Allgem. Gewerkschaftsbundes. Druck und Expedition der schweizerischen Vereinsbuchdruckerei, verboten worden sind, wird aus Grund des §. 12 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 die fernere Verbreitung des Blattes „Arbeiter- stimme" im Reichsgebiete hierdurch verboten.
Berlin den 3. Mai 1881.
Der Reichskanzler. In Vertr.: Eck.
Frankreich.
Der Abschluß des Garantie-Vertrags zwischen Frankreich und dem Bey von Tunis ist von den französischen Kammern natürlich mit vielem Beifall ausgenommen worden, in welchen selbst die Mitglieder der Rechten mit eingestimmt haben. Ebenso begrüßt man im Lande die Erwerbung Tunesiens — denn das französische Protectorat über Tunis bedeutet thatsächlich nichts anderes — mit großer Befriedigung und mit Stolz blickt man auf die junge Armee, der dieses Werk in so kurzer Zeit gelang. Welche hochfliegende Pläne man in Frankreich bereits an die Erwerbung von Tunis knüpft, beweist eine Aeußerung des officiösen „Telegraphe", in welcher Tunesten als die geradeste und sicherste Straße nach Timbuctu und zum Nigerthale bezeichnet wird, ein weites und nutzbringendes Reich, das sich einst ausschließlich und unbedingt unter die Schutzherrschaft Frankreichs stellen werde. Das Reich der Karthager in französischen Händen — das ist die glückverheißende Perspective, welche sich in den Augen der französischen Zukunftspolitiker für Frankreich eröffnet.
Italien.
Das italienische Ministerium Cairoli hat nun doch das Zeitliche gesegnet. König Humbert hat das Entlassungsgesuch des Cabinets angenommen und Sella mit der Bildung des neuen Ministeriums beauftragt; Sella nahm den ihm ertheilten Auftrag an. Ob es indessen Sella gelingen wird, dem Parlamente gegenüber eine feste Stellung einzu- nehmen, ist sehr fraglich, denn die zerfahrenen Parteiverhältnisfe in letzterem machen es sehr schwierig, eine sichere Majorität zu finden, auf welche sich das neue Cabinet stützen könnte, es wird also auch Sella nichts anderes übrig bleiben, als mit dem Regierungsschiff zwischen den einzelnen Parteiklippen hin und her zu laviren, um vielleicht doch noch einen sicheren Ankergrund zu finden.
Rußland.
Das jüngste Manifest des Kaisers Alexander III. bedeutet in erster Linie das Wiedererstarken der slawophilen Partei in Rußland, wie sie durch die Aksakow, Jgnatieff, Katkow ,u. s. w. repräsentirt wird. Zugleich hat dasselbe Veränderungen im russischen Cabinet zur Folge gehabt, welche für die nächste Zukunft Rußlands ohne Zweifel von einschneidender Bedeutung sein werden. Die Minister Loris-Melikow, Abasa und Miljutin haben ihre Entlassung eingereicht, welche vom Kaiser auch angenommen worden ist. Die Genannten sind aber die Hauptträger der reformatorischen Ideen in Rußland ^und ihr Scheiden aus dem Cabinete beweist, daß die reactionäre Richtung in den russischen Regierungskreisen wieder die Oberhand gewonnen hat, sicherlich nicht zum Heile Rußlands. — Die wegen der Theilnahme an der Ermordung Kaiser Alexander II. zum Tode verurtheilte Nihilistin Jesse Helfmann hat nach einer Meldung der „Wiener Presse" eine Fehlgeburt im Gefäng- nisse gemacht; es muß sich nun entscheiden, ob die Helfmann das Schicksal der Perowska theilen und den Tod durch den Strang noch erleiden soll.
Bulgarien.
Fürst Alexander von Bulgarien hat in voriger Woche die diplomatischen Vertreter der Mächte empfangen und ihnen feine Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben, die Regierung weiter zu führen, falls die Nationalversammlung sich seinen Wünschen geneigt erweisen sollte. Der Ministerpräsident General Ehrenroth theilte später den Diplomaten mit, in Anbetracht der verworrenen politischen Verhältnisse sehe sich der Fürst dazu genöthigt, für mehrere Jahre die vollständige Aufhebung der gegenwärtigen Verfassung zu verlangen, sobald indessen die Verhältnisse geregelt seien, sollten die verfassungsmäßigen Zustände wieder hergestellt werden. Wie Nachrichten aus Sofia besagen, dürfte die Nationalversammlung in die von Fürst Alexander verlangte Aenderung der Verfassung schließlich doch willigen.
Afrika.
Der Friede zwischen den kriegerischen Aschanti's an der Küste von Guinea und den Engländern ist nunmehr vollständig wieder hergestellt. Der König der Aschanti's, Effnah Cobil, hat eine große Gesandtschaft nach der englischen Militairstation Prahsue geschickt, durch welche er den Engländern erklären ließ, daß die ihm zugeschriebenen kriegerischen Absichten nur Verläumdungen seitens seiner Feinde seien, schließlich ließ er den englischen Gouverneur bitten, den Vermittler zwischen den Aschanti's und der Königin Victoria machen zu wollen.
