachend Bericht über dieses Rencontre im Hause abstattete, erschrak man dort nicht wenig. Um Plümke einigermaßen zu besänftigen, mußte man sich endlich zu dem schweren Schritte bequemen, ihn zur Gesellschaft am Sonntag einzuladen. Natürlich geschah dieses auch in Bezug auf Fritz, obgleich das Zusammentreffen der beiden Gegner zu manchen Befürchtungen Anlaß bot.
Fast schien es, als wenn der Himmel selbst seine Lust daran hatte, daß es auch einmal bei Lehnert's recht fröhlich hergehen sollte, denn ein schöneres Wetter, als dasjenige, welches an dem dazu bestimmten Sonntage auf Erden lachte, konnte sich kaum der ärgste Hypochonder wünschen.
In prächtiger Laune und rothgeblümtem Schlafrock spazierte der Aktuar, die unvermeidlich lange Pfeife schmauchend, schon am Morgen des Tages im Wohnzimmer auf und nieder. Die vor Spannung und Wonne strahlenden Gesichter seiner Töchter, welche mehr tanzten als gingen, ließen ihn heute in doppelten Vaterfreuden schwelgen. Was seine Gattin anbetraf, so theilte diese nicht nur seine Freude sondern empfand auch eine nette Portion Stolz darüber, daß ihr Kopf die herrliche Idee mit der Gesellschaft ausgeheckt hatte.
„Hm!" lächelte jetzt Lehnert, „dachte nicht, daß die Geschichte mir so viel Spaß machen würde. Ist doch wirklich ein ganz molliges Gefühl, auch einmal einen kleinen Jux in seinem Hause veran- stalten zu können. Freilich, wären die Zimmer nicht so brillant vermiethet worden, dann wurde es etzt recht trübe bei uns aussehen. Wenn der Tausendsassa, der Fritz, nur wenigstens heute manierlich seist und das Schabernackspielen lassen möchte. Plümke ist schon ohnehin wüthend auf ihn. Platzen die Beiden auf einander, dann geht es ohne einen Krach sicherlich nicht ab."
„Laß mich nur sorgen", beruhigte ihn die Gattin. „Ich werde Fritz in dieser Beziehung einen Wink geben, und das genügt, denn mir zu Liebe thut er alles."
„Und Plümke muß einfach stets mit allerlei Eß- und Trinkbarem überhäuft werden; das besänftigt ihn, selbst wenn er noch so kuurrig ist", fiel Agathe ein. (F. f.)
Üntoort auf die frage: „Wie unterscheiden sich die Darsetjns&afleii nach AaMseu'ö Jkuster von den Vorschuß - Vereinen nach 8chuttze-
Detitsch?"
(Fortsetzung.)
Wir geben in Folgendem eine kleine Uebersicht von Abschlüssen, soweit sie uns bekannt geworden und bemerken, daßU. — Umsatz, M. = Mitgliederzahl, D. — Dividende bedeutet.
u.
M.
D.
Kassel
'39,800,000
3999
61
Ariern
4,057,595
531
15
Breslau
66,264,490
4132
6
Buttstätt
1,338,355
442
10
Brandenburg
13,701,513
267
12
Cönnern
1,947,462
161
5
Cöthen
224,898
217
6
Erfurt
18,359,811
1081
8
Eckartsberga
239,046
202
6
Frankenhausen
5,575,394
8|
Freiburg a. 11.
2,445,812
383
9
Freibürg ij Schl.
1,524,382
510
7
Gardelegen
1,373,916
537
10
Halberstadt
7,814,048
1018
8
Halle a!S.
9,062,450
647
111
Herzberg
936,531
736
8
Hamburg
64,732,929
3962
10
Homburg v. d. Höhe 3,234,010
519
71
Leipziger Kredit-und
Sparbank
79,624,244
612
8
Leipziger-Kredit-B.