PMWe Mchn'chtm.
Deutschland.
Die Commission zur Berathung des Unfallversicherungsgesetzes hat entgegen rüheren Annahmen, bereits in voriger Woche die zweite Lesung des Entwurfes beendigt. Zur Raschfeit der Commissiousverhandluugeu hat der Umland wesentlich beigetragen, daß die auf der Grnud- i age particularistischer Landesversicherungsanstalten zwischen dem Centrum und den beiden conservativen Parteien abgeschlossene Vereinbarung Erschüttert geblieben ist. Das Gesetz wurde in der Schlußabstimmung mit 17 gegen 10 Stimmen angenommen; in der Minorität befanden sich 6 Nationalliberale, 3 Fortschrittler und der Abgeordnete Servals von der Gruppe Schauß. Die Berathung des Gesetzes im Plenum dürfte erst in nächster Woche statt- finden.
Der Bundesrath hielt am vergangenen Sonnabend eine Sitzung, in welcher derselbe die Vorlage der Reichsregierung wegen Erhöhung eines Mehlzolles und Einführung eines Traubenzolles nach den Anträgen der Ausschüsse angenommen hat.
Die Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und dem Hamburger Senate bezüglich des Zollanschlusses von Hamburg, zu welchen auch der hanseatische Ministerresident in Berlin, Dr. Krüger, hinzugezogen worden ist, sind wieder in lebhafteren Fluß gerathen. Man nimmt daher in Berliner Regierungskreisen an, daß die Verhandlungen in nicht ferner Zeit zu einem formellen Abschlüsse gelangen werden.
Die dem Reichslage zugegangene Zusatzconvention zu dem deutsch-chinesischen Handels- und Schifffahrts- vertrage vom 2. September 1861 besteht aus 10 Artikeln, welche äußerst wichtige Bestimmungen für unsere Handelsinteressen enthalten. Nach Artikel 1 soll es fernerhin auch im Hafen Wüsung in der Provinz Kiangsu deutschen Schiffen gestattet sein, zeitweilig anzuhalten, um Kaufmannsgüter einZunehmen oder abzuladen. In Artikel 3 räumt China Deutschland das Recht zur Errichtung von Entrepots in allen denjenigen Häfen ein, wo das Bedürfniß dafür auftritt. Dafür hat Deutschland Garantien für eine leichtere Controle und Bestrafung der Uebertretung ober Umgehung der bestehenden Zollsätze und Verordnungen zu übernehmen. In Artikel 7 gesteht China zu, daß Materialien für deutsche Docks zollfrei sind, was deutscherseits als eine sehr werthvolle Concession bezeichnet wird. Nach Artikel b bleibt die Erledigung der Fragen, welche die Ausübung der Gerichtsbarkeit in gemischten Fällen, die Beteuerung deutscher Waaren in China, die Beteuerung chinesischer Waaren im Besitze deutscher, n China wohnhafter, Kaufleute und die Beziehungen zwischen deutschen und chinesischen Beamten betreffen, besonderen Verhandlungen vorbehalten. Der Convention ist eine sehr eingehende Denkschrift beiaegeben.
In Reichstagskreisen wird es als bestimmt versichert, daß die Ernennung des Regierungspräsidenten von Wolff in Trier zum Cultusminister eine vollzogene Thatsache sei und daß deren Veröffentlichung erfolgen werde, sobald der Minister v. Puttkamer die Leitung des preußischen Ministeriums des Inneren definitiv übernimmt.
Oesterreich-Ungarn.
In Oesterreich steht ein neuer Sturm auf die Volksschulgesetzgebung bevor. Der Lienbachersche Antrag auf Herabsetzung der achtjährigen Schulpflicht, welchen man durch den bekannten ablehnenden Beschluß des Herrenhauses beseitigt glaubte, wird demnächst seine Auferstehung in veränderter Form feiern. Das Executiv-Comitä der Feudalen und Clericalen hat sich dahin schlüssig gemacht, von einer Erweiterung der Competenz der Landtage abzusehen, dagegen gesetzlich festzustellen, daß es der freien Verfügung der Eltern überlassen fein soll, ob sie im 7. und 8. Schuljahre ihre Kinder noch in die Schule schicken wollen. In dieser Gestalt soll der Antrag abermals in beiden Häusern des Parlaments eingebracht werden und man glaubt, daß er diesmals die Zustimmung auch des Herrenhauses finden werde.
Aus Heffen-Rassari»
88 Hersfeld, 18. Mai. Am 16. d. M. hat sich die Dienstmagd Elisabeth Berg er, 16 Jahre alt, aus Friedewald und seit dem 1. Januar d. I. in Diensten des Lumpenhändler Oppenheim zu Schenklengsfeld in der Scheune ihres Dienstherrn erhängt. Die Motiven hierzu sind noch nicht bekannt.