42,647,175
10
Mühlheim a. d. Ruhr 4,308,918
290
7
Merseburg
15,987,798
1202
6$
Meerane
1,952,360
443
10*
Naumburg
15,267,868
991
8;
Posen
4,886,863
197
T
Perleberg
899,811
310
9
Planen
49,101,492
10
Querfurt
4,633,023
1011
10
Roßleben
218,116
136
Rudolstadt
1,226,651
922
8
Stettin
77,718,738
1101
5
Salzungen
4,551,138
1514
6
Schandau
2,285,998
427
6
Weimar
22,870,994
1065
8
Wettin
585,243
7
Weißenfels
3,659,760
810
12z
Zeitz
1,464,058
552
7
2) Die Mitglieder können über einen weiten Bezirk zerstreut wohnen, meistens über den ganzen Kreis und auch noch darüber hinaus.
3) Die Geschäfte werden durch Beamte verwaltet, welche für ihre Arbeit Gehalte und Tantiemen beziehen.
4) Die Gelder werden nur auf | Jahre ausge- liehen, was bei dem raschen Umsatz der Gelder im kaufmännischen Verkehr genügt. Prolongation kann stattfinden.
5) Es werden alle Arten kaufmännischer Geschäfte getrieben, z. B. Wechsel angekauft.
Die Einrichtungen der Darlehnskasfen nach Raiffeisen weichen in allen diesen Punkten von den Vorschußvereinen nach Schultze-Delitsch ab.
1) Die Bestimmung hoher Geschäftsantheilewürde die Gefahr herbeiführen, daß ein großer Theil der ärmeren Mitglieder, für welche die Darlehnskasfen von besonderer Wichtigkeit sind, wenn ihre Geschästs- antheile bis zu einer nennenswerthen Höhe ange- wachsen sein würden, z. B. 150 M., der Versuchung erliegen würde, auszutreten, um die für sie erhebliche Summe in die Hände zu bekommen, und auf die großen Vortheile, welche die Kasse ihnen bietet, des augenblicklichen Nutzens wegen verzichteten. Man setzt die Geschäftsantheile deshalb auf 20—30 M. fest, oder verzichtet ganz auf dieselben, wenn der Handelsrichter das gesetzlich für zulässig erachtet, ein Punkt, worüber nicht alle übereinstimmen. Diese Einlagen werden nicht höher verzinst, als die angeliehenen Gelder, über diesen Zinsfuß hinaus als nur eigentliche Dividende wird nichts gegeben, sondern der ganze Gewinn wird Eigenthum der Kasse. Auf diese Art wird ein eigenes Kapital gebildet.
2) Die Mitglieder wohnen nur in den wenigen Ortschaften, für welche die Darlehnskasse gebildet worden ist, werwegzieht, verliert dadurch die Mitgliedschaft. (F. f.)
5MT Der heutigen Nummer d. Bl. liegt für sämmtliche Abonnenten der FahrPlan über die zwischen Berlin und Frankfurt a. M. via Nordhausen coursirenden Schnell- und Tourierzüge bei.
AI^ÜIOEI.
1 Forstpolizeigesetzes vom 1. April 1880
I bestraft werden.
Hersfeld, am 18. Mai 1881. t Der städtische Forstverwalter
i Pfannkuchen.
150 Ctr. Heu
sind abzugeben.
Wo sagt die Exped. d. Bl.
Die Benutzung des durch den hiesigen Stadtwald führenden sog. Wackenwegcs zur Abfuhr der Basaltsteine aus dem-Bruch ander Haukuppe, in der Kömgl. Oberförsterei H ersfeld, ist verboten. Zuwiderhandlungen werden nach §.10 und nach §. 30 pos. 1 des Feld- und
ZaB-Verpichümz.
Die der hiesigen Gemeinde zustehende Jagdgerechtsame soll änder- weit auf 10 Jahre verpachtet werden und ist Termin hierzu auf Sonnabend den 21. Mai c.
Vormittags 10 Uhr
in die Wohnung des Unterzeichneten
anberaumt, wozu Pachtliebhaber mit dem Bemerken eingeladen werden, daß die Bedingungen im Termin bekannt gemacht werden.
Obergeis, am 7. Mai 1881.
Der Bürgermeister Opfer.
Kotzveraöfokgezettek
; empfiehlt.
L. Fullks Buchdruckerei.