Hanau, 14. Mai. In Praunheim wurden gestern zwei Individuen aus dem Fuldaischen unter dem Verdachte des Giftmordes verhaftet und in das Gefängniß zu Bockenheim verbracht. Diese Greuelthat, welche bis jetzt in tiefes Dunkel gehüllt war, soll, wie dem „Franks. Beobachter" milgetheilt wird, auf ganz eigenthümliche Weise an's Licht gefördert worden sein. Eine dort lebende Wittwe empfing von einem Hausiusaffen eine Rechnung für derselben geleistete Dienste, baare Auslagen rc., auf welcher dem Vernehmen nach eine nicht unbeträchtliche Summe verzeichnet gewesen ist und unter welcher der Vermerk stand, die Kosten für die Vergiftung ihres Mannes wären damit nicht inbegriffen. Das Schriftstück wurde dem dortigen Ortsvorstande gebracht, worauf die sofortige Verhaftung des Rechnungsausstellers sund seines Complicen veranlaßt wurde. Das Nähere wird die gerichtliche Untersuchung ergeben und bleibt deshalb weitere Berichterstattung vorbehalten.
Hanau, 16. Mai. In Bruchköbel ereignete sich vor einigen Tagen ein höchst bedauernswerther Unglücksfall, indem die Schürze eines kleineren Kindchens, welches in der Küche in der Nähe des Herdes spielte, Feuer fing, so daß dasselbe im Nu von Flammen umhüllt war. Trotz sofortiger Hülfe ist gestern daS Kind seinen Verletzungen erlegen.
Frankershauseu, 14. Mai. Ein armer Tagelöhner dahier holte heute mit einem geborgten Geschirr in Begleitung seines jetzt zu Ostern aus der Schule entlassenen Sohnes ein Fuder Reisig vom Meisner nach Hause. Anstatt daß, wie es die Vorsicht gebietender Sohn vor oder hinter dem beladenen Wagen gegangen wäre, ging er neben demselben her. Aus einer abhängigen Stelle des Waldweges fiel der Wageu um und so unglücklich auf den Knaben, daß derselbe, als der Wagen abgeladen und wieder aufgerichtet, bereits todt war. Dieser Unglücksfall ist um so bedauerlicher, als die armen Leute mit großer Familie hoffen durften, nunmehr an diesem ihrem ältesten Kinde eine Stütze und Hilfe zu bekommen. Möchte dieses traurige Ereigniß dazu beitragen, daß beim Holzabfahren mit mehr Vorsicht zu Werke gegangen wird.
Düsseldorf, im Mai. Auf Einladung des Vereins für wirthschaftliche Interessen waren am vergangenen Dienstag den 3. Mai in der hiesigen Tonhalle eine namhafte Anzahl Vertreter von Handelskammern erschienen, um über die Begründung einer Eisenbahn von Alt e n h u nd e m an der Ruhr-Siegbahn nach Hersfeld mit even- tneller Verlängerung nach Gerstungen zu berathen. In derselben Angelegenheit war auch der Vorsitzende des für diesen Zweck gebildeten Central- komites, der Landrath Herr Freiherr von Broich, erschienen. Letzterer erstattete einen eingehenden, interessanten Bericht über die Zweckmäßigkeit, Nothwendigkeit und Bedeutung dieser Bahnlinie in erschöpfender, höchst anregender Weise. Die Linie Altenhundem-Hersfeld ist in ihrer verkehrsbezüg- lichen und strategischen Bedeutung stets und allseitig anerkannt. Dieselbe macht sich erkennbar durch das große Ländergebiet, welches sie überhaupt aufzuschließen berufen ist; eine Läudergruppe, welche bisher zum großen Theil trotz ihrer Fruchtbarkeit und der in ihr ruhenden mineralischen Schätze nicht zu gedeihlicher Entwickelung gelangen konnte, einestheils, weil ihr noch der Nerv des Verkehrs — die Eisenbahnen — fehlte, anderntheils durch erschwerte Zufuhr Alles dessen, was ihr fehlt, in dürftiger Abgeschlossenheit verharren muß. Das directe Verkehrsgebiet dieser projektirten Bahnlinie umfaßt eine Landstrecke von circa 105 Quadratmeilen mit annähernd 400 000 Einwohnern. Der Herr Landrath von Broich, welcher seine ganze Kraft der Ausführung dieses bedeutungsvollen Werkes widmet, hatmitbewundernswerther Energie die selbstgestellte Aufgabe gefördert; er wußte mit seltenem Geschick alle Interessen auf diese eine Linie zu vereinigen und wird nicht allein von einem thatkräftigen Komite, bestehend aus den hervorragendsten Persönlichkeiten der Gegend, sondern auch von der ganzen Bevölkerung derselben auf's Wärmste unterstützt. Der gestellte Antrag, bei dem Herrn Minister für öffentliche Arbeiten die Ausführung des Projekts zu unterstützen, fand daher allseitige Zustimmung und wurde eine vom Herrn Generalsekretär Bueck in lichtvoller Weise ausgeführte Eingabe an den Herrn Minister einstimmig genehmigt und von den Anwesenden vollzogen. Ein Blick auf die Karte beweist überzeugend,